mini|Blick von Norden auf Gudensberg mini|Stadtkern
Gudensberg ist eine Kleinstadt im Schwalm-Eder-Kreis in Nordhessen (Deutschland). Bekannt ist Gudensberg auch durch die Ruine der Obernburg.
Geografie Geografische Lage Gudensberg liegt am äußersten Südostzipfel des Naturparks Habichtswald etwa 20 km südlich von Kassel und zehn Kilometer nordöstlich von Fritzlar (Entfernungen jeweils Luftlinie). Während die Kernstadt und der Ortsteil Maden vom Ems-Zufluss Goldbach durchflossen werden, liegen der südwestliche Stadtteil Dorla und der südliche Stadtteil Obervorschütz am Eder-Zufluss Ems.
Nachbargemeinden Das Gemeindegebiet grenzt im Norden und Nordosten an die Gemeinde Edermünde, im Osten an Stadtteile von Felsberg, die im Bereich des Eder-Unterlaufs liegen. Südlich und südöstlich des Ems-Unterlaufs liegen weitere Teile von Felsberg. Im Süden, Südwesten und Westen liegen Stadtteile von Fritzlar. Im Nordwesten stößt der Ortsteil Gleichen an Niedenstein. Zwischen Niedenstein und Edermünde erheben sich hinter dem Odenberg die zum Naturpark Habichtswald gehörigen Langenberge mit dem Gudensberger Stadtwald. Dieser erstreckt sich als durchschnittlich rund 500 Meter schmaler Streifen etwa sieben Kilometer weit nach Norden und hat dort ein vielleicht 150 Meter langes Stück gemeinsame Grenze mit der Gemeinde Schauenburg.
Stadtgliederung Neben der Kernstadt sind die Dörfer Deute, Dissen, Dorla, Gleichen, Maden und Obervorschütz Stadtteile von Gudensberg.
Geschichte Vorgeschichte In der Umgebung von Gudensberg hat man zahlreiche vor- und frühgeschichtlichen Funde nachweisen können. Am Lamsberg hat man Funde aus der Rössener Kultur entdeckt. 1938 wurde zwischen dem Odenberg und Gudensberg eine bandkeramische Siedlung um 4000 v. Chr. und eine eisenzeitliche Siedlung um Christi Geburt ausgegraben. Am Kasseler Kreuz fand man beim Bahnbau 1899 ein Brandgräberfeld aus der Zeit 1000 v. Chr. Im Sommer und Herbst 2007 wurden zwischen Gudensberg und Maden Teile einer bedeutenden jungsteinzeitlichen Siedlung aus der Zeit von 5500 bis 4900 v. Chr. ausgegraben. Dabei wurden auch die Reste mehrerer typischer Langhäuser, Grubenöfen zum Backen, Vorratsgruben für Getreide, mehrere Menschenbestattungen, Getreidemühlen und Keramikscherben gefunden.
Mittelalter mini|Kupferstich nach Merian-Stich um 1654 von Gudensberg mit Umgebung, Reproduktion um 1850 mini|Die Obernburg mini|hochkant|Gefangenenturm
Die älteste bekannte schriftliche Erwähnung des Ortes wird in die Zeit 1119–1122 datiert, wo der nordhessische Gaugraf Giso IV. als Graf von Udenesberc unterzeichnet. Der Name leitet sich vermutlich von Odinsberg ab, ein ortsnamenstheoretischer Beleg, dass in altgermanischer Zeit dort von den Chatten der germanische Gott Odin (bzw. Wotan) verehrt worden sein dürfte. So finden sich die Ortsbezeichnungen Wothenesberc (1123), Wuodesnberg (1131) und Wotensberg (1209) in Urkunden des 12. und frühen 13. Jahrhunderts, und noch 1672 wurde der Ort in einer Urkunde als Wutansberg bezeichnet. Weitaus häufiger jedoch erscheint schon seit dem frühen 12. Jahrhundert der heutige Ortsname, wenn auch häufig in leicht abgewandelten Variationen.
Im Mittelalter wurde auf dem Berg die Obernburg erbaut, die Sitz hessischer Gaugrafen aus dem Geschlecht der Werner und danach dem der Gisonen war. Da die Grafen auf der nahegelegenen Mader Heide Thing hielten, wurde die Grafschaft auch häufig als Grafschaft Maden bezeichnet. Nach der Vermählung von Hedwig von Gudensberg mit dem Grafen und späteren Landgrafen Ludwig I. von Thüringen 1122 und dem Aussterben der Gisonen im Mannesstamm 1137 gehörte Gudensberg bis 1247 den Ludowinger Landgrafen von Thüringen, die sich bzw. ihre jüngeren Brüder, die von Gudensberg aus die hessischen Landesteile verwalteten, dann teilweise Grafen von Gudensberg, teilweise Grafen von Hessen nannten. Einer von ihnen war Konrad von Thüringen, der 1232 die mainzische Stadt Fritzlar nach zunächst erfolgloser Belagerung doch noch erstürmte und einäschern ließ. Als Residenz der jüngeren Brüder der Ludowinger Landgrafen erlebte Gudensberg eine Blütezeit, mit der ersten Ummauerung von etwa 1170 bis 1180 und der Erwähnung als Stadt 1254 mit städtischer Verfassung zu Beginn des 13. Jahrhunderts.
