mini|Traditionelle und moderne Siedlungsform in Singapur, Toa-Payoh-Distrikt in der Zentralregion Eine Siedlung, auch Ansiedlung, Ort oder Ortschaft, abgekürzt Sdl. oder SDL,Institut für Geschichtliche Landeskunde Rheinland-Pfalz (Hrsg.): Abkürzungen im Ortslexikon (PDF). 26. Januar 2005, abgerufen am 5. September 2023. ist ein geographischer Ort, an dem sich Menschen niedergelassen haben und zum Zwecke des Wohnens und Arbeitens zusammen leben. Der Begriff Siedlung bezieht sich in der Regel auf sesshafte Lebensformen, d. h. auf dauerhaftes, zumindest langfristiges Wohnen in Gebäuden. In diesem Fall spricht man auch davon, dass Menschen an einem Ort oder in einer Region siedeln oder sich dort ansiedeln (siehe auch Siedler).

Die Menschen wohnen unter Umständen zunächst in Behelfsbauten oder temporären Bauten, bevor dauerhaft genutzte Gebäude errichtet werden. Bei behelfsmäßigen Unterkünften oder Schlafplätzen, die von vornherein nur für eine kurze Nutzung vorgesehen sind, spricht man eher davon, dass ein Lager aufgeschlagen oder aufgebaut wird (z. B. Zeltlager, Feldlager, Ferienlager, Basislager, Protest-Camp). Flüchtlingslager werden meist mit einem provisorischen Charakter errichtet, können sich jedoch zu einer dauerhaften Siedlungsform entwickeln.

Siedlungen können sehr unterschiedliche Ausmaße haben, vom Einsiedlerhof über Dörfer bis zum Ballungsraum mit mehreren Millionen Einwohnern. Ab einer bestimmten Größe gehören heute zu einer funktionsfähigen Siedlung in der Regel auch Baulichkeiten der Wirtschaft, der Kultur, des Sozial- und des Verkehrswesens. Siedlungen und Orte haben meist einen eigenen Ortsnamen (auch Siedlungsname, fachlich Oikonym).

Abweichend davon werden auch Ortsteile oder Trabantenstädte bestehender Ortschaften als Siedlung bezeichnet, die als geplante Stadtteile angelegt wurden; häufig sind es Wohngebiete in offener Bauweise. Das betrifft insbesondere Großwohnsiedlungen, größere genossenschaftliche Wohnanlagen, Trabantenstädte, aber auch Siedlungen aus sogenannten Siedlungshäusern (Kleinsiedlungen). Bei letzteren wird der Begriff Siedlung teilweise einfach zum Namen des Ortsteils, insbesondere wenn der Kernort eher dörfliche Dimensionen hat (z. B. Trogen, Ortsteil Siedlung).

Informelle Siedlungen sind ohne Genehmigung und ohne Eigentum an Grund und Boden errichtet.

Archäologie In der Archäologie dient der Begriff Siedlung als neutrale Bezeichnung für jeden Fundort mit Häusern, Hütten oder sonstigen Strukturen, die zu Wohnzwecken dienten. Die Aufenthaltsdauer kann dabei zwischen einigen Tagen und mehreren Jahrhunderten, wenn nicht Jahrtausenden liegen (Tell). Auch Einzelhäuser werden als Siedlung bezeichnet.John Chapman: Meet the ancestors: settlement histories in the Neolithic. In: Douglass W. Bailey, Alasdair Whittle, Daniela Hofmann (Hrsg.): Living well together? Settlement and materiality in the Neolithic of South-East and Central Europe. Oxbow Books, Oxford 2008, S. 68–80. Der Begriff Dorf setzt die Existenz gemeinsam genutzter Strukturen oder Einrichtungen voraus.Herbert Jankuhn: Einführung in die Siedlungsarchäologie. De Gruyter, Berlin 1997, S. 114.

Siedlungsformen Siedlungen werden in verschiedene Siedlungsformen (synonym Siedlungstypen) eingeteilt. Diese können in reiner Form auftreten, meistens jedoch vermischen sich mehrere Siedlungsformen, vor allem wenn Siedlungen wachsen.

Häufig bestehen in größeren Kommunen verschiedene Siedlungsform nebeneinander. Als in der unmittelbaren Nachkriegszeit in Deutschland 11 Millionen Heimatvertriebene aufgenommen werden mussten, entstanden Neubaugebiete mit gleichförmigen Haustypen („Siedlungshaus“), häufig entlang einer Straße in der Peripherie der Ortschaften. Die Einwohnerzahl vieler Ortschaften in ländlichen Gebieten verdoppelte sich im Verlauf des Siedlungsbaus der 1950er Jahre.

