mini|Ralph Siegel (2015) Ralph Claus-Peter Siegel (* 30. September 1945 in München) ist ein deutscher Musiker, Komponist und Musikproduzent. Ab 1966 machte er sich einen Namen in der deutschen Schlagerszene, indem er Stücke für zahlreiche Interpreten wie Mireille Mathieu, Mary Roos, Marianne Rosenberg, Roy Black, Costa Cordalis, Rex Gildo, Karel Gott, Udo Jürgens oder Roland Kaiser schrieb. Ab 1974 zählte er mit 24 Teilnahmen zu den prägenden Persönlichkeiten für den Eurovision Song Contest. Ab 1976 dabei auch für viele deutsche Beiträge. Bei der GEMA ist er mit mehr als 2000 Titeln registriert. Ihm gehören die Plattenfirmen Jupiter Records und Chips RecordsLabelcode „01079“, Label „Chips Records“ bei labelrecherche.gvl.de: Jupiter Records Ralph Siegel e. K., abgerufen am 5. Juli 2024 sowie die Siegel-Musikverlage.
Leben und Karriere Kindheit und Jugend Ralph Siegel wurde 1945 in München als Sohn des Schlagerkomponisten Ralph Maria Siegel und der Operetten-Sängerin Ingeborg DöderleinDöderlein, Ingeborg. In: Theodor Kellenter: Die Gottbegnadeten : Hitlers Liste unersetzbarer Künstler. Kiel: Arndt, 2020, ISBN 978-3-88741-290-6, S. 434 geboren. Sein Großvater Rudolf Siegel war als Opernkomponist, Dirigent und Generalmusikdirektor in Krefeld tätig. Der Unternehmer Jörg Woltmann ist Ralph Siegels Halbbruder.
Musikalische Anfänge Schon in frühester Kindheit lernte Siegel verschiedene Instrumente zu spielen, darunter Schlagzeug, Gitarre, Akkordeon und Klavier. Nachdem er Unterricht in Harmonie- und Kompositionslehre erhalten hatte, schrieb er im Alter von zwölf Jahren seine ersten Musiktitel unter dem Pseudonym Peter Elversen. Mit 19 Jahren schrieb er den von Don Gibson gesungenen Hit It’s a Long Long Way to Georgia, der in den amerikanischen Country-Charts Platz zwölf erreichte. Ab 1966 machte sich Siegel einen Namen in der deutschen Schlager-Szene, indem er Stücke für Interpreten wie Mireille Mathieu, Mary Roos, Marianne Rosenberg, Angela Wiedl, Peter Alexander, Roy Black, Costa Cordalis, Rex Gildo, Karel Gott, Heino, Michael Holm, Udo Jürgens, Roland Kaiser und Chris Roberts schrieb.
Deutsche ESC-Vorentscheidungen Siegel versuchte mit zahlreichen Titeln für Deutschland zum ESC zu gelangen, was jedoch nicht immer klappte. Von 1972 bis 2016 versuchte er es mit 45 Titeln bei deutschen Vorentscheidungen und manchmal sogar mit mehreren in einem Jahr.
1972 starteten mit Siegel-Kompositionen Edina Pop mit Meine Liebe will ich dir geben und Adrian Wolf mit Mein Geschenk an dich. Beide Titel entstanden in Zusammenarbeit mit Fred Weyrich. Der Erfolg blieb 1972 jedoch noch aus, da Pop Platz sechs und Wolf den letzten Platz unter zwölf Teilnehmern belegte, womit beide nicht in die damalige Entscheidungsrunde gelangten. 1975 versuchte Siegel es bei der Vorentscheidung erneut mit Peggy Marchs Lied Alles geht vorüber. Sie erreichte Platz zwei von 15 hinter Joy Fleming. 1976 wurden die Les Humphries Singers auserkoren, einen Siegel-Titel vorzutragen. Sie starteten mit Sing Sang Song und wurden zunächst wie March im Vorjahr Zweitplatzierte. Da jedoch der Siegertitel Der Star von Tony Marshall bereits veröffentlicht worden war, wurde Marshall disqualifiziert und die Les Humphries Singers rückten nach, was zu Siegels erstem ESC-Beitrag für Deutschland führte. Beim Eurovision Song Contest in Den Haag belegte die Gruppe den 15. Platz in einem Feld von 18 Teilnehmern.
1979 kehrte Siegel zur Vorentscheidung zurück und versuchte es wie 1972 gleich zweimal. Dschinghis Khan trat mit Dschinghis Khan an, das später auf Platz eins der deutschen Charts kletterte. Neben diesem Chartstürmer, der die Vorentscheidung auch gewann, traten die Gebrüder Blattschuss ebenfalls mit dem Siegel-Beitrag Ein Blick sagt mehr als jedes Wort an und belegten den letzten Platz. Nach dem Erfolg von Dschinghis Khan beim ESC, wo sie den vierten Platz von 19 erreichten, trat Siegel auch bei der deutschen Vorentscheidung 1980 doppelt an. Von ihm stammen Theater von Katja Ebstein und Pan von Costa Cordalis, die den ersten und zweiten Platz in der Vorentscheidung belegten. Ebstein erreichte beim ESC in Den Haag den zweiten Platz.