Nach dem Tod Heinrich Raspes, dem letzten thüringischen Landgrafen aus dem Geschlecht der Ludowinger, und der Teilung Thüringens nach dem thüringisch-hessischen Erbfolgekrieg fiel Gudensberg an die neue, nunmehr von Thüringen getrennte Landgrafschaft Hessen, und Heinrich I., Enkel der Hl. Elisabeth, wurde 1247 auf der Mader Heide zum ersten Landgrafen von Hessen ausgerufen. 1300 verlegte Heinrich I. den Sitz der Verwaltung von Niederhessen von Gudensberg nach Kassel, wo er bereits ab 1277 residierte, und Gudensberg verlor seine politische und administrative Bedeutung. 1324 wurde Gudensberg jedoch nochmals als die Hauptstadt vom Nyderlandt zu Hessen erwähnt. 1356 wurde die sogenannte „Freiheit“ als selbständige Stadt gegründet; dorthin zogen – unter Druck des Landgrafen Heinrich II. – mehrheitlich die Bewohner kleiner benachbarter und in der Folge aufgegebener Siedlungen wie Mittelvenne, Langenvenne und Karlskirchen. 1365 wurde das „Hospital zum heiligen Geist“ für Aussätzige gegründet, das sogenannte „Siechenhaus“.
In den zahlreichen Fehden zwischen dem Erzbistum Mainz und der Landgrafschaft Hessen war Gudensberg einer der Hauptstützpunkte Hessens und erlitt wiederholt schweren Schaden. Am 2. September 1387 wurden Gudensberg und die Wenigenburg, jedoch nicht die Obernburg, von mainzischen Truppen eingenommen und eingeäschert. Ein Jahr später zerstörte Erzbischof Adolf von Mainz alles, was im Vorjahre der Verwüstung entgangen war.
Neuzeit Wiederholt suchten Brandkatastrophen die Stadt heim. 1587 wurde die Stadt durch Unachtsamkeit verwüstet. 1640 wurde Gudensberg während des Dreißigjährigen Krieges durch kaiserliche Truppen gebrandschatzt; bei dieser Plünderung verlor der Philosoph und Theologe Daniel Angelocrator sein gesamtes Hab und Gut.
Tilly berief 1626 einen Landtag der hessischen Städte in Gudensberg ein, auf dem er vergeblich die Abdankung des Landgrafen Moritz zu erreichen versuchte. Ein Jahr später (1627) erzwangen dann die auf der Mader Heide versammelten hessischen Landstände von Moritz die Übergabe der Regentschaft an seinen Sohn Wilhelm. Der letzte hessische Landtag auf der Mader Heide wurde 1654 einberufen.
Im Siebenjährigen Krieg wurde 1761 die noch zum Teil erhaltene Obernburg durch Beschuss von britischen Truppen unter John Manners schwer beschädigt. 1806 plünderten französische Truppen die Reste der Obernburg und zerstörten sie völlig. Die Stadttore wurden als Verkehrshindernisse 1823 abgerissen.
Von 1807 bis 1813 war Gudensberg innerhalb des Königreichs Westphalen Verwaltungssitz des Kantons Gudensberg.
Historische Quellen Das Stadtarchiv Gudensberg wird im Hessischen Staatsarchiv Marburg aufbewahrt (Bestand 330 Gudensberg). Der Bestand ist vollständig erschlossen und ist online recherchierbar.Gliederung des Bestandes „330 Gudensberg“, Arcinsys, abgerufen am 20. Februar 2025.
Gebietsreform in Hessen Im Zuge der der Gebietsreform in Hessen wurden zum 31. Dezember 1971 die bis dahin selbständigen Gemeinden Deute, Dissen, Dorla, Gleichen, Maden und Obervorschütz auf freiwilliger Basis in die Stadt Gudensberg eingegliedert. Für alle durch die Gebietsreform eingegliederten Gemeinden wurde je ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung eingerichtet.
Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011
Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Gudensberg 9176 Einwohner. Nach dem Lebensalter waren 1591 Einwohner unter 18 Jahren, 3910 zwischen 18 und 49, 1830 zwischen 50 und 64 und 1840 Einwohner waren älter. Unter den Einwohnern waren 345 (3,8 %) Ausländer, von denen 137 aus dem EU-Ausland, 136 aus anderen europäischen Ländern und 48 aus anderen Staaten kamen.