Auch für die in den 1990er und 2000er Jahren ankommenden Aussiedler und Spätaussiedler musste neuer Wohnraum geschaffen werden. Zudem gab es in den neuen Bundesländern vergleichsweise wenige Einfamilienhäuser. So entstanden nach der Wende wieder neue „Siedlungsgebiete“, die jedoch individueller und großzügiger angelegt wurden als nach dem Krieg.

Unterscheidung nach der Größe der Siedlung Bereits ein Grundstück mit einem einzelnen bewohnten Gebäude kann eine Siedlung sein. Eine Einzelsiedlung umfasst ein einzelnes Gebäude oder zwei benachbarte Gebäude, ein Weiler besteht aus wenigen Gebäuden. Für sehr kleine Siedlungen mit nur einem oder wenigen Gebäuden gibt es verschiedene, teils nur regional übliche Bezeichnungen, etwa Gehöft oder Einöde.

Um eine internationale amtlich-statistische Vergleichbarkeit zu erzielen, hat die Statistical Commission der Vereinten Nationen eine kleinste siedlungsgeographische Einheit definiert, die „Siedlungseinheit“ (SE, ). Die Untergrenze passt sich der Siedlungsstruktur des Staates an.

In der topographischen Siedlungskennzeichnung der Statistik Austria unterscheidet man: Einzelhof, Einzelhaus, Einöde, Einschicht: ein oder zwei benachbarte Gebäude Weiler: drei bis neun Gebäude (in engerer Lage, sonst etwa Rotte, Häusergruppe, Zerstreute Häuser) Dorf: geschlossener Ort mit zehn oder mehr Gebäuden (gewachsen, sonst etwa Rotte, Häusergruppe, Zerstreute Häuser)

Vor allem in Norddeutschland ist Flecken eine Bezeichnung für eine kleinere, aber lokal bedeutende Siedlung. Es kann sich um ein Dorf oder eine Stadt oder auch um einen Ortsteil handeln. Eine Bauerschaft ist im niedersächsisch-westfälischen Sprachraum eine ländliche Siedlungsform, die sich häufig nur aus wenigen, verstreut gelegenen Bauernhöfen zusammensetzt; es bestehen Ähnlichkeiten zu der Siedlungsform eines Weilers.

Kleine Siedlungen werden ab einer gewissen Größe „Dorf“ genannt, mittlere und große Siedlungen „Stadt“. Diese grobe Unterscheidung stimmt jedoch in der Praxis nicht immer mit den Gegebenheiten überein. Dorf ist ein Begriff der ländlichen Siedlungsstruktur, und das Recht, die Bezeichnung Stadt zu führen, ist in Europa nicht unmittelbar von der Einwohnerzahl abhängig, sondern vom Stadtrecht (die kroatische Stadt Hum hat etwa 30 Einwohner).

In Deutschland unterscheidet man – sofern die Siedlung den Titel „Stadt“ trägt – nach Einwohnerzahl: Landstadt: unter 5.000 Einwohner Kleinstadt: 5.000–19.999 Einwohner Mittelstadt: 20.000–99.999 Einwohner Großstadt: 100.000 Einwohner und mehr

Städte mit mehr als 1 Million Einwohner werden als Millionenstadt bezeichnet, darüber hinausgehende Agglomerationen als Megacity. Die Bezeichnung Metropole bezieht sich nicht allein auf die Größe einer Stadt. Eine Metropole ist eine Großstadt, die ein politisches, soziales, kulturelles und wirtschaftliches Zentrum einer Region oder eines Landes bildet.

Unterscheidung nach Anordnung der Gebäude

Neu erstellte Siedlungen haben oft ganz spezielle Formen. Mit der Zeit verschwindet die charakteristische Form jedoch oft. Aber vor allem in dörflichen Siedlungsformen bleibt die Form oft lange Zeit erhalten.

Folgende Formen werden unterschieden:

