Der Spanisch-Amerikanische Krieg war eine militärisch-wirtschaftliche Auseinandersetzung zwischen den USA und dem Königreich Spanien vom 23. April bis 12. August 1898. Er endete mit der Inbesitznahme Kubas, Puerto Ricos, Guams und der Philippinen durch die USA und bedeutete für Spanien den Verlust seiner letzten bedeutenden überseeischen Kolonien. Kriegsziel der USA war die Kontrolle der Überseegebiete Spaniens und der Zugang zu asiatischen Märkten über die Philippinen.

Der Spanisch-Amerikanische Krieg stellt in der Geschichte Spaniens, der Geschichte der USA, der Geschichte Kubas und der Geschichte der Philippinen eine wichtige Zäsur dar. Für die Vereinigten Staaten bedeutet er eine erste, erfolgreiche Konfrontation im Rahmen ihrer neuen, über das nordamerikanische Festland hinausgreifenden Interessenpolitik und markiert die Verwandlung der Monroe-Doktrin von einer vor allem defensiven in eine expansive Strategie als offen imperialistische Kolonialmacht. Der Harvard-Historiker John T. Bethell bezeichnet den Krieg in diesem Kontext als Präventivschlag, um kolonialen Bestrebungen Russlands, Deutschlands und anderer europäischer Großmächte in Fernost zuvorzukommen.America’s acquisition of the Philippines was a preemptive move against Russia, Germany, and other European powers with colonial aims in the Far East (Harvard-Magazin). Für Spanien bedeutete die Niederlage den Abschied von allen restaurativen Versuchen des 19. Jahrhunderts, an frühere koloniale Größe anzuknüpfen. Spanien sank endgültig auf weltpolitisch drittrangiges Niveau und die Niederlage hatte weitreichende psychische Folgen für das innere politische und kulturelle Gefüge des Landes.Ana Belén León Prieto, Raúl Sánchez: [Vor hundert Jahren – Die spanische Katastrophe]. In: Quetzal. Sommer 1998. Für Kuba bedeutet der Krieg den Abschluss der jahrzehntelangen Unabhängigkeitskriege gegen Spanien und zumindest formal die Geburt als eigenständige Nation, wobei das Land nahtlos unter die Dominanz der USA geriet.Johannes Beck: Unabhängigkeitskrieg Cubas 1895–1898. (PDF; 70 kB) Vorlesungsskript mit Zeittafel, Universität Köln, S. 99. In der Geschichte der Philippinen steht er für das vorläufige Scheitern der Unabhängigkeitsbestrebungen und den Beginn des Konflikts mit der neuen Kolonialmacht USA.

Vorgeschichte des Krieges Das spanische Kolonialreich Spanien war nach der Entdeckung Amerikas zu einer bedeutenden europäischen Macht geworden. Doch schon im 18. Jahrhundert schwand der Einfluss des spanischen Großreichs. Nachdem Anfang des 19. Jahrhunderts die gesamte Iberische Halbinsel von Napoleon unterworfen worden war, erreichten in fast ganz Lateinamerika die aufkommenden Unabhängigkeitsbewegungen ihr Ziel (siehe auch Simón Bolívar und José de San Martín). Übrig blieben Besitzungen in der Karibik (vor allem Kuba), im Pazifik (vor allem Philippinen) und an der west- und nordafrikanischen Küste.

Doch auch in diesen letzten Kolonien traten Unabhängigkeitsbestrebungen hervor, bedingt durch eine hohe und ungerechte Steuerlast und fehlende Mitwirkungsmöglichkeiten der Bevölkerung an Politik und Verwaltung. Das Spanien der Restauración verweigerte sich jedoch dringend notwendigen Reformschritten. Dazu kamen politische und wirtschaftliche Interessen der USA, die die einheimische Bevölkerung ermunterten, gegen die Kolonialmacht zu rebellieren.

