Wolkenstein in Gröden (ladinisch , italienisch Selva di Val Gardena) ist eine italienische Gemeinde mit Einwohnern (Stand ) und ein Dorf in Gröden (ladinisch Gherdëina) in Südtirol. Zusammen mit St. Ulrich und St. Christina gehört sie zu den drei Gemeinden des Tals, in denen neben Deutsch und Italienisch auch Ladinisch Amtssprache ist.

Lage und Beschreibung Die 53,27 km² große, in Ladinien gelegene Gemeinde Wolkenstein nimmt den Talschluss von Gröden sowie ringsum befindliche Gebirgsstöcke der Dolomiten ein. Der Grödner Talgrund, wo sich neben dem Dorfkern (1540–) auch etwas südöstlich die Fraktion Plan (1580–) befindet, ist dicht besiedelt; im Westen reicht hier das Wolkensteiner Gemeindegebiet bis knapp vor das Ortszentrum von St. Christina (Santa Cristina), wo der in den Grödner Bach (Derjon) einmündende Cislesbach (Ruf de Cisles) in seinem unteren Verlauf die Gemeindegrenze darstellt. mini|Wolkenstein mit der Sellagruppe Nördlich und nordöstlich der Siedlungsflächen umfasst die Gemeinde große Teile der Puezgruppe, die im Naturpark Puez-Geisler unter Schutz gestellt sind. Das bei Wolkenstein seinen Anfang nehmende, unbesiedelte Langental (Val) führt Richtung Nordosten tief in die Puezgruppe hinein. Westlich wird das Langental von der Stevia () und vom Col dala Pieres () begrenzt, über dem Talschluss erheben sich der Piz Duleda (), die Puezspitzen (2918 und , Pizes de Puez) und der Puezkofel (, Col de Puez), auf seiner Ostseite zweigen zwei kleinere Seitentäler zur Gardenacia-Hochfläche hin ab, die den Lech de Crespëina () trägt. Direkt östlich über Wolkenstein stehen die Cirspitzen (Pizes de Cir), die das Südende der Puezgruppe darstellen und durch das Grödner Joch (, Jëuf de Frea) von der Sellagruppe getrennt sind.

Im Südosten des Wolkensteiner Gemeindegebiets befinden sich Teile der Sellagruppe mit einer ganzen Reihe an Gipfeln – darunter der Piz Ciavazes () und die Sellatürme – und dem Lech dl Dragon (). Im Südwesten Wolkensteins erhebt sich – von der Sellagruppe im Osten durch das Sellajoch (, Jëuf de Sela) getrennt – die Langkofelgruppe. Hier befinden sich die höchsten Gipfel auf Gemeindegebiet: der Langkofel (, Saslonch), die Fünffingerspitze () und die Grohmannspitze (). Die Südgrenze von Wolkenstein entspricht der Provinzgrenze zum Trentino. Klima Die durchschnittliche Tageshöchsttemperatur in den Sommermonaten liegt zwischen 18 und 20 °C, die durchschnittlichen nächtlichen Tiefstwerte in den Wintermonaten bei −7 bis −5 °C. Die durchschnittliche Lufttemperatur in Wolkenstein beträgt 5,0 °C, der jährliche Niederschlag 1044 mm. Im Schnitt ergibt sich die höchste Niederschlagsmenge im August mit 170 mm, während der Februar mit etwa 30 mm der trockenste Monat ist. Diese Werte wurden von der Wetterstation in Plan auf 1594 Metern im Zeitraum 2006–2020 gemessen.

Geschichte 1978 bis 1980 wurden unterhalb des Grödner Joches (Plan de Frea) zahlreiche Funde freigelegt, die beweisen, dass Menschen bereits in der Altsteinzeit hier gesiedelt haben. In den Bergen (Tramans, Chedul, Plan de Frea, Pra da Ri) wurden Rastplätze vorzeitlicher Jäger und Sammler gefunden. Streufunde wurden auch in der Steinernen Stadt auf dem Sellajoch getätigt. 800 bis 500 v. Chr. gab es den Troi Paian, einen Saumpfad, der vom Eisacktal über Wolkenstein nach Buchenstein führte.

Das ladinische Toponym ist 1166 als Silva erstmals genannt und bedeutet ‚Wald‘, während die deutsche Bezeichnung erstmals im Jahre 1237 als Wolchenstain verschriftlicht wurde.Hans von Voltelini: Die Südtiroler Notariats-Imbreviaturen des 13. Jahrhunderts (= Acta Tirolensia. Bd. 2). Innsbruck, Wagner 1899, Nr. 623. Der Name leitet sich von der Adelsfamilie Wolkenstein-Trostburg ab. Der Name ist im Tiroler landesfürstlichen Urbar Graf Meinhards II. von Tirol-Görz von 1288 als ze Wolchenstein genannt.Oswald Zingerle: Meinhards II. Urbare der Grafschaft Tirol (= Fontes rerum Austriacarum. II/45). Wien: F. Tempsky 1890, XVI, 194. Die Grafen zu Wolkenstein residierten im Schloss Wolkenstein, dessen Ruinen noch heute an den Wänden des Steviaberges besichtigt werden können. Das Wappen der Grafen von Wolkenstein ist seit 1968 auch Wappen der Gemeinde.

