Der Kreis Nordfriesland (, , ) ist der nördlichste Landkreis Deutschlands. Zugleich ist Nordfriesland historisch namensstiftend die Heimat der Minderheit der Nordfriesen. Im Kreisgebiet lebt traditionell ebenso die Minderheit der dänischen Südschleswiger.Siehe hierzu auch: Bonn-Kopenhagener Erklärungen Mit gleich fünf traditionell im Kreisgebiet gesprochenen Sprachen und Dialekten (Deutsch, Plattdeutsch, Dänisch, Südjütisch und Nordfriesisch) gilt Nordfriesland als der sprachenreichste Kreis Deutschlands.

Der Zuschnitt des heutigen Kreisgebiets ist in seiner Lage nicht identisch mit jener der kulturgeografischen Region Nordfriesland. Letztere bildet primär das historische Siedlungsgebiet der hierher eingewanderten Friesen ab – es ist somit etwa ein Drittel kleiner, umfasst zugleich aber auch die politisch zum Kreis Pinneberg gehörige Insel Helgoland.Die (PDF; 981 kB) veranschaulicht das nordfriesische Sprach- und Siedlungsgebiet im Verhältnis zu den Grenzen des Kreises Nordfriesland.

Ferner ist er zu unterscheiden vom Landkreis Friesland im Nordwesten von Niedersachsen.

Geographie Geographische Lage Das Kreisgebiet Nordfrieslands bildet den nördlich der Eidermündung gelegenen Bereich an der Nordseeküste Schleswig-Holsteins (auch Westküste genannt). Es umfasst dabei sowohl den Bereich des sogenannten Festlands an der schleswig-holsteinischen WestküsteHierbei handelt es sich um einen feststehenden Begriff zur Bezeichnung der schleswig-holsteinischen Nordseeküste (siehe auch Westküstenautobahn oder regionale Wikipedia Gruppe; siehe auch Wikipedia:Westküste)., wie auch die zersplittert liegenden Nordfriesischen Inseln und Halligen im Bereich der historischen Uthlande des Nordfriesischen Wattenmeers. Dieser Raum ist, vor allem im Bereich des historischen Strandes sowie des Heverstroms, seit dem Mittelalter durch verheerende Sturmfluten (z. B. Zweite Marcellusflut und Burchardiflut) und mehrfacher, gezielter Landgewinnung vielfach umgestaltet worden.

Die politischen Grenzen des Kreisgebiets auf dem Festland folgen in weiten Bereichen angrenzenden Flussläufen. Im Norden ist dies die Wiedau und, weiter östlich, deren linksseitiger Zufluss Süderau. Gemeinsam bilden sie gleichzeitig die Deutsch-dänische Grenze ab. Im Osten bildet grob der Flusslauf der Treene den Übergang zum Kreisgebiet Schleswig-Flensburgs. Grenzfluss im Süden ist die Eider. Jenseits dieser befindet sich der Kreis Dithmarschen. Im Zuge der Gründung des heutigen Kreises wurden anteilig die im Westteil gelegenen Gemeinden der Landschaft Stapelholm dem nordfriesischen Kreisgebiet zugeschlagen, wohingegen vom Altkreis Südtondern die Gemeinden des Amts Medelby dem neuen östlichen Nachbarkreis Schleswig-Flensburg zugeschlagen wurde.

Der nördlichste Punkt auf der Insel Sylt im Bereich des Ellenbogens bildet zugleich den nördlichsten Punkt der Bundesrepublik Deutschland. Dieser befindet sich bereits auf Höhe des Staatsgebietes von Dänemark und ist der Halbinsel Jütland westlich vorgelagert.

Die höchsten Erhebungen innerhalb des Kreisgebiets sind der Sandesberg in der Gemeinde Ostenfeld mit und die Uwe-Düne in Kampen auf Sylt mit .

