Der Uluru (Pitjantjatjara: Uluṟu) [], englischer Kolonialname Ayers Rock, offiziell Uluru / Ayers Rock, ist ein Inselberg in der zentralaustralischen Wüste, der sich ca. über sein Umland erhebt.
Aufgrund seiner spirituellen Relevanz für die Traumzeit-Erzählungen gilt er den lokalen Aborigines, den Anangu, als Heiliger Berg. Weil er als eines der bekanntesten Wahrzeichen Australiens jedes Jahr hunderttausende Besucher anzieht, besteht ein Interessenkonflikt zwischen Anangu und Touristen, in dem die Aborigines ein Verbot der Besteigung des Berges ab 26. Oktober 2019 durchgesetzt haben.
Der indigene Name Uluru wurde bis in die 1990er Jahre ausschließlich von Aborigines verwendet. Bei europäischstämmigen Australiern und außerhalb Australiens ist die englische Bezeichnung Ayers Rock üblich.
Geographie mini|links|Blick vom Hubschrauber auf den Uluru (von Nordosten)
Der Uluru ist etwa 3 km lang, bis zu 2 km breit und hat an der Basis einen Umfang von rund 9 km.Peter-Matthias Gaede: Unsere Erde. Länder, Völker, Kulturen. In: GEO Themenlexikon. Band 1, Brockhaus, Mannheim 2006, ISBN 3-7653-9421-1, S. 145. Der Gipfel befindet sich auf einer absoluten Höhe von .Besucherführer auf www.environment.gov.au (PDF; 4,9 MB), abgerufen am 9. Dezember 2010. Damit erhebt er sich 348 m über die Buschlandschaft Zentralaustraliens.
Der Uluru liegt im Uluṟu-Kata-Tjuṯa-Nationalpark nahe dem Ort Yulara, etwa 340 km Luftlinie südwestlich von Alice Springs im Südwesten des australischen Bundesterritoriums Northern Territory. Der 1325 km² große Nationalpark, in dem neben dem Uluru auch die benachbarten Kata Tjuṯa („die Olgas“) liegen, gehört zum UNESCO-Weltnatur- und -kulturerbe.
Die einzige asphaltierte Straße, die zum Uluru führt, ist der Lasseter Highway. Dieser verbindet den Berg über den Stuart Highway mit Alice Springs (470 km) und damit dem Rest Australiens. Außerdem zweigt von ihm die Luritja Road zum Kings Canyon ab, die ebenfalls asphaltiert ist. Bei den Kata Tjuṯa, ungefähr 30 km Luftlinie westlich des Uluru, geht der Lasseter Highway in die Great Central Road über, eine unbefestigte Outbackpiste, die bis zum Ort Laverton im Zentrum von Western Australia führt. Sie ist dort als „Docker River Road – to WA Border“ beschildert. Außerdem ist eine Anreise über den etwa 10 km von Yulara entfernt gelegenen Connellan-Flugplatz möglich.
Geologie
Entstehungsgeschichte
Geologischer Rahmen und Vorgeschichte
mini|hochkant=1.2|Plattentektonische Rekonstruktion für in etwa die Ablagerungszeit der Mutitjulu-Arkose und der Mount-Currie-Konglomerate. Die Rekonstruktion zeigt die Situation kurz vor der Kollision Australo-Antarktikas (blaugrau) mit „West-Gondwana“ (gelb). Die zeitliche Nähe dieser Kollision zur Petermann-Orogenese, jener tektonischen Episode, die die Liefergebiete der Mutitjulu-Arkose und der Mount-Currie-Konglomerate schuf, legt nahe, dass beide Ereignisse miteinander in Zusammenhang stehen. Uluru und Kata Tjuṯa liegen am südlichen Rand des Amadeus-Beckens. Das heutige Amadeus-Becken mit dem Lake Amadeus, das sich über eine Fläche von 170.000 km² erstreckt, ist das strukturelle Relikt eines fossilen, mehrfach gefalteten Sedimentbeckens.Christine J. Edgoose: The Amadeus Basin, central Australia. In: Episodes. Band 35, Nr. 1, 2012, S. 256–263, doi:10.18814/epiiugs/2012/v35i1/59912 Dieses entstand vor etwa einer Milliarde Jahren, im frühen Neoproterozoikum, als Teil eines größeren Sedimentbeckens, des sogenannten Centralian Superbasins. Das Amadeus-Sedimentbecken hat eine wechselvolle Geschichte, in deren Verlauf es meistens vom Meer bedeckt war. In den ersten etwa 200 Millionen Jahren seiner Existenz herrschte in diesem Amadeus-Meer Ablagerung von