Lübben (Spreewald), , ist die Kreisstadt des Landkreises Dahme-Spreewald in der Niederlausitz im Land Brandenburg. Die Stadt ist im Spreewald gelegen und trägt seit dem 2. Juni 1999 das Prädikat Staatlich anerkannter Erholungsort.Presseinformation. Brandenburgisches Ministerium für Wirtschaft und Energie, 9. September 2016.
Geografie mini|links|Lage von Lübben im Spreewald Lübben liegt im Biosphärenreservat Spreewald am Übergang zwischen dem nördlich gelegenen Unterspreewald und dem sich südöstlich anschließenden Oberspreewald. Die Stadt liegt rund 40 Kilometer nordwestlich von Cottbus und 75 Kilometer südöstlich von Berlin. Umliegende Städte und Gemeinden sind Krausnick-Groß Wasserburg und Schlepzig im Norden, Märkische Heide im Nordosten, Neu Zauche und Alt Zauche-Wußwerk im Osten, Lübbenau/Spreewald im Südosten, Luckau im Südwesten, Bersteland im Westen und Schönwald im Nordwesten. Lübben zählt zum amtlichen Siedlungsgebiet der Sorben/Wenden in Brandenburg.
Durch die Stadt Lübben fließen die Spree, die Berste, der Burg-Lübbener-Kanal, der Rote Nil und das Große Fließ, welches die Südostgrenze bildet.
Stadtgliederung Die Stadt Lübben (Spreewald) gliedert sich in sieben Ortsteile mit zwei bewohnten Gemeindeteilen und fünf Wohnplätzen (sorbische Bezeichnungen in Klammern):Stadt Lübben (Spreewald). Kommunalverzeichnis des Landes Brandenburg, abgerufen am 1. Juni 2026. Hartmannsdorf (Hartmanojce) Lubolz (Lubolce) mit den Wohnplätzen Groß Lubolz (Wjelike Lubolce) und Klein Lubolz (Małe Lubolce) Neuendorf (Nowa Wjas) Radensdorf (Radom) Steinkirchen (Kamjena) mit dem Gemeindeteil Ellerborn (Wólšyny) Treppendorf (Rańchow)
Zum ortsteilfreien Kerngebiet der Stadt Lübben (Spreewald) gehören der Gemeindeteil Börnichen (Bórnice) und die Wohnplätze Bukoitza (Bukojca), Lehnigksberg (Lenikowa Góra) und Ratsvorwerk (Raźiny Wudwór).
Die früheren zur Kernstadt Lübben gehörenden Wohnplätze Deichsiedlung (Nasypowe sedlišćo), Gubener Vorstadt (Gubinske pśedměsto) und Postbauten (Postowe twarjenja) sowie der frühere Treppendorfer Wohnplatz Ausbau (Wutwaŕki) werden inzwischen nicht mehr amtlich ausgewiesen.
Geschichte mini|Stadt- und Regionalmuseum Schloss Lübben Ortsname Der Name der Stadt leitet sich vermutlich von einem slawischen Personennamen „Luba“ ab und kann somit als „Siedlung des Luba“ bzw. „Siedlung des Friedliebenden“ gedeutet werden.Arnošt Muka: Serbski zemjepisny słowničk. Nakł. Maćica Serbska, Budyšin 1927, S. 100 (Online). Viele Sagen und Geschichten in der Stadt stellen einen Bezug zur sorbischen Liebes- und Fruchtbarkeitsgöttin Liuba her. An sie erinnert ein Gedenkstein im Hain zwischen Altstadt und Bahnhof, auch eine Schule in der Stadt trägt ihren Namen.
Von der Ersterwähnung bis zum 20. Jahrhundert mini|Reste der Stadtbefestigung mini|hochkant|Paul-Gerhardt-Kirche Die Burg Lübben wurde als urbs lubin um 1150 erstmals in einer Bestandsaufnahme der Besitztümer des Klosters Nienburg erwähnt. Die planmäßige Anlage einer Stadt an dieser Stelle erfolgte etwa um diese Zeit, nachdem zuvor bereits einige lose Streusiedlungen an den Armen der Spree existiert hatten. Zwischen 1210 und 1220 wurde das Magdeburger Stadtrecht in Lübben eingeführt. Die Stadtentwicklung wurde begünstigt durch die strategisch und logistisch herausragende geografische Lage zwischen Ober- und Unterspreewald. Erstmals als Ortschaft wird Lübben erst im Jahr 1288 erwähnt.
