mini|St. Christina im Sommer mini|St. Christina im Winter St. Christina in Gröden (ladinisch Gherdëina; ) ist eine italienische Gemeinde in Südtirol mit Einwohnern (Stand ). Zusammen mit St. Ulrich und Wolkenstein gehört sie zu den drei Grödner Gemeinden, in denen neben Deutsch und Italienisch auch Ladinisch Amtssprache ist.
Hauptwirtschaftszweig ist mit 2.985 Gästebetten und ca. 419.000 NächtigungenDOLOMITES Val Gardena Konsortialgesellschaft m.b.H.: Urlaubsfibel 2021, 7. pro Jahr der Tourismus, der auch das Dorfbild mit zahlreichen Beherbergungsbetrieben prägt. Die Skigebiete Col Raiser und Seceda im Norden sowie Monte Pana im Süden, wo sich ein Langlaufzentrum befindet, ziehen zahlreiche Wintersportler an.
Name Der Name St. Christina ist bereits 1394 belegt und leitet sich vom Patrozinium der Pfarrkirche St. Christina ab.Egon Kühebacher: Die Ortsnamen Südtirols und ihre Geschichte. Die geschichtlich gewachsenen Namen der Gemeinden, Fraktionen und Weiler. Athesia, Bozen 1991, ISBN 88-7014-634-0, S. 407
Zur ladinischen Schreibung des Namens existieren zwei Varianten. Die historische Form Santa Cristina wurde in den 1990er Jahren während der Amtszeit von Bürgermeister Bruno Senoner durch Santa Crestina ersetzt, um einerseits einen klar erkennbaren Unterschied zur italienischen Schreibung zu etablieren und sich andererseits der ladinischen Aussprache etwas anzunähern. Da diese Änderung in der Bevölkerung nur auf wenig Akzeptanz gestoßen war, beschloss der Gemeinderat 2015, von nun an wieder Santa Cristina zu verwenden.Patrick Stuflesser: Ladinische Namensfrage geklärt. In: Dolomiten, 3. März 2015, S. 21
Geographie Die Gemeinde St. Christina in Gröden umfasst auf 31,83 km² einen Teil des mittleren Grödner Tals (Gherdëina) sowie nördlich und südlich davon liegende Berggebiete der Dolomiten in Ladinien. Der Anteil der Gemeinde am vom Grödner Bach (Derjon) durchflossenen Talgrund ist mit dem Dorfkern (1430–) dicht besiedelt. Im Westen endet hier das Gemeindegebiet kurz vor St. Ulrich (Urtijëi), im Osten bildet der Cislesbach (Ruf de Cisles) in seinem unteren Verlauf unmittelbar nach dem Ortszentrum bereits die Grenze zu Wolkenstein (Sëlva).
Nördlich und nordöstlich der Siedlungsflächen befinden sich die Berge der Geislergruppe und der Puezgruppe, die zu einem großen Teil im Naturpark Puez-Geisler unter Schutz gestellt sind. Direkt über dem Dorf erhebt sich der sanft ausgeprägte Pitschberg (, Pic) als vorgeschobener Ausläufer der Geisler. Die Nordgrenze des Gemeindegebiets stellt der Kamm von der Seceda (, Secëda) Richtung Osten über die Geislerspitzen dar, die im Sass Rigais (, Sas Rigais) und in der Furchetta (, Furcheta) ihre höchsten Punkte erreichen. Im Nordosten hat St. Christina am Piz Duleda (), am Col dala Pieres () und an der Stevia () auch einen kleinen Anteil an der Puezgruppe. Zwischen Pitschberg, Seceda, Geislerspitzen und Stevia erstrecken sich die weitläufigen Almgebiete der Cisles- und der Mastlé-Alm, auf der sich einige Bergseen wie der Lech Sant () befinden.
Auch im Süden von St. Christina umfasst die Gemeinde Hochgebirgsregionen. Direkt über dem Ort steigt das Gelände zunächst zum Plateau des Monte Pana an. Dahinter erheben sich, teils an der Grenze zum Trentino, die Hochgipfel der Langkofelgruppe, darunter Langkofel (, Saslonch), der höchste Punkt des Gemeindegebiets, Fünffingerspitze (), Grohmannspitze (), Innerkoflerturm (), Zahnkofel () und Plattkofel (, Sas plat).
Ganzjährig für den Straßenverkehr erschlossen ist St. Christina von Westen her durch die Grödner Straße. Diese nimmt im Eisacktal ihren Anfang und führt über St. Ulrich in die Gemeinde. Von der Schneelage hingegen abhängig ist die Öffnung der Passstraßen über das Grödner Joch (, Jëuf de Frea) und das Sellajoch (, Jëuf de Sela), die die östliche Nachbargemeinde Wolkenstein nach Osten mit dem Gadertal (Val Badia) oder nach Süden mit dem Fasstal (Fascia) verbinden.
