Lettland (, amtlich Republik Lettland, lettisch Latvijas Republika) ist ein Staat im Baltikum. Als mittlerer der drei baltischen Staaten grenzt er im Süden an Litauen, im Südosten an Belarus, im Osten an Russland, im Norden an Estland und im Westen an die Ostsee. Die Hauptstadt und größte Stadt Lettlands ist Riga.
Seit dem Inkrafttreten der EU-Erweiterung am 1. Mai 2004 ist Lettland Mitglied der Europäischen Union und seit dem 1. Januar 2014 auch Teil der Eurozone.
Geographie mini|400px|alt=Grafische Landkarte von Lettland mit farbig markierten Regionen Kurland, Semgallen, Oberlettland, Zentral-Livland und Lettgallen.|Die fünf historischen Regionen Lettlands
Lettland befindet sich im Zentrum des Baltikums. Dessen Zuordnung ist umstritten und wird neben geographischen Kriterien auch von historisch-kulturellen und politischen Aspekten beeinflusst. So wird das Baltikum sowohl Nordeuropa als auch Mitteleuropa,Ständiger Ausschuss für Geographische Namen (StAGN): Peter Jordan: Großgliederung Europas nach kulturräumlichen Kriterien. In: Europa Regional. 13, Heft 4, 2005, Leibniz-Institut für Länderkunde, Leipzig. OsteuropaBundeszentrale für politische Bildung: Europalexikon. und NordosteuropaDer neue Fischer Weltalmanach 2017. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2016, S. 278. zugeordnet.
Lettland besteht im Wesentlichen aus den fünf historischen Regionen Kurland (lettisch: Kurzeme) im Westen, Livland (Vidzeme) im Nordosten, Semgallen (Zemgale) und Selonien (Sēlija), als schmaler Streifen zwischen Düna (Daugava) und der litauischen Grenze sowie Lettgallen (Latgale) im Südosten. Es ist zum größten Teil ein bewaldetes Moränen-Hügelland mit zahlreichen Seen und einer langen, wenig gegliederten Küstenebene. Die längsten Flüsse Lettlands sind die Düna und die Gauja (dt. Livländische Aa). Der größte See Lettlands ist der Lubāns mit 80,7 km², der Dridza-See ist der tiefste See der baltischen Länder (bis zu 65,1 m tief). Die Hauptstadt Riga ist auch in geographischer Hinsicht das Zentrum des dünn besiedelten Landes. Der Rigaische Meerbusen, eine Bucht der Ostsee, liegt im Nordwesten des Landes. Latvian Institute
Die Republik Lettland hat eine Fläche von 64.589 km² und ist damit etwas kleiner als Bayern. Das Land grenzt im Nordosten auf einer Länge von 343 km an Estland, im Osten auf einer Länge von 276 km an Russland, im Südosten auf einer Länge von 161 km an Belarus und im Süden auf einer Länge von 588 km an Litauen. Die Küstenlinie entlang der Rigaer Bucht im Norden und der Ostsee im Westen misst etwa 498 km; Seegrenzen hat Lettland mit Estland und Litauen. Die durchschnittliche Höhe Lettlands beträgt . 57 % der Landesfläche liegt nicht höher als 100 Meter.Ādolfs Krauklis: Lettlands geographische Lage. In: Thomas Maess (Hrsg.): Lettland. Mundo-Verlag, Leer 1993, ISBN 3-87322-058-X, S. 16–19, hier S. 16. Der höchste Berg ist der 120 km östlich von Riga gelegene Gaiziņkalns (Gaising) mit .
Insgesamt 2543 km² (= 3,9 % der Landesfläche) werden von Gewässern (Flüsse, Seen, Stauseen) belegt, darunter 2250 Seen, die 2,5 % der Landesfläche einnehmen.Ādolfs Krauklis: Lettlands geographische Lage. In: Thomas Maess (Hrsg.): Lettland. Mundo-Verlag, Leer 1993, S. 16–19, hier S. 17. Vom verbleibenden Land werden etwa 40 %, nämlich 24.710 km² agrarwirtschaftlich und etwa 46 %, nämlich 28.855 km² forstwirtschaftlich genutzt.