Bis zum Hochmittelalter war das Gebiet weitgehend bewaldet und die Siedlungen waren nicht dauerhaft. Erst um 1200 wurden aus Sommeralmen dauerhafte Niederlassungen. 1225 ist Heinrich von Kastelruth als Besitzer eingetragen, 1293 erwarb Randolf von Villanders, der Ahnherr der Grafen von Wolkenstein, die Burg. In dieser Urkunde sind sieben Höfe angegeben. Der Dichter und Minnesänger Oswald von Wolkenstein (1377–1445) ist bereits im Tal nachgewiesen. 1503 wurde die erste Kapelle in Wolkenstein eingeweiht, diese wurde erst 1877 durch eine neue, größere Pfarrkirche am gleichen Ort ersetzt.

1853–1856 wurde eine Straße von Waidbruck nach St. Ulrich gebaut, diese wurde nach Wolkenstein verlängert. Eine Schmalspurbahn wurde während des Ersten Weltkriegs durch russische Kriegsgefangene angelegt, allerdings 1960 wieder eingestellt.

Die ersten Touristen in Wolkenstein waren Alpinisten aus England und Österreich, die Dolomitengipfel bestiegen. Auch das Königshaus Savoyen kam zur Sommerfrische. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es bereits zehn Gasthöfe mit einer Kapazität für 580 Gäste in Wolkenstein. Der Erste Weltkrieg bedeutete ein abruptes Ende für den Tourismus, der erst ab 1920 wieder einsetzte. Trotzdem waren die Gästezahlen noch relativ bescheiden.

Die größten Umwälzungen erlebte Wolkenstein nach dem Zweiten Weltkrieg: bis dahin war Wolkenstein ein Bergbauerndorf, in dem das Leben entbehrungsreich und hart war. Ab den 1950er Jahren wurde der Tourismus stetig ausgebaut, heute ist der Fremdenverkehr die Haupteinnahmequelle der Bewohner. Betrugen die Nächtigungen im Jahre 1969 noch 510.000 pro Jahr, waren das 1988 bereits über eine Million und 2017 mehr als 1,2 Millionen.

Einen entscheidenden Schub erlebte Wolkenstein durch die Schiweltmeisterschaften 1970. Bis dahin war der Sommertourismus entscheidend gewesen, durch die Weltmeisterschaften erlebte die Wintersaison einen wesentlichen Aufschwung. Durch die gemeinsame Vermarktung und vor allem durch die Entwicklung eines gemeinsamen Schipass im Jahr 1974 im Skiverbund Dolomiti Superski wurde der Wintersport zu einer wesentlichen Komponente. Ab den 80er Jahren hat auch der Sommertourismus zugenommen, im Grödner Tal liegt er bei ca. 40 % Nächtigungen im Sommer zu 60 % Nächtigungen im Winter.

Politik Die letzten Kommunalwahlen in Wolkenstein fanden am 4. Mai 2025 statt, dabei wurden der Gemeinderat und der Bürgermeister gewählt. Abstimmungsberechtigt waren 2133 eingetragene Wähler, abgestimmt haben 1487, was eine Wahlbeteiligung von 69,71 % ergab.

Bei der Wahl hat die SVP 55,94 % der Stimmen und 8 Sitze, die Bürgerliste 44,06 % der Stimmen und 7 Sitze erhalten. Tobias Nocker von der SVP wurde zum Bürgermeister gewählt.

Die Bürgermeister seit 1952 in Wolkenstein waren: 1952–1960: Anton Vinatzer 1960–1964: Rodolfo Kasslatter 1964–1980: Franz Costa 1980–1985: Ferdinand Mussner 1985–1996: Hermann Senoner 1996–2010: Roland Demetz 2010–2015: Peter Mussner 2015–2025: Roland Demetz seit 2025: Tobias Nocker

Bevölkerung Wolkenstein ist gemäß den erhobenen Sprachgruppenzugehörigkeitserklärungen bzw. Sprachgruppenzuordnungserklärungen eine mehrheitlich ladinischsprachige Gemeinde. Als Berechnungsgrundlage der folgenden Prozentwerte wurden die gültigen Erklärungen von Personen mit italienischer Staatsbürgerschaft herangezogen. Verteilung nach Sprachgruppenzugehörigkeits- bzw. Sprachgruppenzuordnungserklärungen Sprache 1981 1991 2001 2011 2024 Ladinisch 87,83 % 88,31 % 87,84 % 89,74 % 87,18 % Deutsch 6,09 % 5,98 % 5,97 % 5,15 % 4,63 % Italienisch 6,09 % 5,72 % 6,18 % 5,11 % 8,20 %

Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaftsstruktur mini|hochkant|Touristischer Prospekt von ca. 1960 Hauptwirtschaftszweig ist mit 8.700 Gästebetten und 1.300.000 Nächtigungen pro JahrDOLOMITES Val Gardena Konsortialgesellschaft m.b.H.: Urlaubsfibel 2021, S. 6. der Fremdenverkehr, der daher auch das Dorfbild massiv prägt. Besonders wichtig ist (wie auch in den anderen Grödner Gemeinden) der Wintersport: Wolkenstein ist einer der Einstiegsorte für die Sellaronda, die Umrundung des Sellamassivs per Ski.

