Ufologie (Ableitung von UFO, Abk. für Unidentifiziertes Flug-Objekt, und griechisch λόγος logos, „Lehre“) ist, je nach Sichtweise, eine Proto- bzw. eine Pseudowissenschaft, die sich mit der Untersuchung und dem Studium von UFO-Sichtungen und den damit zusammenhängenden Fragen beschäftigt, etwa der behaupteten Anwesenheit Außerirdischer im Sonnensystem. Ufologie ist keine ausgewiesene akademische Wissenschaft und wird größtenteils von privaten Organisationen und Einzelforschern betrieben. Besonders stark ist die Ufologie in den USA vertreten; in Deutschland gibt es seit den späten 1970er Jahren Ufologie in vergleichsweise begrenztem Umfang.
Eine wissenschaftlich orientierte Ufologie versucht sich von Beginn an von nicht hinreichend überprüfbaren bzw. nicht durch kompetente Beobachter und technische Beobachtungsinstrumente belegten Sichtungen abzugrenzen und so insbesondere auch von Meldungen und Theorien, die im Bereich des Ufoglaubens zu verorten sind, d. h. mythologische oder religiöse bzw. pseudoreligiöse Aspekte aufweisen. Eine Sonderrolle bilden diejenigen UFO-Forscher, die sich explizit mit der Frage befassen, ob im traditionellen mythologischen oder religiösen Schriftgut Darstellungen enthalten sind, die – unter Berücksichtigung der damals unzulänglichen Verständnis- und Sprachmöglichkeiten – an moderne UFO-Sichtungen gemahnen könnten, so dass hierfür der Begriff Prä-Astronautik geprägt wurde.Richard L. Thompson: Begegnung mit Außerirdischen, München 2000. Eine andere Sicht vertritt:
Geschichte mini|Suche nach einer „Geisterrakete“ im See Kölmjärv, 1946, Schweden Schon im Zweiten Weltkrieg hatte es durch amerikanische Militärpiloten UFO-Sichtungen gegeben, die sie „Foo-Fighter“ oder „Kraut-Feuerbälle“ nannten. Laut den Berichten sollen diese Lichtkugeln die Kampfflieger umrundet und begleitet haben, weshalb sie manchmal für Beobachtungsflugkörper des Feindes gehalten wurden. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren es die sogenannten „Geisterraketen“ in Schweden und schließlich die Sichtung des US-amerikanischen Piloten Kenneth Arnold von „fliegenden Untertassen“ 1947, die das öffentliche Interesse auf das UFO-Phänomen lenkten.
Mit den Versuchen, diese Sichtungen aufzuklären, beginnt auch die Geschichte der Ufologie. Anfangs war es vor allem das Militär, welches Untersuchungen anstrengte. Das US-Militär befürchtete geheime Fluggeräte der UdSSR hinter den Sichtungen – möglicherweise auf der Basis von erbeuteter deutscher Technologie. Daher war es an Untersuchungen sehr interessiert.
Anfang der 1950er Jahre änderte das US-Militär jedoch – zumindest in der Öffentlichkeit – seine Strategie: UFOs wurden nun heruntergespielt und lächerlich gemacht, auch mit Hilfe der Geheimdienste. Ein Grund ist die Furcht vor Hysterie und Panik in der Bevölkerung. Diese, so die Vermutung der US-Geheimdienste, könnte die Sowjetunion für psychologische Kriegsführung nutzen. Auch mussten Sichtungen des geheimen US-Spionageflugzeugs Lockheed U-2 aus den Medien gehalten werden. Ein weiterer Grund war, dass die zuständigen Stellen keine klare Antwort auf das Phänomen hatten – Fragen danach waren daher unerwünscht. Spätestens mit dem Condon Report wurden UFOs in der öffentlichen Wahrnehmung als „Spinnerei“ gebrandmarkt. Offiziell haben sich die USA seitdem nicht mehr mit dem Thema UFOs beschäftigt.
Das gilt auch für die meisten anderen Länder der Welt. Bis heute sind es vor allem verschiedene private Gruppen und Forscher, die auf dem Gebiet der Ufologie aktiv sind. Eine Ausnahme stellt Frankreich dar, welches mit der GEIPAN (früher GEPAN, SEPRA; siehe weiter unten) seit 1977 eine offizielle Stelle für UFO-Untersuchungen unterhält. Verschiedene Staaten haben trotz offizieller Dementis vor dem Hintergrund des Kalten Krieges im Geheimen weiter UFO-Berichte gesammelt. Diese Akten sind heute teilweise freigegeben (siehe Freigegebene Regierungsakten).
