Millstatt am See (bis Juni 2012 Millstatt)Landesgesetzblatt Nr. 55/2012 ist eine Marktgemeinde mit Einwohnern (Stand ) im Bezirk Spittal an der Drau im österreichischen Bundesland Kärnten. Die Geschichte der Gemeinde war über Jahrhunderte an das Stift Millstatt geknüpft, das vom ausgehenden 11. Jahrhundert an bis zu seiner Aufhebung im Jahr 1773 über große Besitzungen in der Region verfügte und deren Entwicklung maßgeblich prägte. Im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts wandelte sich Millstatt innerhalb weniger Jahrzehnte zu einem ausgeprägten Fremdenverkehrsort, der Sommertourismus ist bis heute der wichtigste Wirtschaftsfaktor der Gemeinde am Millstätter See.
Millstatt ist gesetzlich anerkannter Luftkurort.
Geographie Millstatt liegt am Nordufer des Millstätter Sees im Südwesten der Nockberge, die zu den Gurktaler Alpen gehören. Während die Ortschaften Lechnerschaft, Millstatt, Pesenthein und Dellach entlang der Millstätter Straße B 98 direkt am Seeufer in etwa 600 m Seehöhe gelegen sind, befindet sich der Großteil der anderen Ortschaften auf einer etwa 260 m höher gelegenen Hochebene, dem Millstätter Berg, die am Fuße der Millstätter Alpe liegt.Alexander Glinz (Tmvm77): Impressionen um Millstatt, DJI-S800 on Tour bzw. Obermillstatt Umgebung, DJI-S800 on air, 2013. Luftbildaufnahmen (HDTV-Filme) von Millstatt und Umgebung.
Gemeindegliederung Die Marktgemeinde ist in die vier Katastralgemeinden Laubendorf, Matzelsdorf, Millstatt und Obermillstatt gegliedert. Die 1889 getrennten Gemeinden Millstatt und Obermillstatt wurden 1973 unter Abtrennung der Katastralgemeinde Großegg und der Ortschaft Starfach am 1. Jänner 1973 wieder zu einer Gemeinde mit 18 Ortschaften vereint. Gegenwärtig zählen folgende Ortschaften zur Gemeinde (in Klammern Einwohnerzahl Stand ):
KG Laubendorf KG Matzelsdorf KG Millstatt KG Obermillstatt Gössering () Dellach am Millstätter See () Großdombra () Görtschach () Hohengaß () Matzelsdorf () Kleindombra () Grantsch () Laubendorf () Pesenthein am Millstätter See () Lechnerschaft () Lammersdorf () Öttern () Sappl () Millstatt am See () Obermillstatt () Schwaigerschaft () Tschierweg ()
Nachbargemeinden
Klima Kärnten befindet sich in der gemäßigten Klimazone Mitteleuropas, wobei der Alpenhauptkamm eine deutliche Wetterscheide ist. Das Klima wird durch die Lage nach Süden, durch das Relief und andere lokale Gegebenheiten stark modifiziert, so dass es sehr kleinräumig strukturiert ist. Der Niederschlag folgt dem mitteleuropäischen Muster mit Niederschlagsminima im Winter und Maxima im Sommer. Der Niederschlag im Sommer erfolgt vielfach über Starkregen, besonders bei Gewittern. Seine nach Süden offene Beckenlage und der Schutz gegen Nordwinde führen am Millstätter See zu mehr Sonnenstunden als sonst in Oberkärnten.
Geschichte Erste Ansiedlungen mini|Millstätter Berg bei Sappl gegen Westen, der Schanzkogel ist der dritte Waldhügel im Hintergrund Die ältesten bisher gefundenen Besiedlungsspuren auf dem heutigen Gemeindegebiet wurden am Millstätter Berg bei Lammersdorf (Schanzkogel) und Sappl gefunden, sie weisen auf eine jungsteinzeitliche Siedlung (um 2.000 v. Chr.) hin. Um 500 v. Chr. besiedelten keltische Stämme die Region und von den Römern, die ab 15 v. Chr. das Land besetzten, konnte eine Siedlungstätigkeit am Ufer des Millstätter Sees durch Ausgrabungen nachgewiesen werden (Einige Fundstücke sind im Stiftsmuseum Millstatt ausgestellt).
