Ein soziales Netzwerk ist ein Onlinedienst, der die Möglichkeit zu Informationsaustausch und Beziehungsaufbau bietet. Eine dadurch entstehende Online-Community bietet computervermittelte Kommunikation und digitale soziale Interaktion entsprechend den Möglichkeiten der jeweiligen Social Software (Plattform). Auf der technischen Grundlage eines sozialen Mediums (Social Media), das als Plattform zum wechselseitigen Austausch von Meinungen, Erfahrungen und Informationen eingesetzt wird, ergibt sich ein abgrenzbares soziales Netzwerk von Nutzern mit von ihnen erzeugten Inhalten (User-generated content).
Bezeichnung In anderen Sprachen wie Englisch oder Koreanisch ist die Bezeichnung social networking service (소셜 네트워크 서비스) üblich. Daher begegnet man manchmal der Abkürzung SNS. Weltweit, auch im Deutschen, umgangssprachlich am weitesten verbreitet ist allerdings die synonyme Verwendung von „Social Media“. Deutsche Begriffe wie „Gemeinschaftsportal“ oder „Online-Kontaktnetzwerk“ sind hingegen kaum gebräuchlich.
Charakteristik Grundlegende Funktionen so gut wie aller sozialen Netzwerke sind: Profilseite: eigenhändig erstellte Seite einer Person oder Organisation, mit diversen Einstellungen zur Sichtbarkeit für Mitglieder der Netzgemeinschaft oder generell der Öffentlichkeit des Netzes. Ein Profil kann z. B. ein Avatar-Bild und persönliche Daten über Alter, Geschlecht, Wohnort und Interessen und Hobbys enthalten. Ein weiteres Profilelement ist das Festlegen von Status-Meldungen, die Auskunft über die Lage oder Haltung einer Person geben sollen. Posten: Teilen von Inhalten („Posts“) wie z. B. Fotos, Streaming Media oder kurzen Textbeiträgen (Mikroblogging) Abonnieren bzw. Folgen/Followen: Abonnement („Abo“ bzw. Follow) anderer Profile (macht einen zum Follower dieser Person). Hohe Followerzahlen können (für Nichtprivatpersonen illegal) gegen Bezahlung erworben werden.www.acquisa.de. jemanden taggen: Verlinken des Profils eines anderen Benutzers in einem Beitrag („Nametagging“), häufig mit vorangestelltem @ Kommentieren/Antworten: einen Beitrag zu einem bestimmten Beitrag verfassen Liken: positives Bewerten eines Beitrags Feed: individuelle Startseite, in der neue Beiträge von Abos bzw. Follows zusammengeführt werden Suche Benachrichtigungen: Hinweise über Neuigkeiten, z. B. über Likes und Kommentare auf eigene Beiträge Chat: Instant Messaging zwischen Benutzern (eine einzelne solche Nachricht in einem 1:1-Chat wird auch als DM oder PN bezeichnet)
Den Nutzern werden manchmal zusätzlich noch folgende Funktionen geboten: Gruppe: Netzwerk von Profilen Tag: Etikettieren eines Beitrags mit einem Stichwort, nach dem gesucht werden kann (z. B. in der Form eines Hashtags) Stories: spezielle Form der Posts, in denen Nutzer in kurzen zeitlich begrenzten Clips aus ihrem Alltag berichten können. Filter und sonstige Bearbeitungswerkzeuge für Bilder und Videos Spiele innerhalb des Netzwerks
Kategorisierung Eine mögliche Kategorisierung beschreiben Schmidt & Taddicken (2016), indem sie zwei Einteilungen vornehmen.
Nach Praktiken Identitätsmanagement Hierbei geht es darum, eigene Aspekte der eigenen Person zugänglich zu machen. Mögliche Funktionen könnten Ausfüllen einer Profilseite, Erstellen eines eigenen Podcasts etc. sein. Dadurch entsteht eine Selbstauseinandersetzung, welche sich in der Frage „Wer bin ich?“ als Entwicklungsaufgabe ausdrücken lässt.
Beziehungsmanagement Hierbei geht es um die Pflege bestehender Kontakte und das Knüpfen neuer Kontakte. Beispielhafte Funktionen wären ein Kommentar zum Status-Update eines Kontaktes oder das Verlinken von Weblog-Einträgen. Dadurch entsteht eine Sozialauseinandersetzung, welche sich in der Frage „Wo ist mein Platz in der Gesellschaft?“ als Entwicklungsaufgabe ausdrücken lässt.
