Uruguay (; amtlich , ) ist ein Staat im Südkegel Südamerikas. Es ist das kleinste spanischsprachige Land in Südamerika. Uruguay grenzt im Norden an Brasilien, im Osten an den Atlantischen Ozean, im Süden an den Río de la Plata und im Westen (durch den Río Uruguay getrennt) an Argentinien.

Nach der Ankunft europäischer Siedler entwickelten sich die von den Spaniern ausgesetzten Pferde und Rinder auf den weiten Grasfluren der Pampa zu großen Herden, die die Grundlage für den wirtschaftlichen Reichtum des Landes bildeten. Uruguay gehört heute zu den stabilsten, demokratischsten und wohlhabendsten Ländern in Lateinamerika. Die politische und wirtschaftliche Transformation hat in den letzten Jahren beträchtliche Fortschritte gemacht.

Landesname Der vollständige Name des Landes Uruguay ist Republik Östlich des Uruguay. In der Sprache der Guaraní, der der Name entstammt, hat je nach Interpretation unterschiedliche Bedeutungen:

„Fluss der bunten Vögel“ nach Juan Zorrilla de San Martín „Schneckenfluss“ ( „Schnecke“, „Wasser“) „Fluss des Urulandes“ nach Félix de Azara. = Vogelname, „Land“, „Wasser“Etimología de Uruguay. In: etimologias.dechile.net. Abgerufen am 27. Mai 2024. „Fluss der Essensbringer“ nach einem alten Dokument des Jesuiten Lucas Marton.

Geographie Territorium Uruguay liegt in Südamerika, zwischen 30° und 35° südlicher Breite sowie 53° und 58° westlicher Länge.

Uruguay ist nach Suriname der zweitkleinste Staat Südamerikas. Mit 176.215 Quadratkilometern Fläche (davon rund 2.600 Quadratkilometer Wasserfläche) ist es etwa halb so groß wie Deutschland. Uruguay hat im Norden eine 985 km lange Grenze mit Brasilien und im Westen eine 579 km lange Grenze mit Argentinien. Die Küste ist 660 km lang.

Geologie und Geomorphologie mini|hochkant|Satellitenbild von Uruguay Ein Großteil der Fläche Uruguays gehört zur Ökoregion der Pampa, über den genauen Anteil gibt es unterschiedliche Angaben. In Uruguay wird sie auch Campo genannt und im Gegensatz zur völlig baumfreien Steppenlandschaft des südlich angrenzenden Argentiniens wird sie aufgrund eines Mosaikes aus „Waldinseln“ im subtropischen Grasland bisweilen eher mit einer Feuchtsavanne verglichen. Der Campo ist hüglig und setzt sich nordwärts nach Südost-Brasilien fort, wo er zu einer Hochebene ansteigt. Der Süden des Landes ist hingegen nahezu flach. Entlang des Río Uruguay gibt es ausgedehnte sumpfige Ebenen, die häufig überschwemmt werden.

Das Zentrum ist ein niedriges Tafelland, das in Hügelketten bis knapp über ansteigt. Schichtstufen und Härtlinge verleihen dem Land einen insgesamt hügeligen Charakter. Die Küste ist im Südosten durch flache Strandseen und Niederungen stark gegliedert. Im Norden ist das Land mit Hügelketten bedeckt, z. B. der Cuchilla de Haedo oder auch der Cuchilla Grande im Nordosten, die aber die Höhe von nur unwesentlich überschreiten. Die höchste Erhebung Uruguays ist der Cerro Catedral mit , weitere Erhebungen sind der Cerro de las Ánimas () und der Cerro Colorado (). Der niedrigste Punkt liegt auf Meereshöhe. Insgesamt ist das Land sehr flach, nur zehn Prozent der Landesfläche liegen höher als . Der Boden ist generell fruchtbar und wird deshalb fast überall von der Landwirtschaft genutzt. Wälder machen mit etwa fünf Prozent nur einen geringen Teil der Landesfläche aus.

mini|Zentrum von Montevideo mini|Satellitenbild von Montevideo Montevideo, die Hauptstadt, ist mit knapp 1,5 Millionen (Ballungsraum: 1,97 Millionen) Einwohnern die einzige Millionenstadt sowie die wichtigste Hafenstadt des Landes. Dort konzentriert sich nicht nur etwa die Hälfte der Bevölkerung, sondern auch Industrie und Handel des Landes. Montevideo ist auch ein Zentrum der lateinamerikanischen Politik (Sitz von ALADI und des Sekretariats des Mercosur).