Die Stadt ging um 1300 in das Eigentum des Klosters Dobrilugk (Doberlug-Kirchhain) über, unter dessen Herrschaft sie bis 1329 verblieb. Sie wurde dann durch den Herzog Rudolf von Sachsen erworben. Nach langen kriegerischen Auseinandersetzungen gelangte Lübben 1373 zusammen mit der Niederlausitz unter die Herrschaft Kaiser Karls IV., der das Markgraftum in die Böhmische Krone inkorporierte. Stadtherren von Lübben blieben aber noch bis 1422 die sächsischen Fürsten. In der Zeit der Hussitenkriege ging die Niederlausitz in die Pfandherrschaft der vom böhmischen König eingesetzten Landvögte über. Lübben wurde in dieser Zeit mehr und mehr zu einer freien landesherrlichen Stadt, auch wenn der Landvogt Hans von Polenz (1422–1437) in der landesherrlichen Burg zu Lübben residierte. Am 18. Oktober 1448 wurde die Stadt durch den brandenburgischen Markgrafen Friedrich II. besetzt. Dieser zwang die Brüder von Polenz, ihm Stadt und Schloss Lübben für lediglich 10.000 Rheinische Gulden zu verkaufen.
Lübben war seit dem 15. Jahrhundert die Hauptstadt des Markgraftums Niederlausitz. Dort hatte der Landvogt seinen Sitz und auch die meisten Landtage der Niederlausitzer Stände wurden in Lübben abgehalten. Seit 1462 stand Lübben wieder direkt unter der Herrschaft der böhmischen Könige und gelangte als Bestandteil der Krone 1526 unter die Herrschaft der Habsburger. Zusammen mit der gesamten Niederlausitz wurde Lübben ab 1623 und endgültig mit dem Prager Frieden von 1635 kursächsisch. Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Stadt Lübben und die umliegenden Siedlungen mehrfach Opfer von plündernden und brandschatzenden Truppen verschiedener kämpfender Parteien.
mini|Exerzierhalle des Jäger-Bataillons Nr. 3; wird heute von einem Getränkemarkt genutzt Nachdem das Kurfürstentum Sachsen im Jahr 1806 zunächst zum Königreich Sachsen erhoben worden war, wurde die Niederlausitz und somit auch Lübben im Ergebnis des Wiener Kongresses preußisch. Die Stadt wurde der Provinz Brandenburg angeschlossen und Lübben verlor seine Funktion als Hauptstadt der jahrhundertelang autonom gewesenen Region. Sie wurde stattdessen Kreisstadt des Landkreises Lübben. Seit 1827 war Lübben Garnison des Brandenburgischen Jäger-Bataillons Nr. 3. Im September 1866 wurde der Bahnhof der Stadt an der Bahnstrecke zwischen Berlin und Cottbus in Betrieb genommen.
Zwischen den Weltkriegen und die DDR-Zeit Im Jahr 1925 erwarb die Sigmund Goeritz AG (Sitz in Berlin, Fabrik in Chemnitz, unter Leitung von Erich Goeritz)Handbuch der deutschen Aktiengesellschaften, 37. Ausgabe 1932, Band 2, S. 2645. die Aktienmehrheit der Norddeutsche Tricot-Weberei vorm. Leonhard Sprick & Co. AG (Sitz in Berlin, Fabrik in Lübben)Handbuch der deutschen Aktiengesellschaften, 30. Ausgabe 1925, Band 1, S. 1477 f., mit diesem Verbund entstand der führende deutsche Damenwäsche-Hersteller. Sowohl das Chemnitzer Werk als auch das Lübbener Werk unterhielten eigene Fußballmannschaften.
In der Zeit des Nationalsozialismus wurde die um die Jahrhundertwende erbaute Synagoge der jüdischen Gemeinde an der heutigen Kirchstraße während der Pogromnacht 1938 geschändet und zerstört; seit 1988 erinnert ein Gedenkstein im Garten hinter den Neubauten Nr. 3/4 an das Gotteshaus. Ebenso wurden der jüdische Friedhof zerstört und die Grabsteine als Straßenpflasterung verwendet. Im Jahr 1955 errichtete die VVN in der Verlängerung der Majoransheide ein Denkmal für die Toten.
Am Ende des Zweiten Weltkriegs war Lübben in der Schlacht um Berlin kurz zu einem Brennpunkt der Geschichte geworden: In der Angriffsplanung der Roten Armee befand sich die Nahtstelle zwischen den beiden sowjetischen Heeresgruppen, der 1. Weißrussischen Front des Marschalls Georgi Schukow und der 1. Ukrainischen Front des Marschalls Iwan Konew bei Guben. Da zwar die Aufstellung an der Oder, nicht aber das weitere Vordringen (und somit die Eroberung Berlins) einer der beiden Fronten eindeutig zugewiesen war und die beiden Marschälle um die Gunst des sowjetischen Machthabers Josef Stalin wetteiferten, zog dieser auf der Karte eine Trennungslinie von der Oder geradewegs nach Lübben. Dort endete der Strich und Stalin erklärte, dass derjenige der Befehlshaber, dessen Truppen den Ort zuerst erreichten, von Süden her nach Berlin einmarschieren solle.Peter Gosztony (Hrsg.): Der Kampf um Berlin in Augenzeugenberichten. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 1985, ISBN 3-423-02718-5, S. 119 f. Da Schukows Truppen nach dem Angriffsbeginn ab 16. April vor den Seelower Höhen nur langsam voran kamen, konnte Konew schon am Folgetag durch einen gewagten Vorstoß seiner 3. Garde-Panzerarmee den Raum um Lübben erreichen. Somit erhielt er von Stalin die Erlaubnis, Berlin ebenfalls direkt anzugreifen. Die Stadt selbst wurde von der deutschen 9. Armee verteidigt und fiel erst einige Tage später. In den heftigen Häuserkämpfen wurde Lübben zu 85 Prozent zerstört. Der Turm der Paul-Gerhardt-Kirche und der benachbarte Altarraum der Wendischen Kirche brannten aus. Mehr als 300 Soldaten beider Seiten und rund 500 Zivilisten verloren ihr Leben.