Die Republik Lettland dehnt sich in Ost-West-Richtung 450 km und in Nord-Süd-Richtung 210 km aus., hier: Geographical Position of the Republic Latvia
In der Zwischenkriegszeit von 1920 bis 1940 war die Fläche Lettlands etwa 1300 km² größer als heute, weil die frühere Region Neu-Lettgallen um die Stadt Abrene/Pytalowo als Ergebnis des Lettisch-Sowjetischen Friedensvertrages von 1920 an Lettland fiel. Nach der Okkupation durch die Sowjetunion wurde dieses Territorium der Russischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik zugeschlagen. Diese Grenzänderung wurde nach dem Zerfall der Sowjetunion nicht rückgängig gemacht. Um die Voraussetzungen für seinen Beitritt zur Europäischen Union (EU) und NATO zu erfüllen, musste Lettland das vormals hauptsächlich von Letten bewohnte Neu-Lettgallen an Russland auch de jure abtreten. Der russische Name für die Stadt Pytalowo stammt vermutlich vom historischen lettischen Namen des Ortes, „Pie Tālavas“.
Klima
In Lettland herrscht wie in allen baltischen Staaten ein kühlgemäßigtes Klima mit kalten Wintern unter 0 °C und mäßig warmen Sommern zwischen 16 und 17 °C. In Riga liegt die Jahresdurchschnittstemperatur bei knapp 6 °C, es fallen 600 mm Niederschläge. Am feuchtesten ist es im Spätsommer und am trockensten im Frühjahr. 1800 bis 1900 Stunden jährlich scheint die Sonne.
Die Küsten der Ostsee bleiben im Winter meist eisfrei. Im August erreicht die Wassertemperatur bis zu 17 °C, an heißen Sommertagen in Küstennähe bis 25 °C.
Natur Neben Hirschen, Rehen, Hasen, Schwarzwild und Füchsen kommen auch Elche, Wölfe, Luchse, Biber und Wisente vor. Der Europäische Braunbär ist in Lettland in den Provinzen Latgale und Vidzeme wieder heimisch geworden. Für den Januar 2017 wird von einem festen Bestand von zwölf überwiegend auf lettischem Territorium lebenden Tieren ausgegangen.
In Lettland gibt es 706 staatlich geschützte Naturgebiete, darunter vier Nationalparks. Der mit einer Fläche von 16.145 ha kleinste, aber älteste Nationalpark ist der Nationalpark Slītere. Er wurde im Jahre 1922, während der ersten Unabhängigkeit Lettlands, gegründet. Mit einer Fläche von 38.114 ha ist der Nationalpark Ķemeri der zweitgrößte. Er wurde nach der Wiedererlangung der Unabhängigkeit Lettlands eingerichtet. Mit seinem Gründungsjahr 1997 ist er der jüngste. Der größte Nationalpark ist der Nationalpark Gauja. Er nimmt eine Fläche von 92.261 ha ein und wurde im Jahre 1973, während der Zugehörigkeit Lettlands zur Sowjetunion, eingerichtet.
