Die Kleinstadt Artern (bis 2018 Artern/Unstrut) ist eine Landgemeinde im thüringischen Kyffhäuserkreis. Die an der Unstrut gelegene Stadt befindet sich im äußersten Nordosten des Landes an der Grenze zu Sachsen-Anhalt. mini|hochkant=1.4|Blick von der Hohen Schrecke auf Artern (2010)

Geographie Artern liegt an einem Bogen der Unstrut, die die Stadt von Südwesten nach Südosten durchfließt. Unterhalb von Artern mündet die Helme in die Unstrut ein. Bedingt durch die Lage an diesen Flüssen ist das Gebiet um Artern sehr flach und fruchtbar. Umgeben ist das Becken zwischen Goldener und Diamantener Aue von Gebirgen, nämlich dem Harz im Norden, dem Kyffhäuser im Westen, Hoher Schrecke im Süden und einem weiteren Höhenzug im Osten. An diesen regnen die meisten Wolken sich ab, bevor sie Artern erreichen. Artern ist deshalb eine der trockensten und wärmsten Gegenden in Thüringen.Klimadiagramm von Artern Der Jahresniederschlag liegt bei nur 457 mm; die Durchschnittstemperatur bei 8,5 °C. Mit 30 mm Sommer-Niederschlag war Artern 2018 die dritt-trockenste Wetterstation des Deutschen Wetterdienstes in Deutschland.Mirko Krüger: Der trockenste Ort Deutschlands. In: Thüringer Allgemeine. 4. September 2018. 2018 fielen in Artern nur 273 Millimeter Niederschlag, kaum mehr als in der mongolischen Steppenstadt Ulan-Bator. Während der Hitzewelle in Deutschland 2019 war es ähnlich.zeit.de: Die Wettervorhersage

Die von Johann Gottfried Borlach um 1733 gegründete Saline Artern wurde im 20. Jahrhundert geschlossen. Die Solequelle (Salzgehalt 2,25 %) speist bis heute das Soleschwimmbad und den Solgraben. Der Solgraben ist ein kleines Naturschutzgebiet, in dem sich eine Flora angesiedelt hat, die einer Küstenflora ähnelt.

Stadtgliederung Die Altstadt von Artern liegt auf der Nordseite der Unstrut. Sie besteht aus zwei Siedlungskernen: der Stadt Artern im Westen und dem Dorf Artern im Osten. Sie wurden erst 1832 vereinigt. Seit dem 19. Jahrhundert wuchs die Stadt vor allem nach Osten zum Bahnhof, wo das Hauptindustriegebiet entstand. Später dehnte sie sich nach Norden entlang der Straße nach Sangerhausen aus, wo um den Westbahnhof ein zweites Industriegebiet entstand.

Artern gliedert sich in die Ortsteile Artern (mit Kachstedt), Heygendorf (mit Schaafsdorf), Schönfeld und Voigtstedt.Hauptsatzung der Stadt Artern vom 7. März 2019, aufgerufen am 7. November 2022

Klimatabelle

Geschichte Zu Beginn des 9. Jahrhunderts wurde Artern in einem Verzeichnis der Güter des vom Erzbischof Lullus († 786) von Mainz erbauten Klosters Hersfeld als „Aratora“ urkundlich erwähnt. Die Wasserburg Artern wurde wohl schon ab dem 10. Jahrhundert erbaut. Sie diente der Sicherung des Unstrutübergangs zur Thüringer Pforte und in Richtung Schmücke und Sangerhausen. 1252 wurde ein „Ulrich von Artern“ genannt, der sicher mit der Wasserburg verbunden war. 1346 wurden die Erzbischöfe von Magdeburg Lehnsherren. Im 16. Jahrhundert baute man die Burg als Schloss um. Dieser Bau wurde im 18. Jahrhundert größtenteils abgerissen.Michael Köhler: Thüringer Burgen und befestigte vor- und frühgeschichtliche Wohnplätze. Jenzig-Verlag, 2001, ISBN 3-910141-43-9. Jetzt steht dort ein Bankgebäude.

