mini|Blick vom Hessenturm auf Niedenstein (Kernstadt)

Niedenstein ist eine Kleinstadt und ein staatlich anerkannter Luftkurort im nordhessischen Schwalm-Eder-Kreis.

Geografie Geografische Lage Niedenstein liegt im Südosten des Naturparks Habichtswald. Die Kernstadt erstreckt sich am Westhang der waldreichen Langenberge. Die nächste Großstadt ist das 15 km nordöstlich gelegene Kassel. Zu den Bergen rund um Niedenstein gehören der Schwengeberg (, höchster Berg des Stadtgebiets) und der Niedensteiner Kopf (, mit dem Hessenturm), die beide zu den Langenbergen gehören, der als Flächennaturdenkmal ausgewiesene Sengelsberg () nördlich der Kernstadt, und der beim Ortsteil Kirchberg gelegene Wartberg (). Teile der Kernstadt werden vom östlichen Ems-Zufluss Wiehoff durchflossen, der Ortsteil Kirchberg von der Ems.

Nachbargemeinden Im Norden grenzt Niedenstein an die Gemeinde Schauenburg (Landkreis Kassel), jenseits der Langenberge im Osten bzw. Südosten an die Stadt Gudensberg. Im Süden liegt Fritzlar, deren Kernstadt etwa 15 km von der Kernstadt Niedenstein entfernt ist, und im Westen befindet sich die Gemeinde Bad Emstal; Gudensberg und Fritzlar liegen im Schwalm-Eder-Kreis, Bad Emstal gehört zum Landkreis Kassel.

Stadtgliederung Die Stadt hat 5.749 Einwohner. Sie besteht aus fünf Ortsteilen. Neben der Kernstadt Niedenstein (2.156 Einwohner) sind das Ermetheis (632 Einwohner), Metze (887 Einwohner), Kirchberg (743 Einwohner) und Wichdorf (1.331 Einwohner), (Stand Einwohnerzahlen 30. Juni 2025).

Geschichte Die Niedensteiner Gegend war schon früh besiedelt, was durch den am Wartberg befindlichen Hauptfundort der jungsteinzeitlichen Wartberg-Kultur nachgewiesen ist. Aus dem Jahr 1254 ist die erste urkundliche Erwähnung der Burg Niedenstein auf dem Niedensteiner Kopf bekannt, als Konrad II. von Elben sie für die Herzogin Sophie von Brabant und ihren Sohn Heinrich gegen Truppen des Mainzer Erzbischofs Gerhard von Dhaun hielt. Die Burg wurde 1387 durch Truppen des Mainzer Erzbischofs Adolf I. verwüstet, danach nur teilweise wieder hergerichtet, schließlich aufgegeben und 1631 vollends zerstört. Von ihr ist heute nichts mehr zu finden.

Es war Konrad von Elben, der in Herzogin Sophies Auftrag auf dem ihm selbst gehörenden Gebiet der Urgemarkung Wichdorf die neue, bereits 1259 als Stadt (oppidum) bezeichnete Siedlung Niedenstein („Nydensteyne“) gründete.

Im Jahre 1554 zählte die Stadt 87 Haushalte mit etwa 400 Einwohnern. 1578 verlieh Landgraf Wilhelm IV. Niedenstein das Recht, zwei Märkte pro Jahr abzuhalten. Der Dreißigjährige Krieg brachte beinahe völlige Zerstörung: Im Jahre 1631 eroberten Kroatische Reiter des Generals Tilly die Stadt, raubten sie aus und steckten sie in Brand; mehr als ein Drittel der Häuser fielen den Flammen zum Opfer, und die Burg wurde vollends zerstört. Als der Krieg 1648 vorbei war, lebten gerade noch vier Personen in Niedenstein, und nur 14 Häuser standen noch.

Niedenstein, die nach Einwohnerzahl kleinste Stadt im kurzlebigen napoleonischen Königreich Westphalen (1807–1813), war während der „Franzosenzeit“ Verwaltungssitz des Kantons Niedenstein. Die kleine Stadt erlebte erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts nennenswertes Bevölkerungswachstum, als individueller Personenverkehr und Pendlerarbeit zunahmen. Im Jahre 1834 gab es 610 Einwohner, und noch im Jahre 1939 betrug die Einwohnerzahl lediglich 630.