Besonders für Zugvögel von Bedeutung ist das Naturschutzgebiet Pape, wo auch Wisente, Konikpferde und Heckrinder angesiedelt wurden. Lettland hat eine lange Tradition von Naturschutz; erste Schutzbestimmungen gab es bereits im 16. Jahrhundert.https://www.latvia.eu/nature/natural-attractions
Flüsse Nach Angaben des Amts für Statistik Lettlands gibt es in Lettland 17 über 100 km langen Flüsse. Die fünf längsten sind: Nr. Name mündet in Länge inLettland (km) Gesamtlänge(km)1 Gauja (dt. Livländische Aa) Rigaer Bucht 452 4522 Daugava (Düna) Rigaer Bucht 352 10053 Ogre (Oger) Daugava 188 1884 Venta (Windau) Ostsee 178 3465 Iecava (Eckau) Lielupe (Kurländische Aa) 136 136
Städte Im Jahr 2023 lebten 69 Prozent der Einwohner Lettlands in Städten. Die größten Städte des Landes sind:
rand|160px|RigaRiga rand|160px|DaugavpilsDaugavpils StadtEinwohner der Stadt (2022) Fläche (km²)rand|160px|LiepājaLiepāja rand|160px|JelgavaJelgava 1 Riga 611.824 307 2 Daugavpils (dt. Dünaburg) 79.618 75 3 Liepāja (Libau) 67.591 60 4 Jelgava (Mitau) 55.367 60 5 Jūrmala (Riga-Strand) 50.190 100 6 Ventspils (Windau) 33.064 45 7 Rēzekne (Rositten) 26.959 17
Bevölkerung Demografie
Lettland hatte 2020 1,9 Millionen Einwohner. Durch die massive Zuwanderung aus der Sowjetunion in den Okkupationsjahren von 1944 bis 1990 stieg die Einwohnerzahl Lettlands von 1,9 Millionen auf fast 2,7 Millionen an. Seitdem ist die Bevölkerung Lettlands erst aufgrund des Abzugs der sowjetischen Armee und ihrer Familienangehörigen nach Russland, dann auch wegen niedriger Geburtenraten und Auswanderung massiv gesunken. Sie nahm von 1989 bis 2011 um fast 600.000 Menschen ab.International Programs 2014 sank die Einwohnerzahl erstmals unter zwei Millionen. Damit befindet sie sich auf dem Stand der 1930er Jahre.
Lettland hatte 2023 1,9 Millionen Einwohner. Das jährliche Bevölkerungswachstum betrug + 0,1 %. Trotz eines Sterbeüberschusses (Geburtenziffer: 8,5 pro 1000 Einwohner vs. Sterbeziffer: 16,4 pro 1000 Einwohner) wuchs die Bevölkerung durch Migration. Die Anzahl der Geburten pro Frau lag 2022 statistisch bei 1,5, die der Europäischen Union betrug 1,5. Die Lebenserwartung der Einwohner Lettlands ab der Geburt lag 2022 bei 74,6 Jahren. Der Median des Alters der Bevölkerung lag im Jahr 2021 bei 43,6 Jahren. Im Jahr 2023 waren 15,4 Prozent der Bevölkerung unter 15 Jahren, während der Anteil der über 64-Jährigen 22,2 Prozent der Bevölkerung betrug.
Bevölkerungsstruktur Stand 2023 gibt es neben der lettischen Mehrheit (62,4 % der Bevölkerung) eine bedeutende russische Minderheit (23,7 %). Deutlich kleinere ethnische Minderheiten in Lettland sind Belarussen (3 %) und Ukrainer (3 %), die meist ebenfalls Russisch sprechen, sowie Polen (2 %) und Litauer (1 %). Hinzu kommen Esten, Deutsche, Roma und Tataren. Daneben gibt es noch etwa 2000 Suiti und ca. 170 Liven (vor allem in Riga und einigen kurländischen Küstendörfern).
