Planegg ist eine Gemeinde im oberbayerischen Landkreis München, die südwestlich der Stadtgrenze von München im Würmtal liegt.
Geographie Lage Planegg liegt an der Grenze der Landkreise München und Starnberg in der Münchner Schotterebene. Die Gemeinde grenzt im Uhrzeigersinn von Norden aus an Gräfelfing (Landkreis München), den Münchner Stadtteil Großhadern, Neuried (Landkreis München), Krailling (Landkreis Starnberg) und Germering (Landkreis Fürstenfeldbruck).
Gemeindeteile Planegg hat vier amtlich benannte Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben): Maria Eich (Kloster) Martinsried (Dorf) Planegg (Stadtrandsiedlung) Steinkirchen (Weiler)
Die Gemeindeteile Planegg und Steinkirchen sind baulich zusammengewachsen.
Natur Folgende Schutzgebiete berühren das Gemeindegebiet: Landschaftsschutzgebiet LSG Planegger Holz (LSG-00123.01) Landschaftsschutzgebiet LSG Forstenrieder Park einschließlich Forst Kasten und Fürstenrieder Wald (LSG-00114.01)
Flächenaufteilung
Nach Daten des Bayerischen Landesamtes für Statistik, Stand 31. Dezember 2022.
Geschichte Bis zum 18. Jahrhundert Während Martinsried bereits im 12. Jahrhundert und Steinkirchen im 13. Jahrhundert in den Urkunden der Klöster Dietramszell bzw. Benediktbeuern erwähnt werden, ist Planegg wohl der jüngste Ortsname des gesamten Würmtals. Er wurde erstmals 1409 in einer Verkaufsurkunde an den bayerischen Herzog Wilhelm III. erwähnt.
Am 1. Oktober 1425 schenkte Herzog Wilhelm diesen neu erworbenen Besitz und die dazugehörenden Gemeinden Großhadern, Martinsried, Forstenried, Fürstenried, Neuried und Gräfelfing seinem unehelichen Sohn Konrad von Egenhofen, Planegg wurde Hofmark. Der Ort war nun als Sitz der Hofmarksverwaltung Mittelpunkt und Gerichtssitz für das mittlere Würmtal. 1442 kam noch Lochham, 1720 Fronloh und 1724 Krailling dazu.
Die Gemeinde Martinsried unterstand jedoch nicht nur dem Ort Planegg: Auch der Grundherr – das Kloster Dietramszell – forderte Geld für den Erhalt des Klosters und ein Zehntel aller Erträge musste an die Kirche abgegeben werden.
mini|Wallfahrtskirche und Kloster Maria Eich 1733 errichtete der Gutsherr Baron von Ruffin aus Dank für die Wiedergenesung einer Tagelöhnerin des Hofbauern die Kapelle Maria Eich.
19. Jahrhundert Das 19. Jahrhundert brachte einen großen Aufschwung für Planegg. 1851 konnte der damalige Gemeindeausschuss feststellen: „Planegg, ein äußerst frequenter Wallfahrtsort, erfreut sich von Jahr zu Jahr eines immer größer werdenden Zuzugs von Fremden, die sich mit Beginn der günstigen Jahreszeit teils der Erholung und des Vergnügens wegen, vorzüglich jedoch zur Stärkung ihrer Gesundheit hierher begeben und ihren momentanen Wohnsitz hier aufschlagen. Das milde und gesunde Klima Planeggs, das als höchst wohltätig sich herausstellende Würmwasser, kunstgerecht angewandt, machen den Aufenthalt zu einem der angenehmsten, wozu noch eine unmittelbare Verbindung mit der Hauptstadt durch eine täglich zweimal gebotene Stellwagen-Fahrgelegenheit sich gesellt.“
Planegg war zu einem Erholungs- und Belustigungsort für München geworden, der Bau der Eisenbahnlinie Pasing–Starnberg im Jahr 1854 vergrößerte diese Bedeutung noch. Mit dem Gesetz vom 4. Juni 1848 über die Aufhebung der Patrimonialgerichtsbarkeit durfte sich die Gemeinde erstmals selbst verwalten. Ende des 19. Jahrhunderts wuchs die Einwohnerzahl so schnell (innerhalb von fünf Jahren hatte sie sich mehr als verdoppelt), dass 1900 für die nun 1339 Bürger ein neues Rathaus gebaut werden musste, das bis ins Jahr 1995 auch noch als solches benutzt wurde. mini|Das aktuelle Planegger Rathaus
20. Jahrhundert Nachdem die Planegger bis Anfang des 20. Jahrhunderts seelsorgerisch von der Pfarrkirche St. Martin in Martinsried aus betreut wurden, erhielt Planegg 1920 mit St. Elisabeth eine eigene Pfarrkirche.
