mini|Lateinischer Text ohne erkennbare Wortumbrüche

Ein Wort (wahrscheinlich verwandt mit lateinisch verbumFriedrich Kluge, Alfred Götze: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 20. Auflage. Hrsg. von Walther Mitzka. De Gruyter, Berlin / New York 1967; Neudruck („21. unveränderte Auflage“) ebenda 1975, ISBN 3-11-005709-3, S. 868.) ist eine selbständige sprachliche Einheit. In der natürlichen Sprache besitzt das Wort – im Gegensatz zu einem Laut oder einer Silbe – eine eigenständige Bedeutung, womit es zu den Symbolen (Bedeutungsträgern) gehört.

Ob „Wort“ in der Sprachwissenschaft eine präzis definierbare Kategorie ist, ist umstritten. So stellte Ferdinand de Saussure den Begriff „Wort“ völlig zurück und sprach stattdessen schlicht vom „Zeichen“. Mit einem Wort ist mitunter auch eine Abstraktion von der konkreten Wortform gemeint („Baum“ und „Bäume“ als Formen ein und desselben Wortes), solche Vorstellungen erfahren in der Semantik unter dem Begriff des Lexems präzisere Beschreibungen.

Das „Wort“ wird begrifflich vom Phonem, vom Morphem, dem Syntagma sowie dem Satz abgegrenzt. Allerdings kann tatsächlich auch ein einziges Wort einen Satz bilden, genauso wie ein Wort aus nur einem einzigen Morphem und dieses wiederum aus nur einem einzigen Phonem bestehen kann. Ein Beispiel ist die lateinische Form ī „geh!“ (der Imperativ zum Verb ire „gehen“).

Plural Für „Wort“ gibt es zwei Pluralformen. Idealtypisch ist die folgende semantische Unterscheidung üblich:

Wörter bezieht sich auf einzelne oder vereinzelte Objekte. Worte bezieht sich auf eine Äußerung, einen Zusammenhang bildende Wörter.

Der Plural von Wort lautet dann Wörter, wenn es um das Auftreten mehrerer einzelner davon geht („Das Verzeichnis enthält 100.000 Wörter“). Von Worten spricht man hingegen bei der Verwendung von Wörtern in feststehenden Zusammenhängen (Dankesworte, Grußworte, i. W.) oder geläufigen Ausdrücken (ehrliche Worte, leere Worte, letzte Worte).DWDS-Eintrag zu „Wort“ (mit Zitat aus Wolfgang Pfeifers Etymologischem Wörterbuch des Deutschen)Plural von Wort (mit Zitat aus Grimms Deutschem Wörterbuch)

Laut dem Deutschen Wörterbuch ist diese Unterscheidung im Mittelhochdeutschen bezeugt und hat sich im 16. Jahrhundert verstärkt durchgesetzt, wobei jedoch der Plural „Worte“ selbst in hochrangiger Literatur auch für Wörter ohne Zusammenhang benutzt wird. Der Sprachgelehrte Justus Georg Schottelius postulierte jene semantische Unterscheidung im 17. Jahrhundert.

Wort bezeichnet als Kollektivum auch eine bedeutsame, kurze Aussage (Ein Wort der Weisheit, Machtwort), insbesondere wenn sie eine feste Form bilden, in die Einschübe nicht möglich sind (etwa in Sprichwort). Diese bestehen ihrerseits aus mehreren grammatikalischen Wörtern. Der Plural Worte ist hierbei erforderlich. Wörter der Weisheit ist somit ein Oxymoron.

Des Weiteren bezeichnet das Wort als Singularetantum – von dem hierbei kein Plural gebildet werden kann – eine Lehre (z. B. das Wort Gottes) oder ein Versprechen (z. B. sein Wort brechen).

Entstehung Wörter gehören zu den ältesten abstrahierenden symbolischen Formen der Menschheit. Ob nicht z. B. Bilder älter sind, ist eine empirisch schwer beantwortbare Frage (vgl. Urgesellschaft). Voraus gingen ihnen jedenfalls erfahrungsbewährte Wiederholungen konkreter Handlungen. Ob sich bestimmte Urwörter durch Methoden der Vergleichenden Sprachwissenschaft aufweisen lassen, ist zweifelhaft (da bereits die Rekonstruktion von Makrofamilien strittig ist).