Bildung In der Gemeinde gibt es eine Grundschule und eine Mittelschule für die ladinische Sprachgruppe. Beide Schulen gehören zu einem Schulsprengel mit Sitz in Wolkenstein, der zusätzlich die Grundschule der Nachbargemeinde St. Christina verwaltet. Außerdem gibt es in Wolkenstein einen Kindergarten.

Verkehr Verkehrstechnisch erschlossen ist die Gemeinde in erster Linie durch die SS 242. Diese führt vom westlich gelegenen Eisacktal aus über St. Ulrich (Urtijëi) – dem Zentrum von St. Christina mit der Umfahrungsstraße im Süden ausweichend – nach Wolkenstein. Von dort steigt sie südlich zum Sellajoch an und verbindet die Gemeinde mit Canazei (Cianacèi) im Trentiner Fassatal (Fascia). In östliche Richtung überwindet zudem die SS 243 das Grödner Joch nach Corvara im Südtiroler Gadertal (Val Badia).

Sehenswürdigkeiten Die Pfarrkirche „Maria Himmelfahrt“ Die Silvester-Kapelle im Langental mit über 300 Jahre alten Fresken über das Leiden Jesu Bis 1960 war der Ort durch die Grödner Bahn mit St. Ulrich und Klausen verbunden. Die Bahnstrecke wurde hauptsächlich von russischen Kriegsgefangenen gebaut, die im Ersten Weltkrieg als Zwangsarbeiter eingesetzt wurden. Heute ist die ehemalige Trasse zum Wander- und Fahrradweg ausgebaut, zahlreiche Denkmäler und historische Bilder am Weg erinnern an die Bau- und Betriebszeit. Die Burgruine Wolkenstein, Höhenburg am Eingang des Langentals, in einer Felswand gelegen Die Fischburg

Alpinismus Um Wolkenstein gibt es eine breite Palette von Möglichkeiten alpinen Sport auszuüben, sowohl im Winter, aber zunehmend auch im Sommer. Auf dem Gemeindegebiet befinden sich die Puezhütte (), Steviahütte () und Juac-Hütte (), die als Stützpunkte dienen.

Schifahren mini|Bergstation der Dantercepies-Seilbahn In direkter Umgebung von Wolkenstein finden sich mehrere Schigebiete, so am Sellajoch das Schigebiet Col Rodella, in der Langkofelgruppe Plan de Gralba, Ciampinoi (mit der bekannten Saslong-Weltcupabfahrt) und Monte Pana/Mont de Sëura. Wolkenstein ist auch direkt angebunden an die Sella Ronda, das den Sellastock komplett umrundet. Die Schigebiete sind Teil des Schiverbundes Dolomiti Superski.

Gröden war Austragungsort der alpinen Schiweltmeisterschaften 1970, mit der Dantercepies-Piste in Wolkenstein. Im Schiweltcup zählt die Abfahrt auf der Saslong zu den Klassikern.

Im nahe gelegenen Langental gibt es mehrere Langlaufloipen in unterschiedlichen Schwierigkeiten.

Wandern mini|Das Val Setus im Sella-Massiv, rechts der Campideller Turm Die Umgebung von Wolkenstein bietet für Wanderer eine reiche Palette an Möglichkeiten von einfachen Wegen bis zu langen, hochalpinen Touren. Hauleitner nennt einige als besonders erwähnenswert:

Die Puez-Plateau-Überschreitung ist eine unschwierige, aber lange Wanderung über das Puez-Plateau, in einem Bogen um den Canyon herum und durch das schöne Langental. Die Rundwanderung startet und endet in Wolkenstein, im Anstieg sind 480 m (dank Aufstieg mit einem Sessellift) und im Abstieg 1120 m zu überwinden.

Eine andere beliebte, aber schwierige Tour ist die Wanderung von Wolkenstein zur Pisciadùhütte in der Sella. Der Sellastock erlaubt nur wenige einfache Aufstiege aus dem Tal in die Sella, eine ist der Weg durch das Val Setus hinauf zum Sella-Ringband. Diese anstrengende Steilanstieg erfordert Trittsicherheit und Schwindelfreiheit, erlaubt aber grandiose Ausblicke. Es sind 520 Höhenmeter zu überwinden und benötigt etwa 2½ Stunden.

Laufsport Rund um den Langkofel verläuft die 21 km lange und rund 900 Höhenmeter umfassende Strecke des Berglaufs Dolomites Saslong Half Marathon, der mit Start- und Zielpunkt Monte Pana jedes Jahr im Sommer stattfindet.

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