Im Zweiten Weltkrieg wurde Planegg wiederholt Ziel von alliierten Bombenabwürfen. So wurde die Gemeinde während der Luftangriffe auf München bis 1942 dreimal bombardiert. Der schwerste Angriff ereignete sich am 11. April 1945 auf den Planegger Bahnhof, als infolge des Abwurfs von 700 Sprengbomben über Planegg und Krailling 131 Menschen (davon 104 in Planegg) getötet und 26 Gebäude schwer beschädigt wurden. Am 1. Mai 1945 wurde Planegg nach kleineren Gefechten (elf tote SS-Soldaten) von US-Truppen besetzt.
mini|Luftbild vom Campus Martinsried Von 1970 bis 1972 wurde in Martinsried das Max-Planck-Institut für Biochemie errichtet, im Jahr 1984 folgte ein Teilinstitut des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie. Aus letzterem ging 1998 das Institut für Neurobiologie hervor, das zum 1. Januar 2023 im Institut für biologische Intelligenz aufging. In unmittelbarer Nähe zu den beiden Forschungseinrichtungen der Max-Planck-Gesellschaft entstand ab 1995 das Innovations- und Gründerzentrum Biotechnologie Martinsried (IZB), das Labore und Büroräume für Biotechnologie-Start-ups bereitstellt. Auch die Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) eröffnete auf dem Campus Martinsried in den Folgejahren mit der Fakultät für Biologie und dem Biomedizinischen Centrum einen großen Standort.
21. Jahrhundert Bahnhofsumbau Die Planungen für einen Umbau des Bahnhofsgeländes begannen bereits 1999, doch erst 2003 konnte die Gemeinde nach langen Verhandlungen das Bahnhofsgebäude von der Bahn AG kaufen. Zunächst zog der Kiosk von der linken auf die rechte Seite der Unterführung und die Toiletten wurden saniert. Danach wurde bis 2004 der Bahnhofsvorplatz renoviert, um Überschwemmungen zu verhindern.
Im März 2016 beschloss die Gemeinde den Entwurf der Architekten Molenaar/Weber, der einen größeren Bahnhofsvorplatz, umgeben von Geschäften und einem Supermarkt, vorsah. Auf Höhe der Gleise sollte ein Fahrradschnellweg und ein zweistöckiges Bike-and-Ride-Haus entstehen. In der Folge wurde das Grundstück mit dem Gasthof „Eiche“ erworben und der gesamte Komplex abgerissen, an dessen Stelle ein temporärer ebenerdiger Busbahnhof gebaut wurde. Zudem wurden Grundstücke süd- und nordwestlich des Bahnhofs erworben. Das Grundstück mit dem Gasthof „Heide-Volm“ sollte nach dem ursprünglichen Plan umgebaut werden, stattdessen musste die Besitzerfamilie 2021 den Betrieb der Gaststätte aufgeben und ließ das Gebäude abreißen. Im Februar 2023 gelang der Gemeinde nach langen Verhandlungen der Erwerb des Grundstückes. Zusätzlich kaufte sie noch Grundstücke nordöstlich der Bahnstrecke, um dort mit dem Wohnungsbau zu beginnen.
U-Bahn-Verlängerung Am 16. Dezember 2014 entschied die Bayerische Staatsregierung, die Linie 6-West des Münchner U-Bahn-Systems von der bisherigen Endstation Klinikum Großhadern bis Martinsried fortzuführen. Die Strecke sollte ab 2016 für 73,5 Millionen Euro gebaut werden und 2020 in Betrieb gehen. Die Verlängerung der U6 im Süden nach Martinsried war bereits am 20. Juli 2009 vom Kreistag München beschlossen worden, die ursprünglich angestrebte Eröffnung 2014/2015 konnte allerdings nicht realisiert werden. Auch der zweite Termin konnte aufgrund von Verzögerungen bei den Verhandlungen zwischen den beteiligten Parteien nicht eingehalten werden. Nach eigentlichem Baubeginn im November 2022 fand im Februar 2023 der symbolische Spatenstich für die rund 950 Meter lange Strecke statt. Die Fertigstellung des Bauvorhabens ist für das Jahr 2027 geplant, die Gesamtkosten belaufen sich auf 212 Millionen Euro. Nach dem Bau der U9-Spange würde die U6 am Klinikum Großhadern enden, die U9 würde nach Martinsried weiterführen. In späterer Zeit könnte die Trasse auch zum S-Bahnhof Planegg weitergeführt werden.
Eingemeindungen mini|Schloss Planegg, ca. 1700 1425: Großhadern, Martinsried, Forstenried, Fürstenried, Neuried und Gräfelfing 1442: Lochham 1720: Fronloh 1724: Krailling
Gräfelfing, Krailling, Neuried und Planegg sind heute unabhängige Gemeinden. Großhadern, Forstenried und Fürstenried gehören inzwischen zu München. Fronloh und Pentenried gehören inzwischen zu Krailling (Landkreis Starnberg). Lochham gehört inzwischen zu Gräfelfing. Martinsried, Steinkirchen und das Kloster Maria Eich wurden nach Planegg umgegliedert.
