mini|hochkant=1.3|Blick von Norden auf das Zentrum von Wüstenrot

Wüstenrot ist eine Gemeinde im Mainhardter Wald mit etwa 6.600 Einwohnern, mehr als die Hälfte davon in eingemeindeten kleineren Dörfern. Sie gehört zum Landkreis Heilbronn und zum Regionalverband Heilbronn-Franken. Im für die Gemeinde namengebenden Hauptort Wüstenrot wurde 1921 die Wüstenrot Bausparkasse gegründet.

Geographie mini|Luftbild von Wüstenrot von Westen, 1983 Geographische Lage Wüstenrot liegt im Mainhardter Wald im Südosten des Landkreises Heilbronn im Naturraum Schwäbisch-Fränkische Waldberge.Naturräume Baden-Württembergs. Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg, Stuttgart 2009 Im Gemeindegebiet entspringt die Rot, die das zentrale Gemeindegebiet entwässert. Der Norden des Gemeindegebiets um Maienfels entwässert zur Brettach, während Neulautern im Tal der „Spiegelberger“ Lauter liegt.

Nachbargemeinden Nachbarstädte und -gemeinden Wüstenrots sind (im Uhrzeigersinn, beginnend im Westen): die Städte Beilstein und Löwenstein (beide Landkreis Heilbronn), Bretzfeld (Hohenlohekreis), Mainhardt (Landkreis Schwäbisch Hall), Großerlach und Spiegelberg (beide Rems-Murr-Kreis) sowie Oberstenfeld (Ortsteil Prevorst, Landkreis Ludwigsburg).

Gemeindegliederung Die Gemeinde Wüstenrot besteht aus den fünf Ortschaften (und ehemaligen Gemeinden) Wüstenrot, Finsterrot, Maienfels, Neuhütten und Neulautern.

Zur Ortschaft Wüstenrot gehören die Weiler Bernbach, Greuthof, Hasenhof, Schmellenhof, Spatzenhof, Stangenbach, Stollenhof und Weihenbronn sowie die Wohnplätze Chausseehaus, Hals, Horkenbrück und Lohmühle.

Zu Finsterrot gehören die Wohnplätze Berg, Binsenhof und Dörfle.

Zu Maienfels gehören die Weiler Berg, Busch, Kreuzle, Oberheimbach, Ochsenhof, Schweizerhof und Walklensweiler sowie die Höfe Blindenmannshäusle und Happbühl.

Zu Neuhütten gehören die Weiler Bärenbronn, Kühhof, Lauxenhof und Plapphof sowie der Wohnplatz Jägerhaus im Kreuzle.

Zu Neulautern die Weiler Altlautern und Buchenbach sowie der Wohnplatz Lautertal.Quellen für den Abschnitt Gemeindegliederung: Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band IV: Regierungsbezirk Stuttgart, Regionalverbände Franken und Ostwürttemberg. Kohlhammer, Stuttgart 1980, ISBN 3-17-005708-1. S. 150–153 sowie Nachträge in Bd. VIII, Stuttgart 1983, ISBN 3-17-008113-6, S. 662 Wüstenroter Heimatbuch (s. Literatur), S. 9, 84f. none|498px|alternativtext=Grafik mit den Ortschaften und Ortsteilen der Gemeinde Wüstenrot|Ortschaften der Gemeinde Wüstenrot

Der zu Wüstenrot gehörende ehemalige Wohnplatz Neuhütte im Joachimstal ist seit 1999 eine Wüstung.Das Forsthaus Joachimstal. Ordnung und Freiheit, Natur und Ökonomie. Hohenloher Freilandmuseum, Schwäbisch Hall 2006, ISBN 3-9806793-6-5 (Häuser, Menschen und Museum, 3). S. 15

Die Gemeinde Wüstenrot hat nach Zahlen der Gemeindeverwaltung (Stand 31. Dezember 2014) 6.670 Einwohner, von denen 2.980 im Ortsteil Wüstenrot, 1.666 in Neuhütten, 1.004 in Maienfels, 515 in Neulautern und 505 in Finsterrot leben.Gemeinde Wüstenrot: Informationsbroschüre. 13. Auflage. Gemeinde Wüstenrot, Wüstenrot 2015, S. 5, online hier bzw. hier (PDF; 12 MB)

Flächenaufteilung

Nach Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 2014.Statistisches Landesamt, Fläche seit 1988 nach tatsächlicher Nutzung für Wüstenrot.

Geschichte mini|hochkant|Ersterwähnung Stangenbachs im Codex Eberhardi (ungefähr in der Bildmitte)

Römerzeit In der Nähe der heutigen Gemeinde liegt der Obergermanische Limes. Dennoch wurde die Gegend zu römischer Zeit noch nicht besiedelt.

Mittelalter Die erste überlieferte Erwähnung einer Ortschaft im Gemeindegebiet ist 779 die Schenkung eines Besitzes in Stangenbach an das Kloster Fulda. Wüstenrot wurde erst 1325 erstmals erwähnt.

