Als Depression ( von ) wird in der Medizin allgemein eine Herabsetzung oder Dämpfung körperlicher oder psychischer Funktionen bezeichnet. Im Speziellen ist hier jedoch eine psychische Störung gemeint, die als Erkrankung den affektiven Störungen zugeordnet wird. Typische Symptome einer Depression sind gedrückte Stimmung, häufiges Grübeln, das Gefühl von Hoffnungslosigkeit und ein verminderter Antrieb. Häufig verloren gehen Freude und Lustempfinden, Selbstwertgefühl, und das Interesse am Leben insgesamt. Leistungsfähigkeit und Lebensqualität sind dadurch beeinträchtigt. Hinzu kommen können eine Vielzahl vegetative Beschwerden. Die Krankheitsursachen sind bislang wenig verstanden, vor allem der biologische Pathomechanismus (ursächlich wirkende Kausalkette von Körpervorgängen). Psychotherapie und Antidepressiva gehören zum standardmäßigen medizinischen Behandlungsangebot.

Die klinische Depression unterscheidet sich von Trauer oder einer vorübergehend niedergeschlagenen, deprimierten Stimmungslage (Dysphorie) durch eine unverhältnismäßig lange Dauer und Schwere. Als ernste, oft folgenreiche Erkrankung entzieht sie sich der Beeinflussung durch Willenskraft oder Selbstdisziplin des Betroffenen. Die Depression stellt eine wesentliche Ursache für Arbeitsunfähigkeit oder Frühverrentung dar und ist der Auslöser für rund die Hälfte der jährlichen Selbsttötungen in Deutschland.

Soforthilfen für Betroffene Viele Online- und Print-Medien fügen bei Berichten im Kontext von Depressionen oder Suizidgefahr oft deutliche Hinweise auf folgende stets direkt zugängliche Sofort-Hilfsangebote für Betroffene hinzu:

Deutschland Bei Suizidgefahr: Notruf 112 Deutschlandweites Info-Telefon Depression, kostenfrei: 0800 33 44 5 33 Telefonseelsorge (0800/111-0-111 oder 0800/111-0-222, Anruf kostenfrei) Kinder- und Jugendtelefon (Tel.: 0800/111-0-333 oder 116-111) Deutsche Depressionshilfe (regionale Krisendienste und Kliniken, Tipps für Betroffene und Angehörige) Deutsche Depressionsliga

Österreich Telefonseelsorge: 142 (Rund um die Uhr, kostenlos & anonym) Psychiatrischer Notdienst / Krisendienst: 01 31330 (Rund um die Uhr erreichbar) Rat auf Draht (für Kinder & Jugendliche): 147 (Rund um die Uhr, kostenlos) BÖP-Helpline (Berufsverband Österreichischer PsychologInnen): 01 504 8000 (Mo–Do 9:00–13:00 Uhr) Ö3-Kummernummer: 116 123 (Täglich von 16:00 bis 24:00 Uhr)

Schweiz Medizinischer Notruf (Psychiatrischer Notfall): 144 Die Dargebotene Hand (Telefonseelsorge): 143 (Rund um die Uhr, kostenlos & anonym) Pro Juventute (für Kinder & Jugendliche): 147 (Rund um die Uhr, kostenlos) Pro Mente Sana (Beratungstelefon bei psychischen Erkrankungen): 0848 800 858 (Mo, Di, Do 9:00–12:00 Uhr & Do 14:00–17:00 Uhr zum Ortstarif)

Verbreitung mini|hochkant=1.3|Weltkarte zeigt die Verbreitung der Depression nach Aussage der Weltgesundheitsorganisation von 2012, pro Millionen Menschen:

In einer internationalen Vergleichsstudie von 2011 wurde die Häufigkeit von Depressionen in Ländern mit hohem Einkommen verglichen mit der in Ländern mit mittlerem und niedrigem Einkommen. Die Lebenszeitprävalenz betrug in der ersten Gruppe (zehn Länder) 14,9 % und in der zweiten Gruppe (acht Länder) 11,1 %. Das Verhältnis von Frauen zu Männern war ungefähr 2:1.E. Bromet, L. H. Andrade, I. Hwang, N. A. Sampson, J. Alonso, G. de Girolamo, R. de Graaf, K. Demyttenaere, C. Hu, N. Iwata, A. N. Karam, J. Kaur, S. Kostyuchenko, J. P. Lépine, D. Levinson, H. Matschinger, M. E. Mora, M. O. Browne, J. Posada-Villa, M. C. Viana, D. R. Williams, R. C. Kessler: Cross-national epidemiology of DSM-IV major depressive episode. In: BMC Medicine. Band 9, 2011, S. 90, doi:10.1186/1741-7015-9-90. PMID 21791035, (Review).