Geschichte Prähistorische Baustrukturen wurden auf Ncisles, Pic, Mastlé und dem Cuca Sattel gefunden. Ebenso scheint das Ufer des sagenumwobenen Lagustelsees in der Früh- und Urgeschichte besiedelt gewesen zu sein.
Vom Mittelalter bis in das 19. Jahrhundert Der Ort wurde zum ersten Mal im Jahre 1277 als Sankt Kristein und 1323 als St. Christina erwähnt. Vor 1923 hieß der Ort Santa Cristina in Gröden und von 1923 bis 1955 Santa Cristina.
Bereits in der Zeit um 1150–1200 wird im Nekrolog des Brixener Domkapitels der Hof Costa in St. Christina als curia in Gredene urkundlich genannt, den Mathilde von Säben für die Ausrichtung eines Jahrtags stiftete. Der heutige Hof Uleta oberhalb von St. Christina ist wahrscheinlich die älteste bestehende Hofstelle; sie geht auf eine Schafschwaige zurück, die angeblich Burckhard von Völs im Jahr 1166 dem Kloster Neustift schenkte.Deborah Vinatzer, Sabine Piazza: S. Cristina 1870–1970: zacan n iede / Bilder aus vergangenen Zeiten / come era una volta, S. Cristina, Cunsëi de furmazion de S. Cristina 2009.
Als Markgenossenschaft umfasste St. Christina ein größeres Gebiet als die heutige Gemeinde, denn auch Wolkenstein gehörte zur Malgrei, d. h. Viertel (ab 1320 wurde Gröden in Viertel unterteilt). Weitere Malgreien, die auch heute noch zu St. Christina gehören, sind: St. Jakob-Innerriedl, Plesdinaz und St. Christina. Erwähnt wird St. Christina schon 1277 (ein Hof zu Sankt Kristein). Zu den ältesten Höfen in St. Christina gehörten weiters Pescosta, Puntea, Coi und Prascuel, die alle auf das 13. Jahrhundert zurückgehen und im Urbar der Grafen von Tirol von 1288 genannt sind. Im 14. Jahrhundert kam es nur zu einem geringfügigen Siedlungsausbau, da dieses Jahrhundert von Katastrophen wie der Pest und einer Hungersnot gekennzeichnet war. Dagegen ist vom 14. auf das 15. Jahrhundert ein Anstieg der vorhandenen Höfe von neun auf 30 zu verzeichnen. 1840 berichtete der durchreisende Johann Jakob Staffler, dass St. Christina an die 800 Einwohner hatte; er zählte 112 Häuser und 200 Familien. In den nächsten Jahren wurden nach Angaben nur 9 neue Häuser erbaut. Um die Kirche begannen sich die Häuser zu verdichten. Hier befanden sich das alte Messnerhaus, das Widum (erbaut 1550), das Schulhaus und das Gasthaus zu Deur. Am 3. November 1809 zogen die französischen Truppen durch das Grödner Tal. Tatsächlich beteiligten sich auch Männer aus St. Christina an der Schlacht am Bergisel und am Feldzug gegen Napoleon. Auch beim Landsturm in Norditalien 1848 kämpften rund 127 Grödner.Wranz Waldboth, in: Calënder de Gherdëina per l ann 1914, S. 40. St. Christina gehörte bis 1828 zum Gericht Gufidaun. Die Gerichtstage fanden aber für die Bewohner St. Christinas angeblich in Lajen im Ingramhof statt.
