konkret ist eine 1957 gegründete deutsche Zeitschrift, die – mit einer Unterbrechung von November 1973 bis Oktober 1974 – bis heute erscheint. Die monatlich erscheinende Zeitschrift für Politik und Kultur vertritt weit links stehende Positionen; während sie selbst sich als „einzige linke Publikumszeitschrift Deutschlands“ versteht, wurde sie 2003 vom Verfassungsschutz dem „undogmatischen Linksextremismus“ zugeordnet.Die Bundesregierung ordnete konkret 2003 auf die schriftliche Frage des CDU-Abgeordneten Georg Schirmbeck hin als „organisationsunabhängige linksextremistische/linksextremistisch beeinflusste Publikation“ ein; vgl. die Antwort des Staatssekretärs Lutz Diwell vom 1. August 2003, Bundestagsdrucksache 15/1474, Nr. 40, S. 21. Im Jahre 2004 ordnete das Bundesamt für Verfassungsschutz in dem Reader Extremismus in Deutschland – Erscheinungsformen und aktuelle Bestandsaufnahme, Juni 2006, S. 202 f. () die Zeitschrift dem „undogmatischen Linksextremismus“ zu. Der nordrhein-westfälische Verfassungsschutz bezeichnet konkret als antideutsche Publikation „innerhalb des linksextremistischen Spektrums“; vgl. Ministerium des Innern des Landes Nordrhein-Westfalen (Hrsg.): Antideutsch. Abgerufen am 6. März 2018 (archiviert).

Geschichte

Vorläufer Studentenkurier Der in Stil und Angriffslust innovative, erstmals die westdeutsche akademische Jugend über die lokalen Studentenzeitschriften hinaus als Leserschaft erschließende Vorläufer Studentenkurier wurde 1955 von Klaus Rainer Röhl in Hamburg gegründet. Er erschien bis 1957 unter Mitwirkung von Autoren wie Werner Riegel, Peter Rühmkorf, Arno Schmidt, Kurt Hiller und auch des Grafikers Verner Witting. Über den ehemaligen FDJ-Funktionär Klaus Hübotter wurde die Gründung im Wesentlichen durch die DDR finanziert.

konkret von 1957 bis 1974 In den ersten Jahren ihres Bestehens hatte konkret insbesondere auf die gesellschaftskritische Studentenschaft großen Einfluss. In der Hochphase der Studentenrevolte (vgl. 68er-Bewegung) erschien die Zeitschrift vierzehntäglich, von 1972 bis zum Konkurs im November 1973 sogar wöchentlich.

Anfänglich war die in konkret umbenannte Zeitschrift eine Studentenzeitschrift, die an den Universitäten auch ihre Hauptverbreitung fand. Aus der DDR wurde konkret finanziell unterstützt und bekam bis 1964 bis zu 40.000 DM pro Ausgabe.Hans-Joachim Noack: Rosen aus Ost-Berlin. In: Der Spiegel. 2006/11, S. 46–49. Klaus Rainer Röhl, Ulrike Meinhof und andere Redakteure reisten dafür häufig in die DDR. Manchmal empfingen sie ihre Weisungen auch im Westen durch Abgesandte der DDR. Röhl gab später an, die Redakteure seien durch Instrukteure der seit 1956 in der Bundesrepublik Deutschland illegalen KPD angeleitet worden. Deutlich wurde dies zum Beispiel daran, dass moskaukritische Sozialisten wie Kurt Hiller aus dem Blatt hinausgedrängt wurden.

Da es in der Folgezeit beständig Probleme mit der Finanzierung der Zeitschrift gab, gleichzeitig deren Verbreitung und Bekanntheitsgrad sich enorm vergrößerte, suchte K. R. Röhl eine Möglichkeit zur sicheren Expansion und Verbreitung der Zeitschrift. Da mitunter DDR-kritische Artikel gedruckt wurden und die Zahlungen u. a. deshalb zuletzt ausblieben, wurden Aufmachung und Inhalt (in den Anfängen der sexuellen Emanzipation) immer stärker von sexuellen Themen unter Verwendung von Nacktfotos geprägt, da dies eine hohe Auflage erwarten ließ. Gleichzeitig erwarb sich die Zeitschrift durch diese Maßnahme bei ihren Gegnern den noch lange andauernden Ruf einer „Polit-Porno-Postille“. Eine entblößte Brust erschien aber erst im Jahr 1969 auf dem Titel, also zur selben Zeit, in der große Zeitschriften wie der Stern ebenfalls mit freizügigen Titelblättern Leser zu gewinnen versuchten.konkret Dezember 1965, Rezension auf derleser.net.