Um den Titel der – allerdings mit Abstand – zweitwichtigsten Stadt wetteifern die an der Grenze zu Argentinien am Río Uruguay gelegenen Städte Salto (104.028 Einw.) und Paysandú (76.429 Einw.). Beide Städte sind von der Agrarindustrie geprägt, Salto hat zudem Anteil am bedeutenden Wasserkraftwerk Salto Grande. Weitere Städte sind Las Piedras (71.268 Einw.), Rivera (64.485 Einw.), Maldonado (62.592 Einw.), Tacuarembó (54.757 Einw.) und Melo (51.830 Einw.).

Der bekannteste Badeort des Landes, Punta del Este, liegt etwa 140 km östlich von Montevideo. In den Hochsommermonaten Dezember bis Februar ist die Stadt Treffpunkt der mondänen südamerikanischen Welt, wenn die Einwohnerzahl von 30.000 auf über 200.000 Menschen anschwillt und internationale Segelregatten, Modeschauen und Marathonläufe stattfinden.

mini|Río de la Plata Das Land ist sehr wasserreich. Das Gewässernetz lässt sich in zwei große Becken unterteilen: das Innen- und das Atlantikbecken. Das Atlantikbecken wird durch relativ kurze Flüsse gespeist, die in das Meer münden. Es lässt sich seinerseits in zwei Becken unterteilen: das des Río de la Plata (im Westen) und das der Merin-Lagune (im Osten). Das Innenbecken besteht aus Wasserläufen, die in den Uruguay münden. Sein wasserreichster Nebenfluss, der Río Negro, durchfließt das Land von Ost nach West und bildet seinerseits ein großflächiges Becken.

Der größte Fluss ist der Río Uruguay, der insgesamt 1790 km lang ist, im südbrasilianischen Küstengebirge entspringt und zusammen mit dem Río de la Plata die Westgrenze des Landes bildet. Wichtigster Zufluss ist der Río Negro, der auf 750 km Uruguay von Nordost nach Südwest durchquert und in der Landesmitte zum 1140 Quadratkilometer großen See Rincón del Bonete aufgestaut ist. Dieser Stausee entstand durch die Errichtung des Staudamms am Río Negro zur Gewinnung von elektrischer Energie. Er liegt auf halber Strecke des Flusslaufes, hinter dem 1945 fertiggestellten Dr.-Gabriel-Terra-Damm.

Der Río de la Plata mündet in den Atlantik, am weltweit größten Mündungstrichter. Der Río Uruguay ist entlang der ganzen Westgrenze des Landes schiffbar. Er versorgt, wie auch die zwei großen Stauseen am Río Negro (Rincón del Bonete und Paso del Palmar) im Zentrum Uruguays, das gesamte Land mit Trinkwasser. Weitere wichtige Seen sind die Laguna Merín im Osten des Landes, der Embalse de Salto Grande (Fläche: 783 Quadratkilometer) am Río Uruguay und der Baygorria-Stausee am Río Negro. Zudem befinden sich an der südöstlichen Küste die Laguna del Sauce, die Laguna José Ignacio, die Laguna Garzón, die Laguna de Rocha, die Laguna de Castillos und die Laguna Negra.

Der Wasserreichtum Uruguays ist nicht nur oberirdisch zu finden. Der Acuífero Guaraní, der sich unter den Landflächen Uruguays, Nordargentiniens, Paraguays und Südbrasiliens erstreckt, enthält schätzungsweise 37.000 Kubikkilometer Grundwasser und ist damit eines der größten Süßwasser-Reservoirs überhaupt.

Nach einer Volksabstimmung im Oktober 2004 wurde das Recht auf Wasser in Uruguays Verfassung verankert. Diese musste geändert werden und fortan eine Garantie enthalten, dass der Zugang zu Trinkwasser und sanitären Einrichtungen ein grundlegendes Menschenrecht ist und vom Staat gewährleistet werden muss. Uruguay ist damit das erste Land der Welt, in dem das Recht auf Wasser durch ein Plebiszit Verfassungsrang erhielt.

Uruguay ist relativ arm an Bodenschätzen, verfügt über keine eigenen Erdölvorkommen, und auch Minerallagerstätten sind nur vereinzelt anzutreffen. Abgebaut werden aber verschiedene Massenrohstoffe wie Kalkstein für die Produktion von Zement, oder (besonders im Süden des Landes) Tone und tonreiche Schluffe für Ziegel. Neben Dolomit und Marmor wird insbesondere in den südöstlichen Departements auch der sogenannte „Schwarze Granit“ als Naturwerkstein abgebaut. Allerdings handelt es sich nur in der Antiklinale von Soca um echten Granit (mit porphyrischem Gefüge und einer dunklen, graugrünen Matrix). Ansonsten werden basische Ganggesteine, wie mittel- bis feinkörnige Dolerite und Mikrogabbros, unter diesem irreführenden Handelsnamen („Schwarzer Granit“) vermarktet.

