Templin [] ist die flächengrößte Stadt im Landkreis Uckermark im Norden Brandenburgs und staatlich anerkannter Kurort mit der Artbezeichnung Thermalsoleheilbad. Trotz ihrer nur rund 16.000 Einwohner ist sie der Fläche nach die achtgrößte Stadt Deutschlands. Bezüglich der Einwohnerzahl ist Templin eine Kleinstadt.
Geographie Templin liegt im Naturraum der Templiner Platte. Südlich erstreckt sich das Waldgebiet Schorfheide. Das Naturschutzgebiet Knehden Moor als Teilfläche der Stadt Templin ist heute Teil Netzowsee-Metzelthiner Feldmark, sämtlich in der Gemarkung von Templin gelegen.
Stadtgliederung Die Stadt Templin gliedert sich laut ihrer Hauptsatzung neben der Kernstadt Templin in folgende Ortsteile und bewohnte Gemeindeteile:
Auf dem Gebiet der Stadt Templin existieren weiter folgende Wohnplätze: Albertshof, Albrechtsthal, Annenhof, Bandelowshof, Baßdorf, Birkenhof, Christianshof, Döllnkrug, Dollshof, Dorettenhof, Drei Häuser, Dusterlake, Eselshütte, Etashof, Fährkrug, Fennluch, Försterei, Forsthaus Buchheide, Forsthaus Krams, Forsthaus Laatz, Forsthaus Ringofen, Gleuenhof, Gut Gollin, Heckenhaus Hoheheide, Heinrichshof, Henkinshain, Hohenfelde, Joachimshof, Kannenburger Schleuse, Karlshof, Kienheide, Klosterwalder Mühle, Knehden, Kuckucksheim, Küstrinchener Weg, Lindenhof, Ludwigshof, Morgenland, Moritzhof, Moses Krug, Netzow, Papenwieser Weg, Paulinenhof, Postheim, Reinfeld, Rieckshof, Schleuse Schorfheide, Schmidtshof, Schulenburgslust, Schulzenfelde, Seehof, Steindamm, Steinfeld, Stempnitz, Sydowshof, Torwärterhäuser, Vorwerk Annenwalde „Waldhus“, Waldhaus, Waldhof, Weiler, Werderhof und Wucker.
Geschichte mini|hochkant=0.75|Mühlentor Namensherkunft Für die Herkunft des Namens „Templin“ wird das germanische Wort timpen, tempen oder tempel mit Bedeutung von „spitzer Hügel“ erwogen, was einen Kontakt zwischen germanischen (bis 5. Jahrhundert) und slawischen Siedlern (ab 6. Jahrhundert) voraussetzt. (Vgl. Vom Fischer und seiner Frau, ein Märchen, das die Brüder Grimm von einer Quelle in der Nähe Templins sammelten: Mantje, Mantje, timpete, etwa ‚Mondchen, Mondchen, gezipfelt‘, also der Sichelmond.) Eine andere mögliche Quelle ist das slawische Wort tąpy bzw. topy in Bedeutung von „stumpf“. Daneben kommt noch die Ableitung von einem Personennamen „Tąp-l-“ in Betracht.
Mittelalter Seit dem 8. Jahrhundert wurde die Gegend um Templin und Lychen von den Retschanen () bewohnt. Das Volk gehörte zu den Wilzen, die dem westslawischen Bund der Lutizen angehörten. Infolge des Wendenkreuzzuges 1147 fiel das Gebiet unter die Herrschaft des Askaniers Albrecht des Bären. Für Templin konnte bisher keine slawische Vorgängersiedlung nachgewiesen werden.
Die askanischem Markgrafen Johann I. und Otto III. erwarben um 1230 von den Pommernherzögen Wartislaus III. und Barnim I. das Gebiet Barnim. Den Askaniern war der Kauf dieses Platzes sehr wichtig, denn von hier aus konnten sie die hier kreuzenden Handelsstraßen überwachen. Zum einen führte die Handelsstraße von Magdeburg nach Stettin, zum anderen die in Richtung Hamburg durch das Gebiet. Der Standort für die Gründung Templins liegt auf etwas erhöhtem Gelände, das von tiefer liegenden, zum Teil sumpfigen und morastigen Landschaften umgeben ist. Das erleichterte die Verteidigung der Siedlung. Die ersten Siedler kamen aus dem Gegend des Harzes und der Altmark. Fischreiche Seen, wildreiche Wälder und grüne Wiesen boten eine sichere Erwerbsgrundlage. Der Handelsverkehr förderte eine rasche Entfaltung des Handwerks.