In Deutschland ist die Ufologie nicht besonders stark vertreten. Es gibt einige private Organisationen, die sich mit dem Thema beschäftigen, die Mitgliederzahl aller Organisationen zusammen liegt (nach eigenen Angaben) bei einigen hundert. Staatliche Forschung oder eine zuständige Behörde für die Untersuchung von UFO-Meldungen gibt es in Deutschland offiziell nicht.
In Sibirien haben Schamanen der indigenen Hezhen und Ultschen als Reaktion auf die zwangsweise Russifizierung durch die Sowjetunion u. a. die Ideen der Ufologie aufgegriffen: Sie behaupten seitdem, ihre ekstatischen „Jenseitsreisen“ mit fliegenden Untertassen durchzuführen.Klaus E. Müller: Schamanismus. Heiler, Geister, Rituale. 4. Auflage, C. H. Beck, München 2010 (Originalausgabe 1997), ISBN 978-3-406-41872-3. S. 118.
Hintergrund Ufologie bezeichnet ein Tätigkeitsfeld – der Begriff sagt noch nichts über die Überzeugungen einer Person aus, die sich Ufologe nennt. Innerhalb der Ufologie gibt es mehrere Strömungen und Erklärungsmodelle. Einige Ufologen vertreten selbst die Ansicht, dass alle UFOs profan erklärt werden können.
Neben der reinen Beschäftigung mit UFO-Sichtungen werden teilweise auch mit UFO-Sichtungen vermeintlich zusammenhängende Phänomene in den Bereich der Ufologie gezählt, wie Kornkreise, verstümmelte Tiere oder Berichte über Entführung durch Außerirdische.
Ernsthafte Ufologie erfordert interdisziplinäres Fachwissen und Herangehensweisen: So werden für die Identifikation von Objekten Kenntnisse der Astronomie, Meteorologie, Luft- und Raumfahrt benötigt, für die Analyse von Spuren und physikalischen Wechselwirkungen mit der Umgebung Kenntnisse der Physik, Chemie und Biologie, für die Bewertung von Zeugenaussagen Fachkenntnisse der Wahrnehmungspsychologie und Neurologie. Die Auswertung indirekter Belege erfordert u. a. Kenntnisse in der Bildanalyse und Radartechnik.
Da es keine akademische Ausbildung gibt, die einen Abschluss zum „Ufologen“ beinhaltet, ist der Begriff nicht mit wissenschaftlichen Standards verbunden. Es gibt lediglich Richtlinien, die von einzelnen Anhängern vorgeschlagen wurden, die innerhalb der Ufologie für Untersuchungen und Studien eingehalten werden sollten, um bestimmten Ansprüchen auf Sorgfalt und Unvoreingenommenheit gerecht zu werden.
So empfiehlt z. B. Peter A. Sturrock für Studien im Gebiet der Ufologie mindestens folgende Punkte: Vor-Ort-Untersuchungen, die in Fallbeschreibungen und der Messung oder Sammlung physikalischer Belege münden Laboruntersuchungen von physikalischen Spuren Systematische Erfassung von Daten (deskriptive und physische), um Muster und signifikante Fakten zu erkennen Die Analyse der erfassten Daten (deskriptive und physische), um Muster und signifikante Fakten zu erkennen Die Entwicklung von Theorien und die Überprüfung dieser Theorien auf der Basis der Fakten
Ernsthaftere Ufologen rechnen sich selbst üblicherweise den Grenzwissenschaften zu, betrachten aber Gruppen anderer Ufologen als unseriös und rechnen deren Tätigkeit zu den Parawissenschaften oder auch Pseudowissenschaften. Manche Ufologen lehnen den Begriff „Ufologie“ daher ganz ab und vertreten die Meinung, dass es bisher keine Ufologie im eigentlichen Sinne gibt.Illobrand von Ludwiger, „UFOs – die unerwünschte Wahrheit“, KOPP, Januar 2009, S. 20.
In den Naturwissenschaften wird Ufologie im Allgemeinen als unseriös bewertet bzw. im Kontext kein relevanter oder fassbarer Forschungsgegenstand gesehen. Mit wenigen Ausnahmen findet eine Beschäftigung mit Themen aus dem Bereich der Ufologie dort nicht statt.Illobrand von Ludwiger, UFOs – die unerwünschte Wahrheit, KOPP, Januar 2009, S. 97ff. Besonders in Deutschland wird Ufologie auch in den Medien meistens als unseriös, lächerlich und pseudowissenschaftlich rezipiert, mit der öffentlichen Meinung verhält es sich ähnlich.
