Das Saxophon oder Saxofon ist ein Musikinstrument aus der Gruppe der Einfachrohrblattinstrumente. Der Korpus dieses Blasinstruments ist ein relativ weites (weitmensuriertes), stark konisches (sich zum Ende hin deutlich weitendes) Schallrohr von 64 bis 293 cm Länge. Damit unterscheiden sich alle Bauweisen des Saxophons etwa von der zylindrischen Klarinette. Das Klappensystem entspricht dem der Oboe. Das Saxophon gehört der Definition nach, anders als sein metallischer Korpus (meist aus versilbertem, vergoldetem oder lackiertem Messing) vermuten lässt, zur Familie der Holzblasinstrumente, da sein Ton mit Hilfe eines aufschlagenden Rohrblatts am Mundstück erzeugt wird.

Geschichte und Allgemeines Das Instrument wurde als „Saxophon“ von dem Belgier Adolphe Sax (eigentlich Antoine Joseph Sax) im Jahr 1840 erfunden und am 21. März 1846 unter der Nummer 3226 in Frankreich patentiert.Abbildung der Patentschrift von 1846. In: selmer.fr. Abgerufen am 9. April 2018 (englisch). Im Patentantrag begründet Sax seine Erfindung mit dem Fehlen gut klingender Holzblasinstrumente der tiefen Lage und wollte mit der Erfindung des Saxophons ein Holzblasinstrument kreieren, das klanglich zwischen dem „wärmend-biegsamen“ Klang der Klarinette und dem eher durchdringenden, näselnden Klang der Oboe liegt.

Das erste von Adolphe Sax gebaute Saxophon war ein Bassinstrument in C. Er konzipierte das neue Instrument jedoch von vornherein für die Stimmlagen von Sopran bis Subkontrabass, abwechselnd im Quart-/Quintabstand. Dabei sah er die C/F-Stimmung für den Gebrauch im Sinfonieorchester vor, während die B/Es-Stimmung für die Militärmusik gedacht war. Die C- und F-Instrumente werden heute kaum noch hergestellt und hatten nie die Bedeutung, die sie nach ihrem Erfinder hätten haben sollen. Einzig das C-Melody-Saxophon wurde bis in die 1950er-Jahre gebaut und im Jazz, vor allem im Swing, viel verwendet.

1929 übernahm Henri Selmer die Pariser Werkstatt von Adolphe Sax und wurde zum offiziellen Inhaber von dessen Patentrechten. 2010 feierte Henri Selmer Paris das 125-jährige Firmenjubiläum. Saxophone von Henri Selmer Paris, besonders das Mark VI, haben mittlerweile Kultstatus und gehören zu den handwerklich herausragenden Produkten.

Erst längere Zeit nach seiner Erfindung begann schließlich mit dem Aufkommen des Jazz in New Orleans der eigentliche Siegeszug dieses Instruments, mit seinem sehr variablen Klang und großen dynamischen Umfang. Alfred Baresel nannte es 1929 „das wichtigste Melodie-Instrument des Jazz“.

Seiner Historie folgend ist das Saxophon also nicht mit dem Jazz entstanden bzw. wurde gar nicht hierfür entworfen, sondern war eigentlich für die klassische „ernsthafte“ Konzertmusik vorgesehen, in der es sich allerdings bis heute nie (zumindest nicht ansatzweise wie im Jazz) behaupten konnte.

Entgegen der landläufigen Meinung ist das Saxophon dennoch bei weitem kein Instrument, das nur im Jazz zu Gebrauch kommt. Tatsächlich werden Saxophone seit dem 20. Jahrhundert in unzähligen Musikgenres verwendet, einschließlich Pop, Rock ’n’ Roll, elektronischer Musik, aber auch in serieller Musik sowie zahlreichen weiteren Genres. Auch bei Konzert- und Tanzmusik ist es eines der beliebtesten Soloinstrumente, und viele bekannte Saxophon-Solisten haben ihre eigenen Bands oder Combos gegründet.

