mini|310px|Ansicht von Westen mit dem Panorama Museum auf dem Schlachtberg Bad Frankenhausen/Kyffhäuser ist eine Stadt im thüringischen Kyffhäuserkreis und staatlich anerkannter Kurort mit der Artbezeichnung Soleheilbad. Die Kleinstadt hat etwa 10.000 Einwohner.

Geografie Die Kleinstadt liegt am Südhang des Kyffhäusergebirges, auf Sedimenten des Zechstein, in einer Höhe zwischen 130 und 190 Meter über Normalnull, über der lössbedeckten Diamantenen Aue. Der Zechsteinuntergrund enthält auch Kali- und Steinsalze. In der Frankenhäuser Saline wurden täglich 250 Tonnen Steinsalz produziert.

Stadtgliederung Zu Bad Frankenhausen gehören die Ortsteile Esperstedt (im Osten), Ichstedt (im Nordosten), Ringleben (im Osten), Seehausen (im Süden) und Udersleben (im Nordosten).

Geschichte Vorgeschichtliche Zeit Durch Ausgrabungen wurden erste Besiedlungen in der Talaue zwischen Kyffhäuser und Hainleite vor etwa 10.000 Jahren nachgewiesen. Mit der Kattenburg schützten sich die Bewohner etwa zwei Kilometer nordwestlich vor Frankenhausen am Südrand des Kyffhäusergebirges in Ernstfällen.Michael Köhler: Thüringer Burgen und befestigte vor- und frühgeschichtliche Wohnplätze. Jenzig-Verlag, 2001, ISBN 3-910141-43-9, S. 153.

Einer der bemerkenswertesten vorgeschichtlichen Kultplätze Thüringens, die Schuchardshöhlen auf dem Kosackenberg, befindet sich etwa zwei Kilometer nordwestlich der Stadt. Diese Opferstätte wurde über vier prähistorische Epochen von der Jungsteinzeit bis zur älteren Eisenzeit genutzt.Michael Köhler: Heidnische Heiligtümer. Jenzig-Verlag, 2007, ISBN 978-3-910141-85-8, S. 190–192. Die Opfergaben wurden in schwer zugänglichen Felsspalten deponiert. Um 1950 wurden die Höhlen archäologisch untersucht.

Fränkische Siedlungszeit bis zum Beginn der Frühen Neuzeit Der Ort Frankenhausen wird erstmals im 9. Jahrhundert in Urkunden des Fuldaer Klosters als fränkische Siedlung genannt. Im Südosten der Unterstadt stand die Wasserburg Frankenhausen und sicherte die Stadt zum Vorland ab. Es wird angenommen, dass vorher ein befestigter fränkischer Hof (Franconhus) den Platz einnahm, denn der Hof ist 998 in einer Königsurkunde erwähnt worden. Reste der Burg haben sich im Terrassenbau des folgenden Schlosses erhalten. Der Wohnturm mit integriertem Rundturm der Oberburg, genannt Hausmannsturm, war geschickt in die Stadtmauer einbezogen. Diese Oberburg soll im 12. Jahrhundert errichtet worden sein. Mit der Burg sollten die Salzquellen gesichert werden.Michael Köhler: Thüringer Burgen und befestigte vor- und frühgeschichtliche Wohnplätze. Jenzig-Verlag, 2001, ISBN 3-910141-43-9, S. 102 und 130.

Seit dem 11. Jahrhundert unterstand die Herrschaft dem Haus Weimar-Orlamünde, seit Anfang des 13. Jahrhunderts übten die Grafen von Beichlingen die Herrschaft aus. 1340 erwarb der Graf von Schwarzburg die seit 1282 mit Stadtrechten versehene Ortschaft. Durch Erbteilung bedingt wurde Frankenhausen von 1571 bis 1594 Sitz der Linie Schwarzburg-Frankenhausen. 1599 kam die Herrschaft durch Erbfall an die Grafen von Schwarzburg-Rudolstadt und wurde bis 1918 Hauptort der zuletzt als Landratsamtsbezirk bezeichneten Unterherrschaft des Fürstentums Schwarzburg-Rudolstadt.Gerhard Köbler: Historisches Lexikon der deutschen Länder. Die deutschen Territorien vom Mittelalter bis zur Gegenwart. 7., vollständig überarbeitete Auflage. C.H. Beck, München 2007, ISBN 978-3-406-54986-1, S. 648.

Schauplatz des Deutschen Bauernkrieges mini|Weg zum Weißen Berg, auch „Blutrinne“ genannt, in Bad Frankenhausen mini|Schlachtfeld am Weißen Berg in Bad Frankenhausen

1525 fand auf dem Schlachtberg am Nordrand der Stadt als die letzte große Schlacht des Deutschen Bauernkrieges die Schlacht bei Frankenhausen statt. Der revolutionäre Theologe Thomas Müntzer war der geistige Anführer und priesterliche Beistand der Bauern und wurde nach deren Niederlage gefangen genommen. Die Bauern hatten 6000 Todesopfer zu beklagen. Der Weg hinauf zum Schlachtberg heißt noch heute „Blutrinne“. Das Bauernkriegspanorama, entstanden von 1976 bis 1989, erinnert an die Ereignisse.