Während des 11. und 12. Jahrhunderts gehörte die Gegend den Grafen von Löwenstein. 1277, nach dem Ende der Staufer, erwarben die Grafen von Hohenlohe, die Herren von Weinsberg und die Schenken von Limpurg Einfluss. Die Burg Maienfels über dem Brettachtal fiel an die Herren von Weinsberg, die auch die nahe Burg Böhringsweiler (auf heutiger Gemarkung von Großerlach) besaßen.

Im 14. Jahrhundert besaß ein Rittergeschlecht, das sich nach der Burg benannte, Maienfels. Noch im 14. Jahrhundert starben die Ritter von Maienfels aus, und die Burg fiel 1390 an Wolf von Wunnenstein, genannt „Gleißender Wolf“. Dessen Sohn unternahm Raubzüge gegen reichsstädtische Handelszüge, bis er durch die Stadt Rothenburg gefangen genommen wurde.

Frühe Neuzeit Wüstenrot fiel 1504 an Württemberg, während das um 1511 gegründete Finsterrot zu Hohenlohe gehörte. Das Dorf entstand in einer Rodung, die Wendel Hipler, hohenlohischer Kanzler, vornehmen ließ. Zu dieser Zeit gewann die Glasherstellung, die sich der reichen Holzvorräte der umliegenden Wälder bediente, an Bedeutung. Ortsnamen wie Neuhütten erinnern noch heute an diesen Wirtschaftszweig, der bis in das 19. Jahrhundert bestand. Im Dreißigjährigen Krieg wurden die Orte im Mainhardter Wald wie in ganz Württemberg stark in Mitleidenschaft gezogen. Die Bevölkerung ging teils auf die Hälfte zurück und erreichte erst Jahrzehnte später wieder den alten Stand.

mini|Karte Wüstenrots im Jahr 1765 1772/73 erfasste ein „Silberrausch“ Wüstenrot und Umgebung. Dem naturwissenschaftlich interessierten Prälaten Oetinger aus dem nahen Murrhardt waren Erzproben aus der Wüstenroter Pfaffenklinge überbracht worden. Ein selbsternannter betrügerischer „Bergrat Riedel“ aus Sachsen, der sich damals bei Oetinger aufhielt, behauptete, diese hätten einen hohen Silbergehalt, und konnte Oetinger davon überzeugen, sich für den Betrieb eines Bergwerks an dieser Stelle einzusetzen. Durch den Einsatz Oetingers wurde das Bergwerk namens Unverhofftes Glück genehmigt, der Verkauf von Kuxen finanzierte es. Riedel gelang es, Offiziere und Soldaten aus Ludwigsburg, darunter Schillers Vater Johann Kaspar Schiller, zur Finanzierung eines weiteren Stollens neben dem ersten zu gewinnen, der den Namen Soldatenglück erhielt. Auch in den benachbarten Orten Erlach und Neulautern legte man Silberbergwerke an. Silberfunde blieben jedoch überall aus, und trotz einer Bergwerkspredigt Oetingers am 25. Juli 1773, die zum Ausharren ermahnte, wuchsen die Zweifel an Riedel, der schließlich in Löwenstein verhaftet wurde. Der Betrieb der Bergwerke wurde eingestellt, das Inventar verkauft. Seit 1986 steht die Pfaffenklinge mit den Stollen als flächenhaftes Naturdenkmal unter Schutz.Steckbrief des Naturdenkmals Pfaffenklinge mit Silberstollen "..u.Soldatenglück bei der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg

Im 18. und frühen 19. Jahrhundert war die Familie Wenzel weit in Wüstenrot verbreitet. Aus ihr entstammten mehrere Schultheiße und Gastwirte sowie vor allem zahlreiche Hüttenmeister der Glashütte in Neulautern. Der Bundeskanzler Helmut Schmidt, dessen Vater anfangs noch den Nachnamen Wenzel trug, stammt von dem um 1800 aus Wüstenrot nach Hamburg verzogenen Christian Heinrich Wenzel ab.Klaus Irmscher: Die Wenzel-Ahnen des Altbundeskanzlers Helmut Schmidt und die Wanderungsbewegung der Glasmacher Wenzel im deutschen Südwesten. In: Genealogie, Heft 7–8/1997, S. 597–625.

Württembergische Königszeit Während der Neuordnung der Region im Zuge der Mediatisierung zu Napoleons Zeit kamen die Orte Finsterrot, Maienfels, Neuhütten und Neulautern ebenfalls an Württemberg, welches 1806 zum Königreich erhoben wurde. Bei der Umsetzung der neuen Verwaltungsgliederung verblieb das altwürttembergische Wüstenrot beim bisherigen Oberamt Weinsberg. Die vier neuwürttembergischen Nachbarorte kamen nach verschiedenen Zwischenlösungen schließlich bis 1810 ebenfalls alle zu diesem Oberamt. Im Laufe der Märzrevolution 1848 kam es in der Ritterschaft Maienfels, die zwar keine hoheitlichen Rechte mehr hatte, jedoch als Landbesitzerin immer noch Abgaben von den Bauern erheben konnte, zu Aufständen. Not, Elend und Misswirtschaft der Orts-Schultheißen trieben die Einwohner zur Auswanderung und führten dazu, dass 1855/56 alle fünf Gemeinden unter Staatsaufsicht gestellt wurden, die in Wüstenrot bis 1864 andauerte, in Neulautern bis 1876. Ende des 19. Jahrhunderts wurden die ersten Industrieansiedlungen errichtet, die neben der Landwirtschaft, der Glasherstellung und der Holzwirtschaft für weitere Erwerbsmöglichkeiten in der Region sorgten.

