mini|hochkant=1.7|Gebiet der Fränkischen Schweiz mini|Burgruine Neideck, ein Wahrzeichen der Fränkischen Schweiz mini|Abgeerntete Felder bei Waischenfeld aus der Luft (August 2021)

Die Fränkische Schweiz, früher Muggendorfer Gebürg bzw. Muggendorfer Gebirge, ist eine Tourismusregion in Oberfranken (Bayern), die ihren Eigennamen durch kulturelle und geologische Besonderheiten erhalten hat. Es ist eine charakteristische Berg- und Hügellandschaft mit markanten Felsformationen und Höhlen sowie einer hohen Dichte an Burgen und Ruinen. Sie ist Teil der Metropolregion Nürnberg.

Geografie und Verkehr Die Fränkische Schweiz ist der nördliche Teil der Fränkischen Alb. Oft wird das durch die Flüsse Main im Norden, Regnitz im Westen und Pegnitz im Osten oder durch die Bundesautobahnen 70 im Norden, 9 im Osten und 73 im Westen begrenzte Gebiet als Fränkische Schweiz bezeichnet. Das eigentliche Gebiet der Fränkischen Schweiz umfasst jedoch nur das Einzugsgebiet der Wiesent.

Die Region erstreckt sich über Teile der Landkreise Bamberg, Bayreuth und Forchheim. Zu den bekanntesten Orten gehören Pottenstein, Gößweinstein, Muggendorf, Ebermannstadt, Streitberg, Egloffstein und Waischenfeld.

Ihre Grenzen sind: im Norden: Obermainland im Osten: Bayreuth im Süden: Erlangen im Westen: Forchheim im Nordwesten: Bamberg

Informationen über die Fränkische Schweiz findet man z. B. im Fränkische Schweiz-Museum in Tüchersfeld mit seinen umfangreichen regionalen Sammlungen. Es ist im sogenannten Judenhof unterhalb zweier steil aufragender Felstürme untergebracht.

Naturräumliche Gliederung Naturräumlich liegt die Fränkische Schweiz im Zentrum der Nördlichen Frankenalb. In der Naturräumlichen Gliederung der Fränkischen Alb wird das eigentliche Gebiet der Fränkischen Schweiz von den Naturräumen der Wiesent-Alb, der Heiligenstädter Flächenalb, der Hollfelder Mulde und der Doggersandstein-Alb abgedeckt. Zu den Randgebieten gehören die Naturräume Gräfenberger Flächenalb, Pegnitz-Kuppenalb, Veldensteiner Forst und Weismain-Alb.

Tourismusregion Fränkische Schweiz Nach der aktuellen Abgrenzung des Bayerischen Landesamts für Statistik umfasst die Fränkische Schweiz 69 Gemeinden in fünf Landkreisen, darunter alle 29 Gemeinden des Landkreises Forchheim: Landkreis Bambergöstlicher Teil Landkreis Bayreuthwestlicher Teil Landkreis Forchheimganzer Landkreis Landkreis Kulmbachsüdwestlicher Teil Landkreis Erlangen-Höchstadtnördlich und östlich von Erlangen Altendorf Buttenheim Gundelsheim Heiligenstadt i.OFr. Hirschaid Königsfeld Litzendorf Memmelsdorf Scheßlitz Stadelhofen Strullendorf Ahorntal Aufseß Betzenstein Creußen Eckersdorf Gesees Glashütten Haag Hollfeld Hummeltal Mistelbach Mistelgau Pegnitz Plankenfels Plech Pottenstein Prebitz Schnabelwaid Waischenfeld Dormitz Ebermannstadt Effeltrich Eggolsheim Egloffstein Forchheim Gößweinstein Gräfenberg Hallerndorf Hausen Heroldsbach Hetzles Hiltpoltstein Igensdorf Kirchehrenbach Kleinsendelbach Kunreuth Langensendelbach Leutenbach Neunkirchen am Brand Obertrubach Pinzberg Poxdorf Pretzfeld Unterleinleiter Weilersbach Weißenohe Wiesenthau Wiesenttal Kasendorf Thurnau Wonsees Baiersdorf Bubenreuth Buckenhof Marloffstein Möhrendorf Spardorf Uttenreuth

Wirtschaftsband Fränkische Schweiz Zur ILE (integrierte ländliche Entwicklung)- Region Wirtschaftsband A 9 Fränkische Schweiz gehören 18 Gemeinden in zwei Landkreisen: Landkreis Bayreuth Landkreis Forchheim Ahorntal Betzenstein Creußen Gesees Haag Hummeltal Pegnitz Plech Pottenstein Prebitz Schnabelwaid Egloffstein Gößweinstein Gräfenberg Hiltpoltstein Igensdorf Obertrubach Weißenohe