Geologie Der Kreis hat, geomorphologisch gesehen, Anteile an den folgenden Naturräumen: Marsch und Geest Das Wattenmeer wird trotz seiner geologischen Eigenheit und ausgedehnten Fläche nicht als eigener Naturraum angesehen. mini|Marsch in Eiderstedt

Die Inselwelt des Wattenmeeres ist in weiten Bereichen Überbleibsel ehemals untergegangenen Kulturlandes (siehe: Uthlande). Der Küstenstreifen ist nach einem vom Küstenmorphologen Hartmut Valentin konzipierten SchemaHartmut Valentin: Die Küsten der Erde. Beiträge zur allgemeinen und regionalen Küstenmorphologie (= Petermanns geographische Mitteilungen. Ergänzungsheft. Nr. 246, ). Perthes, Gotha 1952. eine im Verhältnis mehrheitlich zurückgewichene Küste. Die Inseln lassen sich einteilen in Geestkerninseln (Sylt, Amrum und Föhr), die Marschinsel Pellworm, die aus Marsch bestehende Halbinsel Nordstrand und die ebenfalls aus Marsch bestehenden Halligen. Die Halbinsel Eiderstedt bildet den Südteil des Kreises. Das nordfriesische Wattenmeer ist Teil des Nationalparks Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer.

Die Geographie des Kreises wurde in ihren Grundzügen durch die Eiszeiten geprägt. Besonders die Küstenlinie aber verändert sich dynamisch, wobei anders als im südlichen Kreis Dithmarschen trotz menschlicher Landgewinnung in den letzten Jahrhunderten mehr Land an die See verloren ging als zurückgewonnen werden konnte. Besonders Sturmfluten wie die Zweite Marcellusflut 1362 (Grote Mandränke) überfluteten weite Marschgebiete und rissen diese ins Meer. Ihr fiel auch der Ort Rungholt zum Opfer.

In Nordfriesland gibt es 33 Naturschutzgebiete, die 9,21 % der Landfläche einnehmen. Von den insgesamt 441.000 Hektar des Nationalparks Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer liegen 176.290 Hektar auf nordfriesischem Gebiet.

Geestkerninseln Die Inseln Sylt, Föhr und Amrum sind weitgehend auf eiszeitlichen Geestkernen aufgebaut. Die höchsten Erhebungen auf Sylt und Amrum sind Dünen. Dazu haben die drei Inseln Marschflächen, von denen die meisten eingedeicht sind.

Marschinseln und Halligen mini|Ockelützwarft auf Hallig Hooge

Die Marschinseln und Halligen haben keinen Geestkern, sondern bestehen nur aus der später entstandenen Marsch. Land und Meer sind hier in ständiger Bewegung. Besonders die Flächen im Bereich der ehemaligen Insel Strand verändern sich ständig. Seit dem Deichschluss am Beltringharder Koog besteht das Gebiet aus der nunmehrigen Halbinsel Nordstrand, der Insel Pellworm und den Halligen Langeneß, Oland, Gröde, Habel, Hamburger Hallig, Nordstrandischmoor, Hooge, Norderoog, Süderoog und Südfall. Dem Gebiet ist eine Linie aus Sanden vorgelagert, die mit dem einen Kilometer breiten Amrumer Kniepsand beginnt, sich über diverse Sande im Meer wie den Norderoogsand und den Süderoogsand erstreckt und im weiten Sandstrand von Sankt Peter-Ording ausläuft. Durch das Wattenmeer verlaufen in diesem Gebiet zahlreiche bis zu 20 Meter tiefe Wattströme, die das Watt und das Fundament von Halligen und Inseln angreifen. Bedeutendster davon ist die Hever zwischen Nordstrand und Eiderstedt (Süderhever) sowie Nordstrand und Pellworm (Norderhever). Der Nordteil des Stroms bildete sich erst nach der Burchardiflut und trug maßgeblich dazu bei, die beiden Teile Alt-Nordstrands auseinanderzureißen. Da er weiter eine starke Strömung hatte, gab es Bestrebungen des Küstenschutzes, wieder einen Damm zwischen Nordstrand und Pellworm zu errichten, um den Strom zu durchdämmen. In den letzten Jahren hat er sich aber beruhigt, so dass das Projekt im Generalplan Küstenschutz (Stand: 2005) nicht mehr umgesetzt werden soll.

Marschgebiete auf dem Festland mini|Typische Eiderstedter Landschaft

Die Nordfriesische Marsch reicht von der dänischen Grenze bis Hattstedt-Schobüll, wo ein Teil der Geest direkt an die Nordsee grenzt. Nach Westen wird sie vom Meer, nach Osten von der Geest begrenzt. Die Marsch liegt tief, größtenteils knapp unter dem Meeresspiegel. Sie entstand im Wechsel zwischen Eis- und Warmzeiten aus der sogenannten Nordfriesischen Rinne zwischen zwei Altmoränen, der heutige Geest im Osten und den Geestinseln im Westen. Bis in die Frühe Neuzeit hinein bestand das heutige Marschgebiet aus einer Vielzahl von Inseln und Halligen, die sich durch Landgewinnung und Sturmfluten in stetiger Veränderung befanden. Durch ihre Entstehungsgeschichte sind die älteren Böden im Gegensatz zu den weiter südlich gelegenen Marschgebieten wenig fruchtbar und eignen sich fast nur zur Grünlandwirtschaft. Die Besiedlung startete hier wegen der großen Flutanfälligkeit ebenfalls später als in Eiderstedt und Dithmarschen.