Zwischenkriegszeit 1921 gründete Georg Kropp in Wüstenrot die Bausparkasse Gemeinschaft der Freunde, aus der sich die spätere Wüstenrot Bausparkasse entwickelte. Schon 1930 siedelte das Unternehmen nach Ludwigsburg über, behielt aber den Namen Wüstenrot bei. Die daraufhin von einem ehemaligen Kropp-Mitarbeiter 1931 in Wüstenrot gegründete Bausparkasse Deutsche Erde erwies sich als kurzlebig und wurde 1933 wieder aufgelöst.

1926 löste die Regierung des Volksstaates Württemberg das Oberamt Weinsberg auf. Wüstenrot und Neulautern wurden nun dem Oberamt Heilbronn unterstellt, Finsterrot, Maienfels und Neuhütten dem Oberamt Öhringen.

Bei der Verwaltungsreform während der NS-Zeit in Württemberg gelangten Wüstenrot und Neulautern 1938 zum Landkreis Heilbronn, Finsterrot zum Landkreis Schwäbisch Hall und Maienfels sowie Neuhütten zum Landkreis Öhringen.

Nachkriegszeit Nach dem Zweiten Weltkrieg fiel Wüstenrot mit allen heute zugehörigen Ortschaften in die Amerikanische Besatzungszone und gehörte somit zum neu gegründeten Land Württemberg-Baden, das 1952 im Bundesland Baden-Württemberg aufging. Am 1. Januar 1973 wurde im Rahmen der Gemeinde- und Verwaltungsreform die Gemeinde Neulautern nach Wüstenrot eingemeindet. Am 1. Januar 1974 schlossen sich dann die Gemeinden Wüstenrot (mit Neulautern), Neuhütten, Maienfels und Finsterrot zur neuen Großgemeinde Wüstenrot im Landkreis Heilbronn zusammen. Damit waren die fünf Orte nicht mehr wie zuvor auf drei verschiedene Landkreise verteilt. Als Name der neuen Gemeinde waren auch Weihenbronn oder Neurot im Gespräch. Schließlich einigte man sich nach anfänglichem Widerstand Neuhüttens doch auf den Namen Wüstenrot, wofür der Bekanntheitsgrad der gleichnamigen Bausparkasse den Ausschlag gab. Ein gemeinsames Rathaus wurde im geographischen Mittelpunkt der Gemeinde nahe Weihenbronn gebaut.

Am 8. Dezember 1975 entschieden sich die Bürger des Maienfelser Ortsteils Brettach für die Trennung von Wüstenrot und die Umgliederung nach Bretzfeld im benachbarten Hohenlohekreis, die am 1. Januar 1977 wirksam wurde.

Religionen Wüstenrot ist mehrheitlich evangelisch. In Maienfels, Neuhütten,Website der Evangelischen Kirchengemeinde Neuhütten NeulauternWebsite der Evangelischen Kirchengemeinde Neulautern und WüstenrotWebsite der Evangelischen Kirchengemeinde Wüstenrot gibt es evangelische Kirchengemeinden, die alle zum Kirchenbezirk Weinsberg-NeuenstadtWebsite des Evangelischen Kirchenbezirks Weinsberg-Neuenstadt der Evangelischen Landeskirche in Württemberg gehören – mit jeweils eigenem Kirchengebäude.

Die Evangelisch-methodistische Kirchengemeinde Wüstenrot-Neuhütten verfügt über zwei Kirchengebäude in Neuhütten und Wüstenrot. Für die katholischen Christen ist die Katholische Kirchengemeinde in (Obersulm)-Affaltrach zuständig, in Neuhütten gibt es ein Kirchengebäude. Neuapostolische Kirchengemeinden gibt es in Wüstenrot und Neulautern, jeweils mit eigenem Kirchengebäude. Seit 2001 gibt es die evangelisch-freikirchliche Gemeinschaft Internationale Christus Gemeinde Wüstenrot.Website der Internationalen Christus Gemeinde Wüstenrot e. V. (abgerufen am 5. Februar 2012) In Neuhütten ist zudem seit Mitte des 19. Jahrhunderts die Evangelische Täufergemeinde Neuhütten vertreten. auf der Website der Evangelischen Täufergemeinde Neuhütten (abgerufen am 29. August 2009)

Politik mini|Das Wüstenroter Rathaus im Ortsteil Weihenbronn Gemeinderat und Ortschaftsräte