Jüdische Gemeinde mini|Der jüdische Friedhof an der Friedensstraße, 1832 angelegt Niedenstein war im 19. Jahrhundert und bis zur NS-Zeit Heimat einer prozentual beträchtlichen jüdischen Gemeinde;Karl E. Demandt: Bevölkerungs- und Sozialgeschichte der jüdischen Gemeinde Niedenstein 1653–1866. in den 1880er Jahren machte sie mehr als 22 Prozent der gesamten Einwohnerschaft aus, und noch 1933 waren etwa zehn Prozent der Einwohner jüdischen Glaubens. Diejenigen von ihnen, denen die Flucht aus Deutschland nicht rechtzeitig gelang, wurden Opfer des Holocaust: Von den in Niedenstein geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen kamen in der NS-Zeit mindestens 61 namentlich bekannte ums Leben.Listen von Yad Vashem in Jerusalem und den Angaben des „Gedenkbuches – Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933–1945“.

Historische Quellen Das Stadtarchiv Niedenstein wird im Hessischen Staatsarchiv Marburg aufbewahrt (Bestand 330 Niedenstein). Der Bestand ist nahezu vollständig erschlossen und ist online recherchierbar.

Hessische Gebietsreform Zum 1. September 1970 fusionierten im Zuge der Gebietsreform in Hessen die bis dahin selbständige Gemeinde Ermetheis und die Stadt Niedenstein freiwillig zur erweiterten Stadt Niedenstein. Zum 31. Dezember 1971 kamen die Gemeinden Kirchberg, Metze und Wichdorf durch Eingemeindung auf freiwilliger Basis hinzu. Für alle durch die Gebietsreform eingegliederten Gemeinden sowie die Kernstadt wurde je ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung eingerichtet.

Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011

Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag, dem 9. Mai 2011, in Niedenstein 5253 Einwohner. Nach dem Lebensalter waren 673 Einwohner unter 18 Jahren, 2041 zwischen 18 und 49, 1151 zwischen 50 und 64 und 1187 Einwohner waren älter. Unter den Einwohnern waren 90 (1,7 %) Ausländer, von denen 47 aus dem EU-Ausland, 25 aus anderen europäischen Ländern und 19 aus anderen Staaten kamen. Die Einwohner lebten in 2299 Haushalten. Davon waren 598 Singlehaushalte, 675 Paare ohne Kinder und 820 Paare mit Kindern, sowie 187 Alleinerziehende und 22 Wohngemeinschaften. In 689 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 3531 Haushaltungen lebten keine Senioren.

Einwohnerentwicklung Quelle: Historisches Ortslexikon • 1575/85: 97 Hausgesesse • 1620: 97 wehrhafte Männer • 1639: 24 verheiratete, keine verwitweten Hausgesesse • 1648: 14 Häuser, 4 Personen • 1682: 97 Hausgesesse • 1735: 81 Mannschaft • 1747: 77 Hausgesesse

Historische Erwerbstätigkeit • 1961 Erwerbspersonen: 102 Land- und Forstwirtschaft, 174 Produzierendes Gewerbe, 67 Handel und Verkehr, 55 Dienstleistungen und Sonstiges

Historische Religionszugehörigkeit Quelle: Historisches Ortslexikon • 1861: 495 evangelisch-reformierte, ein katholischet, 177 jüdische Einwohner • 1885: 417 evangelische (= 77,08 %), keine katholische, 124 jüdische (= 22,92 %) Einwohner • 1961: evangelische (= 88,49 %), 71 katholische (= 8,11 %) Einwohner • 1987: 3872 evangelische (= 81,41 %), 453 katholische (= 9,52 %), 531 sonstige (= 11,17 %) Einwohner • 2011: 3537 evangelische (= 67,34 %), 512 katholische (= 8,88 %), 1204 sonstige (= 20,88 %) Einwohner

Politik Stadtverordnetenversammlung Für die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Niedenstein erbrachte die Kommunalwahl am 15. März 2026 folgendes amtliche Endergebnis,Votemanager: Amtliches Endergebnis der Gemeindewahl am 15. März 2026 - 23° Election Manager: Niedenstein 2026 in Vergleich gesetzt zu früheren Kommunalwahlen:Votemanager: Amtliches Endergebnis der Gemeindewahl am 14. März 2021

