mini|300px|Aufteilung des Kreisgebietes vor 1952
Der Landkreis Teltow-Fläming ist ein Landkreis im Land Brandenburg.
Geografie Der Landkreis Teltow-Fläming erstreckt sich über eine Gesamtfläche von 2.092,1 km². Die größte Ausdehnung des Kreisgebietes in Ost-West-Richtung beträgt 61 km, in Nord-Süd-Richtung 70 km. Nachbarkreise des Landkreises sind im Osten der Landkreis Dahme-Spreewald, im Süden der Landkreis Elbe-Elster und im Westen der Landkreis Potsdam-Mittelmark. Im Südwesten grenzt der sachsen-anhaltische Landkreis Wittenberg und im Norden das Land Berlin an Teltow-Fläming. 46,6 Prozent der Bodenflächen werden landwirtschaftlich genutzt. Entsprechend der Bezeichnung des Landkreises befinden sich die Erhebungen von Teltow und Fläming im Kreisgebiet. Weite Teile des Teltow prägen die nördlichen Teile des Kreises etwa ab Trebbin, während der Süden maßgeblich vom Fläming, hier insbesondere dem Niederen Fläming, gezeichnet ist. Grob getrennt werden beide Landschaftsformen vom Nuthe-Urstromtal, einem vergleichsweise flachen Gebiet im Zentrum des Landkreises. Durch den Landkreis fließen elf Flüsse und Gräben, darunter Nuthe und Freiheitsgraben, sowie zwei Kanäle. Daneben gibt es 23 Seen. Der größte von ihnen ist mit einer Fläche von 283 Hektar der Blankensee. Allerdings sind die meisten dieser Seen zum Baden ungeeignet. Außerdem beherbergt der Landkreis Teltow-Fläming mehrere Natur- und Landschaftsschutzgebiete. Das kleinste Landschaftsschutzgebiet ist der Pechpfuhl in Ludwigsfelde mit einer Fläche von elf Hektar, das größte Naturschutzgebiet ist Heidehof-Golmberg mit 9864 Hektar.
Geschichte Der Landkreis Teltow-Fläming wurde am 5. Dezember 1993 im Rahmen der brandenburgischen Kreisreform aus den bisherigen Kreisen Jüterbog, Luckenwalde und Zossen gebildet. Bei der Namensgebung lehnte man sich an vorhandene Landschaftsbezeichnungen an: die eiszeitlich entstandene Teltower Platte im Norden und der Niedere Fläming im Süden. Kreisstadt wurde Luckenwalde.
Die Region weist eine lange und wechselvolle Geschichte auf, die noch heute das Bild vieler Städte und Dörfer prägt. Im Zuge der mittelalterlichen deutschen Ostsiedlung wurden in dem Gebiet, das seit der Völkerwanderungszeit von Slawen bewohnt war, Siedler aus Gebieten westlich von Elbe und Saale sesshaft. Darunter sollen sich auch Flamen (Fläming!) befunden haben. Das heutige Landkreisgebiet lag dabei im Spannungsfeld der Interessen der askanischen Markgrafen von Brandenburg, der wettinischen Markgrafen von Meißen und der Erzbischöfe von Magdeburg sowie einiger kleinerer Territorialherren. Die Askanier erlangten und sicherten die Herrschaft auf dem Teltow, der 1232 als territoriale Einheit erstmals urkundlich erwähnt wurde, die bis 1952, als Kreis bzw. zuletzt Landkreis Teltow, bestand. Das Gebiet um Jüterbog und Luckenwalde war zunächst in magdeburgischem Besitz, und die Herrschaft Zossen zählte als böhmisches Lehen im Mittelalter zur Lausitz.
Auf dem Territorium des heutigen Landkreises kam es 1813 zu den Schlachten von Großbeeren (23. August) und Dennewitz (6. September). Die Berlinarmee Napoleons erlitt empfindliche Niederlagen, wodurch die Franzosen aus der Mark verdrängt wurden.
Nach dem Wiener Kongress im Jahr 1815 wurden die Ämter Jüterbog und Dahme sowie die Herrschaft Baruth der preußischen Provinz Brandenburg zugeschlagen. Unter Einbeziehung Luckenwaldes und anderer Territorien wurde 1816 der Landkreis Jüterbog-Luckenwalde gebildet. Jüterbog wurde Kreisstadt. 1841 wurden Trebbin, Luckenwalde und Jüterbog an die Eisenbahnlinie angeschlossen. Damit ergaben sich günstige Voraussetzungen für die industrielle Entwicklung. Besonders die heutige Kreisstadt Luckenwalde zog Gewinn aus diesem Fortschritt und wurde zunehmend zur einwohnerstärksten Stadt.