Rund drei bis zehn Prozent der Jugendlichen erkranken an einer Depression. Auch im jüngeren Alter ist die Erkrankung nicht selten.Ulrike M. E. Schulze, Jörg M. Fegert: Psychische, psychosomatische und Verhaltensstörungen. In: Ertan Mayapatek: Pädiatrie. Grundlagen, Klinik und Praxis. München 2019, S. 781.

Die Krankheitslast durch Depressionen, etwa in Form von Arbeitsunfähigkeiten, stationären Behandlungen und Frühverrentungen, ist in Deutschland in den letzten Jahren stark angestiegen.E. M. Bitzer, T. G. Grobe u. a.: Barmer GEK Report Krankenhaus 2011. (= Schriftenreihe zur Gesundheitsanalyse. Band 9). Barmer GEK, 2011. S. 78, ISBN 978-3-537-44109-6. (PDF).Statistik des Rentenzugangs. Deutsche Rentenversicherung Bund (Hrsg.), Statistisches Bundesamt, 2012, gbe-bund.de.Arbeitsunfähigkeit bei erwerbstätigen AOK-Mitgliedern. Statistisches Bundesamt, 2013. www.gbe-bund.de. Es wird angenommen, dass sich die tatsächliche Krankheitshäufigkeit deutlich weniger gravierend verändert hat und das vermehrte Auftreten durch eine bessere Erkennung und weniger Stigmatisierung von Menschen mit psychischen Störungen herrührt.D. Richter, K. Berger u. a.: Nehmen psychische Störungen zu? Eine systematische Literaturübersicht. In: Psychiatrische Praxis. 35, 2008, S. 321–330. Auch die mit der Zeit niedrigschwelliger gewordenen Diagnose-Kriterien für eine psychische Störung werden als Teilursache kritisch diskutiert.A. V. Horwitz, J. C. Wakefield: The Loss of Sadness. How Psychiatry Transformed Normal Sorrow Into Depressive Disorder. Oxford University Press, Oxford / New York 2007. Ergebnisse von Langzeitstudien auf der anderen Seite sprechen jedoch eher für einen echten Anstieg, der mit verschiedenen gesellschaftlichen Einflussfaktoren in Zusammenhang gebracht wird.H. Spiessl, F. Jacobi: Nehmen psychische Störungen zu? In: Psychiatrische Praxis. 35, 2008, S. 318–320.J. M. Twenge, B. Gentile u. a.: Birth cohort increases in psychopathology among young Americans, 1938–2007: A cross-temporal meta-analysis of the MMPI. In: Clin Psychol Rev. 30, 2010, S. 145–154.B. H. Hidaka: Depression as a disease of modernity: explanations for increasing prevalence. In: Journal of affective disorders. Band 140, Nummer 3, November 2012, S. 205–214, doi:10.1016/j.jad.2011.12.036, PMID 22244375, (Review).

Auch in Deutschland scheinen nach Krankenkassendaten jüngere Generationen gefährdeter zu sein, im Laufe ihres Lebens an einer psychischen Störung zu leiden.DAK-Gesundheitsreport 2011. Deutsche Angestellten-Krankenkasse, Hamburg 2011. Die durchschnittliche Arbeitsunfähigkeitsdauer der versicherten Erkrankten belief sich im Jahr 2014 laut Angaben der Techniker Krankenkasse auf 64 Tage (im Vergleich: bei allen Diagnosen durchschnittlich 13 Tage). Von den zehn Gruppen mit den höchsten Erkrankungsraten gehören sieben dem Berufsbereich Gesundheit, Soziales, Lehre und Erziehung an. Mit Abstand führen Mitarbeiter in Callcentern die Liste an; gefolgt von Alten- und Krankenpflegern, Erziehern und Kinderbetreuern, Mitarbeitern der öffentlichen Verwaltung und Beschäftigten im Bewachungsgewerbe. Vergleichsweise wenig anfällig sind Hochschullehrer, Software-Entwickler und Ärzte. Frauen sind fast doppelt so oft betroffen wie Männer. Von 2000 bis 2013 hat sich die Zahl der verordneten Tagesdosen von Antidepressiva fast verdreifacht. In regionaler Hinsicht führen Hamburg (1,4 Arbeitsunfähigkeitstage pro versichertem Arbeitnehmer), Schleswig-Holstein und Berlin (je 1,3 Tage) die Liste an. In Hamburg sind 9,2 Prozent der gesamten Arbeitsunfähigkeitstage durch Depression bedingt. In Süd- und Ostdeutschland sind die Raten im Durchschnitt geringer.Daten nach Depressionsatlas der TK 2014; siehe Florian Staeck: Immer mehr Fehltage wegen Depressionen. Ärzte Zeitung online, 28. Januar 2015. Bei Studierenden, die bisher als relativ gesunde Gruppe galten, sind inzwischen nach Angaben der Barmer GEK 17 Prozent (etwa 470.000 Menschen), vor allem ältere, von einer psychiatrischen Diagnose betroffen.Depressionen: Vor allem ältere Studierende sind gefährdet. Auf: aerzteblatt.de vom 22. Februar 2018.

