Das Königreich Bahrain [] (, lokale Aussprache []) ist ein aus 33 Inseln bestehender Staat in einer Bucht im Persischen Golf in Vorderasien, östlich von Saudi-Arabien und westlich von Katar (ca. 35 km Luftlinie). Die Fläche des Archipels beträgt rund 750 km² (nach künstlichen Aufspülungen). Der Name al-Bahrain bedeutet im Arabischen „die zwei Meere“.
Bahrain gehört zu den reichen Ländern der arabischen Welt. Es stand im Jahr 2023 auf Platz 26 in der Liste der Länder geordnet nach dem Bruttoinlandsprodukt (BIP-KKP) pro Kopf. Das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen zählt Bahrain zu den Ländern mit sehr hoher menschlicher Entwicklung.
Der Islam ist in Bahrain Staatsreligion und die Scharia ist die Hauptquelle der Gesetzgebung. Die Mehrheit der Bevölkerung sind Schiiten, die politische Macht aber halten die Sunniten. Bahrain ist ähnlich wie das gegenüberliegende Saudi-Arabien eine Monarchie. Die Bindung der beiden Königshäuser gilt als eng, und saudische Streitkräfte halfen beispielsweise, den Aufstand der Schiiten 2011 niederzuschlagen. Durch die autoritäre Regierung Bahrains kommt es regelmäßig zu schwerwiegenden Verletzungen der Menschenrechte. Frauen werden in Bahrain signifikant benachteiligt.
Geographie Lage mini|hochkant=1.2|Manama, Hauptstadt von Bahrain Die Hauptinsel Bahrain (620 km²) hat eine längliche Form von 49 km × 18 km. Sie ist ein 30 bis 60 m hohes Kalkplateau und überwiegend von Sanddünen bedeckt. Die Insel ist seit 1986 über den King Fahd Causeway, eine 25 km lange Brücke, mit Saudi-Arabien verbunden. Im Zentrum erhebt sich der 135 m hohe Dschabal ad-Duchan. Im Süden und Südwesten erstrecken sich Sandflächen und Salzsümpfe. Nur der nördliche Küstenbereich ist durch artesische Brunnen und Karstquellen landwirtschaftlich nutzbar. Weitere große Inseln sind al-Muharraq, Sitra, Amwaj, Hawar und Umm Nasan. Sie sind meist felsig und ragen kaum über den Meeresspiegel hinaus.
Die Hauptstadt Manama liegt im Nordosten mit etwa 158.000 Einwohnern. Im Osten liegt der Tiefwasserhafen Mina Salman, der sowohl von den Streitkräften Bahrains als auch von Kreuzfahrtschiffen angelaufen wird.
In vielen Teilen Bahrains wurden seit Anfang des 21. Jahrhunderts umfangreiche Landaufschüttungen begonnen. Die Gesamtfläche aller vorgelagerten Inseln, Halbinseln, neuer Buchten usw. beläuft sich inzwischen auf rund 30 km², von denen erst ein geringer Teil bebaut wurde. Ziel ist es – analog den künstlichen Flächen in Dubai und Abu Dhabi – wasserumspülte Parzellen zu gewinnen, um sie zu bebauen. Aufgrund der Immobilienkrise von 2009 stehen mittlerweile viele Bauvorhaben still, wie z. B. die drei Twisted Towers bei Seef oder die elf Marina-West-Hochhäuser in Budaiya. Die Hochhäuser stehen im Rohbau. Viele – auch westliche – Investoren verloren ihr Geld.
Städte Im Jahr 2023 lebten 90 Prozent der Einwohner Bahrains in Städten. Die größten Städte Bahrains sind (Stand 1. Januar 2011): Manama (158.000 Einwohner) ar-Rifāʿ al-gharbī (117.000 Einwohner) al-Muharraq (109.000 Einwohner) Madīnat Hamad (85.000 Einwohner) ʿĀlī (66.000 Einwohner) Sitra (42.000 Einwohner) Madinat Isa (41.000 Einwohner) al-Budayyiʿ (38.000 Einwohner)
Klima Bahrain hat feuchtwarmes subtropisches Klima mit hoher Luftfeuchtigkeit. Überwiegend weht ein feuchtheißer Wind aus Nordwesten (Schamal), mitunter auch trockenheißer Südwind (Qaus) aus der Wüste Rub al-Chali (dt.: Große Arabische Wüste). Die Monatsmitteltemperaturen liegen zwischen 17 °C (Januar) und 33,5 °C (Juli), die Niederschläge betragen nur 70 mm. Bahrain hat eine hohe Feinstaubbelastung.
