Bad Kleinen (bis 1915 Kleinen) ist eine Gemeinde im Landkreis Nordwestmecklenburg am Nordufer des Schweriner Sees. Sie wird vom Amt Dorf Mecklenburg-Bad Kleinen mit Sitz in Dorf Mecklenburg verwaltet. Der Ort ist Teil der Metropolregion Hamburg und für seine Umgebung ein Grundzentrum., Regionaler Planungsverband, abgerufen am 12. Juli 2015

Geographie Geographische Lage Bad Kleinen liegt am Nordufer des Schweriner Sees, des viertgrößten Sees Deutschlands, etwa auf halbem Wege zwischen der Landeshauptstadt Schwerin und der Hansestadt Wismar. Westlich der Gemeinde erhebt sich eine Endmoräne entlang des Schweriner Sees, die den Seespiegel bis zu 40 m überragt. Über den westlich des Ortsteiles Losten gelegenen Lostener See ist der Schweriner See durch den Wallensteingraben (der durch das Gemeindegebiet führt) mit der Wismarer Bucht verbunden. Ein weiterer See liegt zwischen den Ortsteilen Niendorf und Hoppenrade.

Gemeindegliederung Zur Gemeinde gehören die Ortsteile:Hauptsatzung der Gemeinde Bad Kleinen, § 1

Bad Kleinen Fichtenhusen Gallentin Hoppenrade Losten (mit Trollhof) Niendorf Wendisch Rambow

Geschichte Kleinen wurde 1178 in einer Urkunde des Papstes Alexander III. das erste Mal erwähnt. Die Schwedenschanze als sternförmige Wehranlage stammt aus dem 17. Jahrhundert. Bedeutung erlangte der Ort als Eisenbahnknotenpunkt. 1848 bekam Kleinen Eisenbahnanschluss mit einem Bahnhof an der Bahnstrecke Ludwigslust–Wismar.

Der Arzt Armin Steyerthal eröffnete 1895 die Wasserheilanstalt am Schweriner See. Die „heilgymnastische Anstalt“ sollte dazu dienen, „Schäden aller Art von Knochen, Muskeln und Gelenken des Körpers, Versteifungen und Verkrümmungen, zu heilen.“. Homepage der Gemeinde Bad Kleinen. Am See sollte ein „Luft- und Sonnenbad“ an einer Strandpromenade entstehen. Zu diesem Zweck wurde 1896 der Eiertunnel unter den Bahngleisen angelegt, der Fußgängern den Weg von der Heilanstalt zum See erleichtern sollte.Ein Bad mit Eiertunnel. In: Schweriner Volkszeitung, 8. Dezember 2018. Von dessen südlichem Ende aus sollte die geplante Promenade am Nordufer des Schweriner Sees entlang über die Schwedenschanze bis zur Brusenbecker Mühle in Moidentin führen.

In den Wirren der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg wurde der Kurbetrieb eingestellt. Seitdem gibt es keinen für ein Heilbad typischen Badebetrieb mehr. Dass der Ort dennoch weiterhin den Namenszusatz „Bad“ führen darf, verdankt er einer Sonderregelung des „Gesetzes über die Anerkennung als Kur- und Erholungsort in Mecklenburg-Vorpommern“ von 2000. Es bestimmt für den Zusatz „Bad“ vor Ortsnamen, dass Gemeinden in Mecklenburg-Vorpommern diesen Zusatz zeitlich unbeschränkt weiterbenutzen dürfen, wenn sie ihn am 26. Februar 1993 nachweislich geführt haben.Gesetz über die Anerkennung als Kur- und Erholungsort in Mecklenburg-Vorpommern, § 10 Absatz 4

Am 27. Juni 1993 wurde bei einem Polizeieinsatz im Bahnhof versucht, die RAF-Terroristen Birgit Hogefeld und Wolfgang Grams festzunehmen. Im Verlauf der Aktion kam es zu einem Schusswechsel, bei dem der GSG-9-Beamte Michael Newrzella tödlich getroffen wurde und Grams Suizid begangen haben soll.

Das Bahnhofsgebäude wurde 2017 abgerissen.

Das Gutshaus Hoppenrade, ein Backsteinbau der Neorenaissance von 1853 mit Turm und teilweise mit Mezzaningeschoss, wurde 2001 abgerissen. auf www.stiftung-kulturerbe.de

Von 1952 bis 1994 gehörte Bad Kleinen zum Kreis Wismar-Land (bis 1990 im DDR-Bezirk Rostock, 1990–1994 im Land Mecklenburg-Vorpommern). Seit 1994 liegt die Gemeinde im Landkreis Nordwestmecklenburg.

