Kandern (alemannisch Chander oder auch Chandre) ist eine Kleinstadt im Landkreis Lörrach in Baden-Württemberg.
Geografie Lage Kandern liegt im Südwesten Deutschlands, am Fuße des Schwarzwaldes. Nördlich von Kandern stellt der Berg Blauen (auch Hochblauen) das Ende des Oberen Kandertals dar, hier liegt auch die Quelle der Kander. Unweit der Quelle führt der Lipplepass ins Kleine Wiesental nach Tegernau.
Durch Kandern führt die zwölfte Etappe des Westwegs, eines Fernwanderwegs von Pforzheim nach Basel, der vom Schwarzwaldverein gepflegt und betreut wird.
Nachbargemeinden Im Uhrzeigersinn (von Norden beginnend): Malsburg-Marzell, Steinen, Lörrach, Wittlingen, Rümmingen, Schallbach, Efringen-Kirchen, Bad Bellingen und Schliengen.
Stadtgliederung mini|hochkant=2.4|Karte der Gemeinde Kandern
+ Die sieben Stadtteile von Kandern Name Einwohner(31. Dez. 2023)Stadt Kandern. Jahresabschluss 2023, S. 284 pdf Fläche (in km2)Stadt Kandern. Jahresabschluss 2023, S. 279 pdf Urkundliche Ersterwähnung Zugehörige Dörfer, Weiler und Höfe Kandern (Kernstadt) 4350 15,08 733 (Chantra)Karl Heinz Debus: Studien zu merowingischen Urkunden und Briefen. Untersuchungen und Texte. Zweiter Teil. In: Archiv für Diplomatik - Band 14 (1968), S. 1–192; hier: S. 133. Zitiert nach Matthias Heiduk: Kandern (LÖ). In: Bruckmatt; Glashüttenhof; Platzhof; Steinenkreuz Feuerbach 352 3,97 1275 (Fiurbach)Freiburger Diözesan-Archiv, Band 1, S. 210 Holzen 593 7,23 1275 (Holzhain)Freiburger Diözesan-Archiv, Band 1, S. 210 Badhof Riedlingen 585 6,0 1147 (Ruedlinghouen)Nach Eisele 972 („Rithilinga“), aber nach Müller „sehr fraglich“. Käppelebuck; Mühlehof; Riedlinger Bad Sitzenkirch 324 3,85 1120 (Sitzenkirken) St.-Johannes-Breite; Wässerlehof Tannenkirch 978 7,53 1179 (Tannenchilche)Badische Historische Kommission (Herausgeber), bearbeitet von Albert Krieger: Topographisches Wörterbuch des Großherzogtums Baden. 2. Band, Heidelberg 1904, Spalte 1143–1144 Digitalisat der UB Heidelberg Uttnach; Ettingen; Gupf; Kaltenherberg; Siedlung Fohrenwald Wollbach 1356 18,60 764/67 (Vvalapah)Siehe Michel Félibien: Histoire de l'abbaye royale de Saint-Denys en France, Paris 1706, S. XXIX Digitalisat bei Gallica Egerten; Egisholz; Hammerstein; Nebenau; Bruckmühle; Hofmühle; Kaisergrube Gesamt 8538Statistisches Landesamt Baden-Württemberg; Fortschreibung zum 31.12.2023 = 8456 62,27Statistisches Landesamt Baden-Württemberg = 62,26 –
Im Gebiet der Stadt werden 13 Wüstungen vermutet, die sich wie folgt auf die Gemarkungen verteilen: Kandern (fünf), Tannenkirch (drei), Wollbach (drei), Sitzenkirch und Riedlingen je eine.
Geologie Das Gemeindegebiet der Stadt Kandern umfasst unterschiedliche Naturräume. Im Nordosten greift es auf den südwestlichsten Teil des Grundgebirgsschwarzwaldes über. Südlich davon schließt sich das Rotliegend-Buntsandstein-Tafelland der Weitenauer Schwarzwaldvorberge an. Im Westen, nördlich einer Linie Hammerstein-Holzen-Hertingen befindet man sich in einem Jurabergland, südlich der genannten Linie im Markgräfler Tertiär-Löss-Hügelland
Zwei Verwerfungen sind für die Geologie des Gemeindegebietes von größerer Bedeutung. Das ist einmal die in Nord-Süd-Richtung von Badenweiler über Sehringen und Sitzenkirch her ziehende Schwarzwaldrand-Verwerfung, zum andern die von Osten her auf Kandern zielende Schwarzwaldsüdrand-Verwerfung. Sie treffen nahe der Einmündung der Waldeckstraße in die Hauptstraße aufeinander. Diese beiden Störungen grenzen die Südwestecke des Schwarzwaldes von dessen Vorbergzone ab.