Flora und Fauna mini|Der Schadscharat al-Haya (), ein 400 Jahre alter Mesquite-Baum der Art Prosopis cineraria (Khejribaum), der als Naturwunder gilt Auf der Hauptinsel herrscht bis auf die landwirtschaftliche Zone Wüstenvegetation vor. Die artenarme Tierwelt besteht hauptsächlich aus Echten Eidechsen, Wüstenspringmäusen und Mangusten. Gazellen und Hasen sind nahezu ausgerottet. Der Al-Aree Wildlife Park and Reserve dient dem Schutz verschiedener Tiergruppen und konnte eine erfolgreiche Wiederansiedlung von gefährdeten Antilopen-Arten wie der Kropfgazelle (Gazella subgutturosa, ) erreichen. Bahrains Waldfläche weist weltweit den größten prozentualen Zuwachs auf, und zwar um 14,9 % zwischen 1990 und 2000. Berühmt ist der Schadscharat al-Haya (Baum des Lebens), ein jahrhundertealter großer Baum in der Wüste.
Bahrain unterschrieb 1996 die Konvention zur Erhaltung der Biologischen Vielfalt (CBD), jedoch nicht das Nagoya-Protokoll, das den gerechten Vorteilsausgleich von reichen und armen Staaten in Sachen Naturschutz regelt (Access & Benefit Sharing).
Bevölkerung Demografie Bahrain hatte 2022 1,5 Millionen Einwohner. Das jährliche Bevölkerungswachstum betrug + 0,6 %. Zum Bevölkerungswachstum trug ein Geburtenüberschuss (Geburtenziffer: 11,5 pro 1000 Einwohner vs. Sterbeziffer: 2,5 pro 1000 Einwohner) bei. Die Anzahl der Geburten pro Frau lag 2022 statistisch bei 1,8. Der Median des Alters der Bevölkerung lag im Jahr 2021 bei 32,7 Jahren. Im Jahr 2023 waren 19,9 Prozent der Bevölkerung unter 15 Jahre, während der Anteil der über 64-Jährigen 4,0 Prozent der Bevölkerung betrug. Die Lebenserwartung der Einwohner Bahrains ab der Geburt lag 2022 bei 79,2 Jahren (Frauen: 80,5, Männer: 78,2).
+ Bevölkerungsentwicklung Jahr Einwohner Jahr Einwohner 1950 116.000 1990 496.000 1960 162.000 2000 665.000 1970 213.000 2010 1.241.000 1980 360.000 2020 1.702.000
Von den 1,3 Millionen Einwohnern des Inselstaates im Jahr 2013 waren 614.830 Ansässige und 638.361 zugewanderte Ausländer (Volkszählung 2013). Im März 2012 waren laut LMRA (Labour Market Regulatory Authority) 371.183 Ausländer in Beschäftigungsverhältnissen. Im Jahre 2017 waren 48,4 % der Bevölkerung Migranten.
Inder führen mit 192.500 Menschen, gefolgt von 71.915 Bangladeschern, 32.443 Pakistanern, 21.661 Philippinern, 16.294 Nepalesen, 6470 Ägyptern und 5254 Ceylonesen. Zusätzlich sind auch Bidun, staatenlose Menschen arabischer Herkunft, zu finden. Der Bidunstatus wird vererbt und hat erhebliche soziale Diskriminierung zur Folge.Latheef Farook: Plight of Bahrain’s bedoun family. Gulfnews.com, 3. Januar 2002 Im privaten Sektor waren 351.314 Ausländer, 329.165 Männer und 22.149 Frauen, beschäftigt. Im ersten Quartal 2011 waren noch 453.661 Ausländer in Bahrain beschäftigt. Die ausländischen Arbeitnehmer hatten 82.000 Abhängige, 33.801 Ehegatten und 49.026 Kinder.
Sprachen Amtssprache ist Arabisch, während Englisch als Bildungs- und Handelssprache weit verbreitet ist. Weitere Sprachen sind Persisch und Urdu.
Religion Der Islam, dem 70,2 % der Gesamtbevölkerung (einschließlich ausländischer Staatsangehöriger; Stand: Volkszählung 2011), abgerufen am 3. April 2014. angehören, ist Staatsreligion. Der größte Teil der bahrainischen Staatsangehörigen ist – anders als in den benachbarten arabischen Staaten, jedoch ebenso wie in der benachbarten saudischen Ostprovinz asch-Scharqiyya – schiitisch. Das Herrscherhaus selbst ist sunnitisch.
Die Volkszählung 2001 ergab einen Anteil von 9 % Christen an der Gesamtbevölkerung und 9,8 % Anhänger sonstiger Glaubensrichtungen, vor allem des Hinduismus., abgerufen am 16. Juni 2013 In Bahrain leben etwa 90.000 Katholiken. Zusammen mit Katar, Kuwait und Saudi-Arabien bildet Bahrain das Apostolische Vikariat Nördliches Arabien der katholischen Kirche. Bei der Volkszählung 2011 wurde lediglich der Anteil der Nichtmuslime erhoben, ohne zwischen einzelnen nichtislamischen Religionen und Atheisten zu unterscheiden. In Bahrain lebt noch eine kleine Gemeinde von circa 30 Juden und es ist das einzige arabische Land am Persischen Golf mit einer Synagoge für die jüdische Gemeinde.
