mini|Sankt Wolfgang|300x300px Sankt Wolfgang ist eine Gemeinde im Südosten des Landkreises Erding (Oberbayern). Die Gemeinde grenzt an die Gemeinden Dorfen, Lengdorf und Isen im Landkreis Erding sowie Haag, Kirchdorf, Reichertsheim und Obertaufkirchen im Landkreis Mühldorf.
Geographie Lage mini|300px|Luftbild vom 17. August 2011 Die Gegend ist weitgehend ländlich geprägt, hügelig und teils bewaldet. Landschaftlich prägend im Osten des Gemeindegebietes ist das aus Endmoränen entstandene Gattergebirge. Der Gemeindeteil Sankt Wolfgang liegt im Tal der Goldach etwa 27 km südöstlich der Kreisstadt Erding, 40 km südlich von Landshut, 23 km nördlich von Wasserburg am Inn und 48 km östlich der Landeshauptstadt München.
Gemeindegliederung Gemeindeteile
Die Gemeinde hat 150 amtlich benannte Gemeindeteile:
Folgende Ortsteile sind nicht amtlich benannt:St. Wolfgang vergibt den Ausbau der „weißen Flecken“ an die Stadtwerke Dorfen. 22. Dezember 2020.
Gemarkungen Im Gemeindegebiet gibt es die Gemarkungen Gatterberg, Jeßling, Lappach, Pyramoos, Sankt Wolfgang, Schönbrunn und Tann.
Geschichte mini|Die katholische Pfarrkirche St. Wolfgang im Zentrum der Gemeinde.
Legende Im Jahre 975 verließ der Regensburger Bischof Wolfgang seinen Bischofssitz infolge politischer Wirren und flüchtete in das Goldachtal. Einer 1737 in einer päpstlichen Bulle niedergeschriebenen Legende zufolge warf der Bischof von den Hügeln östlich des heutigen Ortes St. Wolfgang eine Hacke ins Tal. An der Stelle, wo diese auf den Boden fiel, sei daraufhin eine Quelle mit frischem Wasser erweckt worden. Bischof Wolfgang habe sich dort in einer Hütte („Zelle“) niedergelassen und somit den Grundstein für den Ort St. Wolfgang gelegt. Das so genannte Wolfgangsbrünnlein findet sich noch heute in der Wolfgangskapelle, die sich wiederum in der im 15. Jahrhundert fertiggestellten St. Wolfganger Kirche befindet.
Geschichtliche Entwicklung Erste Besiedlungsspuren im Bereich der heutigen Gemeinde St. Wolfgang sind bis in die Jungsteinzeit zurück nachzuweisen. Jahrhunderte später folgten Kelten und Römer, letztere vor allem als Reisende auf einer das Gemeindegebiet von Nord nach Süd durchquerenden Römerstraße. Mit der bajuwarischen Landnahme um das Jahr 500 begann schließlich eine intensivere landwirtschaftliche Nutzung der Gegend. Als offizielles Gründungsdatum des Ortes St. Wolfgang wird, in Bezug auf die Legende, das Jahr 975 angesehen. Das 1000-jährige Jubiläum wurde im Jahr 1975 groß gefeiert.
Ab 1180 wurde die heutige Gemeinde St. Wolfgang durch die freien Reichsgrafen von Haag regiert, die das Gebiet vom Kaiser als Lehen erhielten. Während ihrer bis 1566 andauernden Herrschaft sorgten die Reichsgrafen unter anderem für den Bau der großen Kirchen in St. Wolfgang, Großschwindau, Lappach, Pyramoos und Schönbrunn. Die Grafen hatten ferner die niedere Gerichtsbarkeit inne, woran noch heute Inschriften an der aus dem 16. Jahrhundert stammenden Balkendecke des Gasthauses zum Schex in St. Wolfgang erinnern.
Im Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) fanden insbesondere während des so genannten „schwedischen Kriegs“ (1630–1635) umfangreiche Kriegshandlungen auf dem Gemeindegebiet statt. Auch Schlachten der Spanischen und Österreichischen Erbfolgekriege (1701–1714 und 1741–1748) fanden zum Teil um St. Wolfgang statt. Auch die große Schlacht von Hohenlinden im Jahre 1800, die Napoléons General Moreau im Rahmen von Frankreichs Krieg gegen Österreich führte, hatte durch die geographische Nähe unmittelbaren Einfluss auf das heutige Gemeindegebiet.
Trotzdem entwickelten sich Ort und Region gut. 1733 wurde St. Wolfgang durch Kurfürst Karl Albrecht zur „geschlossenen Hofmark“ ernannt; gleichzeitig wurde ein bescheidenes Kollegiatstift gegründet, das bis zur Säkularisation 1803 bestand. Die Errichtung einer Hofmark wurde auch dem Ort Schönbrunn wenige Jahre später zuteil.
Die beiden Weltkriege im 20. Jahrhundert sorgten für große Verluste in der Bevölkerung, jedoch blieb die Region um St. Wolfgang von Kampfhandlungen und größeren Zerstörungen verschont.