Auf dem Gebiet von Laubendorf konnte das Fundament einer altchristlichen Kirche freigelegt werden, die um 600 n. Chr. zerstört wurde. In dieser Zeit besiedelten Slawen das Drautal und weitere Regionen des heutigen Kärntens und ließen sich wohl auch am Millstätter See nieder. Nachdem das bis dahin slawische Fürstentum Karantanien Mitte des 8. Jahrhunderts unter baierische und später fränkische Oberhochheit kam, wurde vor allem vom neu gegründeten Bistum Salzburg aus mit der Christianisierung des Landes begonnen. Mit den Missionaren kamen auch baierische Siedler in die Region und wurden sesshaft. Für die Ortschaft Millstatt ist eine erste Kirche um das Jahr 800 nachweisbar. Der Sage nach soll der Karantanen-Herzog Domitian um 800 Millstatt gegründet haben, der nach seiner Bekehrung zum christlichen Glauben tausend heidnische Götzenstatuen (lat. mille statuae) in den See werfen ließ. Um 950 übertrug König Otto I. das Seetal den Aribonen, einem bairischen Adelsgeschlecht, das die Gegend um den See roden und besiedeln ließ.
Namensherkunft mini|Obermillstatt Die Ableitung des Ortsnamens aus mille statuae gilt als überholt. Erstmals urkundlich erwähnt wird der Ort zwischen 1065 und 1075 als Milistat später (1122) als Milstat, wobei Milsstatt als Bezeichnung für die Stätte an der Mils am wahrscheinlichsten ist. Der Bachname Mils leitet sich aus einem vorslawischen „Melissa“ ab, das „Bergbach“ oder „Hügelbach“ bedeutet. Bei diesem „Milsbach“ handelt es sich vermutlich um den Riegenbach, der in Millstatt in den See mündet.Eberhard Kranzmayer: Ortsnamenbuch von Kärnten. II. Teil, 1958, S. 156 f. Die Namensverbundenheit von Millstatt und Obermillstatt ist bemerkenswert, zumal wesentlich kleinere Streusiedlungen der Umgebung unterschiedliche Ortsnamen haben. Einerseits mag dies mit der Dominanz des Millstätter Klosters zusammenhängen, für das Obermillstatt das unmittelbare landwirtschaftliche Hinterland war. Andererseits gibt es auch Überlegungen, ob das urkundlich erstmals 1070 erwähnte Milistat ursprünglich die Bezeichnung eines älteren Ortes bei Obermillstatt war und von dort ins Tal „gewandert“ ist. Flussnamen gehören zu den ältesten überlieferten Namen. Der Namenskern von Millstatt kommt vermutlich aus keltischer Zeit und bezeichnet eine Stätte an der Mils womit aber auch der Obermillstätter Bach gemeint sein könnte. Dieser ist für den Mühlbetrieb besonders gut geeignet, da seine Wasserführung seit alters her reguliert (gegen Hochwasser geschützt) werden kann. Der Standring eines Keramikkruges der Laugen-Melaun-Kultur aus der Spätbronzezeit (ca. 13.–11. Jhdt. v. Chr.) vom Obermillstätter Friedhof ist dort die älteste Siedlungsspur.Gefunden vom Totengräber Alois Auer vlg. Messner 1994.Axel Huber: Obermillstatt: Keramik vom Typ Laugen-Melaun. In: Carinthia I. 190. Jahrgang, 2000, S. 470–471. Ebenfalls aus dieser Zeit stammt die Urne, die beim früheren Gasthaus Fastian im benachbarten Lammersdorf gefunden wurde.
Stift Millstatt
mini|Stift Millstatt im Jahre 1913. Der Verbindungsgang zwischen den Türmen besteht noch. mini|Stiftskirche Christus Salvator und Allerheiligen mini|Stiftskirche: Innenraum In der Zeit um 1070 wurde das Benediktinerkloster Millstatt gegründet und die zugehörige Stiftskirche im romanischen Stil erbaut. Der Stifter, der bayrische Pfalzgraf Aribo II., schenkte dem neu gegründeten Kloster ein großes Gebiet, das von Seeboden bis zur Turracher Höhe reichte. Die Mönche betrieben nicht nur Fischerei und Landwirtschaft, Brauerei und Weinbau inbegriffen, sondern richteten auch eine Bildhauer-, Maler- und Schreibschule ein. Sie waren auch für die Rodung einiger damals noch dicht bewaldeten Seitentäler verantwortlich, wo sich weitere Siedlungen bildeten. Das Kloster war für vier Jahrhunderte nicht nur geistlicher Mittelpunkt, sondern übte auch die Gerichtsbarkeit aus.