Peter Rühmkorf, dem die damaligen engen Verbindungen zur DDR nicht bekannt waren, schrieb am 19. Mai 1969 in konkret (11/1969) in seiner Kolumne Agents provocateurs:

Unter den Redakteuren dieser Zeit sind Stefan Aust und Uwe Nettelbeck zu nennen. Doch war die damals bekannteste Mitarbeiterin der Zeitschrift Röhls Ehefrau Ulrike Meinhof, die von 1960 bis 1964 zudem Chefredakteurin war. Im Zuge ihrer politischen Radikalisierung und der sich daraus ergebenden Differenzen zu weiten Teilen der übrigen Mitarbeiter schrieb sie am 26. April 1969 in der Frankfurter Rundschau: Am 7. Mai 1969 wurde das Haus des konkret-Herausgebers Röhl in Hamburg-Blankenese von mehreren Aktivisten gestürmt und verwüstet. Meinhofs Teilnahme an der gewaltsamen Befreiung von Andreas Baader am 14. Mai 1970 bedeutete das endgültige Ende ihrer journalistischen Karriere.

konkret ab 1974 Unter der Herausgeberschaft des vormaligen Redaktionsmitglieds und früheren Spiegel-Redakteurs Hermann L. Gremliza erschien im Oktober 1974 das erste Heft der „neuen“ konkret. Gremlizas Anliegen war es, das Magazin „zur publizistischen Speerspitze einer seriösen Linken zu machen […], [nachdem] Röhl nach der Trennung von Ulrike Meinhof [konkret] zu einer Art Yellow-Press der Apo gemacht hatte“. (So erschienen unter Röhls Leitung eine Zeitlang auf dem Titelbild und im Innern des Blattes ganzseitige Pin-Up-Fotos.)Hermann L. Gremliza: Im Gespräch. Das Gelächter des Sisyphos. DER POLEMIKER WIRD 60. Interview mit Hermann P. Piwitt In: der Freitag. 10. November 2000. Gremliza verfasste regelmäßig die Einleitungskolumne sowie eine abschließende Seite mit sprachkritischen Betrachtungen. konkret hält auch nach der Einführung der neuen deutschen Rechtschreibung an den alten Rechtschreibregeln fest; allerdings wurde ab dem September-Heft 2014 der neue Gebrauch des ß übernommen. In: konkret-magazin.de.

Im Jahre 1983 ermittelte die Bundesanwaltschaft wegen des Verdachts der Preisgabe von Landesgeheimnissen gegen das Magazin und ließ die Redaktionsräume durchsuchen. Der Durchsuchung vorausgegangen war das konkret-Titelthema: „Die Moral des Helmut Kohl“. In der betreffenden Ausgabe wurde berichtet, dass der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl ein Verhältnis mit seiner Bonner Büroleiterin habe.Die Wende Artikel zur Durchsuchung der Redaktionsräume. In: Der Spiegel. 17. Januar 1983, abgerufen am 4. August 2015. vom 4. August 2015. Die Zeitschrift konkret bezeichnet sich selbst und wird charakterisiert als eine (radikal) linke Zeitschrift, d. h., sie steht im politischen Spektrum links von den im Bundestag vertretenen Parteien (vgl. Neue Linke). Ein Leitspruch der Zeitschrift ist . Der Erscheinungsort von konkret ist Hamburg.

Der Verlag KVV konkret Vertriebsgesellschaft für Druck- und andere Medien GmbH & Co. KG, in dem die konkret erscheint, wurde als Gesellschaft am 26. August 1993 gegründet und hat ein Stammkapital von 30 677,51 Euro. Eng verbunden mit der Zeitschrift ist der Konkret Literatur Verlag.Titelseite der Website des Konkret Literatur Verlags (sic!).

Am 20. Dezember 2019 starb Hermann Gremliza. Neue Herausgeberin wurde seine Tochter Friederike Gremliza.

Im Januar 2024 wurde bekannt, dass die konkret 2.000 neue Abonnements benötigt, um weiterhin erscheinen zu können. Im Oktober 2025 gab die Zeitschrift bekannt, ab 2026 ihr gedrucktes Erscheinen aufgrund hoher Kosten einzustellen. Es wird neben der digitalen Ausgabe auch ein Printabonnement angeboten.