Festungsstadt: Eine Siedlung, die vor allem aus dem Gesichtspunkt der Verteidigung erstellt wurde. Festungsstädte fallen vor allem durch riesige Wehranlagen auf, denen sich die gesamte weitere Planung zu unterwerfen hat. Gartenstadt: Eine sehr weitläufige Siedlungsform, in der Stadt und ländliches Wohnen vereint werden sollen. Geometrische Stadt: Eine nach geometrischen Gesichtspunkten gebaute Stadt. Die Straßen können z. B. rechtwinklig angeordnet sein, oder kreis- und strahlenförmig um einen Mittelpunkt. Haufendorf: In dieser Siedlungsform sind die Gebäude alle eng zusammen gebaut, ohne einer geometrischen Ordnung zu folgen. Reihendorf: Eine sehr schmale und langgestreckte Siedlungsform. Oft mit Feldern direkt hinter den Häusern. Marschhufendorf: Ein Reihendorf, das einem Entwässerungsgraben im Marschland folgt. Straßendorf: Eine Siedlung, in der sich alle Gebäude an eine einzige Straße reihen. Waldhufendorf: Ein Reihendorf auf einer Rodung. Hagenhufendorf: Ein Reihen-Hufendorf an einem Wasserlauf mit Hecken zwischen den Grundstücken. Deichreihensiedlung: eine beim hochmittelalterlichen Landesausbau hinter den Deich verlegte Häuserreihe. Platzdorf Rundling: Kleinere Siedlungen, in denen alle Gebäude um einen zentralen Platz oder ein zentrales Gebäude angeordnet sind. Wurtendorf: Ein Rundling, der auf einem künstlichen Hügel erstellt wurde. Kraal: afrikanische Siedlungsform Angerdorf: Im Zentrum des Dorfes befindet sich ein Gemeindeplatz. Streusiedlung: Die Gebäude verteilen sich ungeordnet auf eine große Fläche

Unterscheidung nach der Art der Bebauung Beispiele für die Benennung nach der Bauart der Wohnungen oder Häuser:

Höhlensiedlung: Die Häuser wurden in massiven Fels gehauen. Hochhaussiedlung: Die Siedlung besteht vor allem aus Hochhäusern. Großwohnsiedlung: zumeist Geschosswohnungsbauten. Industriesiedlung: In Industriesiedlungen sind vor allem Fabrikanlagen und Mietsblöcke zu finden. Mischgebiet: Gebiet mit Wohnungen und Gewerbebetrieben (Mischung aus Wohngebiet und Gewerbegebiet) Reihenhaussiedlung: Eine Siedlung aus Reihenhäusern. Ökosiedlung: Siedlung, die nach ökologischen Kriterien erbaut wurde. Villenkolonie: Teil einer Stadt mit mehreren Villen in einem begrenzten Gebiet.

Unterscheidung nach gesellschaftlichen Gesichtspunkten Beispiele für Siedlungen, in denen nur Menschen leben, auf die bestimmte Kriterien zutreffen, oder in denen besondere Regeln gelten:

Arbeitersiedlung Eisenbahnersiedlung Feriensiedlung: Diese Siedlung wird nur von Urlaubern während ihres Urlaubs bewohnt. Flüchtlingssiedlung Kibbuz: genossenschaftlich organisierte Siedlung in Israel, in der die Einwohner als Kollektiv leben und arbeiten Kriegsversehrtensiedlung

Siedlungsformen in einzelnen Ländern und Regionen Österreich + Orte in Österreich Land Orte SE Burgenland 850 130 Kärnten 7.500 154 Niederösterreich 11.150 458 Oberösterreich 13.150 312 Salzburg 6.300 114 Steiermark 14.700 222 Tirol 7.150 190 Vorarlberg 2.050 45 Wien 150 4 Österreich 54.700 1.629 Orte: Werte stark gerundet, Stand 2001; SE: Siedlungseinheiten >500 nach Schwerpunkt, exakt, Stand 2010

In Österreich gibt es insgesamt etwa 55.000 – in der Österreichischen Karte (ÖK)/Geonam geführte – Orte (Siedlungsnamen), von Städten bis hin zu Einzellagen.Ortsverzeichnis 2001. 9 Landesbände, jeweils Alphabetisches Verzeichnis: Siedlungsnamen. In: Statistik Austria. S. 5, 117–123, 231–277, 411–469, 417–485, 142–181, 341–417, 197–241, 89–102, 113–114 Dazu kommen noch zahlreiche Gehöfte mit Vulgonamen, die in diesem Kartenwerk nicht verzeichnet sind. Diese Orte sind zu insgesamt 17.368 Ortschaften (Postleitzahlgebieten) und 2.357 Gemeinden (politischen Einheiten) zusammengefasst.

Die Untergrenze der UNO-Siedlungeinheit (SE) wurde in Österreich bei 501 Einwohnern gewählt. Nach dieser internationalen Definition gibt es 1.629 Siedlungseinheiten. Sie umfassen gesamt 1.653.456 Gebäude (71,1 % aller Gebäude in Österreich), ihre Gesamteinwohnerzahl beträgt 6.682.076 (79,8 % der Gesamtbevölkerung), das heißt, ein Fünftel aller Österreicher lebt in Orten unter 500 Einwohnern. Die durchschnittliche Größe einer Siedlungseinheit beträgt 1.015 Gebäude mit 4.102 Einwohnern, liegt also im Bereich einer kleinen Kleinstadt. Andererseits sind ein signifikanter Teil der etwa 2.300 Gemeinde- und ein Gutteil der weiteren 15.000 Ortschaftshauptorte kleiner als 500 Einwohner.