mini|hochkant|Erstausgabe im Schutzumschlag, Secker & Warburg, London 1949 1984 (Originaltitel: Nineteen Eighty-Four, deutscher Alternativtitel: Neunzehnhundertvierundachtzig), geschrieben von 1946 bis 1948 und erschienen im Juni 1949, ist ein dystopischer Roman von George Orwell, in dem ein totalitärer Überwachungsstaat im Jahr 1984 dargestellt wird. Protagonist der Handlung ist Winston Smith, ein einfaches Mitglied der diktatorisch herrschenden fiktiven Staatspartei Sozialistische Partei Englands, die sich auf die herrschende politische Ideologie Engsoz (Englischer Sozialismus, original Ingsoc) stützt.
Der allgegenwärtigen Überwachung zum Trotz will Smith seine Privatsphäre sichern und etwas über die Vergangenheit erfahren, die von der Partei durch umfangreiche Geschichtsfälschung verheimlicht wird. Dadurch gerät er mit dem System in Konflikt, das ihn gefangen nimmt, foltert und einer Gehirnwäsche unterzieht.
Orwell begann 1946 während seines Aufenthaltes auf der Insel Jura vor der Küste Schottlands mit dem Verfassen des Buches und stellte es Ende 1948 fertig., web.archive.org, abgerufen am 22. April 2019. Der Titel enthält den Zahlendreher der Jahreszahl 1948 zu 1984 als Anspielung auf eine zwar damals noch fern erscheinende, aber doch eng mit der damaligen Gegenwart verknüpfte Zukunft, ähnlich wie in Orwells vorangegangenem Roman Farm der Tiere.
Der „unter dem Eindruck der Nazismus, des Stalinismus und der Wirtschaftspolitik der Industriestaaten während des Zweiten Weltkriegs“ (Kindlers Literatur Lexikon) entstandene Roman wird oft dann zitiert („Big Brother is watching you“) bzw. sein Titel oder der Name Orwell genannt, wenn es darum geht, staatliche Überwachungsmaßnahmen kritisch zu kommentieren oder auf Tendenzen zu einem Überwachungsstaat hinzuweisen.
Inhalt Zusammenfassung Die Welt ist in die drei Machtblöcke Ozeanien, Eurasien und Ostasien aufgeteilt, die sich, in ständig wechselnden Koalitionen, in dauerhaftem Krieg miteinander befinden. Die Handlung des Romans spielt in Ozeanien, das Nord- und Südamerika, die britischen Inseln, Australien und das südliche Afrika umfasst, wobei Winston Smith im „Landefeld 1“ (England) lebt. In dem diktatorisch und totalitär geführten Staat unterdrückt eine vom – nie wirklich sichtbaren – Großen Bruder (Big Brother) geführte Parteielite (Innere Partei) die restlichen Parteimitglieder (Äußere Partei) und die breite Masse des Volkes, die „Prolls“ (Proles).
Die allgegenwärtige Gedankenpolizei überwacht permanent alle Parteimitglieder. Mit nicht abschaltbaren Fernsehgeräten (Teleschirmen, engl. telescreens), die alle Wohnungen visuell kontrollieren und abhören, schürt das Staatsfernsehen Hass auf den Staatsfeind Emmanuel Goldstein, der angeblich eine gegen die Partei gerichtete Untergrundorganisation, die „Bruderschaft“, leitet. Dieser Hass wird den Menschen als Teil der allgegenwärtigen Propaganda täglich neu eingehämmert und dient dazu, die Bevölkerung durch das gemeinsame omnipräsente und anscheinend übermächtige Feindbild zusammenzuschweißen und von ihrem entbehrungsreichen, von harter Arbeit geprägten Leben abzulenken.
Die Sprache wird von „schädlichen Begriffen“ gereinigt und wurde durch eine neue Sprache (Neusprech – Newspeak) ersetzt. Zudem beeinflusst die Partei das Denken in ihrem Sinn mit ständig wiederholten, antithetischen Parolen wie „Krieg ist Frieden“, „Freiheit ist Sklaverei“ und „Unwissenheit ist Stärke“. Im Laufe der Handlung wird auch die Frage aufgeworfen, ob die Partei den Krieg mit den anderen Ländern und den Terror der verfemten Untergrundbewegung Goldsteins nicht vielleicht insgeheim selbst inszeniert, um einen Vorwand für die massive Überwachung, den permanenten Ausnahmezustand und die umfassende Unterdrückung zu schaffen. Die Bürger werden durch die konstant wiederholte Parole „Der Große Bruder beobachtet dich“ („Big Brother is watching you“) fortlaufend an ihre Überwachung erinnert.