Konkret-Kongress 1993 Vom 11. bis zum 13. Juni 1993 fand ein von der konkret-Redaktion veranstalteter Kongress im Hamburger Curiohaus statt. Unter dem Titel Was tun? Über Bedingungen und Möglichkeiten linker Politik und Gesellschaftskritik gab es 12 Diskussions- und Vortragsrunden mit 35 Referenten und neun Referentinnen, zu denen mehr als 1500 Besucher kamen.Wolfgang Schneider, Boris Gröndahl (Hrsg.): Was tun? Über Bedingungen und Möglichkeiten linker Politik und Gesellschaftskritik. Der Konkret-Kongress, Konferenzschrift, KVV konkret, Hamburg 1994, ISBN 978-3-929201-06-2, S. 7 und S. 111. Auf den Podien waren neben anderen Thomas Ebermann, Jutta Ditfurth, Jürgen Elsässer, Georg Fülberth, Hermann L. Gremliza, Wolfgang Fritz Haug, Karl Held, Robert Kurz, Wolfgang Pohrt, Karl Heinz Roth und Sahra Wagenknecht vertreten.Wolfgang Schneider, Boris Gröndahl (Hrsg.): Was tun? Über Bedingungen und Möglichkeiten linker Politik und Gesellschaftskritik. Der Konkret-Kongress, Konferenzschrift, KVV konkret, Hamburg 1994, ISBN 978-3-929201-06-2, S. 5 f.

Laut Ulrich Peters offenbarten die Diskussionen des Kongresses, „dass die radikale Linke den welthistorischen Umbruch von 1989/90 auch drei Jahre danach nur in Ansätzen verarbeitet hatte. Die Frage »Was tun?« wurde nicht beantwortet; eine Strategie, wie die Linke wieder in die Offensive gelangen könnte, nicht entwickelt.“Ulrich Peters: Unbeugsam und Widerstänig. Die Radikale Linke in Deutschland seit 1989/90. Unrast, Münster 2014, ISBN 978-3-89771-573-8, S. 95. Jana König nennt als einziges Ergebnis: Künftig solle radikale Theoriearbeit im Fokus stehen und keine politische Praxis.Jana König: „Falsche Wege und neue Anfänge“. Die Bedeutung von Theorie in Zeiten linker Krisen – im Kontext des „Deutschen Herbstes“ 1977 und der „Wiedervereinigung“ 1989. In: Arbeit – Bewegung – Geschichte. Zeitschrift für historische Studien. 17. Jahrgang, 2018/II, S. 88–104, hier S. 99. Eine vergleichbare Veranstaltung wäre nach Einschätzung von Friederike Gremliza im Jahr 2024 ausgeschlossen, weil „sowohl Personal als auch politisch-programmatische Gemeinsamkeiten“ in der Linken fehlten.

Kontroversen In einem wesentlichen Teil der sich als antiimperialistisch verstehenden Fraktion der radikalen Linken wird konkret vor allem wegen der grundsätzlich proisraelischen Haltung sowie der zustimmenden Haltung zum Irak-Krieg kritisiert.

Aus diesen Gründen endete auch die Arbeit Jürgen Elsässers bei konkret. Noch Ende 2002 hatte er in Bezug auf den bevorstehenden Irak-Krieg dem Vergleich der Methoden Hitlers und Bushs durch Herta Däubler-Gmelin zugestimmt, die Linke für ihr „in dubio pro bello“ (= im Zweifel für Krieg) kritisiert und geschrieben: In zwei Artikeln in der Zeitung Junge Welt rechnete Elsässer einen Monat später mit „Kriegslügen von links“, insbesondere in konkret, ab und warf der Zeitschrift u. a. politischen Zynismus sowie eine unseriöse und groteske Aufblähung der „Opferbilanz der Baath-Partei“ vor.Jürgen Elsässer: Wie sie lernten, die Bombe zu lieben. Linke, Krieg und Antisemitismus, erster Teil. In: Sozialistische Positionen. Hannover, Onlineauftritt.Jürgen Elsässer: Mit Auschwitz lügen. Linke, Krieg und Antisemitismus, zweiter Teil. In: Sozialistische Positionen. Hannover, Onlineauftritt.

Wenig später kündigte konkret den Arbeitsvertrag mit Elsässer als Redakteur und schrieb Anfang 2003 dazu:

In einem Schriftstück des Verfassungsschutzes wird resümiert:

Der konkret-Herausgeber Gremliza wird von der Broschüre mit der Bemerkung zitiert: