Die Verwaltungsgliederung Lettlands umfasst seit 2021 sieben eigenständige staatliche Städte () und 36 Bezirksgemeinden ().

Vom Mittelalter bis zum Ersten Weltkrieg mini|Herzogtümer Livland und Estland im 18. Jh., mit Untergliederungen

Die Livländische Konföderation des Mittelalters bestand aus den Stiftsgebieten der Bistümer und dem Gebiet des Livländischen Ordens.Kurt Forstreuter: Deutschordensland Preußen. In: Georg Wilhelm Sante (Hrsg.): Geschichte der deutschen Länder. Band 1: Die Territorien bis zum Ende des alten Reiches. Ploetz, Würzburg 1964, S. 560–582, hier S. 566: Livland, Bevölkerung und Verwaltung. Das Ordensland war dabei in Komtureien eingeteilt. Mit Einführung der Reformation wurden 1561 die Bistümer aufgehoben und der Ordensstaat zu weltlichen Herzogtümern umgewandelt: Im Herzogtum Kurland und Semgallen bestanden 10 Kreise. Das polnisch-litauische Herzogtum Livland hingegen war zuerst in vier Kreise und ab 1598 in drei Woiwodschaften aufgeteilt. Die Schweden richteten 1629 im eroberten Gebiet die Kreise Riga und Cēsis ein. Der bei Polen verbliebene Teil wurde zur Woiwodschaft Livland. Nachdem im 18. Jahrhundert alle lettischen Gebiete an Russland fielen, bestanden das Gouvernement Livland und das Gouvernement Kurland – beide waren in Kreise eingeteilt. Polnisch Livland wurde 1772 Teil des Gouvernements Witebsk. Im Mittelalter entstanden an den Orten der Warenablieferungen an die Oberherren die lettischen Gemeinden. Die Gemeinde (lettisch ) hatte keine Befugnisse, sondern regelte Angelegenheiten und Streitfälle unter den Bauern. Erst nach der Abschaffung der Leibeigenschaft im 19. Jahrhundert erhielten die Gemeinden eine offizielle Funktion.

Erste Republik Als Lettland 1918 unabhängig wurde, übernahm der Staat zunächst die bestehende Gliederung in 26 Kreise.Jāzeps Jankēvičs: Die regionale Gliederung. In: Thomas Maess (Hrsg.): Lettland. Mundo-Verlag, Leer 1993, ISBN 3-87322-058-X, S. 20–23, hier S. 20. Dann wurde 1924 eine neue administrative Einteilung durchgeführt: Das Land bestand fortan aus 19 Kreisen () und 519 Gemeinden ().

Über die Wechsel der Herrschaftsverhältnisse während des Zweiten Weltkriegs hinweg behielten die Kreise ihre Zuschnitte bis 1945. mini|hochkant=3|zentriert|Verwaltungsgliederung Lettlands 1924–1945

Sowjetrepublik Unter der Sowjetherrschaft wurde die Anzahl der Kreise 1946 auf 20 und 1947 auf 25 erhöht.

1949 wurden die Kreise und Gemeinden aufgelöst und durch eine Einteilung der Lettischen Sowjetrepublik in Rajons ersetzt. In einem Rajon sind typischerweise dessen Institutionen gleichermaßen Institutionen des Zentralortes. Die übrigen Orte besitzen Dorf- (oder Stadt-) Sowjets mit geringen Kompetenzen. Die Anzahl der Rajons betrug anfangs 58, zuletzt 25. mini|hochkant=3|zentriert|Rajons und Gemeinden Lettlands 2007, vor der Verwaltungsreform von 2009

Zweite Republik Nach der Wiederherstellung der lettischen Unabhängigkeit 1990 wurden die Gemeinden wieder eingerichtet und 7 kreisfreie („bezirksfreie“) Städte aus den nun 26 Rajons ausgegliedert, die in 64 Bezirksstädte und 469 Gemeinden gegliedert wurden. (abgerufen am 16. März 2010)

Liste der Rajons:

Aizkraukles rajons, Alūksnes rajons, Balvu rajons, Bauskas rajons, Cēsu rajons, Daugavpils rajons, Dobeles rajons, Gulbenes rajons, Jēkabpils rajons, Jelgavas rajons, Krāslavas rajons, Kuldīgas rajons, Liepājas rajons, Limbažu rajons, Ludzas rajons, Madonas rajons, Ogres rajons, Preiļu rajons, Rēzeknes rajons, Rīgas rajons, Saldus rajons, Talsu rajons, Tukuma rajons, Valkas rajons, Valmieras rajons, Ventspils rajons

Verwaltungsreform von 1996–2009 Diskussionen über eine Reform der territorialen Verwaltung begannen unmittelbar nach der lettischen Unabhängigkeit.Latvijas pašvaldību attīstības vadlīnijas. In: Latvijas Vēstnesis. Latvijas Republikas oficiālais izdevums, Ausgabe vom 14. Dezember 1995. Als Resultat wurde ein einstufiges Modell beschlossen, indem mehrere Gemeinden zusammengefasst und die Landkreise abgeschafft werden sollten.

Bereits 1996 vereinigten sich erste Gemeindeverwaltungen bei Kandava. Danach kam die Reform ins Stocken.