Studien, Untersuchungen und Konferenzen Project Sign, Project Grudge (USA, 1947–1949) Die ersten offiziellen Untersuchungen zum Thema UFOs der US Air Force waren Project Sign (1947–1949) und dessen Nachfolger Project Grudge (1949). Untersucht wurden mehrere hundert Vorfälle. Die meisten davon konnten konventionell aufgeklärt werden. Einige als glaubwürdig eingestufte Vorfälle blieben jedoch unerklärt. Die Informationen reichten aber nicht aus, um unbekannte Fluggeräte als Erklärung solcher Sichtungen zu bestätigen oder auszuschließen.
Für die Ufologie besonders interessant ist, dass verschiedene interne Berichte und Memos – entgegen dem offiziellen Abschlussbericht – von UFOs als realen, unbekannten, fliegenden Objekten sprechen. Erwähnenswert sind dabei das Twining MemoTwining Memo online lesen: http://www.roswellfiles.com/FOIA/twining.htm und das Schulgen MemoSchulgen Memo online lesen: http://www.roswellfiles.com/FOIA/Schulgen.htm.
'Flying Saucer' Working Party (GB, 1950–1951) Die 'Flying Saucer' Working Party ist die erste Untersuchung des Phänomens durch die Regierung Großbritanniens. Durch die vermehrt auftauchenden UFO-Berichte alarmiert, richtete das englische Verteidigungsministerium die 'Flying Saucer'-Arbeitsgruppe für deren Untersuchung ein. Die Arbeitsgruppe setzte sich aus Personal der Geheimdienste, des Luftfahrtministeriums, der Admiralität und des Verteidigungsministeriums zusammen. Die Arbeit umfasste die Analyse einiger hundert UFO-Berichte.Illobrand von Ludwiger, „UFOs – die unerwünschte Wahrheit“, KOPP, Januar 2009, S. 36.
Im Abschlussbericht aus dem Juni 1951 mit dem Titel „Unidentified Flying Objects: Report by the 'Flying Saucer' Working Party“ schreiben die Autoren, dass es durch die Datenlage unmöglich ist, extraterrestrische Fluggeräte als Ursache wissenschaftlich zu bestätigen oder zu widerlegen. Es ist jedoch möglich, den größten Teil der Sichtungen konventionell zu erklären. Die Autoren bemerkten weiter, dass kein Fortschritt bei der Forschung zu erwarten sei, solange nicht weit größere Anstrengungen für die Forschung unternommen werden.
Project Blue Book (USA, 1951–1969)
Als Nachfolger von Project Sign und Project Grudge wurde 1951 unter der Leitung von Edward J. Ruppelt Projekt Blue Book ins Leben gerufen. Project Blue Book unterstand der US Air Force und hatte hauptsächlich zwei Ziele:
zu klären, ob UFOs eine Bedrohung der nationalen Sicherheit sind, und die wissenschaftliche Analyse von UFO-Vorfällen.
Project Blue Book wurde am 17. Dezember 1969 nach dem Bericht des Condon Committee (siehe unten) eingestellt. Bis dahin wurden 12.618 Vorfälle untersucht; die meisten konnten konventionell erklärt werden (Wolken, Planeten, Flugzeuge etc.). 701 Fälle blieben jedoch „unidentifiziert“, was 6 % entspricht.
Battelle Memorial Institute Report (USA, 1952–1954) mini|Battelle Memorial Institute, Columbus Der Battelle Memorial Institute Report (auch bekannt als Project Blue Book – Special Report No. 14) ist das Ergebnis der Zusammenarbeit von Project Blue Book und dem Battelle Memorial Institute. Entstanden ist die Zusammenarbeit auf Initiative des damaligen Leiters von Project Blue Book, Edward J. Ruppelt. von 1952 bis 1954 wurden 2199 Objekt-Sichtungen von Mitarbeitern des Battelle Memorial Institute kategorisiert und analysiert. Dabei wurden 434 Objekte der Kategorie „unbekannt“ zugeordnet – Ursprung oder Art des Objekts konnten nicht identifiziert werden. Entgegen den Erwartungen stieg die prozentuale Anzahl der „unbekannten“ Objekte mit der Zuverlässigkeit der Informationen über eine Sichtung an. In der höchsten Qualitätskategorie „exzellent“ blieben 33,3 % unerklärlich, gegenüber 12,2 % in der schlechtesten.
Die US Air Force sah den Report ungeachtet der statistischen Auffälligkeiten als Bestätigung ihrer offiziellen Einschätzung, dass UFOs grundsätzlich konventionell erklärt werden können. Edward J. Ruppelt kritisierte in seinem 1956 erschienenen Buch „The Report on Unidentified Flying Objects“ diese Bewertung des Reports und behauptet, der Bericht wäre zu politischen Zwecken missbraucht worden, ohne auf die Inhalte einzugehen.
Robertson Panel (USA, 1953)