Die Hauptfigur Winston Smith arbeitet im Ministerium für Wahrheit in London und ist damit beschäftigt, alte Zeitungsberichte und somit das Geschichtsbild fortwährend an die gerade herrschende Parteilinie anzupassen. Obwohl er zur Äußeren Partei gehört, lehnt Smith das totalitäre System ab und führt heimlich Tagebuch über seine verbotenen Gefühle. Julia, ebenfalls Parteimitglied, wird zu seiner Geliebten und Mitwisserin. Smith versucht, mit der von der Partei verfolgten Untergrundbewegung Kontakt aufzunehmen. In dem scheinbar gleichgesinnten O’Brien glaubt er, einen Helfer und Mitkämpfer gefunden zu haben, dieser stellt sich jedoch später als besonders intelligentes und fanatisches Mitglied der Inneren Partei heraus, von dem Winston schließlich verhaftet wird. Unter der Folter im Ministerium für Liebe bricht Smith psychisch zusammen: Er verrät Julia, verliert seine gerade erst neu gewonnene Individualität und glaubt nach einer Gehirnwäsche schließlich, durch seine neu entdeckte Liebe zum Großen Bruder endlich frei zu sein.
Teil 1 Die Geschichte beginnt mit einem Bild des Alltags in einem dystopischen Überwachungsstaat. Winston Smith arbeitet im Ministerium für Wahrheit (Propagandaministerium) in London. Sein Leben ist geprägt von Versorgungsproblemen, ständiger Überwachung, Angst und Mangel an persönlichen Beziehungen. Seine Arbeit besteht zum größten Teil darin, im Sinne der Partei Geschichtsklitterung zu betreiben, das heißt, unbequeme Fakten und Daten zu manipulieren oder zu löschen und so die historische Wahrheit für die Öffentlichkeit und Nachwelt zu verfälschen. So wie er leben alle ihm bekannten Mitglieder der Äußeren Partei in Ozeanien, einem der drei Superstaaten; die beiden anderen sind Eurasien und Ostasien. Deren Existenz ist allerdings nicht belegt, sondern möglicherweise von der Partei nur vorgetäuscht, um einen permanenten Kriegszustand zu rechtfertigen. Es stellt sich sogar die Frage, ob die häufig in Ozeanien einschlagenden Raketen nicht von der Partei selbst abgefeuert werden.
Innerlich kann sich Winston schon lange nicht mehr mit der Parteidoktrin identifizieren. Er muss seine Meinung geheim halten, da in Ozeanien nicht nur alle Handlungen gegen die herrschende Partei als Verbrechen gelten, sondern schon der Wunsch zum Widerstand ein sogenanntes Gedankenverbrechen (thoughtcrime) ist. Es fällt Winston besonders schwer, sich angesichts der ständigen Videoüberwachung durch Teleschirme, Polizeistreifen, Nachbarn und Arbeitskollegen zu verstellen. Die Mitglieder der Äußeren Partei werden derart streng überwacht, dass bereits das nervöse Zucken eines Fingers oder ein falscher Blick zur Verhaftung und zum Tod führen können. Winston beginnt schließlich, seine Gedanken heimlich in einem Tagebuch festzuhalten, das er bei Mr. Charrington, dem Inhaber eines alten Kramladens, entdeckt hat.
Als ihm eines Tages bei der Arbeit eine bei der „Jugendliga gegen Sexualität“ engagierte junge Frau namens Julia durch Blickkontakte auffällt, vermutet er, dass sie ein Mitglied der Gedankenpolizei (der Geheimpolizei des Systems) oder eine „Amateurspionin“ (selbstständig arbeitender Spitzel) ist.
Winstons großes Interesse für die Vergangenheit treibt ihn immer wieder in die Elendsviertel der Prolls (Proletarier). Als ihm Mr. Charrington eine Glaskugel zeigt, die eine Koralle umschließt, ist Winston sofort von diesem Stück Vergangenheit fasziniert und kauft es. Mr. Charrington führt Winston später in ein möbliertes Zimmer, in dem es keinen überwachenden Teleschirm zu geben scheint. Von dem Zimmer ist Winston so angetan, dass er es am liebsten mieten möchte; doch auch das ist bereits ein gefährlicher Gedanke, den er wieder verwirft, als er sich dessen bewusst wird.
Teil 2 Dieser Teil handelt von Winstons Weg in den inneren Widerstand und endet mit seiner Verhaftung durch die Gedankenpolizei.