Die US-amerikanischen Interessen in Kuba Die Annexion oder der Kauf Kubas wurden wiederholt von US-Präsidenten erwogen. Nach Jefferson und Madison schätzte 1823 auch John Quincy Adams die Annexion Kubas als eine unverzichtbare Aufgabe ein. In den 1850er Jahren lehnte Spanien den Vorschlag der USA ab, Kuba zu verkaufen (Ostende-Manifest). Vor allem Politiker der Südstaaten waren vor dem Bürgerkrieg daran interessiert, mit Kuba einen weiteren Sklaven haltenden Staat in die Union einzugliedern. Andererseits widersprachen jedoch rassistische Bedenken dem Ziel, Kuba (auf dem viele Menschen afrikanischer Herkunft lebten) gleichberechtigt in die USA zu integrieren. Diese Ansicht hatte auch Einfluss auf die US-Haltung zur kubanischen Unabhängigkeit, die Regierung unter US-Präsident Cleveland äußerte Bedenken, dass ein kubanischer Sieg zu einer weißen und schwarzen Republik ohne weiße Vorherrschaft führen könnte. Die spanische Regierung versuchte diese Ansicht zu nutzen und warnte den US-Außenminister in einem Brief bezüglich der Unabhängigkeitsbewegung: „In dieser Revolution ist das schwarze (negro) Element der bedeutendste Teil“.Howard Zinn: A People’s History of the United States. Harper Perennial, New York 2005, ISBN 0-06-083865-5, S. 303. Die US-Regierung betrachtete sowohl eine kubanische Unabhängigkeit als auch eine spanische Herrschaft über Kuba als den Interessen von US-Unternehmen abträglich.

Nachdem aber die USA im Jahre 1890 die Arrondierung und Erschließung ihres kontinentalen Staatsgebietes abgeschlossen hatten und die Indianerkriege zu Ende gegangen waren, griff die auf Erschließung neuer Märkte, auch mit aggressiven Mitteln, ausgerichtete US-Politik auf den verbliebenen Überseebesitz der alten Welt- und Kolonialmacht Spanien über.

Der kubanische Unabhängigkeitskrieg 1868–1898

Auf Kuba veröffentlichte der Großgrundbesitzer Carlos Manuel de Céspedes 1868 den Grito de Yara, die erste Unabhängigkeitserklärung. Daraufhin begann der Zehnjährige Krieg, der wesentlich zur Entstehung eines kubanischen Nationalgefühls beitrug, aber verheerende Auswirkungen auf die Wirtschaft des Landes hatte. Im Frieden von Zanjón 1878 wurden den Kubanern lediglich geringe Zugeständnisse gemacht, die als unzureichend empfunden wurden. Die Unabhängigkeitsbewegung war so nicht besänftigt worden, sondern eher gestärkt. Insbesondere der Schriftsteller José Martí setzte sich mit seinem Essay Nuestra América („Unser Amerika“) für die Befreiung ganz Lateinamerikas ein.

Wirtschaftliche Probleme sowie die Unwilligkeit der spanischen Kolonialverwaltung führten 1895 zu einem erneuten Aufstand unter der Führung Martís, der 1892 die Revolutionäre Partei Kubas gegründet hatte. Ihm war es gelungen, die beiden wichtigsten militärischen Führer der Unabhängigkeitsbewegung, Máximo Gómez und Antonio Maceo, zu einer Wiederaufnahme des Unabhängigkeitskrieges zu vereinen. José Martí fiel im Kampf und wurde zum Nationalhelden. Der Guerillakrieg gegen Spanien wurde jedoch weitergeführt und brachte die Kolonialmacht an die Grenzen ihrer wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit.

Ursachen und Anlass Da weder Spanien noch die Unabhängigkeitskämpfer eine militärische Entscheidung auf Kuba bewirken konnten, nutzte der mächtige Nachbarstaat im Norden die Situation, um einzugreifen.

Zusätzlich schien der asiatische Markt seit langem auch für die USA verlockend. Die Philippinen waren von hohem strategischen Wert, da Manila unter den Spaniern eine Drehscheibe des Handels zwischen Ostasien und Lateinamerika geworden war. Die USA hatten schon deutliches Interesse an den pazifischen Inseln Hawaii (Hawaii-Territorium) und Samoa gezeigt. Die Interessen im Pazifik waren zwar nicht ausreichend, die US-Regierung zu einem Angriffskrieg gegen Spanien zu bewegen, jedoch war die Eroberung Manilas bereits Teil der seit 1896 durchgespielten Kriegsszenarien der US-Regierung.