Durch Anwachsen der heutigen Bundeshauptstadt Berlin wurde in deren Umland eine Reihe neuer militärischer Versuchs- und Übungsplätze angelegt. Etwa ab 1910 entstand im Bereich Zossen-Wünsdorf-Zehrensdorf ein Truppenübungsplatz. Die später dort errichteten Bunkeranlagen Maybach I und II dienten zwischen 1939 und 1945 der Kriegführung des Oberkommandos des Heeres (OKH). Von 1953 bis 1994 hatte das Oberkommando der sowjetischen/russischen Truppen in Deutschland seinen Sitz in Wünsdorf. Mit der Schaffung der neuen Stadtgemeinde Groß-Berlin musste der Kreis Teltow 1920 einen Großteil von Stadt- und Landgemeinden sowie Gutsbezirke an die Hauptstadt abgeben. Das Verlorengehen des dicht besiedelten und wirtschaftlich starken Nordens führte zu einem schmerzhaften Verlust von Steuereinnahmen.
Im Laufe der 1920er und 1930er Jahre gab es interessante Entwicklungen auf dem Gebiet von Städtebau und Architektur. Dazu zählen die Entstehung von innovativen Wohnsiedlungen und das im Bauhausstil errichtete Stadttheater in Luckenwalde sowie das 1936/1937 in Ludwigsfelde errichtete Daimler-Benz-Flugzeugmotorenwerk. Ab den 1950er Jahren wurde die Industriegemeinde zum Synonym für die DDR-Fahrzeugproduktion (u. a. des Lkw W 50). Ludwigsfelde wurde erst 1965 zur Stadt, hat jedoch heute die größte Einwohnerzahl im Landkreis. 1952 wurden Jüterbog, Luckenwalde und Zossen Kreisstädte von verkleinerten Verwaltungseinheiten. Teile des alten Kreises Teltow wurden Königs Wusterhausen und Potsdam-Land zugeordnet; die Stadt Dahme und umliegende Orte zählten bis 1993 zum Kreis Luckau. Seit der Bildung des Landkreises Teltow-Fläming 1993 ist die Bevölkerungsanzahl stetig gewachsen. Dies wurde auch durch eine gezielte Förderung junger Familien erreicht. Für sie stehen ein Netzwerk im Bereich der Frühen Hilfen sowie seit 2007 das Netzwerk Kinderschutz zur Verfügung. Im 21. Jahrhundert leben hier rund 162.000 Einwohner; dabei ist die Bevölkerungsdichte im Norden erheblich größer als im Süden.
Gemeinden
Der Landkreis umfasst 16 Gemeinden, darunter sieben Städte. 12 der Städte und Gemeinden sind amtsfrei. Untenstehende Tabelle zeigt Städte und Gemeinden des Landkreises mit den jeweiligen Einwohnerzahlen mit Stand vom .
Städte Baruth/Mark () Jüterbog () Luckenwalde () Ludwigsfelde () Trebbin () Zossen () Amtsfreie Gemeinden Am Mellensee () Blankenfelde-Mahlow () Großbeeren () Niedergörsdorf () Nuthe-Urstromtal () Rangsdorf ()Amt und zugehörige Gemeinden
Dahme/Mark () Dahme/Mark, Stadt () Dahmetal () Ihlow () Niederer Fläming ()
Bevölkerungsentwicklung Jahr Einwohner 1993 145.932 1995 148.133 2000 159.735 2005 161.902 2010 161.386 2015 163.553 Jahr Einwohner 2020 171.554 2021 172.545 2022 175.569 2023 177.420 2024 177.688 2025 177.982 Gebietsstand und Einwohnerzahl am 31. Dezember des jeweiligen JahresHistorisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005. Landkreis Teltow-Fläming (PDF) S. 8–9.Bevölkerung im Land Brandenburg von 1991 bis 2015 nach Kreisfreien Städten, Landkreisen und Gemeinden, Tabelle 7.Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (Hrsg.): Statistischer Bericht A I 1, A II 4. Bevölkerungsentwicklung und Bevölkerungsstand im Land Brandenburg. (jeweilige Ausgaben des 4. Quartals), ab 2011 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022
Politik Kreistag
Die 56 Sitze im Kreistag verteilen sich seit der Wahl am 9. Juni 2024 wie folgt auf Parteien und Wählergruppen:Kommunalwahlen im Land Brandenburg am 9. Juni 2024 Partei/Gruppierung Stimmen 2019 Stimmen 2024 Sitze 2019 Sitze 2024 AfD 15,7 % 23,6 % 9 13 SPD 18,4 % 19,5 % 10 11 CDU 16,7 % 19,1 % 9 11 BVB/Freie Wähler 7,0 % 10,4 % 4 6 Die Linke 15,3 % 8,7 % 9 5 Bündnis 90/Die Grünen 10,3 % 5,3 % 6 3 Bauernverband Teltow-Fläming 4,2 % 3,7 % 2 2 Wir für Teltow-Fläming – 3,4 % – 2 FDP 3,6 % 2,4 % 2 1 Die PARTEI – Die PDS 1,7 % 1,7 % 1 1 Vereinigung Unabhängiger Bürger 1,2 % 1,5 % 1 1 Allianz für Zossen – 0,6 % – – Einzelbewerber Andreas Teichert – 0,2 % – – Plan B 2,9 % – 2 – Die Rangsdorfer – Bürger für Rangsdorf 1,1 % – 1 – Die Heimat (2019: NPD) 0,4 % – – –
Bei der konstituierenden Sitzung des Kreistages wurden die folgenden Fraktionen gebildet: CDU/BV/VUB/FDP (15 Sitze), SPD-Bündnis 90/Die Grünen (14 Sitze), AfD (13 Sitze), BVB/Freie Wähler (6 Sitze) und Die Linke/Die PARTEI-PDS (6 Sitze). Vorsitzender des Kreistages ist Danny Eichelbaum (CDU), seine Stellvertreterin ist Odette Brosig (SPD).
