mini|hochkant=1.3| mini|Torhaus der Burg Eisenhardt mini|Historisches Landratsamt mini|hochkant|See an der Weitzgrunder Straße in Bad Belzig Bad Belzig [] (bis 2010 Belzig) ist die Kreisstadt des Landkreises Potsdam-Mittelmark im Land Brandenburg und „staatlich anerkannter Kurort“ mit der Artbezeichnung „Thermalsoleheilbad“. Bad Belzig ist Mitglied der Arbeitsgemeinschaft „Städte mit historischen Stadtkernen“ des Landes Brandenburg. Das Stadtgebiet ist identisch mit dem von 1992 bis 2003 existierenden Amt Belzig.

Geografie Lage Die Stadt liegt innerhalb des Naturparks Hoher Fläming und weist mit dem Hagelberg (200 m) innerhalb des Stadtgebietes eine der höchsten Erhebungen im Norddeutschen Tiefland auf. Rund drei Kilometer talabwärts entlang des Belziger/Fredersdorfer Bachs beginnen am Ortsteil Fredersdorf die Belziger Landschaftswiesen, die eine flache und vegetationsarme Niederungslandschaft im Baruther Urstromtal bilden. Das rund 7600 Hektar umfassende siedlungsfreie Gebiet gehört zum Naturpark Hoher Fläming und ist seit dem 1. Juli 2005 mit einem Teil von rund 4500 Hektar als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Es bildet zudem eines der letzten Refugien für die Großtrappe in Deutschland. Flüsse im Stadtgebiet sind die Temnitz und das Verlorenwasser. Nebenfluss der Temnitz ist der Bullenberger Bach, des Verlorenwassers der Briesener Bach.

Im heutigen Stadtgebiet, nordwestlich der Kernstadt zwischen Weitzgrund und Verlorenwasser, war der geographische Mittelpunkt der DDR.

Geologie

Belzig liegt am Nordrand des Flämings, eines saalezeitlichen Endmoränenzuges. Eingetieft in die saalezeitlichen Glazialablagerungen ist die Rummel Steile Kieten, ein weichselzeitliches periglaziales Trockental.Werner Stackebrandt, Anneliese Andreae, Jaqueline Strahl (Red.): Atlas zur Geologie von Brandenburg. 4. aktualisierte Auflage. Landesamt für Bergbau, Geologie und Rohstoffe Brandenburg, Cottbus 2010 (PDF) Nicht mehr oberflächlich aufgeschlossen unterhalb der quartären Bildungen schließen rund 500 m mächtige siliziklastische Sedimente des Neogens und Paläogens an, darunter u. a. die in der Niederlausitz braunkohleführenden Spremberger Schichten des Miozäns sowie die im Raum Belzig 185 m mächtigen und tatsächlich signifikant braunkohleführenden Lindaer Schichten des Paläozäns. In ca. 650 m Teufe lagert das Paläogen aufgrund einer Aufwölbung des Zechstein-Salinars direkt auf den überwiegend siliziklastischen Schichten des Oberkeupers (jüngste Trias).Volker Manhenke, Gottfried Eckhard, Wilfried Rockel: Thermalsolebrunnen im Land Brandenburg. Brandenburgische Geowissenschaftliche Beiträge. Band 6, Nr. 1, 1999, S. 69–78 (PDF) Diese enthalten mit dem contorta-Sandstein auch das stratigraphische Intervall, aus dem über die Tiefbohrung Gt Bg 1/96 aus ca. 775 m Teufe die Belziger Thermalsole gefördert wird. Das Salz in dieser Sole wurde wahrscheinlich überwiegend aus dem unterhalb der Trias lagernden Zechstein-Salinar gelöst. Der Salzgehalt der Sole liegt bei rund 18 % (180 g/l).Ergebnis der Analyse von Laborunion Bad Elster vom 1. April 2025 (PDF)

Klima Die durchschnittliche Jahrestemperatur in Bad Belzig lag im Jahr 2021 bei 10,3 Grad, der Jahresniederschlag bei 624 mm. Die maximale Temperatur betrug 36,0 Grad, die minimale −13,4 Grad.

Nachbargemeinden Bad Belzig grenzt an die Gemeinden Golzow, Planebruch, Brück, Planetal, Rabenstein, Wiesenburg, Görzke, Gräben und Wollin.