Nach Kriegsende wurde Lübben Teil der Sowjetischen Besatzungszone und somit ab 1949 der DDR. Die Gebietsreform vom 25. Juli 1952 führte zur Festlegung Lübbens als Kreisstadt des neuen Kreises Lübben im Bezirk Cottbus, der im Wesentlichen durch eine deutliche Verkleinerung des alten Landkreises Lübben (Spreewald) entstand. In den 1960er und 1970er Jahren entstand im nordwestlichen Stadtgebiet von Lübben eine Großwohnsiedlung in Plattenbauweise. Am 1. Januar 1974 wurden die Gemeinden Neuendorf und Treppendorf in die Stadt Lübben eingegliedert. Bei Lübben errichtete die DDR einen ihrer größten Rüstungsbetriebe, der bis 1990 Munition für die NVA herstellte. Im Jahr 1988 ließ die Kirchgemeinde mithilfe der Stadtverwaltung die Turmspitze der im Zweiten Weltkrieg beschädigten Paul-Gerhardt-Kirche wiederherstellen.
Seit der Wiedervereinigung mini|Neues Rathaus am Markt, im Jahr 2000 eingeweiht Nach der Wiedervereinigung wurde der Kreis Lübben in Landkreis Lübben umbenannt und kam zum Land Brandenburg. Es erfolgten umfangreiche Verwaltungsänderungen. Aus dem früheren Munitionsbetrieb bildete sich im Spätherbst 1990 das Munitionsentsorgungsunternehmen Spreewerk Lübben.
Im Dezember 1993 fusionierte der Landkreis Lübben mit den Landkreisen Luckau und Königs Wusterhausen zum Landkreis Dahme-Spreewald, dessen Kreisstadt Lübben wurde. Sie teilt sich die Ämter mit dem nahe Berlin liegenden Königs Wusterhausen. So befinden sich in Lübben das Landratsamt und das Jugendamt, während Königs Wusterhausen beispielsweise das zuständige Finanzamt und eine Jugendarrestanstalt beherbergt. Im Rahmen der Kommunalreform im Dezember 1993 wurden auch die bis dahin eigenständigen Gemeinden Hartmannsdorf, Lubolz und Radensdorf nach Lübben eingemeindet.
mini|Spree am Kahnanlegeplatz in Lübben Im Juni 1998 wurde der Kahnfährhafen südlich des Stadtzentrums neu gestaltet, seit Juni 1999 darf die Stadt den Titel Staatlich anerkannter Erholungsort führen. Am 17. Dezember 1999 wurde das neue Rathaus am Markt an die Stadt übergeben, offiziell eingeweiht wurde es im März 2000. Mit dem Beginn der archäologischen Voruntersuchungen im Juli 2002 begann eine umfangreiche Neugestaltung und Bebauung des Stadtzentrums. Zwischen 2004 und 2011 entstanden rund um den Marktplatz neue Wohn- und Geschäftshäuser. Der neu gestaltete Marktplatz wurde im Jahr 2006 eingeweiht. Seit dem Jahr 2010 wurden Häuser am Brückenplatz wieder aufgebaut, die im Zweiten Weltkrieg zerstört worden waren.
Seit 2005 führt die Stadt Lübben den nicht-amtlichen Namenszusatz Paul-Gerhardt-Stadt. Den Versuch, diesen Namenszusatz amtlich zu machen, lehnten die Stadtverordneten im Jahr 2020 mehrheitlich ab.Lübben bleibt ohne offiziellen Namenszusatz. Gemeinschaftswerk der evangelischen Publizistik, 12. Juni 2020, abgerufen am 5. Januar 2026. Am 23. September 2008 erhielt die Stadt den von der Bundesregierung verliehenen Titel Ort der Vielfalt. 2018 beschloss der Rat der Stadt das integrative Entwicklungskonzept Strategie Lübben (Spreewald) 2030.
Bevölkerung Entwicklung Jahr Einwohner 1875 5.843 1890 6.431 1910 8.103 1925 7.866 1933 8.051 1939 10.100 Jahr Einwohner 1946 9.433 1950 9.155 1964 12.354 1971 13.038 1981 14.277 1985 14.364 Jahr Einwohner 1990 14.044 1995 15.091 2000 15.025 2005 14.627 2010 14.122 2015 13.824 Jahr Einwohner 2020 14.036 2021 13.937 2022 14.040 2023 14.030 2024 14.028202513.992