mini|300px|Kalender des SenenmutKalendereinteilung im astronomischen Deckenbild im Grab des Senenmut († um 1460 v. Chr.), Theben, Grab 353. Eine hochaufgelöste Erfassung steht beim Metropolitan Museum of Art in New York online zur Verfügung. (Abgerufen am 3. November 2021)V28-N5-V28„Neheh“ – Zyklische Zeit, Oberbegriff fürZeiteinheiten der Kalendarischen Zeit Ägyptische Kalender waren solche, die sich hauptsächlich an dem Naturereignis der Nilschwemme orientierten und mit Beobachtungen der Astronomie verknüpften. Im Laufe der Zeit entstanden unterschiedliche Kalenderformate, die teilweise parallel Verwendung fanden.

Grundlagen der Zeitrechnung Den Tagesbeginn markierte im alten Ägypten stets der Sonnenaufgang., Seite 115. Das hat vor allem für den Mondkalender weitreichende Konsequenzen. Die Ereignisse, denen die Tages- und Monatszählung zugrunde lagen, fanden stets vor dem Tag, bzw. Monat statt, durch den sie definiert wurden: Die Nacht, in der der Mond vor Sonnenaufgang zum Neumond wurde, war die letzte des Monats. Der neue Monat begann mit Sonnenaufgang. Der heliakische Aufgang des Sirius fand stets am Ende des Jahres statt. Das neue Jahr begann mit dem folgenden Monatsbeginn. (Siehe Ursprünglicher Mondkalender) Die Ereignisse fielen dabei in der Regel in die 12. Nachtstunde, wobei jede Nacht, genau wie der lichte Tag, stets genau 12 Stunden hatte. Die Länge der Stunden änderte sich mit den Jahreszeiten.

Entwicklung ägyptischer Kalender

Mondkalender

Der Jahresanfang der ägyptischen Kalender war seit frühester Zeit am Eintritt der Nilüberschwemmung ausgerichtet. Die Nilschwemme war vorhersehbar und bezeichnete den Achet als die erste Jahreszeit. Beginn und Ende konnten sich innerhalb eines siderischen Jahres, welches allerdings zunächst unbekannt war, um wenige Tage verschieben. Entscheidend war die Wassermenge, die großen Einfluss auf die Landwirtschaft hatte. Der Nilpegel stieg bei Assuan alle 12 bis 13 Mondzyklen an und erreichte etwa zwei Mondzyklen später seinen Höchststand. Die Flutwelle erreichte das Nildelta etwa zwei Wochen später. Herodot berichtet, dass der Beginn der Nilschwemme zur Zeit der Sommersonnenwende stattfandHerodot, Historien 2. Buch, 19. – das war zu seiner Zeit im 5. Jahrhundert v. Chr. um den 22./23. Juni. Allerdings blieben aufgrund der Nähe zum Äquator die Sonnenwenden zumindest in Oberägypten zunächst weitgehend ohne Beachtung.

Der Beginn der jährlichen Überschwemmungszeit hing stattdessen scheinbar eng mit dem ersten Erscheinen des Sirius (ägypt. Sopdet) am morgendlichen Himmel zusammen. Die Länge eines Jahres war zunächst nicht bekannt. Dauer und Höhe der Nilschwemme waren generell schwankend. So konnte ein Nil-Jahr (beginnend mit der Schwemme) mal 335 und auch mal 415 Tage haben., S. 52, §259. In diese Situation hinein wurde der erste Kalender entwickelt.

Zu Beginn der frühdynastischen Periode existierte noch keine Jahreszählung. Für einen chronologischen Überblick wurden Jahre anhand von Ereignissen identifiziert, die auf Jahrestäfelchen in einer Art Bilderschrift eingeritzt wurden., S. 129.

Als ältester überlieferter Kalender wird dann ein Mondkalender noch aus der frühdynastischen Periode beschrieben. Dessen erster Monat begann stets nach dem heliakischen Aufgang des Sothis mit Sonnenaufgang nach Neumondbeginn. Damit war das Sothisjahr entstanden, das im Mittel mit 365,250015 Tagen in etwa dem julianischen Kalender entsprach. Vergleichbare Kalender waren in Loango und bei Ankunft der Europäer auch in Mexiko, auf Bali und Neuseeland bereits bekannt., S. 31, §152.

Nun hängen klimatische Prozesse nicht vom siderischen, sondern vom tropischen Jahr ab und der Aufgang des Sirius dabei zusätzlich von der Erdpräzession und -nutation. Doch sind die Zeitunterschiede von weniger als einer halben Stunde im Jahr sehr gering. Die Jahreszeiten verschoben sich innerhalb des Sothisjahres im Durchschnitt etwa alle 126 Jahre um einen Tag. Es dauert folglich Jahrhunderte bis sich der Aufgang des Sothis vom Juni bis in den Juli verschoben hatte.