Geologie und Entstehung

mini|Turmkarst-Felsen in Tüchersfeld, 2008 Im Weißen Jura lag vor etwa 161 bis 150 Millionen Jahren ganz Süddeutschland im Bereich eines Flachmeeres. In dieser Zeit wurden wegen ständiger Absenkung der Kruste mächtige Gesteinsfolgen am Meeresgrund abgelagert. Die Fränkische Schweiz ist von diesen Kalk- und Dolomitfelsen des Weißen Jura geprägt. Es handelt sich um eine typische Karstlandschaft mit tief eingeschnittenen Flusstälern und trockenen, kargen Hochflächen. In den geschichteten Kalksteinen werden viele Fossilien gefunden, vor allem Ammoniten. mini|links| Stratigraphisches Profil Bamberg – Fränkische Schweiz – Bayreuth – Fichtelgebirge Durch Hebungen der europäischen Kontinentalplatte gegen Ende des Oberen Jura zog sich das Meer zurück und größere Flächen wurden zu Beginn der folgenden Kreidezeit zunächst Festland. Während dieser Zeit herrschte tropisches Klima und es kam zu einer intensiven Verwitterung der vorher entstandenen Kalk- und Dolomitgesteine. In der Oberkreide stieß erneut ein Meer in den Bereich der Fränkischen Schweiz vor.

Im Tertiär erfolgte durch regionale Hebung ein erneuter Meeresrückgang sowie eine teilweise Freilegung der Juralandschaft.

Geschichte des Tourismus Der Tourismus in der Fränkischen Schweiz begann in Muggendorf zu Anfang des 19. Jahrhunderts. Im benachbarten Streitberg wurden Molkekuren angeboten. Die touristischen Impulse gingen aber von den Höhlen aus. Die Fränkische Schweiz ist eine der ältesten Urlaubsregionen Deutschlands.

Benennung mini|hochkant|links|Ludwig Tieck, Schwarzweißporträt mini|hochkant|Verkehrskarte aus dem Jahr 1912 mini|Postkarte von der Behringersmühle bei Gößweinstein, 1895 mini|Museumszug mit Diesellokomotive V 36 123 auf der Bahnstrecke Forchheim–Behringersmühle, 2008

Früher hieß die Gegend Muggendorfer Gebürg. Die ersten Reisenden kamen zur Zeit der Romantik. Als „Entdecker“ gelten die beiden aus Berlin stammenden Studenten Ludwig Tieck und Wilhelm Heinrich Wackenroder, die in Erlangen Jura studierten. Mit ihrem Bericht aus dem Jahr 1793 begeisterten sie ihre Zeitgenossen. Die Formulierung „Fränkische Schweiz“ taucht erstmals im Reisebericht Meine neueste Reise zu Wasser und Land oder ein Bruchstück aus der Geschichte meines Lebens (1807) des Erlanger Gelehrten Johann Christian Fick auf. Fick verwendet die Benennung auch in seiner Historisch-topographisch-statistischen Beschreibung von Erlangen und dessen Gegend (1812). Als eigenständige Landschaftsbezeichnung etablierte sie sich mit dem Buch Die kleine Schweiz (1820) von Jakob Reiselsberger aus Waischenfeld beziehungsweise mit Joseph Hellers Buch Muggendorf und seine Umgebung oder die Fränkische Schweiz (1829). Mit „Schweiz“ bezeichnete man im 19. Jahrhundert gerne Landschaften mit Bergen, Tälern und Felsen (z. B. Sächsische Schweiz, Märkische Schweiz, Mecklenburgische Schweiz oder Holsteinische Schweiz).

Bald pilgerten vornehme Kurgäste zur Erholung nach Muggendorf. Zu den Besuchern gehörten unter anderen Karl Immermann und Richard Wagner. Auch Ernst Moritz Arndt und Joseph Victor von Scheffel gerieten über diesen Landstrich ins Schwärmen und bezeichneten die Fränkische Schweiz als „Schlupfwinkel des deutschen Gemüts“.

Im Vorwort zu seinem Reiseführer schrieb der Bamberger Privatgelehrte Joseph Heller: „Unter die reizendsten und angenehmsten Gegenden Deutschlands gehört gewiß jene um Muggendorf, indem hier in mannigfaltigen Richtungen fruchtbare Thäler mit bald sanft ansteigenden, bald jäh sich erhebenden Bergreihen zu einem an den reizendsten Naturschönheiten reichen Ganzen auf einer kleinen Fläche sich vereinigen. Mit Recht führt dieser obschon kleine Erdstrich doch die Benennung der fränkischen Schweiz. Was die Schweiz im Großen gibt, findet man hier in verjüngtem Maßstabe, und oft für das Auge angenehmer, indem man es überschauen und als ein Bild auffassen kann, statt daß dort in manchen Gegenden der winzige Mensch die Größe der Natur nicht zu sehen vermag, und von den ungeheuern Felsenmassen gleichsam erdrückt wird.“ „Hier läßt sich die hehre Natur mehr zum Menschen herab, sie lächelt ihm bald freundlich in anmuthigen Gebirgslinien, untermischt mit üppigen Laub- und Nadelholz-Parthien, bald zeigt sie sich in ihrer ernsten Größe in grauen mächtigen Fels-Aufthürmungen. Ueppige Wiesen, fruchtbare Felder, malerisch unter Bäumen halb versteckte Dörfer, krystallhelle Berggewässer, lustig und frisch über und durch Felsentrümmer dahin strudelnd, fröhlicher Gesang der Vögel in den Lüften, und der derbes, verständiges, in seinen Sitten noch einfaches, arbeitsames Völkchen, findet hier der harmlose Reisende zum fröhlichen Genusse der Gegenwart einladend.“