Charakterisierung Je nach Blickwinkel sind verschiedene Kriterien möglich, um Wörter zu identifizieren, die je nach theoretischem Hintergrund und Erkenntnisinteresse miteinander kombiniert oder ergänzt werden. Unter dem Ausdruck „Wort“ kann phonetisch-phonologisch, graphematisch, morphologisch, syntaktisch oder lexikalisch-semantisch je Verschiedenes verstanden werden:Peter Ernst: Germanistische Sprachwissenschaft. WUV, Wien 2008, S. 103. (UTB; 2541)

Übersicht Phonologisches Kriterium (Wortgestalt) phonologisches,Jörg Meibauer: Einführung in die germanistische Linguistik. 2. Auflage. Metzler, Stuttgart/Weimar 2007, ISBN 978-3-476-02141-0, S. 17. phonem(at)isches Wort Wörter sind Phonem­ketten (Lautfolgen), die durch Grenzsignale wie zum Beispiel Pausen theoretisch isolierbar sindBußmann, Hadumod (Hrsg.): Lexikon der Sprachwissenschaft. Stuttgart 2008. Wort Abschnitt (a) bzw. bestimmten Regeln der SilbenbildungGeorge A. Miller: Wörter. Streifzüge durch die Psycholinguistik. 1996, S. 123. entsprechen. Im Deutschen gibt es innerhalb jedes Wortes genau eine Hauptakzentsilbe. In anderen Sprachen, wie beispielsweise dem Französischen, werden die Wörter beim Sprechen stark aneinander gebunden und miteinander verschmolzen. Das führt dazu, dass eine vom Schriftbild ausgehende Definition stark von einer lautorientierten Definition abweichen kann. Nach dem phonetischen Kriterium zählen auch Interjektionen wie äh usw. zu den Wörtern. Orthografisches Kriterium (Wortgestalt) grafisches,Katja Kessel, Sandra Reimann: Basiswissen Deutsche Gegenwartssprache. Francke, Tübingen u. a. 2005, ISBN 3-8252-2704-9, S. 61. graphem(at)isches Wort Ein Wort ist eine Graphemkette (Buchstabengruppe) zwischen zwei Trennzeichen, meistens Leerzeichen. Dieser Begriff bezieht sich auf Schriften mit Trennzeichen. Morphologisches Kriterium (Wortform) morphologisches, morphem(at)isches Wort Ein Wort ist eine möglichst kleine sprachliche Einheit, die eine Bedeutung trägt und frei vorkommen kann. In dieser Definition entspricht Wort etwa einem freien Morphem, das aber durch Derivationsmorpheme erweitert sein kann (Bsp.: Herr, herrlich, verherrlichen). Ein so definiertes Wort kann mit Flexionsmorphemen versehen werden, wodurch man die Wortformen dieses Wortes erhält (zum Beispiel Frau, Frauen; laut, lauter; mache, machst, macht). Syntaktisches Kriterium syntaktisches Wort Syntaktische Wörter können definiert werden als „kleinste verschiebbare und ersetzbare Einheiten des Satzes.“Wort. In: Hadumod Bußmann (Hrsg.): Lexikon der Sprachwissenschaft. 3., aktualisierte und erweiterte Auflage. Kröner, Stuttgart 2002, ISBN 3-520-45203-0. oder Atome, mit denen man grammatische Sätze beschreiben kann.George A. Miller: Wörter. Streifzüge durch die Psycholinguistik. 1996, S. 123. Dieser Begriff bezeichnet demnach die syntagmatische Eigenschaft, als atomare Einheit zu dienen, auf die Satzbauregeln sich beziehen können; der Begriff muss dann also auch nicht mit dem Wortbegriff der Morphologie, z. B. dem flektierten Wort (einer „Wortform“) zusammenfallen. Syntaktische Wörter können eine eindeutige Wortform haben (Beispiel: fliegen. fliege. fliegst …), dies ist aber nicht zwingend so (Beispiel: die/der/den/den Fliegen).Nach: Angelika Linke, Markus Nussbaumer, Paul R. Portmann: Studienbuch Linguistik. 5. Auflage. Max Niemeyer Verlag, Tübingen 2004, S. 65. Andere Autoren unterscheiden jedoch nicht zwischen Wortform und syntaktischem Wort, sondern bezeichnen als syntaktisches Wort „jede spezifische grammatische Ausprägung eines Wortes“,So – zirkulär – Angelika Linke, Markus Nussbaumer, Paul R. Portmann: Studienbuch Linguistik. 5. Auflage. Max Niemeyer Verlag, Tübingen 2004, ISBN 3-484-31121-5, S. 63. präziser: eines „Lexems“.Patrick Brandt, Rolf-Albert Dietrich, Georg Schön: Sprachwissenschaft. 2. Auflage. Böhlau, Köln/Weimar/Wien 2006, ISBN 3-412-00606-8, S. 140. Die Einbeziehung semantischer Gesichtspunkte lässt – teilweise – das syntaktische Wort wie folgt charakterisieren: „Es ist ein Lexem, das so weit mit Merkmalen ausgerüstet ist, dass man damit syntaktische Ausdrücke – Phrasen und Sätze – bauen kann.“Angelika Linke, Markus Nussbaumer, Paul R. Portmann: Studienbuch Linguistik. 5. Auflage. Max Niemeyer Verlag, Tübingen 2004, S. 65. Probleme für einen rein syntaktischen Wortbegriff werfen zum Beispiel die trennbaren Verben im Deutschen auf, deren Bestandteile sich zwar voneinander trennen lassen (aufessen, er isst auf), aber trotzdem als Ganzes ersetzbar sind. Semantisches Kriterium (Wortparadigma) lexikalisches Wort,Duden, Die Grammatik. 7. Auflage. 2005, ISBN 3-411-04047-5, Rn. 197 Lexem In semantischer Hinsicht sind Wörter kleinste, relativ selbstständige Träger von Bedeutung, die im Lexikon angeführt sind. Die Bedeutung von Wörtern wird aber von ihrem Äußerungskontext mitbestimmt und ist deshalb nicht ohne weitere Untersuchungen fassbar. Einigen Wörtern lässt sich keine lexikalische Bedeutung zuordnen, allenfalls eine grammatische (Funktionswörter). Beispielsweise sind die Ausdrücke fliegt, flog, fliegend und geflogen vier Wortformen eines Lexems.Nach Piroska Kocsány: Grundkurs Linguistik: ein Arbeitsbuch für Anfänger. Fink, Paderborn 2010, ISBN 978-3-8252-8434-3, S. 82.