In der Zeit zwischen 1070 und 1469 übten nacheinander vier Adelsgeschlechter die Vogteirechte über das Kloster aus: Die Grafen von Görz, Ortenburg, Cilli sowie schließlich die Habsburger. Letztere hoben die Benediktinerabtei nach einer Phase der Misswirtschaft 1469 auf. An ihrer Stelle bekam der Orden der St. Georgsritter, den Kaiser Friedrich III. gestiftet hatte, um der Gefahr der einfallenden Türken zu begegnen, das Kloster sowie dessen Besitzungen überantwortet. Im Sommer 1478 zog eine plündernde Türken-Truppe kommend von Spittal weiter nach Reichenau. Es scheint aber zu keinen großen Zerstörungen gekommen zu sein. Die Georgsritter bauten neben dem alten, halb verfallenen Klostergebäude eine neue, wehrhafte Ordensburg, um gegen die Überfälle der Türken gewappnet zu sein. Aus dieser Zeit stammen die heute noch erhaltenen vier Türme, das Georgsritter- und Hochmeisterschloss (letzteres heute „Lindenhof“) sowie Reste der Wehrmauern. Der Orden verlor nach dem Tod von Kaiser Maximilian I. sukzessive an Einfluss und löste sich schließlich auf.
Im Zuge der Reformationsbewegung waren im 16. Jahrhundert große Teile der Bevölkerung in den zum Kloster gehörenden Gebieten wie auch im übrigen Kärnten protestantisch geworden. Um dem zu entgegnen, übergab der Herrscher Innerösterreichs, zu dem Kärnten zu dieser Zeit zählte, und spätere Kaiser Ferdinand II. im Jahr 1598 das Kloster mit allen Besitzungen den Jesuiten. Diese hatten die Aufgabe, die Gegenreformation in der Region durchzusetzen, was diese in den darauf folgenden Jahrzehnten auch mit voller Härte unter Androhung von hohen Strafen bis hin zur Enteignung und Ausweisung ausführten. Da der Orden der Bevölkerung darüber hinaus hohe Abgaben (Zehnt und Robot) abverlangte, kam es 1737 zu einem bewaffneten Aufstand der Bauern, der aber niedergeschlagen wurde. Infolge der Aufhebung des Jesuitenordens vom 21. Juli 1773 durch Papst Klemens XIV. wurde die Millstätter Jesuitenherrschaft beendet.
Die Besitzungen des Stifts wurden nach der Aufhebung des Ordens vom Staat eingezogen, einer staatlichen Studienfondsgesellschaft unterstellt und durch einen Kameralpfleger verwaltet, Pfarre und Kirche wurden am 12. April 1775 dem Bistum Gurk eingegliedert.Maierbrugger 1989, S. 210.
Der Markt Millstatt Die alljährlich gefeierte Weihe der Stiftskirche brachte schon im Hochmittelalter einen großen Zustrom auswärtiger Besucher und Händler nach Millstatt mit sich. Durch einen Erlass vom 14. April 1310 ließ der Salzburger Erzbischof Konrad IV. die Kirchweihfeste der einzelnen Kapellen auf das der Stiftskirche am Tag des Heiligen Lukas (18. Oktober) zusammenlegen; das Lukasfest war fortan bis zum Jahr 1561 der einzige Millstätter Markt. Es gilt als wahrscheinlich, dass sich die Millstätter Kirchweihmärkte schon rund 250 Jahre vor der Zusammenlegung zum Lukasmarkt großer Beliebtheit erfreuten. Die Bezeichnung Millstatts als „Markt“ jedoch ist vor dem 15. Jahrhundert nicht nachweisbar, aus mehreren Urkunden geht aber hervor, dass der Ort nicht mehr als bloßes Dorf galt und vor 1500, offenbar noch vor dem Einzug der Georgsritter, eine märktische Verfassung mit Bürgermeister, Rat und Marktrichter besessen haben muss.Maierbrugger 1989, S. 255–258.
Anlässlich der Übernahme der Stiftsherrschaft durch die Jesuiten erreichten die Bürger, dass diese sich bei Erzherzog Ferdinand um die Verleihung eines Wochenmarktes für Millstatt verwendeten, welche dieser mit Privileg vom 20. Jänner 1601 schließlich auch zugestand.Verleihungsurkunde im Kärntner Landesarchiv Die Bauern mussten sich aber im Gegenzug gegenüber den Jesuiten verpflichten, diesen Markt ohne jeden Nachteil für den Stift durchzuführen, insbesondere nicht zur Minderung des Getreidepreises auszunutzen. Während sich anhand von Bürgermeisterrechnungen beweisen lässt, dass der Wochenmarkt sowohl 1671/72 wie auch 1681 in Betrieb war, geht aus der nächsten erhaltenen Bürgermeisterrechnung für 1747 hervor, dass in diesem Jahr kein Wochenmarkt abgehalten wurde. Nicht nur die Wochen-, sondern auch die Jahrmärkte gerieten zu dieser Zeit in Abnahme, weil das Stift in seiner Herrschaft neben den privilegierten Märkten gegen Entrichtung einer Handelstaxe auch den sogenannten Gäuhandel auf dem Land zuließ.