Die US-Bevölkerung sympathisierte mehrheitlich mit den Aufständischen in Kuba. Die Rebellion gegen einen Vertreter der alten Welt wurde in der Presse mit dem US-Unabhängigkeitskampf verglichen. Demgegenüber ging die spanisch-kubanische Kolonialverwaltung mit aller Gewalt gegen Aufständische vor, was in der US-Presse betont wurde. Uneinheitlicher war die Haltung zu der Frage, ob die USA militärisch intervenieren sollten. So befürworteten etwa die Gewerkschaften Knights of Labor und American Federation of Labor (AFL) die Aufstände auf Kuba. Eine Resolution für eine US-Intervention erlitt innerhalb der AFL jedoch zunächst eine Niederlage, da eine dauerhafte US-Expansion (Ersatz des spanischen Kolonialismus) befürchtet wurde. Durch die euphorische Medienberichterstattung entwickelte sich jedoch eine deutlich sichtbare Mehrheit für eine Kriegserklärung, gegen die nun nur noch die Sozialisten sich mehrheitlich wandten.Howard Zinn: A People’s History of the United States. Harper Perennial, New York 2005, S. 303, 306 und 308.

Präsident Grover Cleveland erklärte im Dezember 1896, dass die USA nicht unbegrenzt Geduld gegenüber Spanien zeigen würden, und Präsident William McKinley führte schließlich in seiner Annual Message 1897 aus, dass die USA angesichts des anhaltenden spanischen Vernichtungsfeldzugs zu einer militärischen Intervention genötigt werden könnten. Im März 1898 unterrichteten mehrere Politiker und Berater, unter anderem Henry Cabot Lodge senior, Präsident McKinley davon, dass zahlreiche US-Geschäftsleute aufgrund der wirtschaftlichen Verluste auf eine schnelle Lösung der kubanischen Frage drängten. Am 27. März 1898 erließ McKinley ein Ultimatum an Spanien mit der Forderung nach einem Waffenstillstand.

mini|Die USS Maine im Hafen von Havanna Gegen spanische Proteste schickten die USA mit der Maine unter Kapitän Charles Dwight Sigsbee ein Schlachtschiff zu einem „Freundschaftsbesuch“ in den Hafen von Havanna, wo sie am 25. Januar 1898 eintraf. Gleichzeitig wurde die US-Flotte bei Key West zusammengezogen, und es liefen Vorbereitungen für eine Blockade der Insel, um die spanischen Truppen vom Nachschub abzuschneiden und weitere Verstärkungen zu unterbinden.

Um nicht als Aggressor gebrandmarkt zu werden, verbot der Kommandant der Maine der Besatzung, an Land zu gehen. Am 15. Februar 1898 kam es auf seinem Schiff jedoch zu einer verheerenden Explosion, bei der 268 amerikanische Seeleute und Soldaten den Tod fanden. Die USA beschuldigten Spanien, einen Angriff verübt zu haben; die amerikanische Öffentlichkeit war erwartungsgemäß empört. Unter anderem schürten die Publizisten William Randolph Hearst und Joseph Pulitzer die Stimmung gegen Spanien. Der Schlachtruf der Hearst-Presse lautete: Remember the Maine, to hell with Spain! („Denkt an die Maine! Zur Hölle mit Spanien!“), ein Kriegsgrund war gefunden. Hearst wies seinen Korrespondenten Remington an, in Havanna zu bleiben und Bilder zu liefern, damit er, Hearst, den Krieg liefern könne: “You furnish the pictures. I’ll furnish the war.”

Das Wrack der USS Maine ist Gegenstand vieler Nachforschungen geworden. Unter anderem kam eine Untersuchung 1976 zu dem Ergebnis, dass nicht, wie seinerzeit von der US-Regierung behauptet, eine Mine unter dem Schiff detonierte, sondern die Explosion im Innern der USS Maine stattfand. So könnte womöglich ein unentdeckter Schwelbrand in einem der Kohlebunker, der auf ein benachbartes Magazin übergriff, die Katastrophe ausgelöst haben (s. a. Kohlebrand). Eine neuere Untersuchung, in Form einer Simulation, des National Geographic Magazine (1999) schließt eine extern verursachte Minenexplosion nicht aus, ohne genügend Beweise für diese These zu besitzen.Louis Fisher: Destruction of the Maine (1898). (PDF) Law Library of Congress, 2009. (PDF-Datei; 53 kB)