Einwohnerentwicklung mini|Villa Berlepsch, Planegg Karlstraße 29 Quellen Bevölkerungsentwicklung = Jahr 1840 1849 1855 1867 1871 1875 1900 1925 1933 Einwohner 426 425 477 507 481 610 1339 2283 2528 Jahr 1939 1946 1952 1956 1961 1968 1970 1987 2000 Einwohner 2876 4162 4407 4680 5057 7058 6916 9720 10.589 Jahr 2004 2008 2012 2016 2020 2023 Einwohner 10.770 10.588 10.350 10.758 11.002 11.088
Politik Bürgermeister
Erster Bürgermeister ist seit 2020 Hermann Nafziger (CSU). Zur Zweiten Bürgermeisterin wählte der Gemeinderat Judith Grimme (Grüne), zur Dritten Bürgermeisterin Christine Hallinger (SPD).
Gemeinderat Der Gemeinderat von Planegg hat 25 Mitglieder (mit dem Ersten Bürgermeister) und setzt sich seit den Kommunalwahlen 2020 wie folgt zusammen:
Gemeindepartnerschaften mini|Straßenschild am westlichen Ortseingang , Frankreich, seit 1987 im Erzgebirge, Sachsen, seit 1992 (ital. Chiusa) in Südtirol, Italien, seit 2006 , England, Vereinigtes Königreich, seit 2012
Wappen
Kultur und Sehenswürdigkeiten
mini|Die Waldkirche von Süden gesehen
Kirchen Römisch-katholische Pfarrkirche St. Elisabeth Römisch-katholische Filialkirche St. Georg in Steinkirchen Römisch-katholische Filialkirche St. Martin in Martinsried Augustinerkloster Maria Eich Evangelisch-lutherische Waldkirche
Schloss Schloss Planegg
Todesmarsch-Denkmal Seit 1989 erinnert in der Pasinger Straße an der Würm eine Bronzeskulptur des Bildhauers Hubertus von Pilgrim an den von der SS überwachten Todesmarsch Tausender Häftlinge aus dem KZ Dachau vom April 1945. Identische Plastiken stehen an der weiteren Marschroute in Fürstenfeldbruck, Karlsfeld, München-Allach, München-Pasing, Gräfelfing, Gauting, Krailling, Grünwald, Aufkirchen und Wolfratshausen. Eine Kopie des Denkmals steht seit 1992 als Geschenk der Gemeinde Gauting in der Shoa-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem.Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation, Band 1. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 1995, ISBN 3-89331-208-0, S. 183.
Sport In Planegg gibt es mehrere Sportvereine: DJK Würmtal e. V. (Mehrspartensportverein, Mitglied im DJK-Sportverband) EC Planegg-Geisenbrunn e. V. (Eishockey- und Stocksportverein) ESC Planegg-Würmtal e. V. (Fraueneishockeyverein) HSG Würm-Mitte (Handballspielgemeinschaft des TSV Gräfelfing e. V. und des DJK Würmtal e. V.) Hubertus-Schützen Planegg e. V. (Schützenverein) SG „Martinslust“ Martinsried e. V. (Schützenverein) SV Planegg-Krailling e. V. (Mehrspartensportverein) TV Planegg-Krailling e. V. (Mehrspartensportverein, Sitz in Krailling)
Zum Eislaufen steht die 2004 in Betrieb genommene Kunsteisbahn Eiswunder Planegg zur Verfügung.
2021 bewarb sich die Gemeinde zusammen mit Gräfelfing und dem Landkreis München als Host Town für die Gestaltung eines viertägigen Programms für eine internationale Delegation der Special Olympics World Summer Games 2023 in Berlin. 2022 wurde sie als Gastgeberin für Special Olympics Papua-Neuguinea ausgewählt. Damit wurde sie Teil des größten kommunalen Inklusionsprojekts in der Geschichte der Bundesrepublik mit mehr als 200 Host Towns. Die Delegation bestand aus zehn Personen.
Weitere Vereine Grünzug-Netzwerk Würmtal e. V. Miteinander e. V.: Der Verein setzt sich für die Finanzierung einer halben Diakonenstelle für die evangelische Kirchengemeinde ein. Zudem werden eine Jugendwerkstatt, Flüchtlinge und Nachhilfe unterstützt. Auch organisiert der Verein das jährlich veranstaltete Entenrennen auf der Würm sowie das Martinsrieder Dorffest. Musica Sacra Planegg-Krailling e. V. Musikschule an der Würm e. V. Volkshochschule im Würmtal e. V
Wellenbad Planegg