mini|Friedrich Merz (2026) rahmenlos|zentriert|hochkant|klasse=skin-invert-image|Unterschrift Friedrich Merz Joachim-Friedrich Martin Josef Merz (* 11. November 1955 in Brilon) ist ein deutscher Politiker (CDU). Er ist seit dem 6. Mai 2025 der zehnte Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland.

Seit 2022 ist Merz Bundesvorsitzender der CDU. Als Parlamentarier war er von 1989 bis 1994 Mitglied des Europäischen Parlaments, von 1994 bis 2009 und erneut seit 2021 Mitglied des Deutschen Bundestages. Von 2000 bis 2002 sowie von 2022 bis 2025 war er Fraktionsvorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Zwischenzeitlich war er als Rechtsanwalt und Wirtschaftslobbyist tätig.

Leben Herkunft, Studium und Beruf Merz wurde 1955 als ältestes von vier Kindern in eine Juristenfamilie geboren. Seine Mutter Paula-Klara Merz, geb. Sauvigny (* 1928), entstammt einer Briloner Familie, deren Wurzeln auf hugenottische Einwanderer aus Frankreich zurückgehen. Sein Großvater Josef Sauvigny war von 1917 bis 1937 Briloner Bürgermeister und bis 1933 Mitglied der Zentrumspartei, ab 1937 der NSDAP. Sein Vater Joachim Merz (* 1924) entstammt einer evangelischen Soldatenfamilie aus Breslau. Er wurde nach Kriegsdienst und Gefangenschaft als Richter in der Amerikanischen Besatzungszone eingesetzt und führte mehrere NS-Prozesse in Arnsberg.Resing, Merz, S. 16 f. Dort war er später Richter am Landgericht und bis 2007 Mitglied der CDU.Vgl. Jutta Falke-Ischinger, Daniel Goffart: Der Unbeugsame. Friedrich Merz, die Union und der Kampf um die Macht. Langen Müller, München 2022, ISBN 978-3-7844-3642-5, S. 43.

Von 1966 bis 1971 besuchte Merz das Gymnasium Petrinum Brilon, musste wegen unzureichenden schulischen Leistungen verbunden mit mangelnder Disziplin die Schule wechseln, um einem Verweis zuvorzukommen. Er bestand 1975 das Abitur stattdessen am Städtischen Gymnasium in Rüthen. Vom 1. Juli 1975 bis zum 30. September 1976 leistete er Wehrdienst bei der Bundeswehr in Clausthal-Zellerfeld, Warendorf, Kusel und Dülmen. Er wurde in der Panzerartillerie an der Panzerhaubitze M109 ausgebildet. Sein letzter Dienstgrad war Fahnenjunker. Seine Ausbildung als Reserveoffizieranwärter konnte er aufgrund einer Knieverletzung nicht beenden.

Merz studierte danach als Stipendiat der Konrad-Adenauer-Stiftung von 1976 bis 1982 an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn und der Philipps-Universität Marburg das Fach Rechtswissenschaft. Nach der zweiten juristischen Staatsprüfung war Merz 1985/86 als Richter auf Probe am Amtsgericht Saarbrücken tätig. Im Zeitraum zwischen 1986 und 1989 war er Syndikus beim Verband der Chemischen Industrie (VCI) in Bonn und in Frankfurt am Main.

Eintritt in die Politik, Abgeordneter und Machtkampf gegen Merkel mini|hochkant|Merz als Kandidat im Europawahlkampf (1989) Merz trat als Schüler 1972 in die CDU ein und engagierte sich in der Jungen Union in Brilon, deren Vorsitzender er im Jahr 1980 war.

In seiner politischen Tätigkeit war Merz vorwiegend parlamentarisch tätig: Bei der Europawahl 1989 wurde er in das Europaparlament gewählt, dem er bis 1994 angehörte. Von 1994 bis 2009 war er im Wahlkreis Hochsauerlandkreis, wo er 2005 mit 57,7 % sein bestes Erststimmenergebnis erreichte, direkt gewähltes Mitglied des Deutschen Bundestags. Dort war er zunächst von 1996 bis 1998 Obmann der CDU/CSU-Bundestagsfraktion im Finanzausschuss. Nach der Wahl 1998 wurde Merz im Oktober zunächst stellvertretender Vorsitzender und im Februar 2000 als Nachfolger Wolfgang Schäubles Vorsitzender der Fraktion und damit Oppositionsführer. Anfang 2001 brachte Merz sich selbst als Kanzlerkandidaten ins Gespräch, zog sich aber im Juni 2001 zurück, um seine Position als Fraktionschef nicht durch einen aussichtslosen Machtkampf zu gefährden.

