mini|Verbreitung von Swahili Swahili , deutsch auch Suaheli, Kisuaheli, Kiswahili (Eigenbezeichnung) sowie vereinzelt Suahelisch, ist eine Bantusprache und die am weitesten verbreitete Verkehrssprache Ostafrikas. Swahili ist die Muttersprache der Swahili, die im etwa 1500 Kilometer langen Küstenstreifen von Süd-Somalia bis in den Norden von Mosambik leben, sowie einer ständig wachsenden Zahl von Einwohnern Ostafrikas, die mit dieser Sprache aufwachsen. Mehr als 80 Millionen Menschen beherrschen Swahili, was die Sprache zu der am meisten gesprochenen Bantusprache weltweit macht – von diesen sind nur 5–10 Millionen Muttersprachler.
Verbreitung Swahili ist Amtssprache in Tansania, wo es durch den Nationalen Swahilirat gepflegt wird, sowie zweite Amtssprache und weit verbreitete Verkehrssprache in Kenia. In Uganda ist es seit 2005 Amtssprache, in Ruanda seit 2017. Bereits 1967 hat sich die Ostafrikanische Gemeinschaft die Förderung des Swahili anstatt des von der britischen Kolonialmacht hinterlassenen Englischen zum Ziel gesetzt. In der Demokratischen Republik Kongo ist Swahili eine von vier Nationalsprachen, gesprochen wird es vor allem im Osten des Landes. Swahili wird auch in Burundi, Süd-Somalia, Mosambik, Malawi und auf den Komoren (einschließlich Mayotte) gesprochen.
Bei dem Gipfeltreffen der Afrikanischen Union im Juli 2004 wurde Swahili als Arbeitssprache genutzt. Als Verkehrssprache (Handelssprache, Lingua franca) wird Swahili von etwa 80 Millionen Menschen gesprochen.
Herkunft des Wortes Swahili, deutsche Schreibung Das Wort Swahili stammt von dem Plural des arabischen Wortes , das „Küste“ oder „Grenze“ bedeutet (vgl. Sahelzone). Das daraus abgeleitete Adjektiv () bedeutet etwa „Küstenbewohner“. Unklar ist, ob die Endung -i auf die arabische Nisba-Endung zurückgeht oder aus phonologischen Gründen angehängt wurde. Die Sprache wird im Swahili selbst (und gelegentlich auch im Deutschen) Kiswahili genannt. Das Präfix ki- gibt dabei (ähnlich wie im Deutschen der Artikel) die Klassenangehörigkeit des Nomens an.
In der deutschen Kolonialzeit von Tanganjika (1885–1918) gab es noch keine einheitliche Schreibung von Swahili in lateinischer Schrift. Man verwendete dann im Deutschen für Swahili-Namen Buchstaben mit ähnlicher deutscher Lautung, insbesondere -u- für den labialisierten Halbvokal (, heutige Schreibung -w-) und -j- für den palatalen (, heute -y-), -dsch-, selten auch -dj-, für den stimmhaften palatalen Plosiv (, heute -j-), -s- für den stimmhaften s-Laut (, heute -z-) und -ss- für den stimmlosen (, heute -s-), z. B. Muansa für Mwanza, Njassa für Nyasa. Bei bekannten Namen wie Suaheli oder Kilimandscharo hat sich diese Schreibung im Deutschen bis heute neben der modernen Swahili-Schreibweise erhalten. Für die weitergehende Eindeutschung mit dem Adjektiv suahelisch gibt es vereinzelte Belege vom späten 19. Jahrhundert an bis heute; in deutschen Wörterbüchern findet sich dieses Wort nicht.
Entwicklung Ursprung und Sprachgeschichte mini|hochkant=1.4|Swahili in arabischer Schrift auf dem Askaridenkmal in Dar es Salaam “Huu ni ukumbusho wa askari wenyeji Waafrika waliopigana katika Vita Kuu …”, übersetzt: „Dies ist eine Erinnerung an die afrikanischen Krieger, die im großen Krieg kämpften …“
Swahili ist aus der Begegnung afrikanischer Küstenbewohner mit seefahrenden Händlern meist arabischen Ursprungs entstanden. Die Sprache wird genetisch zur Sabaki-Gruppe der Bantusprachen Ostafrikas gerechnet. Die größten Ähnlichkeiten bestehen zu einer Reihe von Sprachen des kenianischen Küstenraumes sowie der Komoren. In der geographischen Einteilung der Bantusprachen nach Malcolm Guthrie gehört Swahili zur Zone G40.Vgl. zu diesem Absatz auf der Seite des Sprachinstitutes der Universität von Kalifornien (Los Angeles)
Auch wenn Swahili grammatikalisch eindeutig zu den Bantusprachen gehört, umfasst sein Wortschatz eine große Zahl arabischer Vokabeln. Dies veranlasste frühe europäische Besucher dazu, das Swahili als eine Variante des Arabischen anzusehen. In klassischen Gedichten kann dieser Anteil bei bis zu 50 % liegen; im modernen Umgangsswahili wird der Anteil arabischer Wörter auf 20 % geschätzt. Generell wurden im islamisch geprägten Küstenraum, der traditionellen Heimat der Sprache, mehr Wörter arabischen Ursprungs benutzt als im Binnenland.