Sand und Schluff vor. Danach dominierte die Ablagerung von Karbonat- und Evaporitgesteinen. Die Evaporite (Gips und Steinsalz) bezeugen, dass das Klima zu dieser Zeit warm und trocken und das Amadeus-Meer zwischenzeitlich vom offenen Ozean abgeschnitten waren, so dass große Mengen des Meerwassers verdunsten konnten. Zwischen etwa 700 und 600 Millionen Jahren vor heute wurde die Region immer wieder von mächtigen Gletschern bedeckt, was durch Moränenablagerungen dokumentiert ist. Anschließend wurde die Erdkruste in der Region seitlich zusammengedrückt. Dies bewirkte eine Faltung der bis dahin abgelagerten Sedimente einschließlich des Grundgebirges, dem sie auflagerten. Es bildeten sich Bergketten, und die Region wurde über den Meeresspiegel angehoben. Dieses Ereignis wird, nach den Petermann Ranges südwestlich des Lake Amadeus, als Petermann-Orogenese bezeichnet. Die zeitliche Nähe der Petermann-Orogenese zu den Panafrikanischen Orogenesen (Kollisionsgebirgsbildungen im Zuge der Formierung des Superkontinents Pannotia bzw. Gondwana) legt nahe, dass diese Ereignisse miteinander in Zusammenhang stehen.A. R. A. Aitken, T. Raimondo, F. A. Capitanio: The intraplate character of supercontinent tectonics. In: Gondwana Research. Band 24, Nr. 3–4, 2013, S. 807–814, doi:10.1016/j.gr.2013.03.005
Entstehung des Gesteinskörpers
Zu dieser Zeit gab es auf der Erde noch kein „höheres“ Leben auf dem trockenen Land. Die im Zuge der Petermann-Orogenese entstandene Berglandschaft war deshalb nicht durch eine Pflanzendecke vor Erosion geschützt. Besonders bei Starkregen wurde viel Verwitterungsschutt aus den Bergen gespült und am Fuße der Bergketten in Form von Schwemmfächern abgelagert. Die Gesteine, aus denen Uluru und Kata Tjuṯa bestehen, gehen auf diese Schwemmfächersedimentation an der Wende vom Neoproterozoikum zum Kambrium, vor ca. 550 Mio. Jahren, zurück. Die Schwemmfächer erreichten Sedimentmächtigkeiten von mindestens 2500 m.Uluru-Kata Tjuta National Park: Geology. Australian Government, Department of the Environment, abgerufen am 9. Dezember 2010. Der Uluru wurde sehr viel später aus einem Teil eines solchen Schwemmfächers herausgeformt. Dieser Teil bestand ursprünglich aus überwiegend grobkörnigen, feldspathaltigen Sanden. Die Schichten, aus denen die Kata Tjuṯa aufgebaut sind, waren noch deutlich grobkörniger und entsprachen ursprünglich eher einem Schottersediment.
Vor 500 Millionen Jahren, an der Wende vom Kambrium zum Ordovizium, war das Gebirge weitgehend abgetragen, und die Region sank erneut unter den Meeresspiegel ab. Die Schwemmfächersedimente wurden von Sand, Schlamm und abgestorbenen Meerestieren bedeckt. Die Auflast dieser jüngeren Sedimentschichten und diagenetische Zementation verfestigte die feldspathaltigen Sande zu einer Arkose und den Schotter zu einem Konglomerat. Diese Schichten werden heute Mutitjulu-Arkose bzw. Mount-Currie-Konglomerate genannt.David N. Young, N. Duncan, A. Camacho, P. A. Ferenczi, T. L. A. Madigan: Ayers Rock, Northern Territory. (Second Edition). 1:250 000 geological map series explanatory notes, SG 52-8. Northern Territory Geological Survey, Darwin 2002 (PDF 3,1 MB)
Vor 400 bis 300 Millionen Jahren, im Devon, zog sich das Meer erneut zurück, denn die Erdkruste in der Region wurde ein weiteres Mal zusammengedrückt und daher gefaltet und gehoben. Dieses Ereignis wird Alice-Springs-Orogenese genannt. Auch die Mutitjulu-Arkose und die Mount-Currie-Konglomerate wurden dieser Faltung unterworfen.
mini|Blick auf den südlichsten Teil der Südostflanke des Berges (2005). Auf diesem Foto gut zu sehen sind die fast senkrecht stehenden Schichten der Mutitjulu-Arkose sowie eine große „Gaping Mouth Cave“.
