mini|Niederflurwagen der Baureihe Flexity Berlin. In der heute zu Berlin gehörenden Gemeinde Groß Lichterfelde verkehrte die erste elektrische Straßenbahn der Welt mini|Tatra-T3-Doppeltraktion in Prag. Der Tatra T3 war der am häufigsten gebaute Straßenbahntriebwagentyp. mini|Vier Triebwagengenerationen der Wiener Straßenbahn mini|Ein NF2 der Straßenbahn Essen mini|Innenraum eines Wagens in Darmstadt
350px|mini|Straßenbahnbetriebe weltweit
Eine Straßenbahn ist ein schienengebundenes, normalerweise mit elektrischer Energie betriebenes öffentliches Personennahverkehrsmittel im Stadtverkehr, das den speziellen Bedingungen des Straßenverkehrs angepasst ist. Sie wird auch Trambahn oder (in Österreich) Tramway beziehungsweise kurz die (Deutschland und Österreich) respektive das (Schweiz) Tram, in Österreich umgangssprachlich auch Bim genannt.
Bedingt durch den in der Frühzeit üblichen Betrieb mit Zugtieren (Pferdebahn), die einen festen und hindernisfreien Untergrund benötigen, mussten die Gleise in den Straßenbelag eingebaut werden. Deshalb und aus Platzgründen im dichtbebauten Stadtgebiet verlaufen klassische Straßenbahnstrecken noch heute vielfach im öffentlichen Straßenraum. Als innerstädtisches Verkehrsmittel oder als Überlandstraßenbahn wurden sie aber in verschiedener Weise weiterentwickelt. Die Verlegung von Strecken auf eigene Bahnkörper oder in Tunnel erhöhte die Reisegeschwindigkeit. Derartige Systeme werden häufig als Stadtbahnen bezeichnet, besonders wenn die Züge auch Tunnelstrecken befahren (U-Straßenbahn), die Unterscheidung ist fließend. Tram-Train-Systeme beziehen, meist außerhalb geschlossener Ortschaften, Eisenbahnstrecken ein, sie verwenden deshalb meist Regelspur und die Triebfahrzeuge sind für unterschiedliche Oberbaumaße und Fahrleitungsspannungen sowie Netzfrequenzen ausgerüstet. Sie verbinden Vororte mit Stadtzentren beziehungsweise erschließen das Umland der Städte.
Bezeichnungen mini|In mehreren deutschen Städten verwendetes Logo mini|Haltestellenkennzeichnung in Polen mini|„Bönnsche Bimmel“ in Bonn
Mit dem Wort Straßenbahn wird sowohl das Gesamtsystem oder das Netz, umgangssprachlich auch ein einzelnes Fahrzeug (Straßenbahnwagen) oder Zugverband (Straßenbahnzug) bezeichnet. Es handelt sich dabei um eine Kurzform der veralteten Bezeichnung Straßen-Eisenbahn, analog zum im Englischen teilweise gebräuchlichen street railway.
In Süddeutschland ist alternativ Trambahn oder Tram gebräuchlich, in der Schweiz Tram, in Österreich Tramway, Tram und salopp Bim. Es heißt dabei die Tram in Deutschland und Österreich, aber das Tram in der Schweiz.Hans Bickel, Christoph Landolt: Schweizerhochdeutsch. Wörterbuch der Standardsprache in der deutschen Schweiz. 2., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Hrsg. vom Schweizerischen Verein für die deutsche Sprache. Dudenverlag, Berlin 2018, S. 83; Jakob Ebner: Österreichisches Deutsch. Wörterbuch der Gegenwartssprache in Österreich. 5., völlig überarbeitete und erweiterte Auflage. Dudenverlag, Berlin 2019, S. 454. Das Wort „Tram“ ist deutschen Ursprungs und bedeutet „Balken“Friedrich Kluge, Alfred Götze: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 20. Auflage, hrsg. von Walther Mitzka, De Gruyter, Berlin / New York 1967; Neudruck („21. unveränderte Auflage“) ebenda 1975, ISBN 3-11-005709-3, S. 785 f. (Trambahn). (vgl. „der Trämel“). Ein im Bergbau eingesetztes und auf geschlitzten Balken basierendes spurgeführtes Bahnsystem kam im 15. Jahrhundert von Deutschland nach England, wo sich der Begriff „Tramway“ allgemein für spurgeführte Bahnen entwickelte. Vom Englischen fand die Bezeichnung ihren Weg in weitere Sprachen. Tramway war früher im deutschen Sprachraum bekannt, so wurde mitunter von einer Dampftramway oder einer Pferdetramway gesprochen. Eine weitere Bezeichnung ist Elektrische. Oft dient die jeweilige Liniennummer als Benennung, mit der 5er oder die 5 kann also sowohl ein Zug der Linie 5 als auch die Linie an sich gemeint sein. Eine ganz spezielle Bezeichnung hat sich in Wien für die dort vorhandenen, mit Buchstaben gekennzeichneten Linien eingebürgert, so werden die Züge der Linien D und O als D-Wagen und O-Wagen bezeichnet. Auch den früher vorhandenen weiteren Straßenbahnlinien mit Buchstaben als Linienbezeichnung wurde umgangssprachlich das Suffix -wagen zugefügt, demgemäß etwa A-Wagen, J-Wagen und so fort.