Die CDU-Parteivorsitzende Angela Merkel beanspruchte nach der Bundestagswahl 2002 den Fraktionsvorsitz für sich, während Merz zum Stellvertreter gewählt wurde. Im Dezember 2004 trat er von diesem Amt zurück und gab damit den jahrelangen Machtkampf mit Merkel verloren. 2005 wurde Merz in den Andenpakt der CDU aufgenommen; ein informelles Netzwerk einflussreicher CDU-Männer, das 1979 von Mitgliedern der Jungen Union auf einer Reise in die südamerikanische Andenregion gegründet worden war. Der Andenpakt stand in Opposition zu Merkel, vor allem in den fünf Jahren vor ihrer Kanzlerschaft 2005, als sie nur Parteivorsitzende war.

Neben seinem Bundestagsmandat war Merz von 2002 bis 2004 als Anwalt in einer Kölner Kanzlei tätig. Im Februar 2007 erklärte er, wegen parteiinterner Differenzen bei der Bundestagswahl 2009 nicht erneut zu kandidieren; er schied Ende Oktober 2009 folglich aus dem Parlament aus. Sein Nachfolger im Wahlkreis wurde Patrick Sensburg, der den Wahlkreis, eine Hochburg der CDU, von 2009 bis 2017 gewann.

Tätigkeiten in der Wirtschaft und bei Organisationen Merz war von der Gründung 2005 bis zur Auflösung 2014 Mitglied des Fördervereins der Lobbyorganisation Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft.Förderverein Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft,

Im Jahr 2005 wurde Merz Partner in der Rechtsanwaltskanzlei Mayer Brown, in deren Düsseldorfer Büro er ab 2014 als Senior Counsel tätig war. Er vertrat als Mitarbeiter der Sozietät und gleichzeitiger Bundestagsabgeordneter 2006 die Interessen der RAG Aktiengesellschaft im Bundestag, als sie den Börsengang plante, was nach Bekanntwerden für öffentliche Empörung sorgte.Jörg Lichter, Lars Reppesgaard: In: Handelsblatt, 14. April 2006.

Merz gehörte folgenden Aufsichtsräten, Beiräten und Verwaltungsräten an:

DBV-Winterthur Holding Alba / Interseroh Commerzbank (bis Ende 2009) IVG Immobilien (bis Mai 2010) HSBC Trinkaus & Burkhardt (bis 2021) Axa Konzern (bis Juni 2014) BASF Antwerpen N. V. (bis Juni 2014) Borussia Dortmund (bis Juni 2014), abgerufen am 27. November 2014. Deutsche Börse (bis Mai 2015) Stadler Rail (bis April 2020) Flughafen Köln/Bonn (2017 bis 2020) WEPA Industrieholding (2009 bis 2021)Wepa: Friedrich Merz legt Vorsitz im Aufsichtsrat nieder Westfalenpost vom 15. Dezember 2021. BlackRock Asset Management Deutschland (Aufsichtsratsvorsitz von 2016 bis 2020)

2010 beauftragte ihn der staatliche Bankenrettungsfonds Soffin mit der Leitung des Verkaufsprozesses der WestLB an einen privaten Investor. Während der Verhandlungen, an denen auch HSBC Trinkaus & Burkhardt beteiligt war, wurde der Verdacht eines Interessenkonflikts laut, den Merz zurückwies. Er wurde zudem für ein Tageshonorar, auch samstags und sonntags, von 5000 Euro kritisiert, das sich auf insgesamt 1.980.000 Euro belief. Einige Medien kommentierten, dass Merz eine zu hohe Entlohnung für „erfolglose Arbeit“ vom Steuerzahler erhielt. Laut dem Bundesverband Deutscher Unternehmensberater sei ein derartiger Tagessatz nicht unüblich, aber „an der oberen Grenze“.Dietmar Palan: Das ewige Talent. In: Manager-Magazin. Nr. 5, Mai 2014, S. 26.

Als Merz 2018 für den Parteivorsitz der CDU kandidierte, wurde ein möglicher Interessenkonflikt wegen seines Aufsichtsratsmandats bei BlackRock diskutiert. Er beendete das Mandat Ende März 2020 und kündigte an, keinen „beruflichen Tätigkeiten außerhalb der Politik“ mehr nachgehen zu wollen, sollte er erneut in den Bundestag einziehen.

Ab 1999 war er Mitglied des Präsidiums und von 2019 bis 2021 Vizepräsident der CDU-nahen Lobbyorganisation Wirtschaftsrat der CDU.

Wiedereinstieg in die Politik, Parteivorsitz und Kanzlerkandidatur Die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen beauftragte Merz im Jahr 2017, die Auswirkungen des Brexit für Nordrhein-Westfalen zu koordinieren. Im Jahr 2018 wurden der Sinn und die Wirksamkeit seiner Tätigkeit im Landtag kontrovers diskutiert.