Informationsmanagement Hierbei geht es um das Selektieren, Filtern, Bewerten und Verwalten von Informationen. Mögliche Funktionen wären das Taggen einer Website oder das Bewerten eines Videos durch Punktevergabe. Dadurch entsteht eine Sachauseinandersetzung, welche sich in der Frage „Wie orientiere ich mich in der Welt?“ als Entwicklungsaufgabe ausdrücken lässt.
Nach Funktionen Soziale Netzwerke beinhalten nicht nur eine der folgenden Funktionen, sondern können mehrere oder sogar alle dieser beinhalten. Eine der Funktionen ist dabei doch meistens vorherrschend.
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Nutzung Zahl der Nutzer Das am meisten genutzte soziale Netzwerk der Welt war im Jahr 2022 Facebook. Auch in Deutschland befindet es sich auf Platz eins: 35 % benutzen es mindestens einmal in der Woche, bei jüngeren Menschen liegt es allerdings nur auf Platz drei hinter Instagram und TikTok., abgerufen am 9. Dezember 2022.
Das US-amerikanische Unternehmen Meta hatte zunächst Probleme, mit seiner Plattform Facebook auf dem deutschen Markt Fuß zu fassen. Es konnte diese Probleme später überwinden und ist seit 2009 das meistgenutzte soziale Netzwerk in Deutschland. Im Dezember 2011 meldeten sich insgesamt 798,9 Millionen Mitglieder mindestens einmal mit einem eigenen Benutzerkonto bei Facebook an. Dies entsprach einem Wachstum von 214,6 Millionen (+36,7 %) gegenüber Dezember 2010. Asien wies Ende 2011 mit 214,7 Mio. Personen die höchste Mitgliederanzahl auf, gefolgt von Europa (193 Mio.), Nordamerika (174,5 Mio.), Süd- und Mittelamerika (148,5 Mio.) sowie Afrika (55,2 Mio.) und Ozeanien (13,0 Mio.).
Im Dezember 2010 hatte Instagram eine Million registrierte Benutzer, im Juni 2011 waren es fünf Millionen. Bis Juni wuchs die Mitgliederzahl 2016 auf über 500 Millionen an.
TikTok
Nutzung durch Unternehmen Nutzer können auch Unternehmen sein. Diese präsentieren sich dort mit einem Unternehmensprofil. Sie werden dabei von eigenen Dienstleistern (z. B. PR- oder Werbeagenturen) beraten und unterstützt oder tragen diese Aktivitäten (z. B. im Rahmen der Unternehmenskommunikation) selbst.
Unternehmen nutzen die sozialen Netzwerke unter anderem, um sich als Marke gegenüber (potenziellen) Arbeitnehmern zu positionieren (Employer Branding). Gleichzeitig dienen sie häufig auch der Öffentlichkeitsarbeit oder Vertriebszwecken (Social Commerce) und sind damit immer häufiger Bestandteil von Marketingstrategien. Möglichkeiten, auf Unternehmensprofile in sozialen Netzwerken aufmerksam zu machen, sind die Schaltung von Anzeigen oder die Integration der jeweiligen URL in klassische Werbemittel, am POS (z. B. über QR-Codes) oder in Unternehmenspublikationen. Zum Dialog mit anderen Nutzern wird häufig Community Management eingesetzt. Nehmen auf einem Unternehmensprofil negative Kommentare und Äußerungen seitens der Nutzer zu, spricht man auch von einem Shitstorm.
Geschichte 1980–2000 Bereits in den 1980er Jahren wurde der Grundstein für soziale Netzwerke mit den Bulletin-Board-Systemen (BBS) gelegt. Diese Systeme erlaubten den Austausch von Daten und Nachrichten zwischen mehreren Benutzern auf einer Plattform. Ebenfalls in dieser Zeit entstand das Usenet, eine Plattform für Diskussionen und Nachrichtenaustausch über das Internet.
Als Ende der 1980er und Anfang der 1990er Jahre die Anwendungen Compuserve, Prodigy und AOL erschienen, waren die Grundfunktionen, die heute ein soziales Netzwerk ausmachen, gelegt: Im Gegensatz zu Bulletin-Board-Systemen konnten persönliche Profile erstellt, Veranstaltungen publik gemacht, gechattet und öffentliche und private Nachrichten versendet werden. Diese Anwendungen waren in der Regel nur für Kunden der genannten Netzwerke zugänglich.