1981 lief es praktisch identisch. Es traten zwei Titel von ihm an und belegten Platz eins (Lena Valaitis mit Johnny Blue) und zwei (The Hornettes mit Mannequin), woraufhin beim ESC in Dublin der zweite Platz erreicht wurde. Dies wiederholte sich 1982 fast genau so, jedoch trat Siegel diesmal mit drei Titeln an, wovon sich zwei auf Platz eins (Nicole mit Ein bisschen Frieden) und zwei (Paola mit Peter Pan) einfanden und Marianne Rosenberg mit Blue-Jeans-Kinder den achten Platz unter zwölf Teilnehmern belegte. Nicole errang mit Ein bisschen Frieden beim ESC in Harrogate schließlich den ersten Sieg für Deutschland bei diesem Musikwettbewerb.
Nach einer kurzen ESC-Pause kehrte Siegel 1984 zur Vorentscheidung mit dem Titel Tingel-Tangel-Mann der Gruppe Harmony Four zurück, der dort den dritten Platz belegte. Die 1985 folgende Vorentscheidung Ein Lied für Göteborg wurde hauptsächlich von Siegel und Hanne Haller dominiert. Siegel nahm mit zwei und Haller mit drei Titeln an der Veranstaltung teil, die insgesamt zwölf Beiträge umfasste. Hallers Beitrag mit der Gruppe (Wind, Für alle, siegte.
Diese Pleite hinderte Siegel nicht daran, es im nächsten Jahr gleich mit vier verschiedenen Titeln zu versuchen. Bei der Vorentscheidung 1986 belegte die Gruppe Dschinghis Khan Family mit Wir gehör’n zusammen Platz zwei sowie Chris Heart & Band mit Die Engel sind auch nicht mehr das, was sie war’n Platz drei. Weiter hinten landete die Gruppe Clowns mit den gleichnamigen Song Clowns auf Platz sechs und That's Life mit dem Song Telefon als Letzter auf Platz zwölf.
Bei der deutschen Vorentscheidung 1987 trat Siegel offiziell nur als Komponist eines einzigen Beitrages an, da er sich dazu entschlossen hatte, seine anderen Beiträge unter Pseudonymen einzureichen. Insgesamt stammten fünf der zwölf Beiträge von Siegel und Meinunger, was jedoch zwecks eines wertungsfreien Urteils geheim bleiben sollte. Der Siegertitel des Abends Lass die Sonne in dein Herz der Band Wind wurde offiziell von Peter Elversen (Siegel) komponiert und Bernd Bastino (Meinunger) getextet. Ebenso war es mit Lieder der Freiheit von Helen Christie, das Platz acht belegte. Für die Beiträge Aus von Cassy (Platz sieben) und Träume tun weh von Sandy Derix (Platz elf) wurden die Pseudonyme Claus-Peter Bobard (Siegel) und Bernd Ruhler (Meinunger) verwendet. Der einzige Beitrag, der offiziell aus Siegels Feder stammte und von Bernd Meinunger getextet wurde, war Frieden für die Teddybären von Maxi & Chris Garden, der trotz der offiziellen Autoren Platz zwei hinter Wind belegte. Wind erreichte beim ESC in Brüssel den zweiten Platz hinter Johnny Logan.
Bei der Vorentscheidung 1988 reduzierte Siegel sein Auftreten auf zwei Beiträge, von denen einer erneut mit Pseudonymen antrat. Tanzen geh’n von der 14-jährigen Tammy Swift (Platz sieben) wurde laut Moderatorin Jenny Jürgens nämlich von Werner Zylka (Siegel) komponiert und von John O'Flynn (Meinunger) getextet. Für Lied für einen Freund von Maxi & Chris Garden entschieden sich Siegel und Meinunger, ihren echten Namen zu nutzen. Dieser Beitrag gewann die Vorentscheidung, beim ESC in Dublin blieb der Erfolg jedoch aus, da das Mutter-Tochter-Duo den 14. Platz unter 21 Teilnehmern belegte.
1989 steuerte Siegel einen Beitrag bei: den Song Ich hab’ Angst von Dorkas, der den dritten Platz belegte. 1990 stand Siegel erneut mit einem Song in der deutschen Vorentscheidung. Hier gingen Chris Kempers und Daniel Kovac an den Start mit Siegels Friedens-Ballade Frei zu leben. Sie konnten die Vorentscheidung in München mit deutlichem Vorsprung vor der Gruppe Xanadu für sich entscheiden und fuhren zum ESC in Zagreb, wo sie den 9. Platz von 22 belegten.