Merz entschied sich 2021, wieder für ein Mandat im Bundestag zu kandidieren, und gewann die Nominierung als Direktkandidat gegen seinen Nachfolger, den Bundestagsabgeordneten Patrick Sensburg, mit 327 von 459 Stimmen. Am 3. September 2021 wurde er in das achtköpfige Zukunftsteam von Armin Laschet zur Kanzlerkandidatur zur Bundestagswahl 2021 berufen. Bei der Bundestagswahl 2021 holte er mit 40,4 % der Wählerstimmen das Direktmandat für den Hochsauerlandkreis.

Im Jahr 2018 entschloss sich Merz, beim Bundesparteitag der CDU für das Amt des Parteivorsitzenden zu kandidieren, wozu er am 6. November 2018 vom Vorstand des CDU-Kreisverbands im Landkreis Fulda offiziell als Kandidat vorgeschlagen wurde. Auf dem Parteitag verlor er mit 48,25 % der Stimmen im zweiten Wahlgang gegen Annegret Kramp-Karrenbauer. Nachdem diese angekündigt hatte, im Laufe des Jahres 2020 den Vorsitz niederzulegen, bewarb sich Merz neben Armin Laschet und dem CDU-Bundestagsabgeordneten Norbert Röttgen. Auf dem wegen der Corona-Maßnahmen digital durchgeführten Bundesparteitag 2021 lag er im ersten Wahlgang mit 385 Stimmen vor Laschet mit 380 und Röttgen mit 224 Stimmen, unterlag jedoch in der Stichwahl mit 466 zu 521 Stimmen gegen Laschet. Nach der für die CDU/CSU verlorenen Bundestagswahl 2021 war Merz nach Norbert Röttgen und Helge Braun der dritte Bewerber um die Nachfolge des rücktrittswilligen Laschet als CDU-Vorsitzender. Bei der Vorentscheidung im Dezember 2021 erreichte Merz mit 62,1 Prozent im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit der rund 400.000 Parteimitglieder bei einer Wahlbeteiligung von 66 Prozent; auf dem digitalen Parteitag am 22. Januar 2022 wurde er von den 1.001 CDU-Delegierten mit 94,6 Prozent der Stimmen zum Vorsitzenden gewählt. Neuer CDU-Generalsekretär wurde Mario Czaja. mini|hochkant|Friedrich Merz (2022)

Am 15. Februar 2022 wurde er erneut zum Vorsitzenden der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag und Oppositionsführer gewählt, womit er Ralph Brinkhaus ablöste, der auf eine erneute Kandidatur zugunsten von Merz verzichtet hatte.Friedrich Merz zum Unions-Fraktionschef gewählt, zeit.de, 15. Februar 2022, abgerufen am 15. Februar 2022.Brinkhaus verzichtet zugunsten von Merz auf Fraktionsvorsitz, faz.net, 27. Januar 2022, abgerufen am 15. Februar 2022. Im Juli 2023 tauschte Merz Mario Czaja als Generalsekretär gegen Carsten Linnemann aus, was in den Medien als Teil seines Kurswechsels hin zu einer konservativeren CDU gedeutet wurde. Auf dem Parteitag der CDU am 6. Mai 2024 wurde Merz von rund 90 Prozent der 1001 Delegierten als CDU-Parteivorsitzender wiedergewählt. Nachdem Hendrik Wüst (CDU) und Markus Söder (CSU) ihren Verzicht auf die Kanzlerkandidatur und ihre Unterstützung für Merz als Spitzenkandidat der Union für die Bundestagswahl 2025 bekanntgegeben hatten,Marc Felix Serrao: Friedrich Merz – wer denn sonst? In: Neue Zürcher Zeitung vom 18. September 2024, Seite 1. wurde Merz im September 2024 durch Beschluss der Gremien von CDU und CSU offiziell zum Kanzlerkandidaten der Union bestimmt. Bei der Bundestagswahl 2025 errang Merz mit 47,7 % der Wählerstimmen das Direktmandat für den Bundestagswahlkreis Hochsauerlandkreis. Auf dem CDU-Bundesparteitag im Februar 2026 wurde er mit 91,2 Prozent der Stimmen im Amt bestätigt.

Bundeskanzler (seit 2025)

Regierungsbildung

Nachdem CDU und CSU gemeinsam als stärkste Fraktion in den 21. Deutschen Bundestag eingezogen waren, nahm Merz mit der SPD am 28. Februar 2025 zunächst Sondierungsgespräche und danach am 13. März 2025 Koalitionsverhandlungen zur Regierungsbildung auf.