Gesundheit Die Gesundheitsausgaben des Landes betrugen im Jahr 2021 4,3 % des Bruttoinlandsprodukts. Die Sterblichkeit bei unter 5-jährigen betrug 2022 6,5 pro 1000 Lebendgeburten.
Geschichte
Von den frühesten Siedlungsspuren bis zum 16. Jahrhundert Bahrain wurde bereits in prähistorischer Zeit besiedelt. Unter dem Namen Dilmun existierte im 3. Jahrtausend v. Chr. eine blühende Kultur, die aus sumerischen Texten bekannt ist und auf dem Gebiet des heutigen Bahrain vermutet wird. Damals entstand die Stadt Qalʿat al-Bahrain. Um 2000 v. Chr. verliefen hier die Handelswege der Sumerer und Babylonier nach Indien. Zeitweise stand die Insel unter kassitischer Herrschaft, ein kassitischer Statthalter ist aus Briefen bekannt. Um 650 v. Chr. eroberten die Assyrer das Land, und im 6. Jahrhundert v. Chr. gliederte es das Achämenidenreich in das Persische Reich ein. Damit verbunden war eine starke persische Einwanderung.
Im Jahr 324 v. Chr., als Alexander der Große mit seinem Heer vom Indus zurückkehrte, landete sein Admiral Androsthenes auf Bahrain. In seiner Umfahrung der indischen See (gr. Ὁ τῆς Ἰνδικῆς παραπλοῦς) beschreibt er die Insel Tylos und deren Bewohner. Die Insel dürfte Teil des Seleukidenreichs geworden sein und war ab ca. 130 v. Chr. Teil der Charakene, einer Provinz des Partherreiches. Mit dem Untergang des Parthischen Reiches wurde Tylos Teil des Sassanidenreiches.
630 n. Chr. wurde die Insel von den Arabern erobert. Der Islam wurde die vorherrschende Religion. Vom 8. Jahrhundert an übten Bagdad und Damaskus, vom 13. Jahrhundert wieder die Perser die Kontrolle über das Land aus, bis es 1515 portugiesisch wurde.
17. bis Ende 20. Jahrhundert Im 17. und 18. Jahrhundert kam Bahrain erneut unter persische Oberhoheit, wurde jedoch 1783 unter der arabischen Dynastie Al Chalifa selbständig. Zwar geriet es 1820 durch einen Schutzvertrag mit der britischen Ostindienkompanie wieder in Abhängigkeit; jedoch gaben die Briten dem Land innere Autonomie und Schutz vor persischen und osmanischen Angriffen. Seit 1867 war Bahrain britisches Protektorat. Zu dieser Zeit wurde es manchmal noch Bahrein genannt.
Im Jahre 1932 begann die BAPCO (Bahrain Petroleum Company) mit der Erdölförderung und brachte den Herrschern des Landes immensen Wohlstand. Bahrain wurde außerdem einer der wichtigsten militärischen Stützpunkte des Vereinigten Königreiches im Nahen Osten.
Scheich Isa bin Salman Al Chalifa erklärte am 14. August 1971 die Unabhängigkeit des Staates Bahrain. Er schloss einen Tag später einen Freundschaftsvertrag mit Großbritannien und erklärte sich zum Emir. Seit 1971 befindet sich auf Bahrain ein US-amerikanischer Luft- und Flottenstützpunkt. Iran hatte bis weit ins 20. Jahrhundert hinein Ansprüche auf Bahrain erhoben und sich dabei auf die einstige persische Herrschaft berufen. Erst im Januar 1970 erkannte das von Schah Mohammad Reza Pahlavi regierte Land die Souveränität des Landes an. Im Februar 1979 wurde diese Vereinbarung wieder rückgängig gemacht; seitdem erhebt Iran erneut Ansprüche auf das Land, dessen Bevölkerung mehrheitlich schiitisch ist. 1973 erhielt Bahrain eine Verfassung und es wurden Parlamentswahlen abgehalten. 1975 wurde die Verfassung ausgesetzt, das Parlament aufgelöst und die absolute Monarchie des Chalifa-Clans proklamiert. Erst 1993 wurde wieder eine Ratsversammlung (Madschlis asch-Schura) eingesetzt. Im Dezember 1998 flogen US-amerikanische Bomberflugzeuge vom Typ B-1 vom Scheich-Isa-Luftwaffenstützpunkt Luftangriffe gegen den Irak. Im März 1999 starb Emir Scheich Isa, woraufhin sein Sohn Scheich Hamad bin Isa Al Chalifa die Regierungsgeschäfte übernahm.
Seit dem beginnenden 21. Jahrhundert Am 14./15. Februar 2001 erfolgte ein Referendum über die sogenannte National Action Charter. Ein Jahr später, am 14. Februar 2002, verkündete der Emir eine neue Verfassung, die unter anderem die Umwandlung in ein Königreich, vor allem aber eine Wiedereinsetzung des seit 1975 nicht mehr einberufenen Parlaments, allerdings in einer modifizierten Ausgestaltung, vorsah.