Seit der zum 1. Juli 1972 erfolgten Auflösung des Landkreises Wasserburg gehört die Gemeinde St. Wolfgang zum Landkreis Erding. Wesentlichen Anteil am Erfolg dieser Umstrukturierung hatte Ludwig Huber (1922–2006), der von 1966 bis 1974 erster Bürgermeister der Gemeinde war.merkur-online.de: Ludwig Huber führte die Großgemeinde zusammen
Eingemeindungen Ihre heutige Form fand die Gemeinde St. Wolfgang am 1. April 1971, als die Gemeinden Gatterberg, Jeßling, Lappach, Pyramoos und Schönbrunn eingemeindet wurden. Am 1. Juli 1972 wurde die bislang selbständige Gemeinde Schiltern aufgelöst. Der Hauptteil kam zu Dorfen. Weniger als zehn Einwohner wechselten zur Gemeinde St. Wolfgang.
Einwohnerentwicklung Gemäß Bayerischem Landesamt für Statistik haben sich die Einwohnerzahlen jeweils zum 31. Dezember eines Jahres wie folgt entwickeltBayerisches Landesamt für Statistik: 12111-101z Volkszählung und Bevölkerungsfortschreibung: Gemeinde, Bevölkerung (Volkszählungen und aktuell), Stichtage. Online auf www.statistikdaten.bayern.de. Abgerufen am 17. August 2016.:
Jahr Einwohner 1960 2449 1970 2703 1980 2788 1990 3259 1995 3587 2000 3870 2005 4187 Jahr Einwohner 2006 4189 2007 4244 2008 4278 2009 4288 2010 4312 2011 4254 2012 4278 Jahr Einwohner 2013 4340 2014 4404 2015 4426 2016 4433
Seit 1972, dem Jahr der Gemeindereform, hat sich die Einwohnerzahl bis 2015 um 1679 Personen erhöht. Das entspricht einem Wachstum von 61,12 Prozent. In den letzten zehn (fünf) Jahren nahm die Einwohnerzahl um 5,66 (4,04) Prozent zu.
Insbesondere seit den 1990er Jahren erlebte die Gemeinde einen sehr starken Bevölkerungszuwachs. Dieser konzentriert sich vor allem auf die Gemeindeteile Sankt Wolfgang selbst und Armstorf, während die Bevölkerung in anderen Gemeindeteilen kaum gewachsen ist oder (wie in Gatterberg und Pyramoos) rückläufig ist.
Jahr Gatter-berg Jeßling Lappach Pyra-moos Schön-brunn Arms-torf Groß-schwindau St. Wolfgang(Dorf) Gesamt-zahl 1912Zahlen aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, 5. Auflage, 1912/13 279 330 383 265 271 83 138 679 2428 1933 262 337 385 268 252 757 2261 1939 258 302 326 259 264 822 2231 1950Zahlen nach 327 427 459 325 350 127 137 887 3039 1961 233 308 347 280 222 245 155 738 2510 1978 212 422 327 262 246 412 128 691 2700 2010 170 480 389 226 235 1007 122 1662 4291 2011 163 476 399 241 238 1036 127 1745 4425
Die deutliche Zunahme der Einwohnerzahlen nach dem Zweiten Weltkrieg ist durch den Zuzug von Vertriebenen zu erklären. Der sprunghafte Anstieg für Jeßling zwischen 1961 und 1978 beruht auf dem Bau des Wolfganger Altenheims.
Zwischen 1988 und 2018 wuchs die Gemeinde von 3100 auf 4479 um 1379 Einwohner bzw. um 44,5 %.
Politik Gemeinderat Die Gemeinderatswahlen seit 2014 ergaben folgende Stimmenanteile und Sitzverteilungen: +Partei/Liste20202014%SitzeSitzeCSU32,5455Freie Wählergemeinschaft Einigkeit23,0644Wählergemeinschaft Armstorf22,8743Wählergruppe Gatterberg/Freie Wählergemeinschaft Schönbrunn14,1722Wählergemeinschaft „Entwicklung Gemeinsam“7,3612
Bürgermeister Ehrenamtlicher Erster Bürgermeister der Gemeinde war Jakob Schwimmer (CSU), der von 2003 bis 2013 auch Mitglied des Bayerischen Landtags war und bei der Kommunalwahl 2008 mit rund 75 % der Stimmen bestätigt wurde. Bei der Kommunalwahl im März 2014 wurde Ullrich Gaigl (Freie Wähler) zum Bürgermeister gewählt und 2020 im Amt bestätigt.
Partnergemeinde In Österreich gibt es einen gleichnamigen Ort am Wolfgangsee, St. Wolfgang im Salzkammergut. Die Orte sind Partnergemeinden.
Wappen und Flagge
Neben dem Wappen führt die Gemeinde eine Flagge mit den Farben Blau-Weiß-Blau.
