Das Schwarze Meer ist ein zwischen Südosteuropa, Osteuropa und Vorderasien gelegenes Binnenmeer, das über den Bosporus und die Dardanellen mit dem östlichen Mittelmeer verbunden ist. Es ist bis 2212 m tief und hat (ohne das Asowsche Meer) eine Fläche von etwa 436.400 km².Black Sea Geography auf www.ceoe.udel.edu, abgerufen am 13. Juni 2016. Das Volumen des Schwarzen Meeres beträgt 547.000 km³. Die durchschnittliche Wassertiefe beträgt 1253 Meter.
Etymologie mini|hochkant=1.5|Anrainer-Staaten des Schwarzen Meeres Der Name geht wahrscheinlich auf ein in Asien übliches System zurück, das die Himmelsrichtungen symbolisch durch Farbwörter bezeichnete, wobei „schwarz“ für den Norden stand, so wie die Bezeichnung des Südens „rot“ war. Sprecher, die dieses System verwendet haben, hätten also südlich des Schwarzen und nördlich des Roten Meeres wohnen müssen, um diesen die entsprechenden Namen zu geben. Dies trifft allerdings nicht auf die Skythen zu, denen der Ausdruck oft zugeschrieben wurde. Da die Bezeichnung *Axšaina („schwarz“) ebenso wie der entsprechende Name des Roten Meeres zuerst während der Zeit der Achaimeniden benutzt wurde, ist es vielmehr naheliegend, stattdessen den Persern die ursprüngliche Namensgebung dieser Meere zuzusprechen.Rüdiger Schmitt: Considerations on the Name of the Black Sea. In: Wolfgang Leschhorn u. a. (Hrsg.): Hellas und der griechische Osten. Saarbrücken 1996, S. 219–224.
Im Altgriechischen wurde der persische Ausdruck *Axšaina offenbar zu , „ungastliches Meer“. Später erfolgte dann eine euphemistische Umwandlung von „ungastlich“ zu , „Gastliches Meer“. Die Bezeichnung , „Schwarzes Meer“, war den Griechen jedoch ebenfalls bekannt. Wahrscheinlich erhielt die Bezeichnung durch Übersetzungen des griechischen Begriffes Einzug nach Europa. Auch die Türken übernahmen diese Namensgebung ( „schwarz“, „Meer“). Im Mittelalter waren zudem auch die Bezeichnungen Chasarisches Meer, Russisches MeerLev Vladimir Cerepnin: Die Rus' vom 10. bis ins 14. Jahrhundert. In: Handbuch der Europäischen Wirtschafts- und Sozialgeschichte. Bd. 2. Stuttgart 1980, S. 682–702 (). So zum Beispiel in Georg Waitz (Hrsg.): Ekkehardi chronicon universale. In: Georg Heinrich Pertz (Hrsg.): Chronica et annales aevi Salici. (MGH SS 6.) Hannover 1844, S. 33–231 (Online: S. 216. abgerufen am 4. August 2013). und Skythisches MeerSo zum Beispiel bei Adolf Hofmeister (Hrsg.): Ottonis Episcopi Frisingensis Chronica sive historia de duabus civitatibus. 2. Auflage. (MGH SS rer. Germ. 45.) Hannover/Leipzig 1912 (Online: S. 311. abgerufen am 4. August 2013). üblich.
Daneben gibt es eine Deutung, die sich konkret auf die Beobachtung einer schwarzen Färbung des Wassers bezieht, die vor allem im Sediment sichtbar sein soll. Dies geht auf sulfatreduzierende (sulfidogene) Bakterien zurück, die durch ihre chemische Aktivität Schwefelwasserstoff aus Sulfat bilden. Der Schwefelwasserstoff bildet zusammen mit Eisenionen Eisensulfide, welche schwärzlich gefärbt sind.
Vom griechischen Begriff leitet sich auch das Adjektiv pontisch ab, das „zum Schwarzen Meer gehörig“ bedeutet.
In den Sprachen früherer und jetziger Anrainer trägt das Schwarze Meer folgende Bezeichnungen: , ( und, bevorzugt, ), , , , lasisch/megrelisch bzw. , , , , .
Geographie mini|hochkant=1.5|Einzugsgebiet des Schwarzen Meeres mini|hochkant=1|İnceburun, der nördlichste Punkt der türkischen Schwarzmeerküste Das Schwarze Meer liegt auf der westlichen innereurasischen Grenze zwischen Kleinasien/dem Kaukasus und Südosteuropa/Osteuropa. Die Anrainerstaaten sind im Uhrzeigersinn die Ukraine, Russland, Georgien, Türkei, Bulgarien und Rumänien.