Alle jene, die keine lettische, aber auch keine andere Staatsbürgerschaft besitzen, gelten in Lettland – anders als in anderen Ländern – nicht als Staatenlose, sondern als sogenannte Nichtbürger. + Lettlands Bevölkerung nach ethnischer Herkunft 1935–2021 in Tausend (t Ew.) Jahr 1935* 1959 1970 1979 1989* 2000* 2011*2021* Ethnie t Ew. % t Ew. % t Ew. % t Ew. % t Ew. % t Ew. % t Ew. %t Ew. % Letten 1.467,0 77,0 1.297,9 62,0 1.341,8 56,8 1.344,1 54,0 1.387,8 52,0 1.370,7 57,7 1.255,8 60,51.187,962,7 Russen 168,3 8,8 556,4 26,6 704,6 29,8 821,5 32,8 905,5 34,0 703,2 29,6 556,4 26,8463,624,5 Juden 93,4 4,9 36,6 1,7 36,7 1,6 28,3 1,1 22,9 0,9 10,3 0,4 6,5 0,34,40,2 Deutsche62,1 3,3 1,6 0,1 5,4 0,2 3,3 0,1 3,8 0,1 3,5 0,1 3,1 0,22,40,1 Polen 48,6 2,6 59,8 2,9 63,0 2,7 62,7 2,5 60,4 2,3 59,5 2,5 47,2 2,337,22,0 Belarussen 26,8 1,4 61,6 2,9 94,7 4,0 111,5 4,5119,7 4,5 97,1 4,0 73,8 3,658,63,1 Litauer 22,8 1,2 32,4 1,5 40,6 1,7 37,8 1,5 34,6 1,3 33,4 1,4 26,9 1,321,51,1 Esten 6,9 0,4 4,6 0,2 4,3 0,2 3,7 0,1 3,3 0,1 2,6 0,1 2,1 0,11,60,1 Roma 3,8 0,2 4,3 0,2 5,4 0,2 6,1 0,2 7,0 0,3 8,2 0,3 6,6 0,34,80,3 Ukrainer 1,8 0,1 29,4 1,4 53,5 2,3 66,7 2,792,1 3,4 63,6 2,7 49,1 2,442,32,2 Andere 4,2 0,2 1,8 0,1 2,7 0,1 3,8 0,2 29,4 1,0 25,0 1,1 47,0 2,368,93,6 Gesamt 1.905,9 100 2.086,4 100 2.352,7 100 2.489,5 100 2.666,6 100 2.377,4 100 2.074,6 1001.893,2100 * Ergebnis der Volkszählung des entsprechenden Jahres
+ Lettische Einwohner, die Nichtbürger sind, nach Ethnie(1. Januar 2024) Ethnie Anzahl Russen 111.593 Belarussen 24.131 Ukrainer 16.687 Polen 6.137 Litauer 3.896 Sonstige 6.832 Insgesamt 169.276
Russen stellten bereits 1897 einen Bevölkerungsanteil von etwa 8 % (153.000 Personen).
Bei Angehörigen der russischen Minderheit handelt es sich zum überwiegenden Teil um Nachfahren jener Sowjetbürger, die unter Josef Stalin im großen Stil aus anderen Teilen der Sowjetunion in Lettland angesiedelt wurden. Zugleich ließ Stalin zehntausende Bewohner der Baltenrepublik in sibirische Lager deportieren. Zwischen 1940 und 1990 veränderte sich die ethnische Zusammensetzung der Bevölkerung wegen dieser ethnischen Deportationen in der UdSSR zu Ungunsten der Letten, deren Bevölkerungsanteil von 77 % im Jahr 1935 auf 52 % im Jahr 1989 fiel. Gleichzeitig stieg der Anteil der Russen auf 34 %. Die russische Sprache hatte in dieser Zeit in Lettland eine dominierende Stellung. Die sowjetische Zentralmacht förderte die ethnische und kulturelle Russifizierung Lettlands. Nach der Wiedererlangung der Unabhängigkeit wurde die russische Sprache ihrer offiziellen Funktionen enthoben und Lettisch die alleinige Amtssprache. Dies stellte für die russische und weitere Minderheiten ein Problem dar, da sie es in sowjetischer Zeit mehrheitlich abgelehnt oder versäumt hatten, die Sprache der lettischen Bevölkerungsmehrheit zu erlernen. Auch heute ist die Integration der russischsprachigen Minderheit in den lettischen Staat noch eine innenpolitische Herausforderung.