Im 20. Jahrhundert ist eine große Zahl von Begriffen aus dem Englischen aufgenommen worden. Als weitere Sprachen sind das Persische, indische Sprachen, Portugiesisch und im Kongo-Swahili auch das Französische mit Lehnwörtern im Swahili vertreten. Aus der deutschen Kolonialzeit sind nur wenige Ausdrücke dauerhaft ins Swahili eingedrungen, von denen „shule“ (Schule) der bekannteste ist. Insgesamt wird geschätzt, dass der Anteil fremdsprachlicher Wörter im Swahili etwa dem Anteil französischer, lateinischer und griechischer Lehnwörter im Englischen entspricht. mini|Gedenktafel in Berlin-Kreuzberg
Abgesehen von der äthiopischen Schrift und mancherorts verwendeten Bilderzeichen wie der Nsibidi-BilderschriftJoyce Ifeoma Obidiebube: Concept of African Script: Pre-Colonial, Colonial and Modern Periods. In: Knowledge Review, Band 22, Nr. 2, April 2011, S. 44–51, hier S. 45 f. besaßen vor der Zeit des Kolonialismus südlich der Sahara nur Swahili und andere afrikanische Sprachen, die zu muslimischen Herrschaftsgebieten gehörten, eine Schrifttradition. Inschriften und Münzfunde von der ostafrikanischen Küste weisen darauf hin, dass muslimische Herrscher ab dem 9. Jahrhundert die arabische Schrift verwendeten.Chapane Mutiua: The Arabic script’s adoption in Swahili-speaking East Africa. In: AJAM, 5. Oktober 2020 Die ältesten erhaltenen Swahili-Manuskripte stammen aus der Zeit um 1700 und benutzen die arabische Schrift als Adschami-Schrift. Im 19. Jahrhundert wurde die Sprache erstmals mit lateinischer Schrift notiert; der schwäbische evangelischer Missionar Ludwig Krapf verfasste das erste Wörterbuch, eine Grammatik und erste Teile der Bibel von 1844 bis 1882.Ype Schaaf: L'histoire et le rôle de la Bible en Afrique, CETA, HAHO et CLE, Lavigny 2000, ISBN 9966-886-72-9, S. 68–91. Unter dem Einfluss der Missionsschulen sowie der europäischen Kolonialmächte wurde das lateinische Alphabet zum Standard. Im Küstenbereich gibt es heute nur noch wenige Swahilisprecher, die als Muslime und Koranleser mit der arabischen Schrift vertraut sind und auch Swahili noch mit arabischen Buchstaben notieren.
Ausbreitung Durch den Karawanenhandel in Ostafrika mit Sklaven und Elfenbein verbreitete sich das Swahili als Handels- und Verkehrssprache zunehmend entlang der Karawanenwege von der ostafrikanischen Küste ins Binnenland bis in die Region der Großen Seen und den östlichen Kongo.Vgl. die Darstellung im Artikel Suahelisprache. In: Heinrich Schnee (Hrsg.): , 1920. Im 19. Jahrhundert wurde die Sprache lexikalisch und grammatikalisch erschlossen, wobei vor allem Missionare wie Ludwig Krapf, Edward Steere und im 20. Jahrhundert Charles Sacleux eine bedeutende Rolle spielten. Von Krapf stammt die erste Swahili-Grammatik und von Steere eine Grammatik in einer als Lehrbuch benutzbaren Form. Die von Steere benutzte einfache Orthografie wurde mit geringen Modifikationen bei der Standardisierung in den 1930er Jahren zugrunde gelegt. Sacleux erstellte ein Wörterbuch mit vielen etymologischen Anmerkungen sowohl für arabische Lehnwörter als auch für verwandte Wörter in benachbarten Bantusprachen. (Siehe Abschnitt Sprachwissenschaft.)