Wirtschaft und Infrastruktur St. Wolfgang profitiert in wirtschaftlicher Hinsicht insbesondere von seiner Nähe zu München und einer Niederlassung des Unternehmens CGM. Darüber hinaus ist die Gemeinde mit konstant niedriger Arbeitslosenquote immer noch stark landwirtschaftlich geprägt. Neben der relativ guten Anbindung an das Bundesstraßennetz ist die (fast) zentrale Lage zwischen Erding, Wasserburg und Mühldorf einerseits sowie zwischen Landshut, Rosenheim und München andererseits ein wichtiger Standortvorteil.
In St. Wolfgang gibt es zwei Banken: die Raiffeisenbank St. Wolfgang-Schwindkirchen eG mit zusätzlicher Zweigstelle in Schönbrunn sowie eine Filiale der Kreis- und Stadtsparkasse Wasserburg. Teile des Gemeindeteils St. Wolfgang sind an ein mit Holzschnitzen betriebenes Biomasse-Heizwerk angeschlossen.
Seit 1691 gab es eine Brauerei in St. Wolfgang, Die Brauerei Bauer musste 2003 jedoch schließen. Die Brauerei S. Numberger KG hatte von 1928 bis 1968 Bestand und wurde in den Folgejahren als Bier- und Getränkevertrieb, Mälzerei sowie als Metallbaubetrieb weitergeführt.
Bildung In der Gemeinde St. Wolfgang gibt es einen Kindergarten in Trägerschaft der katholischen Kirche (Sankt Wolfgang) sowie zwei in Trägerschaft der Gemeinde (Armstorf und Waldkindergarten Lappach). Seit 2011 gibt es im Kindergarten St. Wolfgang zudem eine Krippeneinrichtung für Kinder unter 3 Jahren.
Die Grundschule können Kinder aus der Gemeinde im Ort St. Wolfgang besuchen, ebenso die Jahrgangsstufen 5 und 6 der weiterführenden Hauptschule. Zu Beginn des Schuljahres 2003/2004 waren 265 Schüler an der Grund- und Teilhauptschule St. Wolfgang eingeschrieben, für die 15 Lehrer bereitstehen. Zu Beginn des Schuljahres 2010/11 wurden 190 Schüler und 16 Lehrkräfte gezählt.
Weiterführende Schulen liegen in den Nachbargemeinden: Hauptschulen in Dorfen, Isen und Haag in Oberbayern, Realschulen in Taufkirchen/Vils und Haag/Obb., Gymnasien in Erding, Dorfen, Gars/Inn und Wasserburg sowie Berufsschulen in Erding, Mühldorf und Wasserburg.
Verkehr Straßen Die Gemeinde wird von Norden nach Süden von der Bundesstraße 15 (der Strecke Deutsche Ferienroute Alpen–Ostsee) auf deren Weg von Landshut (40 km) nach Rosenheim (45 km) durchquert. Über die nahe gelegene B 12 und A 94 sind es rund 50 km in die Landeshauptstadt München, zur Kreisstadt Erding sind es vorbei an Dorfen etwa 25 km. Zusammen mit den untergeordneten Straßen verfügt die Gemeinde außerorts über insgesamt 62,1 km öffentlicher Straßen. Dazu zählen neben der Staatsstraße 2086 (Ebersberg-Dorfen) auch die Kreisstraßen ED 18, ED 21, ED 22 und ED 23.
Eisenbahn Anschluss an das Schienennetz besaß St. Wolfgang von 1900 bis 1974 (Personenverkehr bis 1968) mit dem Bahnhof in Pyramoos an der Bahnstrecke Thann-Matzbach–Haag; diese Strecke wurde mittlerweile abgebaut.
Zahlreiche Pendler aus dem Gemeindebereich St. Wolfgang nutzen auch die Bahnverbindung von Dorfen nach München.
Busse Eine ÖPNV-Anbindung besteht mit der Buslinie 567 Dorfen–St. Wolfgang–Isen–Lengdorf–Walpertskirchen–Erding, von Montag bis Freitag von 6–21h, Samstag von 6–19h; es gilt der Tarif des Münchner Verkehrs- und Tarifverbunds (MVV). Von Dorfen aus besteht eine Zugverbindung nach München.
Die MVV-Buslinie 582 (Gars am Inn–Dorfen) dient überwiegend dem Schülerverkehr, der ansonsten überwiegend als freigestellter Schülerverkehr (d.h., nur von Schülern nutzbaren Fahrten) erfolgt.
Die frühere Linie 9409 (Wasserburg am Inn–Haag–Dorfen) ist seit 1. Januar 2026 die MVV-Buslinie 438. Die meisten Fahrten dieser Linie durchfahren die Gemeinde Sankt Wolfgang allerdings ohne Halt.
Kultur und Sehenswürdigkeiten Baudenkmäler
mini|Blick von Westen auf Sankt Wolfgang mit Pfarrkirche (Mitte) und Rathaus (großes Gebäude rechts)