Bevölkerung Jahr Einwohner 1990 3573 1995 3560 2000 3896 2005 3699 2010 3668 2015 3591 Jahr Einwohner 2020 3753 2021 3733 2022 3763 2023 3749 2024 3704

Stand: 31. Dezember des jeweiligen JahresStatistisches Amt Mecklenburg-Vorpommern: Statistischer Bericht. Bevölkerungsstand. Bevölkerungsentwicklung der Kreise und Gemeinden, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022

Politik Gemeindevertretung Die Gemeindevertretung von Bad Kleinen besteht aus 14 Mitgliedern. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 64,0 % zu folgendem Ergebnis:Ergebnis der Kommunalwahl am 9. Juni 2024

Partei / Wählergruppe Stimmenanteil2019Ergebnis der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 Sitze2019 Stimmenanteil2024 Sitze2024 CDU 26,8 % 4 38,1 % 5 Für Bad Kleinen 27,8 % 4 30,2 % 4 Die Linke 26,2 % 4 18,2 % 3 SPD 15,2 % 2 11,0 % 2 FDP – – 2,5 % – Einzelbewerber Stephan Steinhagen 4,1 % – – – Insgesamt 100 % 14 100 % 14

Bürgermeister 2004–2014: Hans Kreher (FDP) seit 2014: Joachim Wölm (Die Linke)

Wölm wurde in der Bürgermeisterwahl am 26. Mai 2019 ohne Gegenkandidat mit 77,3 % der gültigen Stimmen in seinem Amt bestätigt.Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 26. Mai 2019 Bei der Bürgermeisterwahl am 9. Juni 2024 wurde er wiederum ohne Gegenkandidat mit 70,3 % der gültigen Stimmen erneut gewählt. Seine Amtsdauer beträgt fünf Jahre.Kommunalverfassung für das Land Mecklenburg-Vorpommern § 37 (3)

Wappen

Flagge Die Gemeinde verfügt über keine amtlich genehmigte Flagge.

Dienstsiegel Das Dienstsiegel zeigt das Gemeindewappen mit der Umschrift „GEMEINDE BAD KLEINEN • LANDKREIS NORDWESTMECKLENBURG“.

Sehenswürdigkeiten mini|Eiertunnel

Eiertunnel, Fußgängertunnel von 1896, der die Bahnanlagen unterquert und einen Zugang zum Ufer des Schweriner Sees herstellt, technisches Denkmal Schwedenschanze, sternförmige Wehranlage aus dem 17. Jahrhundert nordöstlich in der Nähe des Schweriner Sees Gutshaus in Niendorf, zweigeschossiger verklinkerter Bau mit übergiebeltem Mittelrisalit, 1885–1887 durch Georg Daniel erbaut, Joachim von Brandenstein lebte hier von 1918 bis 1941

Verkehr mini|Bahnhof Bad Kleinen (2012) Bad Kleinen liegt an der Landesstraße L 031 zwischen Bobitz und Warin. Die Bundesstraße B 106 zwischen Wismar und Schwerin durchquert das Gemeindegebiet. Die nächstliegenden Autobahnanschlussstellen sind Bobitz an der A 20 (Lübeck–Rostock) sowie Jesendorf an der A 14 (Wismar–Schwerin).

Der Bahnhof Bad Kleinen ist seit den Zeiten der Friedrich-Franz-Eisenbahn einer der wichtigsten Eisenbahnknoten Mecklenburgs. Hier kreuzen sich die Eisenbahnstrecken Schwerin–Wismar und Lübeck–Rostock (Lübeck–Bad Kleinen und Bad Kleinen–Rostock). Die Strecken nach Wismar, Rostock und Schwerin sind elektrifiziert. Die Strecke nach Lübeck wird bis 2028 zweigleisig ausgebaut und elektrifiziert. Der Bahnhof Bad Kleinen wird von drei Regionalexpress- und zwei Regionalbahnlinien bedient. Die Bedeutung der Eisenbahn (z. B. mit Bahnbetriebswerk und anderen Dienststellen) für Bad Kleinen kann man auch heute noch am ausgedehnten Bahngelände erkennen. Das Bahnhofsgebäude wurde 2017 im Rahmen einer vollständigen Umgestaltung der Bahnsteiganlagen abgerissen. Die Bahnsteige sind über eine Brücke mit Treffen und Aufzügen erreichbar, wodurch die bisherigen Reisendenübergänge beseitigt werden konnten.

Persönlichkeiten Gottlob Frege (1848–1925), Mathematiker, Logiker und Philosoph, lebte in Bad Kleinen Joachim von Brandenstein (1864–1941) Gutsbesitzer in Niendorf Max Michels (1874–1925), Schriftsteller, lebte in Bad Kleinen Wolfgang Scharenberg (1883–1969), Rechtsanwalt, lebte in Bad Kleinen Werner Altendorf (1906–1945), Politiker (NSDAP), lebte in Bad Kleinen Erhard Holweger (1911–1976), Bürgermeister in Bad Kleinen Hans Kreher (* 1943), Politiker (FDP), Lehrer in Bad Kleinen Till Lindemann (* 1963), Sänger und Textdichter der Band Rammstein, wuchs im Ortsteil Wendisch Rambow auf Laura Laabs (* 1985), Regisseurin und Schriftstellerin, wuchs in Bad Kleinen auf

Weblinks

Bad Kleinen auf der Website des Amtes Dorf Mecklenburg–Bad Kleinen Geschichte des Ortsteiles Wendisch Rambow

Einzelnachweise

Kategorie:Ort im Landkreis Nordwestmecklenburg Kategorie:Ersterwähnung 1178