Westneuguinea oder Westpapua ist die Westhälfte der äquatornahen Insel Neuguinea, welche dem Kontinent Australien zugehörig ist. Westneuguinea ist Teil der Republik Indonesien, während die Osthälfte als Papua-Neuguinea einen eigenen Staat bildet.

Westneuguinea grenzt im Norden an den Pazifik, im Süden an die Arafurasee. Der 141. Längengrad bildet die Ostgrenze zu Papua-Neuguinea. Die 2,4 Millionen Einwohner sprechen 274 verschiedene Sprachen, die zumeist zu den Papuasprachen gezählt werden. Die traditionellen, melanesischen Bewohner bezeichnen sich als Papua. Der letzte intakte tropische Regenwald Australasiens beherbergt die größte Biodiversität außerhalb des Amazonas. Neben mehr als 4000 Meter hohen vergletscherten Bergen finden sich reiche Kupfervorkommen und die größte Goldmine der Welt. Die weltgrößten Mangrovensümpfe an der Südküste beherbergen große Erdgasvorkommen. An der Vogelkophalbinsel befindet sich eines der reichsten und besterhaltenen Korallenriffe der Welt.

Auf Indonesiens Einverleibung der vormaligen Kolonie Niederländisch-Neuguinea durch den umstrittenen Act of Free Choice von 1969 folgten zahlreiche Menschenrechtsverletzungen an der melanesischen Bevölkerung. Militärs verschleppten und ermordeten schätzungsweise über 100.000 Menschen und sind aktiv beteiligt am illegalen Holzeinschlag, der Westneuguinea zum weltgrößten Lieferanten des wertvollen Tropenholzes Merbau macht und dabei den Lebensraum der indigenen Bevölkerung zerstört. Durch Umsiedlungen und Vertreibungen ist ein großer Bevölkerungsteil heute indonesisch.

Die von Unabhängigkeitsbewegungen 1971 ausgerufene Republik Westpapua ist international nicht anerkannt.

Benennung Westneuguinea (deutsch auch Niederländisch-Neuguinea) war die niederländische Bezeichnung, bis 1962 die Indonesier es nach ihrer Bezeichnung für die Insel Neuguinea – Irian – Irian Barat (Westirian) nannten. 1973, bei der Eröffnung der Freeport-Mine durch Suharto, wurde die Provinz in Irian Jaya (Siegreiches Irian) umbenannt. 1999 unter zunehmenden Druck in Richtung Unabhängigkeit nannte Präsident Wahid die Provinz Papua (1. Januar 2001). Die traditionellen Bewohner nannten ihr Land 1961 Westpapua.Erster Papua-Kongress, 19. Oktober 1961 – in Kaisiepo 2003. Die Suharto-Regierung machte keine ethnischen Unterscheidungen, alle Bewohner waren Indonesier. Die Begriffe „Papua“, „Westpapua“ und „melanesisch“ waren verboten, da verbunden mit der Unabhängigkeitsbewegung die indonesische Regierung ihre Existenz nicht anerkannte.Leith S. XXV

Nach der Unterteilung Westneuguineas in die zwei Provinzen West-Irian Jaya und Papua im Jahr 2003 wird von Indonesien auch die aus dem kulturellen und religiösen Bereich stammende Bezeichnung Tanah Papua (Land Papua) verwendet, um auf Westneuguinea als Ganzes zu verweisen. Nach weiteren Aufteilungen gibt es seit 2022 sechs Papua-Provinzen.

Papua sagen, Irian stehe für Ikut Republik Indonesia Anti Nederlands – deutsch: „Folge der Republik Indonesien gegen die Niederlande“. In der Sprache der Biak stehe Irian – eigentlich: iryan – für: Die Strahlen der Sonne, die den Dunst des Meeres vertreiben.

Papua stammt von einem malaiischen Wort für „kraushaarig“, in Anlehnung an das typische Erscheinungsbild der melanesischen indigenen Bevölkerung. Der einheimische Name tauchte in europäischen Quellen erstmals mit der Ankunft des portugiesischen Seefahrers und Kapitäns António de Abreu im Jahr 1551 auf.Paul M. Taylor: IRIAN YAYA, Das Land und seine Bewohner. S. 29 (Begrifflichkeiten: Papua und Irian).

Geographie mini|Administrative Gliederung Westneuguineas mit den Provinzen Papua (dunkelgrün) und Westpapua mini|Topographie Westneuguineas Das 421.981 km² große Westneuguinea (zum Vergleich die Fläche Deutschlands: 357.104 km²) bildet den Westteil Neuguineas, der nach Grönland zweitgrößten Insel der Welt. Wichtigste Stadt ist Jayapura.