Die Türkei hat eine Küstenlinie am Schwarzen Meer von 1700 km Länge, die kürzeste Küstenlinie hat Rumänien mit 256 km. Die Ukraine (mit der Halbinsel Krim) hat mit 1756 km die längste Küste aller Anrainerstaaten.
Wasserstraßen Über den Bosporus zum Marmarameer besteht eine Verbindung vom Schwarzen Meer zum Mittelmeer und über die Straße von Kertsch eine weitere zum Asowschen Meer. Iwan Budischtschew (vor 1780 – um 1827) erstellte eine erste Seekarte.
Wasserstraßen verbinden das Schwarze Meer über den Don und den Wolga-Don-Kanal zur Wolga, zum Kaspischen Meer, zur Ostsee und zum Weißen Meer sowie über die Donau und den Main-Donau-Kanal zur Nordsee. Allerdings ist der Kanal auf Grund seiner geringen Tiefe von knapp 3,5 m nur für kleine Schiffe bis etwa 5000 BRT, nicht aber für größere Frachtschiffe oder Fregatten nutzbar.
Flüsse Im Uhrzeigersinn beginnend vom Bosporus, ins Schwarze Meer fließende erwähnenswerte Flüsse sind:
Küste hochkant=1.5|Der westlichste Punkt mit den Burgas-Seen|mini Die Gliederung der Küste hängt von Steilheit des küstennahen Meeres ab. So ist die Küste vor allem im steileren südlichen, östlichen und nordöstlichen Teil nur schwach gegliedert. In flacheren westlichen und nordwestlichen Teil (zwischen Constanța und Tschornomorske ist die 25-m-Tiefenlinie zwischen 10 und 50 km von der Küste entfernt) ist die Herausbildung von Limanen im Mündungsbereich von Dnepr, Bug, Dnister und einigen kleineren Flüssen zu verzeichnen (an der Ostsee heißen die gleichen Strukturen Haff).
Südwestlich von Odessa befinden sich folgende Limane:
Nördlich von Constanța schließen sich in einigem Abstand an:
Inseln und Halbinseln
Das Schwarze Meer ist arm an Inseln und Inselgruppen. Einzelne kleine Inseln und Eilande sind unter anderem der türkischen und bulgarischen Küste vorgelagert, andere befinden sich im Mündungsgebiet der größeren Zuflüsse (Donau, Dnjepr). Die zahlenmäßig größte Inselgruppe befindet sich in der Bucht von Burgas.
Die Halbinsel Krim und die ihr gegenüber liegende Taman-Halbinsel trennen das Schwarze Meer vom Asowschen Meer.
Im Uhrzeigersinn beginnend vom Bosporus, erwähnenswerte Halbinseln und Inseln sind:
Binnenmeer Das Asowsche Meer ist ein Nebenmeer des Schwarzen Meeres, mit dem es durch die Straße von Kertsch verbunden ist.
Größte Bucht Die größte Bucht des Schwarzen Meers ist die Bucht von Burgas (Bulgarien). Sie erstreckt sich an der Westküste von Kap Emine () im Norden bis Kap Maslen Nos () im Süden. Der westlichste Punkt des Meeres befindet sich ebenfalls in der Bucht von Burgas und liegt sehr nahe der Stadt Burgas.
Geologische Schwankungen mini|hochkant=1.5|Topografische Karte der Schwarzmeerregion
Das Schwarze Meer bildete sich als ein Relikt des erdgeschichtlichen Randmeeres der Paratethys vor 35 Mio. Jahren, aus dem auch das Kaspische Meer und der Aralsee hervorgingen. Eine bewegte Zeit mit tiefgreifenden Veränderungen folgte, als vor etwa 11,5 Mio. Jahren auf dem Gebiet des Schwarzen Meeres der brackige Pannon-See entstand und etwa vor 7 Mio. Jahren der fast süßwasserhaltige Pontische See.
Bis zum zweiten Kältemaximum der letzten Eiszeit (in Mitteleuropa Weichseleiszeit) vor etwa 20.000 Jahren war das Klima kalt und trocken, und viel Süßwasser war in den Gletschern der nordischen Inlandvereisung gebunden. Der Meeresspiegel lag bedeutend tiefer, zeitweilig war das gesamte Becken trockengefallen.
Vor etwa 17.000 Jahren stiegen die Temperaturen an. Das abschmelzende Gletschereis setzte große Mengen von Süßwasser frei, das durch die bereits bestehenden Flusssysteme von Donau, Dnepr und Don in das Becken des Binnenmeeres abfloss. Zu Beginn des Holozäns lag der Meeresspiegel noch deutlich unter dem des Mittelmeeres. Infolge des permanenten nacheiszeitlichen Vorrückens (Transgression) der Weltmeere stieg der Pegel des Mittelmeeres bis zu dem Punkt, an dem – nach bisheriger Theorie – ein Durchbruch durch den Bosporus in das Schwarze Meer entstand. Die daraus entstandene Flutwelle wird bisweilen auch als die in der Bibel beschriebene Sintflut interpretiert.