Heller versuchte schon damals, dieses Gebiet einzugrenzen und schlug einen Radius von sechs Stunden Fußmarsch um Muggendorf vor. Wörtlich heißt es in seinem Buch: „Die Gegend um Muggendorf, welche nicht mit Unrecht auch die Fränkische Schweiz genannt wird, liegt unter dem 28° 51′ östlicher Länge von Ferro und unter dem 49° 48′ nördlicher Breite und macht fast einen Mittelpunkt Deutschlands aus.“

Durch den Ausbau des Eisenbahnnetzes wurde die Fränkische Schweiz leichter zugänglich. Es gab Bahnlinien von Bayreuth nach Hollfeld, von Forchheim über Ebermannstadt bis Behringersmühle und von Gasseldorf nach Heiligenstadt.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts übernahm der Fränkische-Schweiz-Verein die Erschließung. Der 1901 gegründete Verein war von der Wandervogelidee angeregt und kümmerte sich um eine Verbesserung der Verkehrswege. Um den Fremdenverkehr professionell zu betreiben, wurde diese Aufgabe bereits in den 1930er Jahren Gebietsausschüssen übertragen.

Heute wird das „Land der Burgen, Höhlen und Mühlen“ vom Gebietsausschuss Fränkische Schweiz, dem die Landkreise Forchheim, Bayreuth, Kulmbach und Bamberg angehören, vermarktet.

Die Gegend zieht alljährlich viele Tausende Erholungssuchende, Wanderer und Naturfreunde an. Unter Motorradfahrern ist die Fränkische Schweiz aufgrund ihrer engen und kurvenreichen Straßen sehr beliebt. An schönen Wochenenden herrscht ein sehr hohes Verkehrsaufkommen durch Auto- und Motorradfahrer. Der wohl beliebteste und bekannteste Motorradfahrer-Treffpunkt in Nordbayern ist die Kathi-Bräu in Heckenhof (bei Aufseß).

Merkmale der Fränkischen Schweiz Berge mini|links|Kirschblüte am Walberla mini|Walberla aus der Vogelperspektive, 2005 Besonders markant sind die Zeugenberge, die sich vor allem am Rand der Fränkischen Schweiz bildeten, darunter der hohe Staffelberg im Nordwesten, die hohe Neubürg bei Wohnsgehaig, die mit höchste Erhebung der Fränkischen Schweiz, die Hohe Reuth bei Spies im Osten, sowie im Westen die Ehrenbürg bei Kirchehrenbach. Die Ehrenbürg ist eine Doppelkuppe mit dem hohen Rodenstein bei Schlaifhausen und dem hohen Walberla. In einer Urkunde von 1360 wurde die Walburgis-Kapelle auf dem Berg erstmals erwähnt. Sie hat der Ehrenbürg zu ihrem volkstümlichen Namen Walberla verholfen. In jener Urkunde wird auch ein Jahrmarkt erwähnt. Das Walberlafest jeden ersten Sonntag im Mai zieht Tausende von Besuchern an.

Wegen der seltenen Pflanzen wurde das Walberla unter Naturschutz gestellt. Archäologische Funde zeugen von einer Besiedlung des Walberla bereits ca. 1000 v. Chr. Befestigungsanlagen der Kelten (ca. 500 v. Chr.) sind noch erkennbar. Von dort aus hat man einen Blick ins Regnitz- und Wiesent­tal. Im Hintergrund sind der Bamberger Dom und die Neubauten von Erlangen zu erkennen. Das Gebiet ums Walberla ist vom größten geschlossenen Süßkirschenanbau in Europa geprägt. Auch bei Drachenfliegern ist das Walberla sehr beliebt, auch wenn sie ihren Drachen den Berg hinauftragen müssen, da die Zufahrt mit dem PKW nicht erlaubt ist.

Neben dem Walberla gibt es weitere gute Aussichtspunkte in der Fränkischen Schweiz. Die wichtigsten sind: mini|Kletterer am Signalstein, 2009 Die Burgruine Leienfels (Gemeinde Pottenstein), Der Spiegelfels und der Pfarrfelsen bei Affalterthal, Markt Egloffstein, Der Wichsenstein (Gemeinde Gößweinstein), Der Signalstein (zu Wolfsberg, Gemeinde Obertrubach), Die Hohenmirsberger Platte (bei Pottenstein), Der Tannenberg (an dessen Fuß der Rote Main entspringt) bei Creußen, Der Graubühl bei Creußen, Der Hetzleser Berg (Gemeinde Hetzles),