Die Stadt erschien im Jahr 1270 erstmals urkundlich als „Templyn“ erwähnt. Die Urkunde vom 2. Oktober 1270 besiegelte den Länderaustausch zwischen den askanischen Markgrafen und dem Bischof Heinrich von Brandenburg. Gleichzeitig erhielt der Bischof die Zusicherung einer jährlichen Zahlung von drei Mark Silber auf die Seen und das Wasser innerhalb der Grenzen Templins. Die älteste erhaltene und in Templin ausgestellte Urkunde stammt aus dem Jahr 1287 und weist auf einen Besuch des Markgrafen Otto IV. hin. In der Folge weilten des Öfteren Markgrafen und Herzöge zu wichtigen Verhandlungen in Templin, wie Urkunden belegen. Zwischen den Jahren 1300 und 1400 wurden die Palisaden durch eine steinerne Stadtbefestigung ersetzt, die Mauer war nach ihrer Fertigstellung 1.735 Meter lang, hatte Fundamente bis zu einer Breite von zwei Metern und verjüngte sich bis zur Höhe von sieben Metern auf eine Breite von einem Meter. Alle zwanzig bis dreißig Meter wurden halbrunde, nach außen vorspringende Wiekhäuser in die Feldsteinmauer eingebaut.
Eine Urkunde vom 30. August 1314 nennt Templin zum ersten Mal Stadt (Oppidum Templin – ). Das Dokument belegt die Schenkung einer jährlichen Fischrente aus den Templiner Gewässern an den Vorsteher der Petri-Kapelle auf der Burg Brandenburg, Bischof Friedrich.
Am 25. November 1317 wurde der Friede von Templin nach dem Markgrafenkrieg zwischen einer Koalition norddeutscher Fürsten und der Markgrafschaft Brandenburg geschlossen. Mit dem Tode 1319 des brandenburgischen Markgrafen Waldemar starb die brandenburgische Linie der Askanier aus. Es kam zu jahrzehntelangen Auseinandersetzungen und ständigen Besitzerwechseln.
Eine Urkunde von 1320 nennt erstmals einen Pfarrer als „meister Conrad“ von Templin. – Die Templiner Ratsherren verstanden es immer wieder, sich neben den üblichen Rechten einer mittelalterlichen Stadt, wie dem Marktrecht, dem Befestigungsrecht und einer Gerichtsbarkeit, zusätzliche Rechte vom jeweiligen Landesherren zusichern zu lassen. Beispielsweise bestätigten im August 1320 die Pommernherzöge Otto I. und Wartislaw IV. weitere Rechte, am 1. Oktober 1320 sicherte der neue Landesherr Herzog Heinrich II. von Mecklenburg wiederum weitere Rechte zu.
Teile des heutigen Stadtgebietes waren im Mittelalter Besitz des Klosters Himmelpfort. Storkow gehörte seit 1335 zum Kloster. Krams war seit 1441 teilweise und seit 1443 vollständig im Besitz des Klosters und fiel später wüst.
Im Jahr 1379 erlaubte Kurfürst Sigismund, dass Templin dem Bündnis pommerscher Städte mit Stralsund, Stettin, Pasewalk, Prenzlau und Strasburg beitrat, um dem verbreiteten Bandenwesen entgegenzuwirken. Im Frieden von Prenzlau 1479 kam Templin endgültig zu Brandenburg. Erstmals in der Stadtgeschichte Templins ist 1492 ein Stadtbrand nachweisbar: die Stadt brannte fast vollständig nieder.
Frühe Neuzeit mini|Fachwerkhaus in der Rühlstraße 1504 wurde Templin Sitz einer Propstei; auch nach der Reformation 1539 bis heute ist es Sitz eines Kirchenkreises, zur Superintendentur gehören heute 24 Kirchspiele.
1530 und 1564 kam es erneut zu großen Stadtbränden unter anderem wurden Kirche und Schule zerstört. Nach einem Dammbruch am Dolgensee ergoss sich am 5. Februar 1574 eine zwei Meter hohe Flutwelle in Richtung Stadt und löste eine Hochwasserkatastrophe aus. In den Monaten zuvor hatten sich Schneewasserschmelzen angesammelt und brachten einen natürlichen Damm zum Einbruch. Die Flutwelle schwappte durch den Gleuensee in den Fährsee und riss ganze Uferstrecken mit Wiesen und Wald mit sich. Ein Teil der Flut gelangte bis an den Stadtrand. Außerhalb der Stadtmauer gelegene Gebäude, Gärten, Wiesen und Felder wurden überschwemmt. 1595 und 1600 trat der Dolgensee erneut über seine Ufer. Am 30. Mai 1618 legte ein großer Stadtbrand in nur zwei Stunden weite Teile der Stadt in Schutt und Asche. Fünf Menschen, 309 Häuser, Kirche, Rathaus und Schule sowie unzählige historische Urkunden wurden Opfer der Flammen. Privilegien konnten somit nicht mehr nachgewiesen werden. Infolge der Brandkatastrophe verließen 64 Familien die Stadt. Im Jahr 1622 erteilte der Brandenburgische Kurfürst das Privileg für einen Pferdemarkt. 47 Familien fielen 1626 einer Pestepidemie zum Opfer.