Stadtverordnetenversammlung – Kommunalwahlen 2026

Wahlvorschläge%2026Sitze2026%2021Sitze2021%2016Sitze2016%2011Sitze2011%2006Sitze2006%2001Sitze2001 40,3937,1940,0919,6423,7518,76 23,3627,5630,9741,81046,71151,316 18,0418,5418,5420,8520,9523,07 12,7316,9410,6317,848,627,02 5,71—————————— Gesamt 100,0 23 100,0 23 100,0 23 100,0 23 100,0 23 100,0 31 Wahlbeteiligung in % 60,2 59,8 60,9 57,1 57,4 66,3

Bürgermeister Nach der hessischen Kommunalverfassung wird der Bürgermeister für eine sechsjährige Amtszeit gewählt, seit dem Jahr 1993 in einer Direktwahl, und ist Vorsitzender des Magistrats, dem in der Stadt Niedenstein neben dem Bürgermeister ehrenamtlich ein Erster Stadtrat und sieben weitere Stadträte angehören.Gremien: Magistrat der Stadt Bürgermeister ist seit dem 5. Oktober 2015 der parteiunabhängige Frank Grunewald. Er wurde als Nachfolger von Werner Lange (SPD), der nach vier Amtszeiten nicht wieder kandidiert hatte, am 10. Mai 2015 im ersten Wahlgang bei 65,9 Prozent Wahlbeteiligung mit 64,3 Prozent der Stimmen gewählt. Es folgte eine Wiederwahl ohne Gegenkandidaten im März 2021.hessenschau: Bürgermeisterwahl am 14. März 2021 in Niedenstein.

Amtszeiten der Bürgermeister; Hinweis: für die Ansicht der archivierten Einzelergebnisse ggf. die Endung index.html aus der Webadresse löschen und diese dann neu laden 2015–2027 Frank GrunewaldHNA, 4. Oktober 2015: Wechsel in Niedenstein: Bürgermeister Frank Grunewald löste Werner Lange ab: „Montag ist sein erster Arbeitstag: Der neue Niedensteiner Bürgermeister Frank Grunewald wurde am Freitag in der Kirchberger Kirche ins Amt eingeführt.“ 1991–2015 Werner Lange (SPD)HNA, 2. Oktober 2015: Interview. Werner Lange war 24 Jahre Bürgermeister in Niedenstein: „1991 wurde Werner Lange, 33 Jahre jung und gerade zum zweiten Mal Vater geworden, von der Stadtverordnetenversammlung zum Bürgermeister gewählt. Das blieb er, bis gestern. 24 Jahre lang.“

Ortsbeiräte Stadt Niedenstein

Für die Stadtteile Niedenstein, Ermetheis, Kirchberg, Metze und Wichdorf bestehen Ortsbezirke mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher, nach Maßgabe der §§ 81 und 82 HGO und des Kommunalwahlgesetzes in der jeweils gültigen Fassung. Die Ortsbezirke werden durch die Gemarkungsgrenzen der ehemaligen eingegliederten Gemeinden abgegrenzt. Jeder Ortsbeirat besteht aus neun Mitgliedern, die im Rahmen der Kommunalwahlen gewählt werden. Der Ortsbeirat wählt eines seiner Mitglieder zum Ortsvorsteher bzw. zur Ortsvorsteherin.

Stadtteil Niedenstein

Für den Stadtteil Niedenstein betrug die Wahlbeteiligung zur Wahl des Ortsbeirats bei der Kommunalwahl 2021 54,73 %. Dabei wurden gewählt: zwei Mitglieder der SPD, ein Mitglied der CDU, zwei Mitglieder des Bündnis 90/Die Grünen und ein Mitglied der „Freien Wählergemeinschaft Niedenstein“. Der Ortsbeirat wählte Matthias Latzel zum Ortsvorsteher.

Städtepartnerschaften Niedenstein unterhält partnerschaftliche Beziehungen zu der französischen Gemeinde Saint-Germer-de-Fly (im Département Oise), etwa 80 km nordwestlich von Paris.

Kultur und Sehenswürdigkeiten Museen Altenburg- und Stadtmuseum Niedenstein Wichdorfer Heimatmuseum Heimatmuseum Kirchberg Heimatstube Metze und Archiv für Dorfgeschichte

Bauwerke mini|Evangelische Kirche Niedenstein mini|Die Gerichts- und Tanzlinde mini|Hessenturm auf dem Niedensteiner Kopf