Daneben existieren eine ganze Reihe regionale, umgangssprachliche beziehungsweise mundartliche Bezeichnungen. So ist Bim (lautmalend, österreichisch) ein in Wien, Graz und LinzLinz AG: Weihnachtskarte für Bim und BusDie Verbundlinien titeln ihre Suchseite mit BusBahnBim-Auskunft, die auch unter der Adresse www.busbahnbim.at erreichbar ist. BusBahnBim-Auskunft, auch erreichbar unter busbahnbim.at gebräuchlicher Name für die Straßenbahn, es ist die Abkürzung der süddeutschen und österreichischen Bezeichnung Bimmelbahn. Diese Bezeichnung wurde auch in Bremerhaven verwandt. Bimmeln meint das Betätigen der lauten Fußklingel durch den Fahrer eines Straßenbahnzuges. Die ehemalige Güterstraßenbahn in Wien wurde offiziell Güterbim genannt. Ein ähnlicher Begriff ist Bimmel, in Bonn gab es beispielsweise einen Partywagen Bönnsche Bimmel. Bei der Straßenbahn Posen wird im örtlichen Dialekt von Bimba (Plural: Bimby) gesprochen. Die Kurzbezeichnung in Dresden war häufig Glocke. Die Straßenbahn Hongkong heißt umgangssprachlich auch Ding Ding. Die Straßenbahn Brünn wird von den Einwohnern in der regionalen Mundart Hantec als Šalina bezeichnet, dessen Ursprung aus der deutschen Bezeichnung „elektriŠE LÍNYe“ oder von schallen kommen dürfte. In Ravensburg sprach man von der Mühle, dieser Spitzname bezog sich auf die typischen Fahrschalter älterer Triebwagen, die wie die Kurbel einer Kaffeemühle aussahen.Wolf-Dietger Machel: Neben- und Schmalspurbahnen in Deutschland einst & jetzt. Loseblattsammlung. Band 13 Baden-Württemberg: Ravensburg–Weingarten–Baienfurt
Die Straßenbahn Darmstadt wird auch Ellebembel genannt, in Stuttgart gibt es die mundartlichen Bezeichnungen Trampe, Strampe oder Strambe und in Wuppertal Strotenbohn.Uli Johann: Die Straßenbahn in Wuppertal, online auf fmz-info.digitalshop-uli-johann.de, abgerufen am 24. Dezember 2024 Die Straßenbahn Heilbronn hieß im Volksmund Spatzenschaukel, während die Straßenbahn Offenbach mitunter Knochemiehl (Knochenmühle) und die Straßenbahn Freiburg Hoobl (Hobel) heißt. In Nürnberg und Fürth wird die Straßenbahn dialektal auch als Straßaboh oder abgekürzt als Strabo bezeichnet. In München wurde in den 1920er Jahren vom Stangerlwagen gesprochen, bezogen auf die markanten Stangenstromabnehmer der damaligen Fahrzeuggenerationen.Martin Papst: Die Münchner Tram – Geschichte, Linien, Fahrzeuge GeraMond-Verlag, München, 2010, S. 20. In Basel heißt es im dortigen Dialekt Drämmli. Alternative deutsche Kurzbezeichnungen sind Straba oder Strab. Weitere umgangssprachliche Varianten lauten Strapazenbahn, Funkenkutsche bzw. Funken-Chaise.Busse besiegten die Straßenbahn – vor 20 Jahren fuhr Reutlingens letzte Funken-Chaise: Erinnerungen an ein Stück Stadtgeschichte. auf: 4.bp.blogspot.com, abgerufen am 2. Oktober 2014.
In Innsbruck und Wien wird die letzte Straßenbahnfahrt vor der nächtlichen Betriebspause als die Blaue bezeichnet. Dies rührt daher, dass das Liniensignal der jeweils letzten Garnitur blau unterlegt war. In zahlreichen deutschen und Schweizer Städten wird die letzte Fahrt in der Nacht als Lumpensammler bezeichnet, siehe auch Gestrichene Linie.