Ursprünglich bildete ganz Westneuguinea die indonesische Provinz Westirian (). 2001 erhielt sie einen Sonderstatus als autonome Provinz Papua. 2003 erfolgte die Abspaltung von West-Irian Jaya (), das seit 2007 Westpapua heißt (). Nach Ansicht von Kritikern untergräbt jedoch die Abtrennung den Autonomiestatus Papuas. Aus Sicht vieler Papua regiert Indonesien wie eine Kolonialmacht. Indonesien wiederum fürchtet eine Unabhängigkeit Westneuguineas, da es den Zugang zu dessen Ressourcen verlieren würde und seine nationale Einheit bedroht sähe.

Der höchste Berg ist mit der Puncak Jaya (indonesisch für „Siegesgipfel“), der höchste Berg Ozeaniens, der zu den höchsten Bergen der sieben Kontinente, den Seven Summits gezählt wird. Gelegen auf dem pazifischen Feuerring, gehört Westneuguinea zu den erdbebenaktivsten Zonen der Welt.

Das Gelände ist entweder sumpfig oder zerklüftet, sodass Straßenbau oft schwierig und kostspielig ist. Entsprechend ist das Straßennetz nur wenig ausgebaut. Der papuanische Dschungel gilt als der undurchdringlichste der Welt. Am meisten erschlossen sind die Küstenregionen.

Städte: Jayapura, Biak, Sorong, Manokwari, Fakfak, Merauke, Timika, Kuala Kencana,www.expat.or.id, „Kupferstadt“ Tembagapura,tembagapura.com Wamena, Nabire, Enarotali.

Die längsten Flüsse sind Mamberamo (870 km), Digul (800 km) und Waipoga (570 km).Conservation International: . Washington 2000. Nach häufig vorkommenden schweren Regenfällen können sie stark anschwellen.

Vorgelagerte Inseln Im Norden, jenseits der Cenderawasih-Bucht, finden sich die Schouten-Inseln, bestehend aus Biak mit einem internationalen Flugplatz, Numfor, Supiori und weiteren kleinen Inseln. Südlich davon liegen Yapen (auch Japen geschrieben), Num und Korridu.

Westlich der Vogelkophalbinsel liegen Waigeo, Misool, die Raja-Ampat-Inseln und Gag mit seinem Nickelvorkommen.

Südlich der Vogelkophalbinsel findet sich die kleine Insel Adi. Die benachbarten Kai- und Aru-Inseln werden nicht mehr zu Neuguinea gezählt.

Im Süden, nahe an der Grenze zu Papua-Neuguinea, liegen Yos-Sudarso und Komoran.

Klima Das Klima mit durchschnittlich 25 °C wird weniger von der Temperatur als von den Regenfällen bestimmt. Regen- und Trockenperioden sind wegen der zentral die Insel nord-südlich teilenden Berge regional unterschiedlich. Jährliche Niederschlagsmengen liegen typischerweise zwischen 2.000 und 4.000 mm. Einzelne Gegenden weisen bis zu 11.000 mm Regen jährlich auf. In vier Stunden können 400 mm Niederschlag fallen.

Flora und Fauna mini|Papuahornvogel

Westneuguinea zeichnet sich – mit nur wenigen Ausnahmen – durch das grundlegende Fehlen biologischer Informationen aus. Dennoch gilt Westneuguinea als die artenreichste Gegend der Welt. Die vorhandenen Ökosysteme bieten die reichhaltigste und vielfältigste Kombination im Tropischen Pazifik: Tieflandregenwald, Bergregenwald, Subalpine Vegetationszone, Torf- und Süßwasser-Sumpfwald, Savanne und Grasland, Mangroven und Meere (unterschieden werden muss wegen der trennenden Berge die Nord- und Südhälfte des Landes sowie die etwas separate Vogelkophalbinsel). Viele Tiere und Pflanzen sind endemisch, kommen also nur hier vor.

Der im Zentrum des Korallendreiecks gelegene Archipel Raja Ampat erwies sich 2001Conservation International: September 2006 – siehe auch Vogelkophalbinsel als eines der weltweit reichhaltigsten tropischen Korallenriffe mit über 75 % der weltweit bekannten Korallenarten und 1200 Fischarten. Westneuguinea ist auch die Heimat von 250 Süßwasserfischen. Die bekanntesten Arten gehören zu den Familien der Regenbogenfische und Blauaugen.

Im Gegensatz zur Pflanzenwelt ist die Tierwelt Neuguineas eng verwandt mit der Australiens. Östlich der Wallace-Linie ist die Abwesenheit größerer Säugetiere charakteristisch. Anstelle von Affen gibt es eine große Vielfalt an Beuteltieren, etwa 70 Arten wie zum Beispiel Kuskus, Possum, Beutelmäuse, Bandikuts, Wallabys und Baumkängurus. Von den eierlegenden Säugetieren kommt der bedrohte Langschnabeligel vor. Bekannt sind 36 Paradiesvogelarten (indonesisch: cenderawasih), der giftige Pitohui, bis 1,80 Meter große Kasuare, Krontauben, Papageien, Großfußhühner wie das Buschhuhn, 70 Fledermausarten, Leisten- und Neuguineakrokodil, Schlangen und Warane. Das Lieblingswild der Papua sind verwilderte Hausschweine. Unter den 455 Schmetterlingen zu finden sind auch sieben der großen Vogelfalter (Ornithoptera spp.).

