mini|Peter Drucker Peter Ferdinand Drucker (* 19. November 1909 in Wien, Österreich-Ungarn; † 11. November 2005 in Claremont, Kalifornien) war ein US-amerikanischer Ökonom österreichischer Herkunft. Seit den 1940er Jahren veröffentlichte er zahlreiche einflussreiche Werke über Theorie und Praxis des Managements. Er gilt als ein Pionier der modernen Managementlehre und als origineller und unabhängiger Denker. Drucker bemühte sich in seinen Werken um Klarheit und Übersicht. Auf einen wissenschaftlichen Apparat und Mitarbeiterstab verzichtete er weitgehend. Seine 35 Bücher wurden über 5 Millionen Mal verkauft.Thomas Härry: Ich und Peter Drucker. Zeitschrift AufAtmen, Witten, Ausgabe 4/2016, Seite 44.
Leben Peter Drucker wuchs in Wien als Sohn Caroline und Adolph Drucker in einer großbürgerlichen jüdischen Familie auf, sein Vater war Rechtsanwalt und hoher Beamter in der Regierung von Österreich-Ungarn.Barnaby J. Feder: Peter F. Drucker, a Pioneer in Social and Management Theory, Is Dead at 95, Website nytimes.com (12. November 2005, abgerufen am 16. September 2026) Der Sohn studierte in den 1920er Jahren an der Universität Hamburg und ging dann an die Universität Frankfurt, wo er Rechtswissenschaften und Geschichte studierte und Redakteur für Internationale Beziehungen und Wirtschaft beim Frankfurter General-Anzeiger wurde. Als Jurastudent in Frankfurt lernte er Fritz Kraemer kennen, der später in die USA emigrierte, dort zum „Geostrategen“ avancierte und mit dem er zeitlebens befreundet blieb. Drucker beschrieb Kraemer in seiner Autobiographie als „den Mann, der Kissinger erfand“.So die Überschrift des Fritz Kraemer gewidmeten Kapitels in seiner Autobiographie Adventures of a Bystander von 1979; erweiterte Auflage 1998, (The Man Who Invented Kissinger) S. 141–157. Drucker war es auch, der Kraemer nach dessen Emigration in die USA 1939 Zugang zu hochrangigen Sicherheitskreisen verschaffte und so dessen Karriere im US-Verteidigungsministerium wesentlich förderte bzw. erst ermöglichte. Drucker promovierte 1931 in Frankfurt über „Die Rechtfertigung des Völkerrechts aus dem Staatswillen. Eine logisch-kritische Untersuchung der Selbstverpflichtungs- und Vereinbarungslehre.“ Carl Schmitt bot ihm an, seine Habilitationsschrift zu betreuen, von der nur ein Abschnitt über Friedrich Julius Stahl abgeschlossen wurde.
Das NS-Regime setzte sein Werk über Friedrich Julius Stahl auf die Liste der Bücher, die am 10. Mai 1933 öffentlich verbrannt wurden. Drucker emigrierte nach Großbritannien und arbeitete in London als Wertpapieranalyst und für die Financial Times. 1937 übersiedelte er in die USA und wurde Professor für Philosophie und Politik am Bennington College in Bennington (Vermont). 1939 erschien sein Buch The End of Economic Man, in welchem er versuchte, das Phänomen des Faschismus mit einem existenzphilosophischen Ansatz zu erklären. 1943 wurde er US-Staatsbürger. 1945 schrieb er in Bennington eines seiner klassischen Werke mit dem Titel Concept of the Corporation (Konzept der Zusammenarbeit).
Peter Drucker wechselte 1950 an die New York University und arbeitete in den Folgejahren an zahlreichen Publikationen zur Managementlehre, schrieb regelmäßig für das Wall Street Journal und arbeitete als Berater zahlreicher internationaler Konzerne wie General Motors und Sears Roebuck.
1954 formulierte er das „Management by Objectives“ (MbO) oder „Führen durch Zielvereinbarung“. Es ist eine heute weit verbreitete Methode aus der Betriebswirtschaftslehre zur Mitarbeiterführung und Entwicklung von Eigeninitiative.Management by Objectives – der humane Unternehmenserfolg
1971 wechselte er zur Claremont Graduate University in der Nähe von Los Angeles. Dort wurde die Peter F. Drucker Graduate School of Management at Claremont University eingerichtet, die jährlich den Peter F. Drucker Award for Nonprofit Innovation (deutsch: Auszeichnung für Innovationen auf dem nicht an Profit orientierten Sektor) vergibt.