Zeitpunkt und Intensität dieses unbestrittenen Flutungsereignisses sind seit den 1990er Jahren Gegenstand einer wissenschaftlichen Kontroverse. William Ryan und Walter C. Pitman nahmen in einer 1997 publizierten Untersuchung an, dass dieser Einbruch 5500 v. Chr. in kataklystischer Weise stattfand und mit einer Wasserspiegelanhebung von mehr als hundert Metern in kurzer Zeit einherging.W. B. F. Ryan, W. C. Pitman et al.: An abrupt drowning of the Black Sea shelf. In: Marine Geology. Bd. 138, 1997, S. 119–126 (deutsche Übersetzung: William Ryan, Walter Pitman: Sintflut. Ein Rätsel wird entschlüsselt. Lübbe, 1999, ISBN 3-7857-0878-5) Archäologische Funde auf dem Grund des Schwarzen Meeres deuteten zudem auf ein schnelles Verlassen von Siedlungen am zuvor dicht besiedelten Ufergebiet hin.Zusammenfassung in Ian Morris: Wer regiert die Welt? – Warum Zivilisationen herrschen oder beherrscht werden. ISBN 978-3-593-38406-1, S. 88.Nach Haarmann (2003) wird der Überlauf um 6700 v. Chr. datiert: Harald Haarmann: Geschichte der Sintflut. Auf den Spuren der frühen Zivilisation. Beck, München 2003, ISBN 3-406-49465-X. Gräben und Auswaschungen am Boden des Schwarzen Meers passten zu einer vom Schweizer Wissenschaftler Mark Siddall erstellten Computer-Simulation einer gewaltigen Überflutung, die von der Presse mehr oder weniger direkt als Sintflut dargestellt wurde.Der Wassersturz am Bosporus. www.sueddeutsche.de, 2. Januar 2006.Axel Tillemans: Neues zur Sintflut. bild der wissenschaft, März 2005, zuletzt abgerufen am 27. Mai 2019. Allerdings gab das Computermodell nicht die 150 Tage des biblischen Zeitraums an, sondern wies 33 Jahre für einen Anstieg um hundert Meter aus.
Eine Untersuchung der Schlamm-Ablagerungen im Donaudelta durch Mitarbeiter der Woods Hole Oceanographic Institution spricht dagegen für einen Überlauf bereits etwa 7500 v. Chr.Liviu Giosan, Florin Filip, Stefan Constatinescu: Was the Black Sea catastrophically flooded in the early Holocene? In: Quaternary Science Reviews. Band 28, Heft 1–2, 2009, S. 1–6, doi:10.1016/j.quascirev.2008.10.012. Dass die Verschlammung des Schwarzen Meeres einmal zu dessen Verschwinden führen dürfte, diskutiert der Historiker Polybios ausführlich in seinem Geschichtswerk (Buch IV.39–42). Die Sapropele des Donaudeltas bieten dafür ein ideales Archiv, da sich die Ablagerungen während des Holozäns stetig akkumuliert und ins Meer vorgeschoben haben. Der Eintrag von Salzwasser aus dem Mittelmeer ist vor allem durch die plötzliche Einlagerung von salzwasserbewohnenden Mollusken belegt. Der Meeresspiegel stieg mit dem Flutungsereignis innerhalb von Jahrzehnten lokal um fünf Meter an, also bedeutend weniger als von Ryan und Pitman für ihre Katastrophentheorie zugrunde gelegt. Durch diese 2009 in der geowissenschaftlichen Fachzeitschrift Quaternary Science Reviews publizierte Untersuchung wurde die von William Ryan und Walter Pitman vertretene sintflutartige Dramatik des Überflutungsereignisses entkräftet.
Der Bosporus stellt seitdem die Verbindung zum Marmarameer dar. Er hat eine Breite von 760 bis 3600 Metern und ist an seiner flachsten Stelle lediglich 32 bis 35 Meter tief.
Eigenschaften des Meeres Salzgehalt Das Wasser hat in der oberen Schicht einen (relativ niedrigen) Salzgehalt von etwa 17 Promille. In den tieferen Schichten des Meeres, unterhalb etwa 150 Metern, ist der Salzgehalt wesentlich höher. Der salinare Zufluss aus dem Mittelmeer (38–39 Promille) beträgt etwa 300 km³ je Jahr und der Oberflächenabfluss von weniger salzigem Wasser aus dem Schwarzen Meer etwa 600 km³ je Jahr.Oguz et al., 2000; Ozsoy und Unluata, 1997.
Sauerstoffgehalt