Stadtgliederung Allgemeines Die Stadt Bad Belzig umfasst das Gebiet der (Kern-)Stadt mit dem Gemeindeteil Weitzgrund sowie die Gebiete der 14 Ortsteile:

Bergholz Borne Dippmannsdorf Fredersdorf Groß Briesen mit dem Gemeindeteil Klein Briesen Hagelberg mit dem Gemeindeteil Klein Glien Kuhlowitz mit dem Gemeindeteil Preußnitz Lübnitz Lüsse Lütte Neschholz Ragösen Schwanebeck Werbig mit den Gemeindeteilen Egelinde, Hohenspringe und Verlorenwasser

Die Kernstadt von Bad Belzig gliedert sich in vier Stadtteile: Altstadt Kurparksiedlung Klinkengrund Gewerbegebiet Seedoche

Dazu kommen die Wohnplätze Bullenberg, Forsthaus Rothebach, Grützdorf, Kleesenmühle/Obermühle, Neue Mühle, Ölschlägers Mühle, Röderhof, Springbachmühle, Waldsiedlung, Wenddoche und Wühlmühle.

Lübnitz

Die Ortshistorie ist insbesondere geprägt durch das gleichnamige Rittergut Lübnitz. Von 1467 bis 1601 gehörte es der Familie von Ziegesar. Im Jahr 1601 erstand Hans Jürgen von Lochow-Nennhausen aus der Familie von Lochow das Gut. Nach den Gothaischen Genealogischen Taschenbüchern ist noch Sigmund von Lochow 1463 auf Lübnitz ersterwähnt, verheiratet mit Anna von der Gröben. Haus Lübnitz ist heute genealogisch Haus III des Adelsgeschlechts. Die gesicherte Stammreihe geht dann weiter über Hans George von Lochow (um 1614–1671). Er war Besitzer des so genannten Unteren Teils Gut Lübnitz. In Lübnitz bestanden also teils zwei Rittergüter. Ihm folgten Johann August von Lochow, August Haubold von Lochow sowie dann Friedrich von Lochow (1748–1796). Nachfahre Ferdinand Karl Wilhelms von Lochow (1786–1852) leitete Lübnitz und erwarb das Gut Petkus, respektive erbte es über die Verwandtschaft mit denen von Thümen. Von-Lochow-Lübnitz ist also auch das Stammhaus der Familienlinie von Lochow-Petkus, denn Ferdinand I. von Lochow (1818–1865) stammte als Begründer der Linie Petkus aus Lübnitz; deren bekanntester Vertreter wurde der später weltweit namhafte Saatzüchter Ferdinand III. von Lochow. Laut den Genealogischen Handbüchern des Adels waren die letzten Gutsbesitzer auf Lübnitz der Leutnant Karl von Lochow-Lübnitz (1790–1852), verheiratet mit der Schwestern Charlotte und Auguste von Freyberg. Erbe war Karl Heinrich Ferdinand von Lochow (1823–1882), liiert mit Elise von Blücher, dann deren Sohn der Ehrenritter des Johanniterordens Kunz sen. von Lochow (1864–1922), respektive als Gutsherrin seine Ehefrau Editha von Lochow-Lübnitz geborene von Brösigke-Cammer (1876–1955). Sie lebte zuletzt in Belzig, die Nachfahren in Mainz, Wiesbaden und Hildesheim. Als Erben vorbestimmt waren die Kinder, der diplomierte Landwirt Kunz, Sibylle, der Hauptmann Arend (1909–1941) und Ilse-Renate von Lochow-Lübnitz. Durch die Bodenreform wurden die Lochows 1945 enteignet. Kunz sen. von Lochow, einst Zögling auf der Ritterakademie am Dom zu Brandenburg, ist in der Nähe des Gutsparks mit einem schlichten Feldstein bestattet.

Geschichte Vom Mittelalter bis 1900 mini|hochkant=1.6|Belzig um 1650, Kupferstich von Matthäus Merian

Erstmals urkundlich erwähnt wurde Belzig im Jahr 997 als Belizi (wohl aus altpolabisch *Bělotici ‚Siedlung der Sippe des Bělota‘). Nach dem Tod von Graf Baderich, Herr über Belzig (um 1251), ging die Grafschaft an das Herzogtum Sachsen über. Im Jahr 1406 brandschatzten die magdeburgischen Bischöfe das Belziger Gebiet, dabei wurden auch die Stadt und die Burg teilweise zerstört. Danach wurde die Stadt teilweise erweitert und die Burg wieder neu aufgebaut. Von 1423 bis 1815 gehörte Belzig zum Amt Belzig-Rabenstein im sächsischen Kurkreis. Martin Luther predigte im Jahr 1530 in der Marienkirche. Nach ihm soll auch die Lutherlinde benannt sein, welche sich in Belzig an der Friedhofsmauer des Gertraudenfriedhofs befand. Die Stadt wurde während des Schmalkaldischen Krieges 1547 von spanischen Truppen erneut teilweise zerstört. Etwa hundert Jahre später (1636) wurde die Stadt unter der Burg im Dreißigjährigen Krieg erneut von Kriegswirren heimgesucht und von schwedischen Söldnern fast gänzlich zerstört. Am 6. Juni 1665 wurde Hedwig Rösemann als Hexe zum Tod auf dem Scheiterhaufen verurteilt und hingerichtet. Im Jahr 1702 erhielt Belzig die vollen Stadtrechte.