Am 9. Juli 2002 wurde Drucker die Presidential Medal of Freedom, die höchste zivile Auszeichnung der USA, von George W. Bush verliehen. In mehreren Rankings wurde er zum einflussreichsten Managementdenker aller Zeiten gewählt.
Drucker hielt Marketing und Innovationen für bedeutsamere Schlüssel zum Unternehmenserfolg als Profitstreben. Er setzte ferner auf motivierte Mitarbeiter im künftigen Wettbewerb der Unternehmen. Von den Börsenhändlern an der Wall Street hielt er wenig. Wenn Broker günstiger als Investoren abschnitten, kündige sich ein Crash an, war er überzeugt.manager magazin vom 12. November 2005: Peter F. Drucker ist tot, abgefragt am 14. Juli 2010 Manche der von ihm erstmals verwendeten Begriffe sind in die Umgangssprache eingegangen, etwa „Wissensarbeiter“ oder „Kernkompetenz“.Der Spiegel, Heft 46/2005, Seite 218, abgefragt am 14. Juli 2010 Von Konzepten wie „Business-Process-Reengineering“, „Wertstromanalyse“ oder „Six Sigma“ ließ sich Drucker kaum beeinflussen.
Positionen Peter Drucker warf bereits 1942 in seinem Werk The Future of the Industrial Man Fragen auf, die viel später unter dem Begriff Corporate Governance diskutiert wurden.
Für seinen 1989 erschienenen Aufsatz Sell the Mailroom wurde er postum 2009 in die Outsourcing Hall of Fame aufgenommen.
Er warnte oft vor Management-Moden, die in der Regel auf vergangene Erfolge oder unrealistische Trendfortschreibungen fixiert seien. Er kritisierte die Überbewertung von Fallstudien und mangelhaften Praxisbezug in der Management-Ausbildung. Den Kult um Star-Manager sah er kritisch; überhohe Managergehälter sah er als Krisensymptom.
Rezeption Seine Werke hatten auch auf einen japanischen Roman mit den Namen „Moshi Koukou Yakyuu no Joshi Manager ga Drucker no ‘Management’ wo Yondara“ (Was wäre, wenn die Managerin eines High School Baseballteams Druckers „Management“ läse?) Einfluss. Zu dem Roman erschien auch ein gleichnamiger Anime und der Realkinofilm „Moshidora“.Moshidora (TV) - Anime News Network, abgefragt am 1. Juli 2013Drucker in the Dugout: A Japanese Baseball Girl Meets Peter Drucker, abgefragt am 23. April 2019
Peter Drucker hat in den USA auch viele Non-Profitorganisationen und Kirchen beraten, beeinflusst und mitgeprägt. Dazu gehörten auch das Rote Kreuz, das Blaue Kreuz und die Pfadfinder. Theologen, Kirchenführer und Meinungsmacher wie Bill Hybels, Gordon MacDonald und Rick Warren trafen sich ebenfalls regelmäßig mit Peter Drucker an sogenannten (deutsch: Ein Tag mit Peter Drucker), um von seinen großen Kenntnissen in Führung und Management zu lernen.Thomas Härry: Ich und Peter Drucker. Zeitschrift AutAtmen, Witten 4, 2016, S. 42–45
Veröffentlichungen Bücher The End of Economic Man, John Day Co., New York 1939. deutsche Ausgabe als Ursprünge des Totalitarismus: Das Ende des Homo Oeconomicus, Karolinger, Wien/Leipzig 2010, ISBN 978-3-85418-140-8. The Future of Industrial Man. A Conservative Approach, John Day Co., New York 1942. Die Zukunft der Industriegesellschaft, Econ, Düsseldorf 1967. Concept of the Corporation, John Day Co., New York 1946. Das Großunternehmen, Econ, Düsseldorf 1966. The New Society: The Anatomy of Industrial Order, Harper & Row, New York 1950. Gesellschaft am Fließband. Eine Anatomie der gesellschaftlichen Ordnung, Frankfurt/M.: Verlag der Frankfurter Hefte, 1950. The Practice of Management. Harper & Row, New York 1954; Reprint 2006, ISBN 978-0-06-087897-9. Die Praxis des Managements, Düsseldorf: Econ, 1956, 1970 & 1998. America's Next Twenty Years, Harper & Row, New York 1955 (Aufsatzsammlung). Ein Blick auf die Wirtschaftsentwicklung der westlichen Welt. Die nächsten zwanzig Jahre, Düsseldorf: Econ, 1957. The Landmarks of Tomorrow. Harper & Row, New York: Harper, 1957. Das Fundament