Auf dem Weg von Charringtons Kramladen nach Hause begegnet ihm wieder Julia. Für ihn besteht jetzt kein Zweifel mehr, dass sie ein Mitglied der Gedankenpolizei ist. Ein paar Tage später trifft er sie im Wahrheitsministerium ein drittes Mal. Gerade als sie an ihm vorbeigehen will, stürzt sie. Während Winston ihr wieder auf die Beine hilft, steckt sie ihm heimlich einen kleinen Zettel zu. Weil Winston sich in der Nähe eines Teleschirms befindet, wartet er, bis er seinen Arbeitsplatz wieder erreicht hat, bevor er es riskiert, ihre Botschaft an ihn zu lesen: „Ich liebe Dich.“
In den nächsten Tagen versucht er mehrfach vergeblich, Kontakt mit der jungen Frau aufzunehmen. Eines Tages aber sitzt sie allein an einem Tisch in der Kantine, und Winston setzt sich dazu. Zuerst wagt er nicht, sie anzusprechen, denn sie werden überall von Teleschirmen überwacht. Daher können sie nur wenige Worte miteinander wechseln. Er erfährt, dass sie eine heimliche persönliche Rebellion gegen die Partei führt. Nachdem sich die beiden einige Male in aller Heimlichkeit und unter großen Mühen auf dem Land getroffen haben, stimmt Julia zu, das Zimmer über Mr. Charringtons Laden zu mieten, um ihre Zweisamkeit auszuleben. Dort sehen und lieben sie sich von nun an öfter. Auch das ist ein Schwerverbrechen, weil Sexualität unter Parteimitgliedern nur der Fortpflanzung dienen darf und schrittweise durch künstliche Befruchtung ersetzt werden soll.
Winston erzählt Julia von O’Brien, einem Mitglied der Inneren Partei, den er für einen Regimegegner hält, da dessen Verhalten ebenfalls leicht von der Norm abweiche. Mit Julia besucht er O’Brien in dessen Wohnung. Zwar hängt auch bei ihm ein Teleschirm, der aber kann wenigstens für kurze Zeit abgeschaltet werden. Auf diese Weise können die drei eine halbe Stunde lang scheinbar unbeobachtet miteinander sprechen. O’Brien gibt sich als Mitglied der Bruderschaft, der Untergrundbewegung des Staatsverräters Emmanuel Goldstein, aus und lässt Winston ein Exemplar von Goldsteins berüchtigtem Buch Die Theorie und Praxis des oligarchischen Kollektivismus zukommen. Vor seiner Verhaftung kommt Winston dazu, das erste und das dritte Kapitel des Buchs zu lesen. Im Grunde findet er dort nur eine deutliche Beschreibung von Dingen, die ihm ohnehin schon klar waren, und stellt fest: „Das Wie verstehe ich, aber nicht das Warum“. Später erfährt er, dass O’Brien Mitverfasser des Buches ist.
Am selben Tag besprechen Winston und Julia ihre gemeinsame Zukunft. Während Julia von einem glücklichen Leben zusammen mit Winston im Untergrund träumt, möchte dieser um jeden Preis die Partei bekämpfen. Dabei ist ihm klar, dass man sie dann bald aufspüren, foltern und liquidieren würde. Im selben Augenblick wird das Zimmer umstellt und aufgebrochen. Nun stehen sie das erste Mal wissentlich einem Mitglied der Gedankenpolizei gegenüber: Mr. Charrington, dem Besitzer des Ladens, der sie die ganze Zeit über durch einen hinter einem Wandbild verborgenen Teleschirm hat beobachten lassen.
Teil 3 Dieser Teil beschreibt die Gefangenschaft Winstons, seine Folter und Umerziehung sowie das Geschehen nach seiner Freilassung.
Nach seiner Verhaftung wacht Winston in einem fensterlosen, ständig hell beleuchteten Raum auf. Er vermutet, dass man ihn ins Ministerium für Liebe gebracht hat. Alle Wände sind weiß gekachelt, an jeder befindet sich ein Teleschirm. Rund um den Raum zieht sich an der Wand entlang eine Bank, gerade breit genug zum Sitzen und einzig durch eine Toilette gegenüber der Tür unterbrochen. Ständig kommen neue Gefangene in Winstons Zelle und werden wieder abgeholt. Auch Winston wird von Zeit zu Zeit verlegt. Er erfährt von einem mysteriösen „Zimmer 101“, vor dem alle Angst haben. Winston verliert durch das ständige Licht und den fehlenden Tagesrhythmus bald das Zeitgefühl. Er bekommt kaum zu essen und magert zusehends ab.