Während der Befreiungskriege im Jahr 1813 fand bei Belzig die Schlacht bei Hagelberg statt. Durch die auf dem Wiener Kongress beschlossene Teilung Sachsens wurde das bis dato jahrhundertelang zum Kurkreis des Königreich Sachsen gehörende Belzig 1815 dem Königreich Preußen zugesprochen und 1818 Kreisstadt des Kreises Zauch-Belzig im Regierungsbezirk Potsdam der preußischen Provinz Brandenburg.

Belzig war bis 1849 Sitz des Königlichen Land- und Stadtgerichtes Belzig. Ab 1849 bestand das Kreisgericht Brandenburg. Für dieses war in Belzig eine Zweigstelle (Gerichtskommission) eingerichtet. Ab 1879 bestand das Amtsgericht Belzig und dann von 1952 bis 1993 das Kreisgericht Belzig. In früheren Zeiten lautete die Schreibweise Beltzig.

Von 1900 bis 1949 Die Lungenheilstätte (heute Reha-Klinik) wurde 1900 fertiggestellt. Die Einrichtung für kranke Kinder konnte im Januar 1903 eröffnet werden.Kinder-Heilstätte für tuberkulöse Kinder Belzig. In: Vossische Zeitung, 6. Januar 1903, Linke Spalte, 5. Absatz. Elektrifiziert wurde Belzig im Juli 1909. Das Dorf Sandberg unterhalb der Burg bis Jaegers Hintermühle (Kirchhofstraße) wurde 1914 eingemeindet. Die Munitionsfabrik Roederhof wurde 1934 erbaut. Dazu kam mit Kriegsbeginn südlich der Lübnitzer Straße ein Zwangsarbeitslager für 1500 Frauen und Männer, vorwiegend aus Osteuropa. Das KZ-Außenlager Belzig, ein Außenlager des KZ Ravensbrück, mit 750 weiblichen Häftlingen, die in der örtlichen Munitionsfabrik arbeiten mussten, wurde 1943 errichtet. Kranke wurden zur Ermordung nach Ravensbrück zurückgebracht. Von 1939 bis 1945 wurde die Stadt Sitz der größten deutschen Funkstation für drahtlose Nachrichtenübertragung.

In der Nacht zum 1. Mai 1945 floh Bürgermeister Otto Witte (NSDAP) mit seinem Anhang nach Westen. Am 2. Mai beschlossen mehrere Hundert Einwohner auf einer Bürgerversammlung, unter Leitung des Lehrers Arthur Krause, das Hissen weißer Fahnen sowie die Entwaffnung der HJler. In der Nacht zum 3. Mai zogen die letzten Soldaten der Wehrmacht von der Burg ab. Tagsüber erreichten die ersten sowjetischen Soldaten die Stadt und zogen weiter; erst am 4. Mai gelang Arthur Krause die offizielle Übergabe der Stadt an den sowjetischen Kommandanten.Kriegsende 1945, aus der Broschüre Belzig – 150 Jahre Kreisstadt, veröffentlicht 1965 vom Rat der Kreisstadt Belzig, Redaktion Gerhard Dorbritz, Erwin Krüger, Walter Gellert und Fritz Lindner; zitiert nach Helga und Günter Kästner: Chronik der Stadt Bad Belzig 1934–1945.Treibgut, Berlin 2016, S. 246–252.

Von 1950 bis heute Mit der Verwaltungsreform von 1952 wurde Belzig Kreisstadt des Kreises Belzig im neugebildeten DDR-Bezirk Potsdam. Im April 1953 konnte die zuvor anderweitig untergebrachte Stadtverwaltung das Rathaus wieder beziehen. Weitzgrund wurde 1959 ein Gemeindeteil von Belzig. 1972 brannte durch Fahrlässigkeit das Rathaus.

In Bad Belzig war zu DDR-Zeiten die Zentralschule der Gesellschaft für Sport und Technik Etkar André ansässig. Dort wurden hauptamtliche Mitarbeiter der Hauptverwaltung A (HVA) des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) für Tätigkeiten im westlichen Ausland ausgebildet. Hierzu gehörte auch das Anwerben weiblicher Spione („Romeo-Schule“).