Jahreszeitliche Lage der ägyptischen Monate im gregorianischen KalenderJ. Meeus: Astronomische Algorithmen. u. a. Anwendungen für Ephemeris Tool 4,5. Barth, Leipzig 2000 für: Ephemeris Tool 4,5 nach J. Meeus, Umrechnungsprogramm, 2001.JahreszeitMonatsname (Sothis-Kalender)Datum ElephantineHans Förster: Die Anfänge von Weihnachten und Epiphanias. Tübingen 2007, S. 117–118.Datum Nildelta Jahreszeit: Achet (Überschwemmung)1. Achet I1. Wepet-renpet5. Juni19. Juni1. Achet II1. Techi5. Juli19. Juli1. Achet III2. Menchet4. August18. August1. Achet IV2. Hut-heru3. September17. September Jahreszeit: Peret (Aussaat / Winter)1. Peret I3. Ka-her-ka3. Oktober17. Oktober1. Peret II3. Schef-bedet2. November16. November1. Peret III4. Rekeh-wer2. Dezember16. Dezember1. Peret IV4. Rekeh-nedjes1. Januar15. Januar Jahreszeit: Schemu (Ernte / Sommer)1. Schemu I5. Renutet31. Januar14. Februar1. Schemu II5. Chonsu2. März16. März1. Schemu III6. Chenti-chet1. April15. April1. Schemu IV6. Ipet-hemet1. Mai15. Mai

Verwaltungskalender

Mit der Verwendung des Sothisjahres konnte dann auch die Entwicklung des Verwaltungskalenders ihren Lauf nehmen. Dieser wurde also aus dem frühen, rein auf Beobachtungen basierenden Sothis-Mondkalender heraus entwickelt. S. 56, §281. Dazu wurde das bürgerliche Verwaltungsjahr in 12 Monate mit jeweils 30 Tagen eingeteilt. Nach den zwölf Hauptmonaten folgten Epagomenen (Zusatztage) als Jahresverlängerung. Die Gesamtzahl der Tage im Verwaltungskalender betrug damit 365 Tage, von denen zunächst nur 360 als zum Jahr gehörig galten., 1. Absatz.

Nachdem dieser Kalender seine endgültige Form als Wandeljahrkalender mit einer gleichbleibenden Jahreslänge von 365 Tagen (ohne Schalttage) gefunden hatte, wurde später durch Langzeitbeobachtung ein Zeitraum von 1460 Jahren ermittelt, nach dessen Ablauf der Jahresbeginn im Mondkalender wieder auf denselben Tag im Verwaltungskalender fiel.F. K. Ginzel: Handbuch der mathematischen und technischen Chronologie. Leipzig 1906, § 39A. B. Chace: The Rhind Mathematical Papyrus. Band 1, Mathematical Association of America (MAA) / Oberlin, Ohio 1927, S. 44 ff.M. F. Ingham: The Length of the Sothic Cycle. In: The Journal of Egyptian Archaeology. Band 55, 1969, S. 36. Dieser Zeitraum wird als Sothis-Zyklus (1424 bzw. 1460 Jahre) bezeichnet.

Ptolemaios III. reformierte im Jahr 237 v. Chr. den Verwaltungskalender (Kanopus-Dekret) durch die Einführung eines Schalttages, der alle vier Jahre als sechster Heriu-renpet-Tag zusätzlich zum Normaljahr eingeschoben wurde. Mit dem Tod von Ptolemaios III. endete aber auch wieder die Verwendung dieses neuen „griechischen“ Kalenders, der Verwaltungskalender wurde wie zuvor ohne Schalttage fortgeführt.

Tagewählkalender

Neben dem Mond- und dem Verwaltungskalender gab es noch einen „Tagewählkalender“, der überhaupt nicht in Monate einteilte. Mit ihm sollte auf mythologischer Basis entschieden werden, ob eine Zeit für irgendeinen Zweck geeignet sei.

Die „Hypothese des 19. Juli“ Die Nilschwemme erreichte bis zum Bau des Assuan-Staudammes 1902 seit jeher etwa zur Zeit der Sommersonnenwende (19. bis 23. Juni) das Nildelta; in Elephantine/Assuan nach wie vor sogar schon Anfang Juni. Die meist veröffentlichte Gleichsetzung des Einsetzens der Nilschwemme um den 19. Juli ist älteren Publikationen entnommen und widerspricht den tatsächlichen Gegebenheiten. Der oft als 19. Juli genannte Neujahrstag der Ägypter geht unter anderem auf die Veröffentlichungen von Eduard Meyer und Censorinus zurück, die den im Jahr 139 n. Chr. erfolgten heliakischen Aufgang des Sirius am 19./20. Juli im Nildelta als Grundlage wählten. Meyer übertrug den 19. Juli als festes Datum in den proleptischen Kalender, den er wiederum für seine Chronologie des Alten Ägypten verwendete.