mini|Kandern eingebettet im Kandertal, hinten im Hintergrund der Hochblauen Im Schwarzwald-Gebiet der Kanderner Gemarkung sind zwei unterschiedlichen Granite vertreten: der Schlächtenhaus-Granit, ein Zweiglimmergranit und der Malsburggranit, ein mittel- bis grobkörniger Biotitgranit (Steinbrüche im oberen Kandertal und bei Tegernau). Es handelt sich um freigelegte Plutone der Karbonzeit.(Die neueste Karte des LGRB scheidet den Blauengranit nicht mehr aus.)
Westlich der Nord-Süd-verlaufenden Schwarzwaldrand-Verwerfung liegt ein hauptsächlich aus Gesteinen des Mitteljura (Dogger) aufgebautes Bergland. Gaishalde, Hohfohren, Schorner und Schornerbuck, auch die Rüttenen über Feuerbach sind aus den Mitteljurakalken des bis zu 80 m mächtigen Hauptrogensteins aufgebaut, die im alten Steinbruch am Riedlinger Schnittenberg zu sehen sind. Die Hauptrogensteintafeltafel ist an zahlreichen Verwerfungen zerbrochen und durch Täler und Tälchen zergliedert. Auch der Untergrund des im Osten unmittelbar an den Schwarzwaldgranit grenzenden Geländes vom Heißbühl bis Sitzenkirch besteht hauptsächlich aus Mitteljuraschichten.
Diese Vorberge des Schwarzwaldes sind Schollen des Deckgebirges, das einst auch das Gebiet des Schwarzwaldes bedeckte, dort aber weitgehend von der Abtragung abgeräumt wurde. Bei der Rheingrabenbildung (Eozän-Oligozän) bzw. dem Aufsteigen des Schwarzwaldes wurden diese Juraschollen zu Randschollen des Rheingrabens. In ihrer Tieflage waren sie vor den erosiven Kräften besser geschützt als die Sedimente über dem seit der späten Tertiärzeit (Pliozän) verstärkt aufsteigenden Schwarzwald.
Südlich der Schwarzwaldsüdrandverwerfung bezieht das Gemeindegebiet neben dem höchsten Teil des Munzenbergs (702 m) auch den Gugelhut und den Günglert mit ein. Auch hier, im Weitenauer Bergland sind wir im Bereich der Schwarzwaldvorberge. Es stehen aber hier viel ältere Schichten an – Buntsandstein und die schon im Erdaltertum entstandenen Sedimente des Zechsteins und des Rotliegend. Da diese Vorbergschollen höher lagerten als die Juraschollen unserer Gemarkung, hat hier die Abtragung nicht nur die Juradecke, sondern auch Keuper und Muschelkalk bereits entfernt. Die Munzenberg-Buntsandsteintafel steigt leicht zum Schwarzwald hin an. Ihre nach N gerichtete Stufenstirn erreicht eine Höhe von 700 m über NHN. Die den Sockel der Tafel bildenden Rotliegend- und Zechsteinschichten (genauer der Weitenau- und Wiesental--Formation) treten auf der Kanderner Gemarkung südlich der Schwarzwaldsüdrandverwerfung vom Juchskopf über den Roten Rain bis zur Scheideck und zum Platzhof in Erscheinung. Es handelt sich hauptsächlich um rotbraune feldspatreiche Sandsteine und Tone.
mini|hochkant=1.6|Kandern in seiner geologischen Umgebung Südlich Kandern findet die Schwarzwaldrandverwerfung eine Fortsetzung in der Rheintalflexur. Hier sind die Schollen des Markgräfler Tertiärhügellandes gegen die der Schopfheimer Bucht (Weitenauer Vorberge und Dinkelberg) nicht durch eine Verwerfung abgesetzt, sondern durch eine Abbiegezone, bei der die Schichten des Weitenauer Berglandes nach Westen in die Tiefe abtauchen. (zu sehen im Muschelkalksteinbruch östlich Nebenau!) Verstärkt wird dieses Abtauchen durch Längsverwerfungen innerhalb der Flexurzone.