Es wurden die Kommunalwahlen 2009 als letzter Termin festgelegt. Zu diesem Zeitpunkt verloren die restlichen 424 Gemeinden () und 50 Städte rechtlich wieder ihren Gemeindestatus, obwohl die bisherige Bezeichnung Pagasts beibehalten wurde. Die Kommunalebene bestand nun aus 110 Bezirksgemeinden (unter der Bezeichnung , die im Lettischen beispielsweise auch für polnische Woiwodschaften verwendet wird) sowie sieben eigenständigen Republik-Städten. Die alten Gemeindeverwaltungen bestanden teilweise weiter, da die avisierte Umorganisation Zeit brauchte. Siehe: Liste der lettischen Verwaltungsgliederung (2009–2021) mini|hochkant=3|zentriert|Verwaltungsgliederung Lettlands 2009–2021

Verwaltungsreform von 2021 Am 1. Juli 2021 wurden die Bezirksgemeinden neu eingeteilt. Die Territorien der nunmehr zehn staatliche Städte (davon nur 7 als selbstständige Gemeinden) und 36 Bezirksgemeinden ähneln wieder mehr denen der vormaligen Rajons bis 2009. Ein entsprechendes Gesetz war am 22. Juli 2020 vom Staatspräsidenten unterzeichnet worden.apollo.lv:Levits-izsludina-administrativi-teritorialas-reformas-likumu (abgerufen am 16. Juni 2021)

Aktuelle Einteilung Staatliche Städte Nr. Stadt Wappen StaatlicheStadtrechte Fläche Einwohnerzahl Siedlungsdichte Bezirksgemeinde 1 Daugavpils zentriert|25px 1940 72,37 Bezirksgemeinde Augšdaugava (Zusammenarbeit mit) 2 Jēkabpils zentriert|25px 2009 25,45 Bezirksgemeinde Jēkabpils (Teil von) 3 Jelgava zentriert|25px 1940 60,56 Bezirksgemeinde Jelgava (Zusammenarbeit mit) 4 Jūrmala zentriert|25px 1959 101,23 – 5 Liepāja zentriert|25px 1940 68,02 Bezirksgemeinde Dienvidkurzeme (Zusammenarbeit mit) 6 Ogre zentriert|25px 2021 16,18 Bezirksgemeinde Ogre (Teil von) 7 Rēzekne zentriert|25px 1953 17,50 Bezirksgemeinde Rēzekne (Zusammenarbeit mit) 8 Rīga zentriert|48px 1931/1940 304,00 – 9 Valmiera zentriert|25px 2009 19,36 Bezirksgemeinde Valmiera (Teil von) 10 Ventspils zentriert|25px 1940 57,96 Bezirksgemeinde Ventspils (Zusammenarbeit mit) mini|hochkant=3|zentriert|Verwaltungsgliederung Lettlands seit 2021: gelblich unterlegt = staatliche Städte, Normalschrift = Gemeindestatus, kursiv = ohne Gemeindestatus (Stand der Einwohnerzahlen: )

Bezirksgemeinden Nr. Bezirksgemeinde Wappen Zentrum Städte Gemeinden Fläche(km²) Einwohnerzahl Einwohnerdichte(Einw./km²) 1 Ādažizentriert|25px Ādaži 0 243,32 2 Aizkraukle zentriert|25px Aizkraukle 2274,24 3 Alūksne zentriert|25px Alūksne 1 (Alūksne) 1697,58 4 Augšdaugava zentriert|25px Daugavpils 2523,58 5 Balvi zentriert|25px Balvi 2386,29 6 Bauska zentriert|25px Bauska 2174,91 7 Cēsis zentriert|25px Cēsis 2668,13 8 Dienvidkurzeme zentriert|25px Grobiņa 3591,06 9 Dobele zentriert|25px Dobele 1629,33 10 Gulbene zentriert|25px Gulbene 1 (Gulbene) 1872,22 11 Jēkabpils zentriert|25px Jēkabpils 2996,05 12 Jelgava zentriert|25px Jelgava 0 1604,08 13 Krāslava zentriert|25px Krāslava 2288,85 14 Kuldīga zentriert|25px Kuldīga 2505,15 15 Ķekava zentriert|25px Ķekava 444,26 16 Limbaži zentriert|25px Limbaži 2440,96 17 Līvāni zentriert|25px Līvāni 1 (Līvāni) 622,57 18 Ludza zentriert|25px Ludza 2411,35 19 Madona zentriert|25px Madona 1 (Madona) 3076,75 20 Mārupe zentriert|25px Mārupe 0 347,31 21 Ogre zentriert|25px Ogre 1839,42 22 Olaine zentriert|25px Olaine 1 (Olaine) 1 (Olaines pagasts) 308,68 23 Preiļi zentriert|25px Preiļi 1 (Preiļi) 1413,43 24 Rēzekne zentriert|25px Rēzekne 1 (Viļāni) 2810,90 25 Ropaži zentriert|25px Ropaži 1 (Vangaži) 536,12 26 Salaspilszentriert|25px Salaspils 1 (Salaspils) 1 (Salaspils pagasts) 122,81 27 Saldus zentriert|25px Saldus 2179,43 28 Saulkrasti zentriert|25px Saulkrasti 1 (Saulkrasti) 277,79 29 Sigulda zentriert|25px Sigulda 1 (Sigulda) 1029,90 30 Smiltene zentriert|25px Smiltene 1 (Smiltene) 1801,32 31 Talsi zentriert|25px Talsi 2750,78 32 Tukums zentriert|25px Tukums 2450,22 33 Valka zentriert|25px Valka 1 (Valka) 908,83 34 Valmiera zentriert|25px Valmiera 2947,91 35 Ventspils zentriert|25px Ventspils 1 (Piltene) 2458,62 (Stand der Einwohnerzahlen: )

Literatur Astrida Iltnere (Red.): Latvijas pagasti, novadi, pilsētu un novadu lauku teritorijas. Enciklopēdija. Preses Nams, Riga Bd. 1: A – Ļ. 2001, ISBN 9984-00-412-0. Bd. 2: M – Ž. 2002, ISBN 9984-00-436-8.

Einzelnachweise

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