Aus Pegmatitgängen in den Departamentos Colonia und Florida werden die Industrieminerale Feldspat, Beryll und Quarz gewonnen. Letzteres ist elementar für die Herstellung von Glas. In Blanquillo findet sich Kaolinit für Porzellan, bei Bañado de Medina auch Montmorillonit. Im Departamento Colonia wird Talk sogar unter Tage abgebaut; im Departamento Río Negro findet sich Gips. An der Küste des Departamento Rocha haben sich Seifenlagerstätten des wichtigen Titanerzes Ilmenit angereichert.

Im Nordosten des Landes finden sich ausgedehnte basaltische Lavadecken, deren Blasenräume oft mit Achat und Amethysten gefüllt sind. Jedoch nur im Departamento Artigas werden sie seit 1972 gewonnen und zu Schmuck verarbeitet. Die dort entstandenen Wasserfälle und Höhlen wie Pozo Hondo oder Cueva del Chivo sind auch touristische Ziele.

Im Gebiet zwischen Minas und Pan de Azúcar (Lavalleja) finden sich einige kleine, meist unbedeutende Vorkommen von Blei- und Zinkerzen (untergeordnet auch Kupfer). Von diesen wurde La Oriental in den Jahren 1850 bis 1870 sowie von 1936 bis 1939 ausgebeutet. Die Eisenerze Magnetit und Hämatit sind an hochmetamorphes, in granitische Gneise eingeschaltetes Bändererz gebunden, die aber nur bei Valentines (Florida) abgebaut wurden. Weiteres (teilweise manganhaltiges) Bändererz findet sich in der Isla Cristalina de Rivera im Norden des Landes, wurde aber bisher noch nie genutzt. Allerdings befindet sich dort, bei Minas de Corrales, die einzige produzierende Goldmine des Landes.

Die oberste Fachbehörde für Geologie und Bergbau ist die Dirección Nacional de Minería y Geología im Ministerium für Industrie, Energie und Bergbau.

Klima Das Klima ist im Norden subtropisch, im Süden gemäßigt. In den Küstenregionen ähneln die Temperaturen den klimatischen Verhältnissen der Küstenregionen von Südfrankreich, Norditalien und Nordspanien, mit klar definierten thermischen Jahreszeiten. Die Jahresdurchschnittstemperatur liegt dort bei 16,5 °C. Der wärmste Monat ist der Januar mit etwa 22 °C, während der Juni der kühlste Monat ist, mit durchschnittlich 10 °C. Im Landesinneren liegt die Jahresmitteltemperatur etwas höher, hauptsächlich wegen der höheren Sommertemperaturen. Die absoluten Temperaturextreme in Montevideo liegen bei 43 °C und −5 °C, Frost kann dort – wenn auch selten – von Mai bis Oktober auftreten.

Im ganzen Land fällt Niederschlag das ganze Jahr über (Ostseitenklima), durchschnittlich 1.000 mm/Jahr, und bis zu 1.400 mm/Jahr in den feuchtesten Gebieten im Norden. Nur die Region um Punta del Este ist mit knapp unter 1.000 mm/Jahr etwas niederschlagsärmer. Das Winterhalbjahr ist bei insgesamt großer jahreszeitlicher Ausgeglichenheit generell etwas trockener als das Sommerhalbjahr, der feuchteste Monat ist der März. An etwa 100 Tagen im Jahr fällt in Montevideo messbarer Niederschlag. Die mittlere Jahressumme der Sonnenscheindauer liegt in Montevideo bei 2.800 Stunden. Die relative Luftfeuchtigkeit schwankt zwischen 70 und 75 Prozent landesweit, mit Spitzen von 80 Prozent im Juli und 65 Prozent im Januar. Es kommt recht häufig vor, dass die Luftfeuchtigkeit von 90 Prozent zum Sonnenaufgang auf 45 Prozent am Nachmittag fällt. Im Winter wird das Land oft von sehr starken, kalten Südwestwinden heimgesucht, die als Pamperos bekannt sind und die Küstenregionen des Landes verwüsten. Kaltlufteinbrüche gehen meist mit Südostwinden, den sogenannten Sudestadas einher, die in der La-Plata-Region verbreitet Überschwemmungen verursachen können. Insgesamt überwiegen östliche bis nordöstliche Winde.

Obwohl die Niederschläge sich relativ gleichmäßig über das Jahr verteilen, sind immer wieder extreme Unregelmäßigkeiten zu beobachten. Es gab lange Trockenperioden wie 1891–1894, 1916–1917, 1942–1943, 1964–1965 und 1988–1989, andererseits waren die Jahre 1914, 1959, 1983 oder 1992 extrem regenreich. Da es keine Berge als natürliche Barrieren gibt, ist das Land sehr anfällig für rasche Wetteränderungen, speziell dann, wenn auf eine längere Trockenperiode heftige Regenfälle folgen.