Entstehung des Inselbergs
Mit der Alice-Springs-Orogenese endet die Sedimentationsgeschichte des Amadeus-Beckens. Seither überwiegt in der Region die Abtragung gegenüber der Ablagerung. Erst vor 65 Millionen Jahren, an der Wende von der Kreidezeit zum Tertiär, senkte sich die Region erneut geringfügig ab, und eine breite Tiefebene entstand, in der sich Fluss- und Schwemmlandsedimente ansammelten. Das feuchtwarme Klima dieser Zeit ließ ausgedehnte Sumpfwälder gedeihen, die heute in Form von Kohleschichten dokumentiert sind.
Jene Bereiche, in denen sich heute Uluru und Kata Tjuṯa befinden, waren höher gelegen und daher nach wie vor der Erosion ausgesetzt, wodurch schließlich die beiden Felsmassive aus dem sie umgebenden Gestein herauspräpariert wurden. Das Klima wurde während der letzten 500.000 Jahre trockener, und der Wind legte eine dünne Sanddecke über die gesamte Gegend. Am Uluru ist heute ein Bereich der Mutitjulu-Arkose freigelegt, der bei der Alice-Springs-Orogenese eine Aufrichtung um 85° erfuhr. Die Schichten stehen daher dort fast lotrecht. Die Konglomerate der Kata Tjuṯa sind nur um 15 bis 20° gegen die Horizontale geneigt. Die Streichrichtung der Schichten am Uluru ist Nordwest-Südost.
Gestein
mini|Große oberflächenparallele Kluft (Desquamation) Der Uluru bzw. die Mutitjulu-Arkose besteht aus Arkose, einem dem Sandstein ähnlichen Sedimentgestein, das sich von „normalem“ Sandstein aber durch einen hohen Feldspat-Anteil unterscheidet, sowie aus Konglomeraten, d. h. aus Sedimentgesteinen mit Korngrößen, die über denen eines Sandsteines liegen (man spricht bei diesen größeren „Körnern“ von Geröllen). Den überwiegenden Anteil stellt hierbei grobkörnige Arkose und feinkörniges Konglomerat. Das Gestein ist in unverwittertem Zustand grünlich-grau. Der Verwitterung ausgesetzt, wird das bis dahin in einigen Mineralen gebundene Eisen zu rötlichen bis bräunlichen Verbindungen („Rost“) oxidiert, was dem Uluru seine typische Farbe verleiht. Auffällig ist die schuppige Oberfläche des Gesteins. Sie resultiert aus der chemischen Verwitterung der Feldspate. Zudem verursachen die extremen tageszeitlichen Temperaturschwankungen im Outback Spannungen im Gestein. Dadurch entstehen parallel zur Oberfläche des Felsens verlaufende Sprünge, entlang derer sich größere Schollen abschälen (Desquamation).
mini|Nahaufnahme der Oberfläche des Felsens. Deutlich erkennbar ist die schuppig-blättrige Verwitterung der Arkose.
Die Arkose setzt sich aus durchschnittlich 50 % Feldspat- und 25–35 % Quarzkörnern zusammen. Die übrigen maximal 25 % sind Gesteinsfragmente aus Rhyolith oder Basalt. Die Feldspat-Fraktion besteht überwiegend aus Kalifeldspat und nur zu geringen Teilen aus Plagioklas. Ferner sind enthalten Orthopyroxen und Sphen. Die Mineralkörner und Gesteinsfragmente sind vorwiegend kantig bis kantengerundet. Wenige gut gerundete Quarzkörner werden als ehemalige Blasenhohlraumfüllungen von Basalten interpretiert. Die Basaltfragmente sind gerundet und enthalten stets Chlorit und Epidot. Der hohe Kalifeldspatanteil erklärt sich aus der räumlichen Nähe des Uluru zum Musgrave Block. Dieses an Graniten und Gneisen reiche Grundgebirgsmassiv beginnt nur ca. 50 km südlich des Uluru und muss auch zur Ablagerungszeit der Mutitjulu-Arkose zu einem Großteil am Aufbau der damaligen Berge beteiligt gewesen sein.
Sedimentstrukturen wie Schräg-, Trog- und Rippelschichtung sowie verfüllte Kolkrinnen („scour-and-fill“) zeigen Ablagerung durch schnell fließendes Wasser. Das Auftreten von vier Faziestypen (vereinfacht: feine Arkosen, grobe Arkosen, feine Konglomerate, grobe Konglomerate) spiegelt vier verschiedene energetische Zustände des Schwemmfächers wider. Die feinkörnigen Arkosen stehen für relativ gemütlich dahinplätschernde Wasserläufe, die groben Konglomerate könnten auf Schuttströme zurückgehen.I. H. Sweet: Uluru & Kata Tjuta: A Geological History. Australian Geological Survey Organization, Canberra 1992, ISBN 0-644-25681-8.
Geomorphologie Allgemeines