1627 erreichte der Dreißigjährige Krieg (1618–1648) direkt die Stadt, als dänische Truppen die Stadt belagerten und erpressten, die nach dem Brand von 1618 erst zu zwei Dritteln wieder errichtet war. Nach der Landung der Schweden auf Usedom 1630 lag Templin im Durchzugsgebiet der Truppen, galt als Feindesland und wurde immer wieder geplündert. 1637 war das schlimmste Jahr des Dreißigjährigen Krieges für die Stadt und die gesamte Uckermark. Im Gefolge des Krieges hatte es 1626 und 1638 Pestepidemien in der Stadt gegeben. 1638 lebten noch 47 Familien in Templin; 1643 waren es noch 30; vor dem Krieg waren es 413 gewesen. 1641 zogen die Schweden aus Templin ab und nahmen alle Nahrungsmittel mit. Auch die umliegenden Dörfer lagen zerstört.
Ab 1715 bis 1815 gab es ständige oder zeitweise Garnisonen in Templin. Es gab jedoch keine Kaserne; die Soldaten wurden bei Bürgern einquartiert. Der größte und letzte Stadtbrand in der Stadtgeschichte brach 1735 aus. In weniger als vier Stunden lag die Stadt in Trümmern. Nur die St.-Georgen-Kapelle, die Stadtmauer, drei Stadttore und einige wenige Häuser überstanden diese Katastrophe. Der Stadtfriedhof auf dem Kirchplatz wurde danach geschlossen. In der Folge wurde 1738 eine erste Feuerlöschordnung erlassen: Jeder Bürger der Stadt musste eine hölzerne Feuerspritze sowie einen ledernen Feuereimer in gebrauchsfertigem Zustand im Hause haben, was regelmäßig kontrolliert wurde. Nach dem Brand wurde die Stadt planmäßig wieder aufgebaut. Dies erfolgte unter maßgeblicher Hilfe des brandenburgischen Landesherrn Friedrich Wilhelm I., der Geld, Holz und Getreide spendierte. Vorrangig wurde der Aufbau der Mühlen und der Neuaufbau der Wohnhäuser betrieben. Die Straßen wurden verbreitert und begradigt, was zu einer schachbrettartigen Bebauung mit zweigeschossigen Fachwerkhäusern führte. 1749 wurde die Maria-Magdalenen-Kirche wiedereröffnet, 1751 das Rathaus. Beim Wiederaufbau wurden einige Gebäude verändert. Zwei Wiekhäuser wurden zu Rundtürmen ausgebaut: der Pulverturm, in dem das Schießpulver lagerte, und der Eulenturm, der als Schuldgefängnis genutzt wurde. Das Rathaus wurde im Stil des Barock wiedererbaut.
Die Freigabe des zweiten Finowkanals am 16. Juni 1746 führte dazu, dass sich die Handelsströme an Templin vorbei auf dem Wasserwege verlegten. Templin büßte wertvolle Zoll- und Steuereinnahmen ein. Der 1745 angelegte Templiner Kanal verband Stadt- und Fährsee mit dem Röddelinsee. Damit wurde der Schiffsverkehr bis hin zur Havel möglich. Über diesen Wasserweg erfolgten vor allem Holz- und Getreidetransporte nach Hamburg und Berlin.
Während des Siebenjährigen Krieges (1756–1763) wurden von Oktober 1757 bis September 1759 schwedische und 1760 russische Truppen in Templin stationiert. Durch Plünderungen entstand der Stadt ein Gesamtschaden von über 17.560 Talern. Zudem mussten für die eigene, preußische Armee 7.887 Taler aufgebracht werden. Auch die Napoleonischen Kriege (1792–1815) betrafen Templin. Nach der Niederlage der Preußen bei Jena und Auerstedt bewegten sich französische Truppen im Rahmen der Besetzung Brandenburgs auch durch Templin. Von 27. Oktober 1806 bis ins Jahr 1808 waren französische Truppen in der Stadt stationiert. Sie hinterließen geplünderte und beschädigte Gebäude.
1809 wechselte Templin entsprechend der Verfügung des preußischen Königs Friedrich Willhelm III. aus dem Vorjahr in die Selbstverwaltung. Im selben Jahr wurden die Straßenzüge innerhalb der Stadtmauern in vier Bezirke unterteilt: Königs-, Prenzlauer-, Berliner- und Mühlen-Bezirk. Beginnend 1816 wurde mit Wirkung zum 1. April 1817 gemäß der Verordnung wegen verbesserter Einrichtung der Provinzial-BehördenVerordnung wegen verbesserter Einrichtung der Provinzial-Behörden vom 30. April 1815. In: Gesetz-Sammlung für die königlichen Preußischen Staaten, Nr. 9 vom 8. Juli 1815, S. 85 ff., Digitalisat und weitere Informationen im Internet-Portal „Westfälische Geschichte“. aus Teilen der Uckermark, des Ruppin’schen und des Glien-Löwenberg’schen Territoriums der Kreis Templin gebildet. Templin wurde zugleich Kreisstadt.
Industrialisierung und Kaiserzeit