Die Eiderstedter Marsch liegt südlich des Geestvorsprungs bei Hattstedt-Schobüll. Sie ist landschaftlich jünger als die nordfriesische Marsch. Ein Großteil des Landes wurde erst durch Landgewinnung erschaffen, die die drei Inseln, aus denen Eiderstedt bestand, zu einer Halbinsel verband. Jüngster Koog ist das Naturschutzgebiet Katinger Watt. Die Marschgebiete werden an der Seeseite durch zwei kilometerbreite Sande begrenzt, im Süden liegt die Eider, im Südosten schließt die Marsch an die Eider-Treene-Niederung an, im Norden liegt die Nordfriesische Marsch. Die Eiderstedter Marsch ist von mehreren früheren Nehrungen durchzogen, auf denen die meisten Ortschaften liegen. Das Gebiet besitzt fruchtbare Böden. Zusammen mit der mittlerweile größtenteils ans Meer verlorenen Insel Alt-Nordstrand war Eiderstedt die Kornkammer der Gottorfer Herzöge. Das Gebiet liegt etwas höher als die nordfriesische Marsch, so dass hier eine natürliche Entwässerung möglich ist.

Geestgebiete auf dem Festland Zur Schleswigschen Geest zählen die Lecker Geest und südlich davon die Bredstedt-Husumer Geest. Weiter südöstlich liegt die zur Geest gehörende Eider-Treene-Niederung.

Klima Nordfriesland liegt im atlantischen Klimabereich. Der Kreis ist im Sommer verglichen mit anderen Gegenden Deutschlands vergleichsweise kühl, im Winter vergleichsweise warm, wobei sich das atlantische Klima auch im Kreisgebiet merklich von Ost nach West stärker ausprägt. Gibt es in der Geest noch etwa 190 frostfreie Tage im Jahr, sind es auf den Inseln schon 220 Tage. In den Marschen tritt Frost nur selten vor Ende Oktober und ebenso selten nach Mitte April auf.

Das Niederschlagsminimum liegt von Februar bis Juni bei 40 mm/Monat, während von August bis Oktober etwa 80 mm/Monat fallen. Dabei fällt im Sommerhalbjahr auf den Inseln, der Marsch und Eiderstedt deutlich weniger Niederschlag als auf der Geest. Die durchschnittliche Windgeschwindigkeit ist mit 7 Meter/Sekunde auf den Inseln sehr hoch und auch im restlichen Kreisgebiet deutlich höher als in den meisten Regionen Deutschlands.

Geschichte Zur Vorgeschichte des Kreises Nordfriesland siehe Nordfriesland#Geschichte.

mini|Der Kreis Nordfriesland umfasst den südwestlichen Teil des früheren Herzogtums Schleswig. Die Geschichte von Nordfriesland als politischer und verwaltungsmäßiger Einheit nahm mit den Diskussionen Ende der 1960er Jahre und der darauf folgenden vorbereitenden Planung der Kreisreform von 1970 konkretere Form an. Nachdem Pläne zur Bildung eines solchen Kreises bereits in den 1920er Jahren erstmals durch den Nordfriesischen Verein für Heimatkunde und Heimatliebe diskutiert wurden, flammten diese im Nachkriegsdeutschland wieder auf. Im Herbst 1968 wurde in einem Gutachten vorgeschlagen, die Kreise Südtondern, Husum und Eiderstedt zu einem Großkreis zusammenzufassen.Thomas Steensen: Nordfriesland im 19. und 20. Jh. In: Nordfriisk Instituut (Hrsg.): Geschichte Nordfrieslands. Heide 1995, S. 429–435. Diese Vereinigung stand im Zusammenhang mit einer Kreisreform, die ganz Schleswig-Holstein betraf und die zum Ziel hatte, die Anzahl der Kreise zu senken.