17. bis 19. Jahrhundert mini|Franckenhausen auf einem Merian-Stich von 1650

Im Jahr 1650 wurde zum ersten Mal eine Neigung des Turms der im 14. Jahrhundert gebauten Oberkirche erwähnt. 1701 ließen sich in Frankenhausen die ersten Knopfmacher nieder. 1799 eröffnete Wilhelm Gottlieb Manniske das erste Krankenhaus. 1818 wurde das erste Kurhaus Manniskes gebaut, in dem die seit 998 zur Salzgewinnung genutzte Solquelle für Heilzwecke genutzt wurde. 1831 wurde die erste Fabrik für Perlmuttknöpfe durch August Zierfuß gegründet und damit eine Grundlage für die weitere industrielle Entwicklung geschaffen. Zu dieser Zeit hatte die Stadt etwa 4200 Einwohner. 1879 eröffnete Minna Hankel das erste Kinderkurheim für scrophulöse KinderVolker Klimpel: Minna Hankel. In: Hubert Kolling (Hrsg.): Biographisches Lexikon zur Pflegegeschichte „Who was who in nursing history“. Band 4. Elsevier, München 2008, S. 131+132. an der Kleinen Wipper.

1896 wurde das Kyffhäuser Technikum – Polytechnisches Institut zur Ausbildung in Landwirtschafts- und Elektrotechnik eröffnet, dort wurde 1908 von dessen Leiter, Professor Sigmund Huppert (1871–1945), ein erster Vortrag über Flugzeugbau gehalten. der Geschichte auf der Website der Stadt; abgerufen am 22. November 2018.Prof. Ing. Sigmund Huppert – ein jüdischer Hochschuldozent zwischen Lehre und Antisemitismus 1902 bis 1931, Information auf der Website des Regionalmuseums Bad Frankenhausen, abgerufen am 23. November 2018. Das Technikum befand sich zunächst in freier Trägerschaft und bildete zeitweilig bis zu 600 Studierende aus vielen Ländern und unterschiedlicher Religionsangehörigkeit aus. Finanzielle Schwierigkeiten führten 1932 zur Übernahme durch die Stadt, es bestand bis 1946.Das „Kyffhäuser-Technikum“ – Schmelztiegel der Religionen. Information auf der Website des Regionalmuseums Bad Frankenhausen; abgerufen am 23. November 2018. Am Ende des 19. Jahrhunderts erhielt die Stadt Bahnanschluss an die Kyffhäuserbahn, zunächst 1894 nach Bretleben und 1898 nach Sondershausen. Mit dem Bahnanschluss bekam die Solebadekur – in hölzernen Badezubern – Auftrieb.

20. und 21. Jahrhundert mini|Frankenhausen um 1900 mini|Geschlossener Thüringer Hof mini|Zustand Bornstraße 1982 mit Westantennen mini|Frankenhausen heute

Am 5. April 1927 erhielt die Stadt die offizielle Bezeichnung Bad Frankenhausen (Kyffh.). 1938 wurde dort das erste Solefreibad in Thüringen eröffnet. Mitte der 1930er Jahre wurden Eisenringe um den schiefen Turm der Oberkirche gelegt und am Kirchenschiff verankert. Besonders verdient machte sich um diese Arbeiten der Dresdener Statik-Professor Georg Rüth, der bei den Bombenangriffen auf Dresden 1945 ums Leben kam.

In der Zeit des Nationalsozialismus waren im Wilhelmstift behinderte Menschen untergebracht. 1940 wurden 50 und 1941 noch einmal 35 im Rahmen des Euthanasie-Tötungsprogramms abtransportiert. Zum Andenken an die in die östlichen Vernichtungslager deportierten Juden ließ die Stadt 1970 im Napptal einen Gedenkstein errichten. Während des Zweiten Weltkrieges mussten hunderte Kriegsgefangene sowie Frauen und Männer aus den besetzten Ländern Zwangsarbeit leisten, und zwar auf dem Staatsgut Georg Gremels, in der Rosenmühle, bei Schuhmachermeister Th. Wachsmuth, in den Feinmechanischen Werkstätten Rusch & Co. und auf Bauernhöfen in Udersleben. 17 infolge der Zwangsarbeit Verstorbene wurden später nach Sondershausen umgebettet. Nur noch ein Grab auf dem Friedhof am Uderslebener Weg erinnert an sie.Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten und Studienkreis deutscher Widerstand 1933–1945 (Hrsg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933–1945. In: Heimatgeschichtliche Wegweiser. Band 8: Thüringen. Erfurt 2003, ISBN 3-88864-343-0, S. 167 f.