Anzeichen Symptome Im Jahre 2011 wurde von mehreren Fachgesellschaften wie der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) eine Versorgungsleitlinie zum Thema Depression erarbeitet. Sie empfiehlt, zur Diagnose nach ICD-10 zwischen drei Haupt- und sieben Zusatzsymptomen zu unterscheiden.DGPPN u. a.: Nationale VersorgungsLeitlinie – Unipolare Depression. Springer-Verlag, Berlin/Heidelberg 2011, ISBN 978-3-642-13103-5, S. 37 ().

Diagnostische Symptome Die Hauptsymptome sind: gedrückte, depressive Stimmung: Die Depression ist charakterisiert durch Stimmungseinengung oder bei einer schweren Depression (englisch major unipolar depression) das „Gefühl der Gefühllosigkeit“ bzw. das Gefühl anhaltender innerer Leere. Interessensverlust und Freudlosigkeit: Verlust der Fähigkeit zu Freude oder Trauer; Verlust der affektiven Resonanz, das heißt, die Stimmung des Patienten ist durch Zuspruch nicht aufzuhellen. Antriebsmangel und erhöhte Ermüdbarkeit: Ein weiteres typisches Symptom ist die Antriebshemmung. Bei einer schweren depressiven Episode können Betroffene in ihrem Antrieb so stark gehemmt sein, dass sie auch einfachste Tätigkeiten wie Körperpflege, Einkaufen oder Abwaschen nicht mehr verrichten können.Rainer Tölle: Psychiatrie. 2012, ISBN 978-3-662-22357-4, S. 238–239, Online.

Die Zusatzsymptome sind: verminderte Konzentration und Aufmerksamkeit vermindertes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen (Insuffizienzgefühl) Schuldgefühle und Gefühle von Minderwertigkeit negative und pessimistische Zukunftsperspektiven Suizidgedanken oder -handlungen: Schwer Betroffene empfinden oft eine völlige Sinnlosigkeit ihres Lebens. Häufig führt dieser qualvolle Zustand zu latenter oder akuter Suizidalität.Psychologie: Depression – die Krankheit mit dem Mangel an Sinn. Welt online, abgerufen am 19. Februar 2012. Schlafstörungen verminderter Appetit

Mögliche weitere Symptome Ferner kann zusätzlich ein somatisches Syndrom vorliegen, wenn mindestens vier der folgenden Symptome eindeutig feststellbar sind: mangelnde Fähigkeit, emotional auf die Umwelt zu reagieren Interessen- oder Freudeverlust an normalerweise angenehmen Aktivitäten frühmorgendliches Erwachen: Der Schlaf ist gestört in Form von vorzeitigem Erwachen, mindestens zwei Stunden vor der gewohnten Zeit. Diese Schlafstörungen sind Ausdruck eines gestörten 24-Stunden-Rhythmus. Die Störung des chronobiologischen Rhythmus ist ebenfalls ein charakteristisches Symptom. Morgentief: Häufig geht es dem Kranken vormittags besonders schlecht. Bei einer seltenen Krankheitsvariante verhält es sich umgekehrt: Es tritt ein sogenanntes „Abendtief“ auf, das heißt, die Symptome verstärken sich gegen Abend und das Einschlafen ist erschwert oder erst gegen Morgen möglich. psychomotorische Hemmung oder Agitiertheit: Die Hemmung von Bewegung und Initiative geht häufig mit innerer Unruhe einher, die körperlich als ein Leidgefühl wahrgenommen wird und sehr quälend sein kann (stumme Exzitation, lautlose Panik). deutliche Appetitlosigkeit Gewichtsabnahme auch kann sich das sexuelle Interesse vermindern oder erlöschen (Libidoverlust). Depressive Erkrankungen gehen gelegentlich mit körperlichen Symptomen bzw. vegetativen BeschwerdenHans-Christoph Diener: Migräne. Hinweise und Ratschläge für Patienten. Edition Medizin (VCH Verlagsgesellschaft), Weinheim / New York 1987, ISBN 3-527-15353-5, S. 67. einher, sogenannten Vitalstörungen, und Schmerzen in ganz unterschiedlichen Körperregionen, am typischsten mit einem quälenden Druckgefühl auf der Brust. Während einer depressiven Episode ist die Infektionsanfälligkeit erhöht. Beobachtet wird auch sozialer Rückzug, das Denken ist verlangsamt (Denkhemmung), sinnloses Gedankenkreisen (Grübelzwang), Störungen des Zeitempfindens. Häufig bestehen Reizbarkeit und Ängstlichkeit. Hinzukommen kann eine Überempfindlichkeit gegenüber Geräuschen.Birgit Borsutzky: Bericht zur Sendung Odysso Auf: swr.de.