1992 kehrte Siegel doppelt zur Vorentscheidung zurück. Es traten Lena Valatis mit Wir seh’n uns wieder und Wind mit Träume sind für alle da mit Siegel-Kompositionen an. Für beide Lieder schrieb Bernd Meinunger den Text. Von den sechs Teilnehmern belegten seine beiden Platz eins (Wind) und drei (Valaitis). Somit stand beim ESC in Malmö 1992 erneut ein Siegel-Interpret für Deutschland auf der Bühne. Wind erhielt 27 Punkte und belegte den 16. Platz unter 23 Teilnehmern.
Von 1993 bis 1995 gab es keine deutschen ESC-Vorentscheidung. Die ARD beauftragte jedoch 1994 das Siegel-Meinunger-Team, einen Wettbewerbsbeitrag zu schreiben. Es entstand der Titel Wir geben ’ne Party, der vom Trio Mekado interpretiert wurde. Teil dieses Trios war ebenfalls Dorkas Kiefer, die bereits 1989 in eine Vorentscheidung mit einem Siegel-Titel gestartet war. Mekado erreichten beim ESC in Dublin den dritten Platz, der Deutschlands beste ESC-Platzierung in den 1990ern war. In den deutschen Charts erreichte der Song Platz 100.
Bei der Vorentscheidung 1996 traten Angela Wiedl und Dalila Cernătescu mit dem Siegel-Titel Echos an und belegten den dritten Platz von zehn. 1997 schickte Siegel Bianca Shomburg mit Zeit und All about Angels mit Engel in die Vorentscheidung. Shomburg gewann zwar, während sich All about Angels mit dem 7. Platz zufriedengeben mussten, aber beim ESC in Dublin gelang ihr trotz der hohen Erwartungen nur Platz 18 von 25. 1998 schickte Siegel wieder drei Titel (Ballhouse mit Can Can, Köpenick mit Carneval und Sharon mit Kids), die in dem zwölf Teilnehmer starken Feld die Ränge sechs bis acht belegten. Erst 1999 gelang Siegel wieder ein Erfolg in der Vorentscheidung, da der eigentliche Siegertitel Hör den Kindern einfach zu von Corinna May zu früh veröffentlicht worden war und deswegen disqualifiziert wurde. Somit zog Siegels Beitrag Reise nach Jerusalem (Kudüs’e sehayat) von Sürpriz als Zweitplatzierter nach. Er erreichte beim ESC in Jerusalem den dritten Platz.
2000 versuchte es Siegel erneut mit dem Song I Believe in God von Corinna May und scheiterte an Stefan Raabs Wadde hadde dudde da?. 2001 schaffte es Siegel mit seinen Beiträgen Happy Birthday Party von Lou & Band und A Song for our Friends von den German Tenors auf die Plätze drei und vier. 2002 startete erneut Corinna May für Siegel mit I Can’t Live Without Music und gewann die Vorentscheidung. Beim ESC in Tallinn erhielt sie 17 Punkte und belegte den 21. Platz unter 24 Teilnehmern. Für die deutsche Vorentscheidung 2003 wurde für seinen Song Let’s Get Happy erneut Lou ausgewählt, die beim ESC in Riga Platz zwölf von 26 Teilnehmern belegte.
Nach den ausbleibenden Erfolgen versuchte es Siegel 2005 erneut unter Pseudonymen. Er und Meinunger hießen als Ersteller des Beitrages A Miracle of Love, der von Nicole Süßmilch und Marco Matias gesungen wurde, Mario Mathias (Siegel) und John O’Flynn (Meinunger). Jedoch wurde noch vor der Sendung bekannt, dass Siegel diesen Song komponiert hatte, was sein Ziel eines wertfreien Urteils zunichtemachte. Der Song erreichte letztendlich Platz zwei der Vorentscheidung. Danach komponierte Siegel ESC-Songs für andere Länder wie die Schweiz oder San Marino. 2016 kehrte Siegel mit der jungen Sängerin Laura Pinski zur deutschen Vorentscheidung zurück. Pinski erreichte Platz vier von zehn, was bislang Siegels letzte Beteiligung an deutschen ESC-Beiträgen war.
Weitere Erfolge ab 1974 mini|hochkant|Ralph Siegel, 2015
1974 gründete er seine eigene Plattenfirma Jupiter Records. Im selben Jahr nahm Siegel zum ersten Mal am Finale des Eurovision Song Contest teil. Ireen Sheer sang seinen Titel Bye Bye I Love You und belegte für Luxemburg den vierten Platz. Es folgten weitere Teilnahmen an dem internationalen Musikwettbewerb – bis heute nahm er mit 20 Kompositionen und einmal als Produzent am Finale des ESC teil. Viele seiner Beiträge entstanden in Zusammenarbeit mit Bernd Meinunger.