Die Annahme von Censorinus, dass „das große Jahr“ der Ägypter an den 19. Juli gekoppelt war, wurde durch zusätzlich ermittelte astronomische Daten zwischenzeitlich widerlegt. Dennoch werden noch zumeist die Ausführungen der antiken Historiker zur Berechnung des Sothis-Zyklus und des Neujahrtages genannt. Unter anderem wies der Ägyptologe Rolf Krauss auf die alte Veröffentlichungspraxis hin: „Das Märchen eines Sothis-Zyklus von 1.460 julianischen Jahren mit dem seit Urzeiten konstanten Aufgangstag 19. Juli ist als eine willkürlich geschaffene falsche Konstruktion erwiesen“.Rolf Krauss: Sothis- und Monddaten.... Hildesheim 1985, S. 54. Aufgrund der Präzession war Sirius im Laufe der ägyptischen Geschichte um mehr als einen Monat auf den 19. Juli im Jahr 139 n. Chr. gewandert und hatte seinen heliakischen Aufgang in jenem Jahr einen Monat nach der einsetzenden Nilschwemme.

Spätformen des Verwaltungskalenders Der julianische Kalender löste 45 v. Chr. im römischen Reich den zuvor geltenden römischen Kalender ab. Im Jahr 45 v. Chr. lag der astronomische Frühlingsanfang im julianischen Kalender auf dem 22. März und entsprach dem 20. März im heutigen gregorianischen Kalender.

Im ägyptischen Verwaltungskalender war die Einfügung eines Schalttages im Jahr 26 v. Chr. möglich, da die astronomische Konstellation eine Verschiebung des Sirius-Aufgangs in MemphisDie Beobachtungen und Aufzeichnungen des heliakischen Aufgangs bezogen sich während der Ptolemäerzeit auf Memphis. vom 24. Epiphi auf den 25. Epiphi 25 v. Chr. signalisierte.Erst eine Sirius-Altitude von etwa 8,5° zum Zeitpunkt des Sonnenaufgangs macht bei idealen Sichtbedingungen den Aufgang des Sirius für das menschliche Auge wahrnehmbar. Quelle: MPIA Ulrich Bastian, Axel M.Quetz. Daher führte der römische Kaiser Augustus in der neuen römischen Provinz Aegyptus ab dem Jahr 26 v. Chr. – wie zuvor schon Ptolemaios III. – im ägyptischen Verwaltungskalender erneut alle vier Jahre ein Schaltjahr ein.Das genaue Umstellungsjahr ist in keiner heute noch erhaltenen zeitgenössischen Quelle vermerkt, aber nur das Jahr 26 v. Chr. stimmt mit der astronomischen Berechnung des heliakischen Aufgangs des Sirius überein. Vergleiche dazu auch Jürgen Malitz: Die Kalenderreform Caesars. Ein Beitrag zur Geschichte seiner Spätzeit. In: Ancient Society. Band 18, 1987, S. 103–131. Dieses Datum wird bestätigt durch die Angaben von Vettius Valens (Anthologiae I, 9) in seiner Berechnung des Wochentags seines eigenen Geburtsdatums. Der sechste Epagomenen-Tag verhinderte dadurch die Verschiebung auf den 25. Epiphi im darauf folgenden Jahr. So ergab sich zunächst der 28. August 25 v. Chr. als ägyptischer Neujahrstag 1. Thot.

Statt des vorgesehenen Vierjahresintervalls im julianischen Kalender wurden nach 45 v. Chr. jedoch irrtümlich alle drei Jahre ein Schalttag eingesetzt, was dazu führte, dass sich nach der Umstellung durch Augustus der heliakische Aufgang des Sirius im julianischen Kalender wiederholt verschob. Die fehlerhaften Schaltungen korrigierte Augustus später durch eine Umstellung auf den vierjährigen Schaltjahreszyklus und schaltfreie Jahre.Das ägyptische Schaltjahr erfolgte ab 5 n. Chr. immer direkt vor dem julianischen sowie proleptisch dem gregorianischen Schaltjahr; vgl. dazu Jahr null sowie Hans Lietzmann, Kurt Aland: Zeitrechnung der römischen Kaiserzeit, des Mittelalters und der Neuzeit für die Jahre 1 – 2000 n. Chr., de Gruyter, Berlin 1984, S. 81–82. Der heliakische Aufgang des Sirius war danach am 18. Juli und der ägyptische Neujahrstag am 29. oder 30. August, ehe sich der Sirius-Aufgang in Memphis wegen der Eigenbewegung des Sirius – wie ein ägyptischer Schreiber 139 n. Chr. vermerkte – um einen Tag auf den 19. Juli im julianischen Kalender verschob.