Die einzigartige Flora zeichnet sich durch eine große Anzahl Palmenarten (Calamus, Sagopalme, Betelpalme, Nipapalme), Mangroven, Araukarien, Rhododendron, 1200 Baumarten (zum Beispiel Schraubenbäume, Katappenbaum, Kasuarinen, Merbau), Kletterpflanzen, Epiphyten, Farne und Orchideen aus. Conservation International schätzt 60 bis 90 % der Pflanzenarten als endemisch ein.

Größte Gefährdung hat der am besten zugängliche Tieflandregenwald. Die Ausweisung eines Schutzgebietes wie des großen Lorentz-Nationalparks bedeutet in Westneuguinea wenig. Straßenbau zieht illegalen Holzeinschlag nach sich. Besonders empfindlich ist die Subalpine Vegetationszone.

Erst 1995 fand der Säugetierexperte Tim Flannery das schwarz-weiße Dingiso,Dingiso Seite aus Tim Flannery, Roger Martin, Alexandra Szalay: Melbourne 1996. ein Baumkänguru, das nur in der Bergregion um die Freeport-Mine vorkommt. 2006 wurden wieder mehrere neue Tierarten bei Expeditionen von Conservation International im Fojagebirge und im Raja-Ampat Gebiet entdeckt.

Geschichte mini|Angehörige der Kaja-Kaja aus dem Süden Westneuguineas, vor 1919 mini|Niederländisch-Neuguinea 1916

Papua und Melanesier bewohnten die Insel seit mindestens 40.000 Jahren. Als erster Europäer erreichte der spanische Seefahrer Íñigo Ortiz de Retez 1545 das Gebiet, er segelte die Nordküste bis zur Mündung des Mamberamo entlang. Schon vor der Ankunft der ersten spanischen und portugiesischen Christen hatte das muslimische Sultanat Tidore den Westen Neuguineas beherrscht. 1660 versuchte die Niederländische Ostindien-Kompanie zunächst vergeblich, das rohstoffreiche Neuguinea zu besetzen, es folgten weitere Entdeckungs- und Erkundungsfahrten. Im 19. Jahrhundert machten die Niederlande erneut ihre Besitzansprüche auf Neuguinea geltend und nahmen am 24. August 1828 die Region unter ihre Herrschaft. Die Ostgrenze wurde entlang des 141. Längengrades festgelegt. Eine niederländische Siedlung entstand bei Fort Du Bus in der Tritonbucht. 1885 und 1895 erkannten die Briten und die Deutschen, die die Osthälfte Neuguineas 1884 besetzt und unter sich aufgeteilt hattenWaldemar Stöhr, Kunst und Kultur aus der Südsee, Sammlung Clausmeyer, Melanesien, S. 107. (das heutige Papua-Neuguinea), die Zugehörigkeit zu Niederländisch-Indien an.

Im Zweiten Weltkrieg besetzten die Japaner die Insel, wurden aber 1944 von den Alliierten vertrieben. Danach erlangten erneut die Niederländer die Herrschaft über das als Holländisch-NeuguineaHolländisch-Neuguinea ausführlich auf holländisch: :nl:Nederlands Nieuw-Guinea bekannte Gebiet. 1949 mussten die Niederlande das übrige Indonesien in die Unabhängigkeit entlassen, behielten jedoch Westneuguinea, obschon Indonesien darauf Anspruch erhob. Als Begründung für ihr Festhalten an dem Gebiet gaben die Niederlande an, dass die melanesische Bevölkerung von derjenigen der anderen indonesischen Inseln zu verschieden sei; der tatsächliche Grund dürfte das Interesse an Erdölvorkommen gewesen sein.GEO, Juli 2002: Der Kampf um Papua

1952 erhielt Westneuguinea innere Selbstverwaltung, Indonesien erneuerte seine Ansprüche. Im Oktober 1961 wurde ein Parlament, der Nieuw Guinea Raad, gebildet. Die Niederlande und die Lokalverwaltung vereinbarten die Unabhängigkeit Westneuguineas für 1970. Am 1. Dezember 1961 wurde die Morgensternflagge der Republik Westpapua zum ersten Mal öffentlich gehisst: „Großer Jubel herrschte im Land, die Menschen tanzten, sangen und feierten den Beginn einer neuen Ära.“Kuegler 2006, S. 314.

mini|Niederländische Offiziere in Neuguinea, Ende der 1940er.