Westlich der Rheintalflexur setzt sich das Jurabergland noch weiter nach Süden bis zur Linie Hammerstein-Holzen-Hertingen fort. Hier sind es aber die Kalke und Mergel des Oberjura (Oxford/Rauracium), die dominierend den Untergrund bilden. Es sind dies die (frisch gebrochen) hellen Gesteine, die im Steinbruch beim Christianswuhr aber auch am Isteiner Klotz zu sehen sind. Schon Hinterm Böscherzen erscheinen die Korallenkalke des Oberjura und in der Wolfsschlucht zeigen sie sich in pittoresken Felsgebilden – Resultat früher Verkarstung. An den Hängen des Feuerbachtales zwischen Riedlingen und Riedlinger Bad und am Böscherzen werden die Korallenkalktafeln von Behlen und Hoher Schule allerdings noch unterlagert von Mitteljuraschichten. Es sind dies in erster Linie die in einem Flachmeer entstandenen grauen Tone und Mergel der Kandern-Formation.
Der 550 Meter hohe Heuberg, der sich über dem Wollbachtal noch als eine Mitteljurascholle (hauptsächlich Hauptrogenstein) zu erkennen gibt, ist großflächig mit Hangschutt bedeckt, in dem sich hangabwärts gewanderte Gerölle (Fließerde) aus dem Älteren Eiszeitalter befinden. In der Heuberg-Tongrube ist eine noch ältere, vermutlich pliozäne Schotterdecke eines früheren Flusssystems aufgeschlossen. Noch älter ist die Kappe von Küstenkonglomeraten und Tonen auf dem Heißbühl (eozän/oligozän). Ebenfalls in der Tertiärzeit oder schon früher entstanden die Tuffschlote bei Feuerbach (Gewanne Holen und Obere Rindlen). Auf dem Behlen und der Hohen Schule erinnern aufgelassene Erzgruben an das Vorkommen eozäner Bohnerze. Diese sind als Konkretionen bei der Verwitterung eisenhaltiger Gesteine entstanden und, in Bohnerztone eingebettet, über dem Korallenkalk und in dessen Karsthohlräumen erhalten geblieben.
Der für die Tonwerke wichtige Opalinuston wurde lange Zeit bei Sankt Johannis Breite abgebaut. Die aufgelassene Tongrube (Tongrube Ost) am Nordrande von Kandern lieferte Tone aus dem obersten Mitteljura (Callov) und dem unteren Oberjura (Oxford).
An einer von Bad Bellingen über Hertingen-Tannenkirch, Hammerstein, Egisholz ziehenden Verwerfung wurden die um Kandern anstehenden Jurakalke in die Tiefe, in den NW-SO verlaufenden Bamlacher Graben, versenkt. So ändert sich die Landschaft südlich der Verwerfung deutlich. Hier breitet sich um Mappach, Maugenhard, Schallbach ein sanftwelliges, nur wenig bewaldetes Hügelland aus, in dem eine dicke Löss-(Lehm-)decke den tieferen Untergrund verschleiert. Spärliche Einblicke in den tertiären Untergrund enthüllen oligozäne (Rupel-/Chatt-)Sedimente: Es handelt sich um Melettaschichten (Froidefontaine-Formation), graue, tonige Flachmeersedimente, entstanden, als das Meer in den Oberrheingraben vordrang, und die darüber abgelagerte Elsässer (Brack- und Süßwasser-)Molasse. Diese zeugt vom Rückzug des Meeres (Aufschluss am Fischinger Läufelberg).
Löss wurde in den pleistozänen Kaltzeiten aus den vegetationslosen Schotterfeldern des Rheines verweht und in den benachbarten Gebieten deponiert. Der fruchtbare Löss wird verwittert zu weniger fruchtbarem, weniger wasserdurchlässigem Lösslehm. Im Bamlacher Graben dominiert der Löss, im Jurabergland dagegen der Lösslehm.
Geschichte Archäologische Funde zeigen, dass das Gebiet des heutigen Kandern bereits in vorgeschichtlicher, keltischer und römischer Zeit besiedelt war. Vermutlich waren es die Tonvorkommen, welche den Ort schon damals für eine Siedlung attraktiv machten. Der Name Kandern ist eine germanische Bildung und bedeutet an der Kander liegend. Der Name der Kander selbst – des Flusses, der Kandern durchfließt – stammt vom keltischen kander für glänzend.
mini|Die Sausenburg aus nordwestlicher Richtung