Beim Anrücken der amerikanischen Truppen des 52nd Infantry Regiment AIB (Armor Infantry Battalion), 9th Armored Division („Ready Rifles“), Company C, unter dem Kommando von Captain Samuel S. Wortham auf Bad Frankenhausen am 11. April 1945 wurde ein US-Panzer von der Panzerfaust eines Volkssturmmanns getroffen und der Kommandant Wortham schwer verwundet.After action report, 52nd Armored Infantry Battalion, 9th Armored Division, 20 Oct 44 thru 8 May 45, 1–30, April 1945 (PDF) US Army, Combined Arms Research Library Digital Library, S. 42 (englisch).Ingrid Mansel, Bad Frankenhausen: Schicksalstage unserer Stadt – Kriegsende 1945. Daraufhin wurden vierzehn Volkssturmmänner im Kampf, auf der Flucht oder beim Versuch, sich zu ergeben, erschossen. Sie ruhen in einem am 18. April angelegten Gemeinschaftsgrab auf dem Friedhof der Stadt, gemeinsam mit acht gefallenen Soldaten und später zugebetteten vier erschossenen Deserteuren.Jürgen Möller: Der Kampf um Nordthüringen im April 1945. Rockstuhl-Verlag, Bad Langensalza 2010, ISBN 978-3-86777-212-9, S. 118–120.

Anfang Juli 1945 übergaben die US-Truppen die Stadt, wie ganz Thüringen, an die Rote Armee. Damit wurde Bad Frankenhausen Teil der SBZ und ab 1949 der DDR.

In den 1980er Jahren waren viele Häuser wie am Anger renovierungsbedürftig. Der Thüringer Hof war geschlossen und verfiel.

Eine DDR-typische Besonderheit der 1970er und 1980er Jahre waren die „Westantennen“ zum Empfang des „Westfernsehens“. Mit „Westantennen“ wurden Fernsehantennen bezeichnet, die vorwiegend zum Empfang der westdeutschen Programme ARD und ZDF dienten. Wenn die Empfangsbedingungen für die Fernsehsender einigermaßen günstig waren, dann waren mitunter Mengen solcher Antennen auf den Dächern zu finden. Diese Yagiantennen waren auf den Sendeturm Söhrewald südlich von Kassel ausgerichtet. Der Turm steht in 485 m Höhe und ist 148 m hoch. Die Entfernung Luftlinie bis Bad Frankenhausen-Bornstraße beträgt 105 km. Die auf dem Foto von 1982 abgebildeten Antennen besaßen zahlreiche Direktoren vor dem Dipol und wurden als Langyagiantennen bezeichnet. Damit bestanden gute Empfangsbedingungen bei nahezu allen Wetterlagen.

Die DDR-Zeit (1949–1990) hat in der Stadt ansonsten wenig Spuren hinterlassen, sieht man von den üblichen Verfallserscheinungen an der alten Bausubstanz im Ortskern ab; die Baulücken wurden inzwischen mit maßstäblicher Architektur weitgehend geschlossen.

Nach der Wende gründete sich im Jahr 1992 wieder ein Förderverein Oberkirche zur Stabilisierung des Turms.

1998 wurde die Kyffhäuser-Therme eröffnet.

Mit der Einstellung des Verkehrs auf der Kyffhäuserbahn zwischen Bretleben und Sondershausen verlor die Stadt im Dezember 2006 ihren Bahnanschluss.

2007 wurde die Stadt zum staatlich anerkannten Kurort mit der Artbezeichnung Soleheilbad.

Eingemeindungen Am 1. Dezember 2007 wurde Esperstedt mit seinen 648 Einwohnern nach Bad Frankenhausen eingemeindet.Artbezeichnung siehe: Gebietsänderungen vom 1. Januar bis 31. Dezember 2007 (Jahr) (XLS; 364 kB) Destatis.de

Am 1. Januar 2019 wurden Ichstedt und Ringleben aus der aufgelösten Verwaltungsgemeinschaft Mittelzentrum Artern nach Bad Frankenhausen eingemeindet.Thüringer Gesetz- und Verordnungsblatt, Nr. 14/2018 (PDF; 1,7 MB) abgerufen am 20. Mai 2019

Einwohnerentwicklung seit 1994 Entwicklung der Einwohnerzahl (31. Dezember): 1994: 9.730 1995: 9.834 1996: 9.768 1997: 9.661 1998: 9.542 1999: 9.472 2000: 9.432 2001: 9.233 2002: 9.132 2003: 8.978 2004: 8.809 2005: 8.775 2006: 8.706 2007: 9.292 2008: 9.097 2009: 9.000 2010: 8.962 2011: 8.677 2012: 8.677 2013: 8.672 2014: 8.734 2015: 8.792 2016: 8.975 2017: 8.893 2018: 8.844 2019: 10.319* 2020: 10.019 2021: 9.951 2022: 9.806 2023: 9.855 2024: 9.715 * ab 2019 vergrößerte Stadt Bad Frankenhausen

Politik Stadtrat Nach der Kommunalwahl vom 26. Mai 2024 mit einer Wahlbeteiligung von 62,3 % setzt sich der Stadtrat Frankenhausens wie folgt zusammen:Gemeinderatswahl 2024 in Thüringen – endgültiges Ergebnis für Bad Frankenhausen/Kyffhäuser, abgerufen am 10. August 2024