Die Einwohner lebten in 3986 Haushalten. Davon waren 1128 Singlehaushalte, 1092 Paare ohne Kinder und 1246 Paare mit Kindern, sowie 348 Alleinerziehende und 74 Wohngemeinschaften. In 1045 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 6635 Haushaltungen lebten keine Senioren.
Einwohnerentwicklung Quelle: Historisches Ortslexikon • 1575/85: 189 Hausgesesse • 1639: 112 verheiratete, 46 verwitwete Hausgesesse • 1735: 200 Mannschaft • 1742/47: 275 Häuser bzw. Hausgesesse
Historische Erwerbstätigkeit • 1961 Erwerbspersonen: 185 Land- und Forstwirtschaft, 678 Produzierendes Gewerbe, 295 Handel und Verkehr, 253 Dienstleistungen und Sonstiges
Historische Religionszugehörigkeit Quelle: Historisches Ortslexikon • 1861: 18504 evangelisch-reformierte, ein evangelisch-lutherischer, zwei katholische, 157 jüdische Einwohner • 1885: evangelisch-lutherische evangelische (= 88,49 %), 27 katholische (= 1,45 %), 187 jüdische (= 10,06 %) Einwohner • 1961: evangelisch-lutherische evangelische (= 88,49 %), 197 katholische (= 13,10 %) Einwohner • 1987: 5777 evangelische (= 79,34 %), 902 katholische (= 12,39 %), 602 sonstige (= 8,37 %) Einwohner • 2011: 5623 evangelische (= 61,28 %), 1165 katholische (= 12,71 %), 2368 sonstige (= 25,81 %) Einwohner
Jüdische Gemeinde
Gudensberg hatte eine seit dem 17. Jahrhundert aufblühende jüdische Gemeinde (Kehillah), die 1871 insgesamt 194 Mitglieder zählte und durch Bürger aus den umliegenden Dörfern, insbesondere Maden und Obervorschütz, noch erheblich verstärkt wurde.
Gudensberg war im ausgehenden 18. Jahrhundert von regionaler Bedeutung für die jüdischen Gemeinden: von 1788 bis 1797 fanden am Ort vier Judenlandtage statt, die jeweils drei bis fünf Wochen dauerten und zu welchen alle jüdischen Steuerzahler erscheinen mussten. Auch der letzte Judenlandtag in Hessen-Kassel fand 1807 in Gudensberg statt. Seit 1830 war Gudensberg Sitz des Kreisrabbinats für die Landkreise Fritzlar und Melsungen; der bekannteste Kreisrabbiner war Mordechai Wetzlar (1801–1878). An Gemeindeeinrichtungen bestanden eine Synagoge, eine Schule, ein rituelles Bad, und der Friedhof in Obervorschütz.
Die 1825 erstmals erwähnte jüdische Schule, an der auch Wetzlar unterrichtete, war wohl die älteste ihrer Art in Niederhessen. Sie wurde 1877 von 26 und 1882 von 48 Kindern besucht. Die Schule, im Haus neben der Synagoge, wurde am 1. Januar 1934 von den Nationalsozialisten geschlossen; zu diesem Zeitpunkt waren noch 14 Kinder eingeschult. Der letzte Lehrer war Hermann Stern.
Die große steinerne Gudensberger Synagoge, die etwa 280 Personen Platz bot, wurde 1840–1843 von dem Kasseler Architekten Abraham Rosengarten gebaut, der auch die großen Synagogen in Kassel, Hamburg, Wiesbaden und Wien erbaute. Die Synagoge wurde 1937 geschlossen, 1938 in Privatbesitz verkauft, und danach als Lagerhalle genutzt und allmählichem Verfall preisgegeben. 1985 wurde der Bau unter Denkmalschutz gestellt, 1991 von der Stadt gekauft, und 1995 nach gründlicher Sanierung als Kulturhaus eingeweiht.
Am 30. Januar 1933 lebten 124 Juden in der Stadt. Mindestens 60 in Gudensberg, Maden oder Obervorschütz geborene oder dort wohnhafte Juden wurden in Konzentrationslager deportiert und dort ermordet oder gelten seitdem als verschollen. Im Mai 1938, als die letzte jüdische Familie Gudensberg verließ, kam die Geschichte dieser einst blühenden Gemeinde zu Ende. Im März 2009 und in den Jahren danach, wurden an verschiedenen Stellen der Stadt „Stolpersteine“ verlegt, um an ehemalige Mitbürger jüdischen Glaubens zu erinnern.SEKnews: Stolpersteine sollen Erinnerung wachhalten
Politik Stadtverordnetenversammlung Für die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Gudensberg erbrachte die Kommunalwahl am 15. März 2026 folgendes amtliche Endergebnis,Votemanager: Amtliches Endergebnis der Gemeindewahl am 15. März 2026 - 23° Election Manager: Gudensberg 2026 in Vergleich gesetzt zu früheren Kommunalwahlen:Votemanager: Amtliches Endergebnis der Gemeindewahl am 14. März 2021