für morgen, Düsseldorf: Econ, 1958. Technology, Management, and Society: Essays by Peter Drucker, 1958. Managing for Results: Economic Tasks and Risk-Taking Decisions, Harper & Row, New York 1964. Sinnvoll wirtschaften. Notwendigkeit und Kunst, die Zukunft zu meistern, Econ, Düsseldorf 1965. The Effective Executive, Harper & Row, New York 1967. The Effective Executive: Effektivität und Handlungsfähigkeit in der Führungsrolle gewinnen, München 2014. Die ideale Führungskraft. Die Hohe Schule des Managers, Econ, Düsseldorf 1967; Knaur Taschenbuch 248, ISBN 3-426-00248-5. The Age of Discontinuity: Guidelines to Our Changing Society, Harper & Row, New York 1969. Die Zukunft bewältigen. Aufgaben und Chancen im Zeitalter der Ungewißheit, Econ, Düsseldorf 1969 & 1998. (Ed.): Preparing Tomorrow's Business Leaders Today, Prentice Hall, Englewood Cliffs 1969. Technology, Management and Society, Harper & Row, New York 1970 (Aufsatzsammlung). Men, Ideas and Politics, Harper & Row, New York 1971 (Aufsatzsammlung). The New Markets, and Other Essays, Heinemann, London, 1971. Management: Tasks, Responsibilities, Practices, Harper & Row, New York 1973. Neue Management-Praxis (Band 1: Aufgaben, Band 2: Methoden), Econ, Düsseldorf 1974. Management, komplett überarbeitete und erweiterte Neuauflage, 2 Bände, Campus, Frankfurt/Main 2009. The Unseen Revolution: How Pension Fund Socialism Came to America, Harper & Row, New York, 1976. Die unsichtbare Revolution. Die Mitarbeiter-Gesellschaft und ihre Aufgabe, Econ, Düsseldorf 1997. Management Cases, Harper & Row, New York 1977. An Introductory View of Management, Harper & Row, New York 1977. People and Performance: The Best of Peter Drucker on Management, Harper’s College Press, New York, 1977. Adventures of a Bystander, Harper & Row, New York 1979; erweiterte Auflage 1998, ISBN 0-471-24739-1 (Autobiographie). Zaungast der Zeit. Ungewöhnliche Erinnerungen an das 20. Jahrhundert, Econ, Düsseldorf 1981. Managing in Turbulent Times, Harper & Row, New York 1980. Toward the Next Economics, and Other Essays, Harper & Row, New York 1981. The Changing World of the Executive, Truman Talley Books, Times Books, New York 1982. The Last of All Possible Worlds: A Novel, Harper & Row, New York 1982. Bevor die Lichter erloschen Amalthea, Wien 1985 (Roman). The Temptation to Do Good, Heinemann, London, 1984. Weltwirtschaftswende. Tendenzen für die Zukunft, Wirtschaftsverlag Langen-Müller/Herbig, München, 1984. Innovation and Entrepreneurship: Practice and Principles, Harper & Row, New York, 1985. Innovations-Management für Wirtschaft und Politik, Düsseldorf: Econ, 1985. Der Skandal von St. Jerome, Marion von Schröder Verlag, Düsseldorf 1986 (Roman). The Frontiers of Management: Where Tomorrow's Decisions are Being Shaped Today, Truman Talley Books/Dutton, New York 1986. Die Chance des Unternehmers. Signale für das Management von morgen, Econ Verlag; Heyne Sachbuch 104, 1987, ISBN 3-453-04015-5. The New Realities: In Government and Politics, in Economics and Business, in Society and World View, Harper & Row, New York, 1989. Neue Realitäten. Wertewandel in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, Econ, Düsseldorf 1989. Managing the Non-Profit Organization: Practices and Principles, HarperCollins, New York 1990. Drucker in the „Harvard Business Review“ 1963–1989, Harvard Business School Press, Boston 1991 (Aufsatzsammlung). Our Changing Economic Society: The Best of Drucker's Thinking on Economic and Societal Change, HarperCollins, Keystone, 1991 (Aufsatzsammlung). Managing for the Future: The 1990s and Beyond, Truman Talley Books/Dutton, New York 1992. Post-Capitalist Society, HarperCollins, New York 1993. 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