Im Deutschen Reich wurde das Saxophon zur Zeit des Nationalsozialismus und teils bereits zuvor als Instrument der Entarteten Musik bzw. Negermusik bekämpft. So forderte die Deutsche Tonkünstler-Zeitung bereits 1929 ein Verbot des Instruments, das mit dem sukzessiven Verbot der Jazzmusik, dem Haupteinsatzgebiet des Saxophons, ab 1933 großteils entstand. Jedoch wandten sich dadurch in der Existenz bedrohte Hersteller an das Reichswirtschaftsministerium, das auf Anfrage vom Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda die Auskunft erhielt, dass „das Saxofon an der Negermusik völlig unschuldig sei“, da die „Erfindung des Adolf Sax […] hauptsächlich in der Militärmusik gebraucht [werde]. Wie mit allen anderen Instrumenten könne man auch mit dem Saxofon gute Musik machen.“ Die Deutsche Kultur-Wacht schrieb 1933: „Wenn es richtig gespielt wird, ohne die bisher üblichen Mätzchen (Glissando usw.), erweist es sich als ein wertvolles Hilfsmittel der Tanzmusik.“ So kam das Saxophon sowohl in der Tanz- als auch in der Militärmusik weiter zum Einsatz. Die Musikkorps der Deutschen Luftwaffe enthielten ab 1940 einen fünf Instrumente umfassenden Saxophon-Satz. Hans Hinkel erneuerte die Meinung des Propagandaministeriums 1942 erneut, indem er feststellte, dass das Saxophon nur „fälschlich als Negerinstrument“ bezeichnet wird. Zur selben Zeit lobte auch der Referent für Musik im Reichsluftfahrtministerium die Bereicherung des Orchesters „um eine typische Klangfarbe“ und die „[beträchtlichen] klanglichen Ausdrucksmöglichkeiten“.

Viele NS-Ideologen (z. B. Herbert Gerigk, Alfred Rosenberg) sahen das Saxophon wegen seines Klangs und seiner Verwendung in der Negermusik dennoch weiterhin nicht als zur „guten Musik“ fähig.

Aufbau und Bauformen mini|Zwei verschiedene Mundstücke eines Tenorsaxophons mit Rohrblättern und Ligaturen mini|S-Bogen mit Mundstück vom Tenor- (oben) und Altsaxophon (unten)

Der Ton entsteht beim Saxophon durch ein einzelnes schwingendes Rohrblatt (wie z. B. auch bei der Klarinette). Das Saxophon ist in drei Einzelteile zerlegbar: Mundstück mit Rohrblatt und Blattschraube (Ligatur) S-Bogen Korpus

Das Sopranino- und Soprillo- sowie manche Sopransaxophone bestehen nur noch aus Korpus und Mundstück.

Beim Spielen wird das Instrument meist an einem Tragriemen befestigt, den sich der Spieler um den Hals hängt. Für größere Instrumente (ab Baritonsaxophon und größer) sowie für kleinere Saxophonisten gibt es auch Rücken- oder Schultergurte. Diese setzen sich wegen des höheren Tragekomforts in jüngerer Zeit auch vermehrt bei Tenorsaxophonisten durch, schränken aber deren Beweglichkeit und Spieldynamik stark ein. Sopransaxophon und Sopraninosaxophon spielt man oft ohne Trageriemen. Basssaxophone und größere werden meistens im Ständer und sitzend gespielt, da sie für einen bloßen Gurt zu schwer sind.

Anders als die Klarinette überbläst das Saxophon nicht in die Duodezime, sondern (wie die Querflöte und Oboe) in die Oktave. Dies wird durch den konischen Verlauf der Schallröhre (eng am Mundstück und sehr weit am Schallbecher) verursacht. Zum Überblasen befindet sich auf der Rückseite eine Oktav- oder Überblasklappe (betätigt mit dem Daumen), die bei heute üblichen Bauformen automatisch in Abhängigkeit vom gespielten Ton eines von zwei kleinen Tonlöchern öffnet. Grifftechnisch ist das Instrument weitgehend mit der B-Klarinette und teilweise auch mit der modernen Querflöte verwandt.

Am häufigsten in Gebrauch sind Altsaxophon und Tenorsaxophon, gefolgt von Sopransaxophonen und Baritonsaxophonen und anschließend dem Basssaxophon, während die Varianten in den extremen Lagen seltener – solistisch oder zur Bereicherung der Klangfarben in größeren Ensembles – eingesetzt werden. Das Altsaxophon ist nicht zuletzt deshalb am beliebtesten, weil es von Größe, Preis und Gewicht her auch als Anfängerinstrument für Kinder und Jugendliche geeignet ist. Hinzu kommt, dass die hohen Töne keinen allzu starken Ansatz und die tiefen nicht zu viel Luft erfordern.