Landräte 1993–2012: Peer Giesecke (SPD), abgewählt 2012–2013: Kirsten Gurske (parteilos, geschäftsführend) seit 2013: Kornelia Wehlan (Die Linke)
Wehlan wurde in der Landratsstichwahl am 10. Oktober 2021 mit 55,0 % der gültigen Stimmen für eine weitere Amtszeit von acht Jahren gewählt.
Kreisfinanzen Als einer der ersten Landkreise in Deutschland hat der Landkreis Teltow-Fläming für den Bereich der Kreisfinanzen freiwillig eine sogenannte „Nachhaltigkeitssatzung“ eingeführt, über die der Landkreis anstrebt, Schulden abzubauen sowie Haushaltsdefizite zu vermeiden., abgerufen am 30. August 2014
Wappen, Flagge, Dienstsiegel Am 21. November 1996 genehmigte das brandenburgische Innenministerium dem Landkreis Teltow-Fläming sein Wappen, für das sich die Abgeordneten des Kreistages des Landkreises Teltow-Fläming am 21. Oktober 1996 entschieden hatten.
Blasonierung „Gespalten und halb geteilt von Silber, Rot und Silber über einem in vier Reihen von Schwarz und Silber geschachten Schildfuß: vorne ein halber gold-bewehrter roter Adler am Spalt mit goldenem Kleestengel auf dem Flügel, hinten belegt mit einem goldenen Krummstab mit vier roten Edelsteinen am Knauf.“Wappenangaben auf dem Dienstleistungsportal der Landesverwaltung des Landes Brandenburg
Der Entwurf des Wappens stammt von dem Mahlower Grafiker Horst Nehls. Es repräsentiert den Landkreis nach außen, sorgt dafür, dass Verwaltungsakte durch ein Siegel mit Wappen beurkundet werden und es dient der Identifikation der Bürger mit der Region. Das Wappen des Landkreises Teltow-Fläming zeigt ein halbgespaltenes und geteiltes Schild. Diese Dreiteilung symbolisiert die für das Kreisgebiet etwa vom 12. bis 15. Jahrhundert maßgeblichen Besitzverhältnisse einer Zeit, in der das Gebiet des heutigen Landkreises im Spannungsfeld der Interessen der Markgrafen von Brandenburg und Meißen, des Erzbischofs von Magdeburg und kleinerer weltlicher und geistlicher Herren lag. Sie nahmen diesen bis dahin von Slawen bewohnten Landstrich in Besitz und forderten die Ansiedlung deutscher und flämischer Kolonisten. Wichtige Wurzeln vieler Dörfer und Städte reichen oftmals gerade in diese Epoche zurück. Die Dreiteilung bringt gleichzeitig die Tatsache zum Ausdruck, dass der heutige Landkreis im Wesentlichen aus drei kleineren ehemaligen Gebietskörperschaften – Jüterbog, Luckenwalde und Zossen – entstanden ist.
Im linken oberen Feld erscheint auf silbernem Grund am Spalt ein – vom Träger des Schildes aus gesehen – nach rechts blickender halber roter Adler. Er trägt auf den Flügeln goldene Kleestengel und eine gleichfarbige Bewehrung. Der rote Adler, der aus dem Landeswappen Brandenburgs bekannt ist und dem Mut, Kraft, Freigiebigkeit und Verjüngungskraft nachgesagt werden, steht für die askanischen Markgrafen von Brandenburg. Sie, die den Adler nachweislich seit etwa 1170 in ihrem Wappen führten, übten ungefähr vom Beginn des 13. Jahrhunderts an die Herrschaft im nördlichen und nordwestlichen Teil des Landkreises (Gemeinden um Ludwigsfelde, Blankenfelde, Mahlow und Rangsdorf) aus. Die Wittelsbacher, Luxemburger und Hohenzollern als Nachfolger der Askanier behielten den roten Adler als Wappentier bei.
Das rechte obere Feld zeigt ein Schild, das von Rot und Silber waagerecht geteilt ist. Darauf befindet sich ein goldener Abtsstab. Dieser Teil steht für die mittelalterlichen Besitzungen des Erzbistums Magdeburg im südlichen und mittleren Teil des heutigen Landkreises, wobei die beiden Farben traditionell für magdeburgische Besitzungen stehen. Der Stab, der auch im Wappen der Stadt Luckenwalde vorkommt, nimmt Bezug auf die über Jahrhunderte eng mit der genannten geistlichen Territorialmacht verbundene Geschichte der Dörfer und Städte.