Im öffentlich zugänglichen World Wide Web existieren soziale Netzwerke, deren Funktionen über die von reinen Internetforen und Chats hinausgehen, seit Mitte der 1990er Jahre. Eines der ersten Beispiele ist die 1995 gegründete US-amerikanische Schulfreunde-Gemeinschaft Classmates.com. Die 1997 gegründete Online-Community SixDegrees.com vereinigte laut einer Untersuchung von Danah Boyd und Nicole Ellison als erstes soziales Netzwerk die heute üblichen Funktionen von durchsuchbaren Freundeslisten, Profilen und einem Nachrichtensystem auf einer Website.Danah Boyd, Nicole Ellison: Social Network Sites: Definition, History, and Scholarship, Journal of Computer-Mediated Communication, Vol. 13, Ausgabe 1, 17. Dezember 2007. Online-Version
2000–2010 Einen großen Beliebtheitssprung erlebten soziale Netzwerke wenige Jahre nach der Jahrtausendwende, als immer größere Teile der Bevölkerung eine Internetverbindung zur Verfügung hatten und sich ein großer Teil der privaten Kommunikation ins Web verlagerte. Im Jahr 2003 wurde LinkedIn gegründet, im Juli 2003 Myspace, im Januar 2004 folgte Orkut. Das geschäftliche Netzwerk Xing (damals OpenBC) setzte darauf auf. Im Februar 2004 ging Facebook an den Start, zuerst nur für Studenten der Harvard-Universität. Nach und nach wurde das Netzwerk für Studenten anderer US-Universitäten, Schüler an High Schools und schließlich für beliebige Nutzer auch außerhalb der Vereinigten Staaten freigegeben. Zu Beginn der 2010er Jahre erlangten soziale Netzwerke erneut einen großen Zulauf, da sich Smartphones, Tablets und andere Geräte, die primär der mobilen Internetnutzung dienen, ab diesem Zeitpunkt durchsetzten. Zudem funktioniert die mobile Kommunikation heute weniger durch Telefonieren oder das Schreiben von SMS, sondern mehr durch soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter.
Im Juli 2005 wurde Myspace für 580 Millionen US-Dollar von der News Corporation gekauft. Am 9. August 2006 meldete Myspace 100 Millionen Nutzer, womit soziale Netzwerke erstmals einer breiten Schicht bekannt waren.
Im November 2005 wurde in Deutschland das „Studentenverzeichnis“ studiVZ gegründet. Anfang 2007 wurde studiVZ von der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck übernommen, über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Jedoch scheiterte der Axel-Springer-Verlag kurz zuvor mit einem Gebot von 120 Millionen Euro. Aufgrund des großen Erfolges in den deutschsprachigen Ländern und des immer größeren Zuwachses an Nicht-Studenten wurden mit schülerVZ und meinVZ fast identische Projekte mit einer anderen Zielgruppe gestartet und zudem Plattformen für Spanien, Italien, Frankreich und Polen aus der Taufe gehoben, welche mangels Erfolgs mittlerweile aber wieder eingestellt wurden. Nachdem schülerVZ bereits im April 2013 geschlossen worden war, folgte am 31. März 2022 die Schließung von studiVZ und meinVZ.
Im Oktober 2007 kündigte Google die OpenSocial-Initiative an. Dadurch wurde es möglich, Inhalte verschiedener sozialer Netzwerke durch eine einheitliche Methode zusammenzuführen. Microsoft kaufte am 25. Oktober 2007 einen Anteil von 1,6 Prozent an Facebook und bezahlte dafür 240 Millionen US-Dollar. Durch diese Transaktion wurde Facebook auf dem Papier 15 Milliarden US-Dollar wert. Vorher wurde ein ähnliches Angebot seitens Google abgelehnt und ein Betrag von einer Milliarde US-Dollar, den Yahoo bezahlen wollte, um Facebook zu übernehmen, nicht angenommen.
Im März 2008 hat AOL, die Internettochter des amerikanischen Medienkonzerns Time Warner, das 2005 gegründete soziale Netzwerk Bebo für 850 Millionen US-Dollar (ca. 545 Millionen Euro) gekauft. Bebo hatte zur Zeit der Übernahme nach eigener Aussage etwa 40 Millionen Nutzer und ist vor allem in Großbritannien populär.
Im August 2008 meldete Facebook 100 Millionen Nutzer.
2010–2020 Im Februar 2010 meldete Facebook 400 Millionen Nutzer, am 21. Juli 2010 eine halbe Milliarde Nutzer.Meldung: 500.000.000 Nutzer bei Facebook Im Oktober 2012 wurden von Facebook erstmals eine Milliarde Nutzer gemeldet.