+ Saxophone und ihre StimmlageBauformAbkürzungwww.jazzindex.ch Stimmung notiertes c1 klingt als klingender TonumfangSoprillo B b1 as1 – d4Sopranino sss, ssi Es es1 des1 – as3C-Sopran C c1 b0 – f3 Sopran ss, sop B b0 as0 – es3 (e3)Mezzosopran F f0 es0 – b2Alt as, alto, asx Es es0 des0 – as2 (a2)C-Melody c-mel, cmel C c0 B – f2Tenor ts B B As – es2 (e2)Bariton bar, bars, bs Es Es (C) Des – a1Bass bsx, bassax, b-sax, bsax, bss, basssax B B1 (G1) As1 – e1Kontrabass cbsx, cb-sax Es Es1 (C1) Des1 – a0Subkontrabass B B2 As2 – e0

Weitere Bauformen

Seit Anfang dieses Jahrtausends gibt es ein noch kleineres Saxophon als das Sopranino: Das Soprillo in B-Stimmung in gerader Bauform mit Applikatur bis zum hohen e, bei normalem Fingersatz. Eine Besonderheit ist die obere Oktavklappe, die im Mundstück eingebaut ist. Die Schallröhre des Soprillos hat eine Länge von 30 cm.

Etwa seit der gleichen Zeit gibt es auch sehr gut spielbare Kontrabass- und Subkontrabass-Saxophone. Ihre Bauform weicht etwas von der klassischen Form ab: Das Hauptrohr ist nochmals gebogen. Dadurch werden diese Instrumente kompakter. In modernisierter Bauform, Tubax genannt, werden Kontrabass- und Subkontrabasssaxophon in Deutschland von Benedikt Eppelsheim hergestellt. Beide haben kleinere Mundstücke (Bariton- bzw. Basssaxophonmundstück), was die Ansprache verbessert, und eine engere Mensur, wodurch weniger Luft verbraucht wird und längere Töne gespielt werden können.

Die Beweglichkeit und Vielseitigkeit des Saxophons führte zu zahlreichen Experimenten. Das Conn-O-Sax (um 1928) wurde in einer geraden Form mit einem bauchigen Schallstück gebaut. Die gerade Form des Saxophons verleiht dem Instrument einen oboenartigen Klang. Beim Conn-O-Sax wird durch das kugelartige Schallstück der nasale Klang eines Doppelrohrblattinstruments (Oboe, Englischhorn oder Fagott) erreicht. Die F-Stimmung dieses Instruments gleicht der des Englischhorns, liegt also einen Ganzton höher als die des Altsaxophons in Es und entspricht damit der ursprünglichen Intention von Sax, ein sinfonieorchestertaugliches Instrument zu bauen. Obwohl seine Vorteile gegenüber dem Englischhorn überwiegen, hat sich das Instrument nicht durchgesetzt.

Das Saxello ist ein Bb-Sopransaxophon mit zurückgebogenem Kopfende und nach vorne gebogener Spitze. Es wurde ab etwa 1924 von der King H. N. White Company gefertigt (King Saxello), seine Produktion wurde aber in den 1930er Jahren während der Großen Depression eingestellt. Heute jedoch werden Saxellos wieder produziert., . Historische King-Saxellos werden zu hohen Preisen gehandelt. Bekannt wurden sie u. a. durch den Jazzmusiker Rahsaan Roland Kirk, der auch auf dem ähnlichen Manzello spielte. Er spielte auch ein Stritch genanntes umgebautes Altsaxophon von Buescher.

Eine andere Entwicklung ging dahin, Saxophone aus Holz zu bauen, um einen weicheren Klang zu erzielen. Diese Formen sind allerdings instrumentenbaulich schwer herzustellen und weisen starke Intonationsprobleme auf. Das Holzsaxophon ist der Klarinette und dem ungarischen Tárogató sehr ähnlich.

mini|hochkant=0.6|Grafton-Saxophon aus Kunststoff

In den 1950er Jahren baute die Firma Grafton eine kleine Serie von Saxophonen aus Kunststoff, die durch Ornette Coleman und Charlie Parker bekannt wurden. Das Konzept des Kunststoff-Saxophons wurde mit Erscheinen des ersten Vibratosax der thailändischen Firma Vibrato seit 2010 wiederbelebt.

Auch in Bezug auf die Technik zur Abdeckung der Tonlöcher wurden verschiedentlich neue Ansätze verfolgt. Der Regelfall ist auch heute noch die Verwendung hohler Metallklappen, die innen mit einem mit Leder überzogenen Filzpolster ausgefüllt sind. Das Material dieser Polster wurde im Zuge der technischen Entwicklung auch durch moderne Kunststoffmaterialien (Codera, TopTone oder Jim Schmidt (USA)) ersetzt, die gepolsterte Klappe ist jedoch bis heute Standard. Zur Verbesserung des Resonanzverhaltens werden bei den größeren Klappen verschiedene Auflagen aus Metall oder Kunststoff (sogenannte Resonatoren) verwendet, die auf das Polster aufgenietet, im Fall der Buescher-Snap-In-Polster auch eingeschraubt sein können. Heute wie damals werden in 99 % aller Saxophone lederbezogene Polster verbaut.