Katastrophen und Krankheiten St. Christina wurde im Laufe der Jahrhunderte von verschiedenen Katastrophen heimgesucht. Im 14. Jahrhundert etwa sollen riesige Heuschreckenschwärme die Ernte vernichtet haben, was eine Hungersnot zur Folge hatte. Inwieweit die Siedler in St. Christina von der europaweiten Pestepidemie um die Mitte des 14. Jahrhunderts betroffen waren, ist nicht bekannt. Sicher ist allerdings, dass im 14. Jahrhundert kaum neue Höfe zu den vorhandenen dazukamen. Bei einem neuerlichen Ausbruch der Pest im Jahr 1636, welche in der Bevölkerung auch Gran Moria genannt wurde, sind hingegen 85 Todesopfer dokumentiert. Die meisten Opfer waren in St. Jakob (Inner-St. Jakob gehörte zur Malgrei St. Christina) zu beklagen. Der Zeitpunkt war ungünstig, es tobte der Dreißigjährige Krieg. Diese Pestwelle trat im Alpenraum erstmals in einem Kriegslager in Graubünden auf, weshalb angenommen wird, dass die Krankheit von Viehhändlern, die mit dem Versorgungsquartier in Glurns und dem Grödner Tal Handel betrieben, die Pest ins Tal selbst eingeschleppt haben.Wilhelm Moroder: La gran Mueria. Opfer der Pest von 1636 in Gröden, in: Calënder Ladin per l ann 1915, S. 139–142. Die heutige Ortsbezeichnung Col da Messa (wörtlich: Messe-Hügel) geht auf diese Zeit zurück: die Menschen wohnten dem Gottesdienst in sicherem Abstand bei, um vor der Krankheit verschont zu bleiben. Zu erwähnen sind in diesem Zusammenhang auch die schlimmen Hochwasserkatastrophen des 19. Jahrhunderts, besonders jene vom September 1882. Nach tagelangem Regen schwoll der Grödner Bach (Derjon) so stark an, dass er alle 19 Brücken sowie einige Mühlen und Häuser mit sich fortriss, wobei zwei Menschen starben. In Wolkenstein verursachte eine Mure den Tod von weiteren sechs Menschen. Die Kindersterblichkeit im 19. Jahrhundert war hoch, was auf die ungenügenden hygienischen Maßnahmen und medizinischen Kenntnisse zurückzuführen ist. Viele Kleinkinder starben an Lungenentzündung, Pocken und Cholera. Allein im Jahre 1882 starben in Gröden 32 Kinder.
Errichtung der Schule in St. Christina Erst 1835, also 60 Jahre nach Maria Theresias Einführung der Allgemeinen Schulpflicht, wurden richtige Klassen im Erdgeschoss der alten Gemeinde untergebracht. Davor bestanden ab dem Jahr 1779 bereits kleinere Schulstuben, die vom Gesetz aus Pflicht waren. Der langjährige Lehrer in St. Christina Ende des 19. Jahrhunderts war Franz Insam. Dieser bekam ein Jahresgehalt von 200 Gulden, war nebenbei Organist und Leiter der Musikkapelle. 1907 wurde Franz Insam zum Ehrenbürger des Dorfes ernannt. Vor dem Ersten Weltkrieg (1912) begann man mit der Erbauung der neuen Volksschule, um die sich der damalige Pfarrer Andrea Pramstrahler verdient machte. In diesen Jahren entstand auch ein erster Kindergarten.Matilde Stuffer Pezzei: Mpue de storia dla scolina de S. Crestina. In: Calënder de Gherdëina 2002, S. 116–118.
Die Umgangssprache der Kinder, das Ladinische, fungierte besonders in den ersten Schuljahren als Vermittlungssprache zum Erlernen der deutschen und italienischen Sprache. Der Stundenplan wies allerdings mehr deutsche als italienische Wochenstunden auf. Das Italienische wurde um die Jahrhundertwende so weit zurückgedrängt und der deutsche Einfluss so übermächtig, dass sich der St. Ulricher Altbürgermeister Franz Moroder bemüßigt fühlte, Flugblätter zu verteilen, in denen er die Bevölkerung aufforderte, „von Jugend an Italienisch zu lernen […] und die Muttersprache zu bewahren“.
Der Erste Weltkrieg Im Ersten Weltkrieg wurden alle wehrpflichtigen Männer St. Christinas zum Kriegsdienst einberufen. Wie aus dem Pfarrarchiv ersichtlich, starben viele der meist sehr jungen Männer in Galizien im Kampf gegen Russland. Mit dem Kriegseintritt Italiens im Mai 1915 musste auch die Südfront verteidigt werden. Die letzten Kriegsjahre forderten viele Opfer an der Dolomitenfront. Insgesamt fielen im Ersten Weltkrieg 52 Männer aus St. Christina.http://www.schule.suedtirol.it/ms-st.christina/projekte/geschichte/ind_gesch.html
St. Christina war ein bedeutender Standort für die Ausbildung der k.k. Bergführerkompanien.
Die Grödner Bahn in St. Christina Im Zuge des Krieges wurde 1915/16 als Heeresfeldbahn im Ersten Weltkrieg in einer Zeit von viereinhalb Monaten von russischen Gefangenen gebaut, um die damals an der dort verlaufenden Front zu Italien stationierten Einheiten mit Material versorgen zu können. Dieses Transportmittel ermöglicht St. Christina später in der Zwischenkriegszeit die Erweiterung des Handels mit einheimischen Waren. St. Christina besaß einen eigenen Bahnhof in der Nähe des heutigen Gemeindeplatzes und des Postamtes. Der Bau der Bahn war ein ästhetischer Einschnitt in die Landschaft St. Christinas: Die Trasse führte über eine Kehre hinauf zur Pfarrkirche, wo ein 203 m langer Kehrtunnel direkt unter das Dorf gebaut wurde. Bis 1960 war der Ort durch die Grödner Bahn mit Klausen verbunden.
Der Zweite Weltkrieg