Diskussion der Abgrenzungsversuche

Abgrenzung nach Leerstellen Orthographische Abgrenzungskriterien werden vielfach abgelehnt. Dies geschieht aus innersprachlichen und aus sprachvergleichenden Gründen:

Für die Ablehnung eines orthographischen Abgrenzungskriteriums spricht, dass die Getrenntschreibung teilweise fakultativ ist. Beispiel: auf Grund oder aufgrund.Duden online, https://www.duden.de/zitieren/10241164/1.1 Trennbare Wörter sollten als ein Wort aufgefasst werden können.Jörg Meibauer: Einführung in die germanistische Linguistik. 2. Auflage. 2007, S. 17; Anke Lüdeling: Grundkurs Sprachwissenschaft. Klett Lerntechnik, Stuttgart 2009, ISBN 978-3-12-939004-7, S. 80. Beispiel: anrufen – (ich) rufe an. Nach der alten Rechtschreibung schrieb man spazierengehen, nunmehr spazieren gehen. Man kann nach der neuen Rechtschreibung sowohl spazierengehende Menschen als auch spazieren gehende Menschen schreiben. Spazierengehen und spazieren gehen erscheinen als ein Wort.Christa Dürscheid: Syntax. Grundlagen und Theorien. 5. Auflage. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2010, ISBN 978-3-8385-3319-3, S. 20. (UTB, 3319) Es ist unklar, wie Bindestrich- und Apostrophschreibungen gezählt werden sollen.Christoph Gabriel, Trudel Meisenberg: Romanische Sprachwissenschaft. Fink, Paderborn 2007, ISBN 978-3-7705-4325-0, S. 135. Der Sprachvergleich zeigt zudem, dass Wortgrenzen konventionell sind. So steht der türkische Ausdruck alabileceğim für ich werde kaufen können.Hans Reichenbach: Gesammelte Werke. Band 6: Grundzüge der symbolischen Logik. Vieweg, Braunschweig 1999, ISBN 3-528-08366-2, S. 5. Auch ist nicht überzeugend, dass zum Beispiel Waschmaschine ein Wort, der englische Ausdruck washing machine als aus zwei Wörtern bestehend angesehen wird.Christoph Gabriel, Trudel Meisenberg: Romanische Sprachwissenschaft. 2007, S. 135. Es sind auch nicht alle Sprachen verschriftlichtChristoph Gabriel, Trudel Meisenberg: Romanische Sprachwissenschaft. 2007, S. 136. und nicht alle schriftlichen Sprachen arbeiten mit Buchstaben.Meibauer: Einführung in die germanistische Linguistik. 2. Auflage. 2007, S. 17. Einige Sprachen oder Schriftsysteme kennen keine Leerstellen zwischen Wörtern, wie etwa Thai oder Chinesisch.

Für den Sprachwissenschaftler Johannes Volmert (* 1940) ist die orthographische Wortdefinition „tautologisch, denn in die Schreibkonventionen ist das Vorverständnis dessen, was ein Wort ist und wo seine Grenzen sind, schon eingegangen“.Volmert: Sprache und Sprechen: Grundbegriffe und sprachwissenschaftliche Konzepte. In: Johannes Volmert (Hrsg.): Grundkurs Sprachwissenschaft. 5. Auflage. UTB, ISBN 3-8252-1879-1, 2005, S. 22 f.; entsprechend Michael Bogdal: BA-Studium Germanistik: ein Lehrbuch. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2008, ISBN 978-3-499-55682-1, S. 36: zirkulär. weil vom Vorverständnis abhängend

Abgrenzung nach Sprechpausen