Kolonialzeit Mit dem Beginn der Kolonialzeit verstärkte sich die Bedeutung des Swahili, da sowohl in Deutsch-Ostafrika als auch in Kenia die deutschen und britischen Kolonialherren von der Küste her das Land unterwarfen, sich beim Aufbau der Verwaltung einheimischer Helfer aus dem swahilisprachigen Gebiet bedienten und die Sprache auch als Verwaltungssprache einsetzten. Die Deutschen setzten hierbei das Swahili konsequent als Amtssprache für den direkten Kontakt mit den Einheimischen auf den unteren Ebenen der Verwaltung sowie in den staatlichen Schulen ein, wohingegen die zahlreichen Missionsschulen eher auf die Lokalsprachen der einzelnen Volksgruppen setzten. Im britischen Bereich war Swahili in Uganda vorübergehend offizielle Verwaltungssprache, blieb aber dauerhaft nur die Kommandosprache für Polizei und Armee.Viera Pawlikova-Vilhanova: Swahili and the dilemma of Ugandan language policy. In: Asian and African Studies. 5, 1996, 2, S. 158–170; (PDF), S. 9, 11 In Kenia setzten die Briten bis in die 1950er Jahre Swahili als untere Verwaltungssprache und überregionale Bildungssprache in den Volksschulen ein, setzten dann aber stärker auf das Englische.Nabea, Wendo: Language Policy in Kenya: Negotiation with Hegemony. (PDF) In: The Journal of Pan African Studies. Vol. 3, Nr. 1, September 2009. In Tanganjika setzten die Briten die vormalige deutsche Sprachpolitik mit Swahili als unterer Verwaltungssprache bis zur Unabhängigkeit fort. In Belgisch-Kongo wurde die Sprache von den belgischen Kolonialherren in Verwaltung und Schulbildung in der östlichen Region Katanga verwendet und ist heute eine der vier anerkannten nationalen Sprachen der Demokratischen Republik Kongo.Johannes Fabian: Language and colonial power: the appropriation of Swahili in the former Belgian Congo, 1880–1938. Cambridge 1986,
Standardisierung In den Jahren zwischen den beiden Weltkriegen bemühte sich die britische Kolonialmacht um eine Standardisierung der Sprache, um sie besser zu Verwaltungszwecken einsetzen zu können. Im Interterritorialen Sprachkomitee der britischen ostafrikanischen Gebiete wirkten Regierungsvertreter, Einheimische und Vertreter der Missionsgesellschaften zusammen, denen an einer Vereinheitlichung für eine gemeinsame Bibelübersetzung sowie für ihre Schulen gelegen war. Dabei wurde der Dialekt von Sansibar zugrunde gelegt, der schon im 19. Jahrhundert durch den Karawanenhandel eine weitere Verbreitung entlang der Handelswege im Landesinneren von Tanganjika gefunden hatte. Hierauf baut bis heute das Standard-Swahili auf, wie es in Tansania und Kenia durch Schulbücher und Massenmedien verbreitet wird.
Seit der Unabhängigkeit mini|Swahili ist in Tansania auch in geschriebener Form allgegenwärtig: hier einsprachige Aufschriften im Krankenhaus in Ikonda im Makete-Distrikt (Bedeutung: „Krankenstation für Kinder“, „… privat“, „… Männer“, „… Frauen“).
Die Pflege der Sprache obliegt heute den Nationalen Swahiliräten in Tansania und Kenia sowie dem sprachwissenschaftlichen Institut an der Universität Dar es Salaam, an dem eine Reihe von Wörterbüchern erarbeitet worden sind. Die tatsächliche Verbreitung ist in Tansania am weitesten fortgeschritten, wo Swahili die allgemeine Unterrichtssprache der siebenjährigen Volksschule ist. In Kenia und Tansania ist es auch Pflichtfach an den Sekundarschulen. In beiden Ländern gibt es Radio- und Fernsehprogramme auf Swahili.
Der Fortschritt der Sprache in Uganda ist bisher begrenzt. Sie gilt als „islamisch“ und erfreut sich geringer Beliebtheit, weil sie die Kommandosprache von Polizei und Militär ist. Tansanier machen sich in dieser Hinsicht gerne über ihre Nachbarn lustig, wie ein verbreitetes Scherzwort zeigt:
Im Jahre 2005 wurde Swahili neben Englisch zur zweiten Nationalsprache Ugandas erklärt und wird seither allmählich zunehmend in den Schulen unterrichtet.On Wednesday, the 6th July 2005, the Parliament of Uganda passed an amendment in the 1995 Constitution making Kiswahili the second official language of Uganda, after English. In: Kjersti Majola: Language and Education in Uganda: an encounter with the National Indigenous Language Forum (PDF). Die Einführung von Suaheli als Pflichtfach geschieht aber nur zögerlich, es fehlt an Lehrern und Material. Vgl. Bericht der ugandischen Zeitung Daily Monitor vom 23. Januar 2014: Kiswahili dream drags on as government looks for funds (englisch) abgerufen am 8. Februar 2014.
Phonologie Schreibung und Aussprache