Gesetzliche Bestimmungen
Deutschland Straßenbahnen werden in Deutschland in Abs. 1 Personenbeförderungsgesetz definiert und nach der Verordnung über den Bau und Betrieb der Straßenbahn (BOStrab) betrieben. Sie unterscheiden sich damit von den Eisenbahnen, die der Eisenbahn-Bau- und Betriebsordnung (EBO) unterliegen. Damit ist Deutschland das einzige Land, das gesetzlich zwei getrennte Regelwerke für den Eisenbahn- und Straßenbahnbetrieb hat. Diese Trennung orientiert sich an den unterschiedlichen Betriebsanforderungen an Straßenbahnen, deren Züge üblicherweise am öffentlichen Straßenverkehr teilnehmen, auf Sicht fahren und zum Beispiel Fahrtrichtungsanzeiger (Blinker) besitzen müssen, und an Eisenbahnen, wo die Züge mit höheren Geschwindigkeiten und größeren Massen vor allem auf besonderem Bahnkörper, durch Signale gesteuert, verkehren. Mischbetrieb mit Straßenbahnfahrzeugen auf Eisenbahnstrecken und umgekehrt erfordert die Einhaltung beider Verordnungen, wenn nicht von den Aufsichtsbehörden Sondergenehmigungen erteilt werden. Derartige Systeme werden meist als Tram-Train-System bezeichnet. Die Führer und Fahrer von Straßenbahntriebwagen werden nach der BOStrab als Fahrbedienstete bezeichnet. Deren Ausbildung erfolgt durch Lehrbedienstete und die Prüfung durch den Betriebsleiter oder einen von ihm beauftragten Bediensteten des jeweiligen Straßenbahnbetriebes. Die Fahrbediensteten sind danach in regelmäßigen Abständen nachzuschulen.
mini|Unabhängige Bahnen wie die U-Bahn München sind nach deutschem Recht Straßenbahnen und unterliegen der BOStrab Zugleich umfasst die BOStrab auch unabhängige Bahnen, die vom Straßenverkehr genauso getrennt verkehren wie Eisenbahnen. Beispiele der nach BOStrab betriebenen, unabhängigen Bahnen sind U-Bahnen, Hängebahnen und abschnittsweise Stadtbahnen.
Österreich In Österreich gelten Straßenbahnen gemäß Z. 1 lit. c) Eisenbahngesetz 1957 (EisbG) als Eisenbahnen. In EisbG sind als Straßenbahnen definiert:
Die näheren Bestimmungen über Betrieb, Anlagen, Fahrzeuge, Signale und dergleichen sind auf Grund von Abs. 4 Eisenbahngesetz erlassenen Verordnung des Bundesministers für Wissenschaft und Verkehr über den Bau und den Betrieb von Straßenbahnen (Straßenbahnverordnung 1999 – StrabVO) geregelt.Verordnung des Bundesministers für Wissenschaft und Verkehr über den Bau und den Betrieb von Straßenbahnen (Straßenbahnverordnung 1999 – StrabVO), in der Stammfassung; in der geltenden Fassung im RIS.
Soweit sich aus dem Eisenbahngesetz keine andere Zuständigkeit ergibt, ist gemäß Abs. 2 EisbG der Landeshauptmann als Behörde zuständig. Straßenbahnen unterliegen im öffentlichen Straßenverkehr („Straßen mit öffentlichem Verkehr“) zusätzlich den Bestimmungen der Straßenverkehrsordnung 1960 (StVO), das heißt, dass unter anderem auf Sicht zu fahren ist. Auch sind nicht alle Kreuzungen entsprechend der Eisenbahnkreuzungsverordnung mit Andreaskreuzen gesichert. Schienenfahrzeuge gelten gemäß StVO als bevorzugte Straßenbenützer mit besonderen Vorrechten:
Bei besonderer, an Spanndrähten der Fahrleitung angebrachter Kennzeichnung dürfen Straßenbahnzüge gemäß Abs. 1 StVO, Z. 10a. bei Gelb oder Rot einbiegen („STRASSENBAHN BIEGT BEI GELB ODER ROT EIN“). Bei Haltestellen oder neuralgischen Punkten mit erhöhtem Unfallrisiko werden bei Bedarf eigene rot-gelbe Ampeln angebracht. Überdies sind Schienenfahrzeuge von der Verpflichtung ausgenommen, Fußgängern, Rollschuhfahrern und Radfahrern, die sich auf einem Schutzweg bzw. einer Radfahrerüberfahrt befinden oder diesen/diese erkennbar benützen wollen, das unbehinderte und ungefährdete Überqueren der Fahrbahn zu ermöglichen (siehe Abs. 2 StVO).
Schweiz Allgemeine Bestimmungen mini|Streckentabelle mit Strassenbahnbereich von km 66.5 bis 67.8
In der Schweiz gibt es keine gesonderte Gesetzgebung, die Strassenbahnen unterstehen dem Eisenbahngesetz (EBG). Dieses verwendet das Wort „Strassenbahnen“ ein einziges Mal und legt fest, dass bei diesen für die Benutzung von Strassen eine Bewilligung durch den jeweiligen Kanton erforderlich ist.
Das Fahrdienstreglement definiert den Strassenbahnbereich als gemeinsame Verkehrsfläche von Bahn und Strasse. Der Strassenbahnbereich kann mit Signalen gekennzeichnet sein oder/und in der Streckentabelle bezeichnet werden.