mini|hochkant=1.1|Luftbild von Artern, vor 1925

Die Marienkirche wurde 1200 gebaut, die Veitskirche folgte 1250. Die Arterner Burgsiedlung erhielt 1323 das Stadtrecht. Artern erhielt 1463 eine eigene Gerichtsbarkeit. Die Stadt Artern gehörte nach einem Gebietstausch im Jahre 1579 zum Kurfürstentum Sachsen. Die Stadt wurde 1683 vollständig, das Dorf teilweise durch ein Feuer zerstört. Vom Bergingenieur Johann Gottfried Borlach wurde von 1728 bis 1733 eine neue, technisch verbesserte Saline errichtet. Georg Friedrich Philipp von Hardenberg, der sich als Dichter Novalis nannte, war Inspektor der Saline in Artern und hat bei Besuchen im Jahre 1799 in der Stadt Chroniken gefunden, die er für seinen Roman Heinrich von Ofterdingen als Grundlage nahm. Die Landschaft um Artern spiegelt sich vielfach im Roman.Nachwort in Novalis: Heinrich von Oferdingen, Reclam Verlag, Stuttgart 1969, S. 229 Artern kam 1815 unter preußische Herrschaft und wurde in die Provinz Sachsen eingegliedert. Stadt und Dorf von Artern wurden 1832 vereint. Im Stil des Neobarock wurde das Rathaus 1906 neugebaut und 1993/94 saniert.

Für die Rechtsprechung in Artern bestand von 1849 bis 1879 die Gerichtskommission Artern des Kreisgerichts Sangerhausen. 1879 wurde stattdessen das Amtsgericht Artern geschaffen. In der DDR wurden 1952 die Amtsgerichte aufgehoben und einheitlich Kreisgerichte gebildet. Entsprechend entstand das Kreisgericht Artern im Bezirk des Bezirksgerichtes Halle. Mit dem Thüringer Gerichtsstandortgesetz wurden 1993 die Kreisgerichte aufgehoben und wieder Amtsgerichte geschaffen. Das so geschaffene Amtsgericht Artern wurde am 1. April 2006 aufgehoben.

Zweiter Weltkrieg: 47 Kriegsgefangene aus Polen und Frankreich mussten ab 1939/40 in örtlichen Unternehmen Zwangsarbeit verrichten: auf dem Rittergut Weidlich, auf der Domäne und bei den Unstrutwerken. Über 400 ausländische Zwangsarbeiter waren 1941 in der Maschinenfabrik Kyffhäuserhütte beschäftigt. Hinzu kamen mindestens 1124 ausländische Zwangsarbeitskräfte, vorwiegend aus der Sowjetunion, die in der Zuckerfabrik, in der Brauerei, in der Saline, bei der Reichsbahn, in der Landwirtschaft (auch im Ortsteil Schönfeld) und im Vorwerk Kachstedt Zwangsarbeit leisten mussten. 1944 befand sich in Artern das Lager Rebstock neu des KZ Buchenwald. Im Außenlager Artern mit dem Decknamen A-Dorf des KZ Mittelbau-Dora mussten 1944 hunderte Häftlinge, auch aus anderen Lagern kommend, die Elektrik für V2-Raketen montieren. Im April 1945 wurden hunderte KZ-Häftlinge auf verschiedenen Routen auf einen Todesmarsch geschickt. Die zahlreichen Todesopfer der Zwangsarbeit und der letzten Deportationen wurden auf dem Parkfriedhof beigesetzt, woran ein Gedenkstein erinnerte, der 1975 entfernt wurde.Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten und Studienkreis deutscher Widerstand 1933–1945 (Hrsg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933–1945 (= Heimatgeschichtliche Wegweiser. Band 8: Thüringen.) Erfurt 2003, ISBN 3-88864-343-0, S. 166.

Um den 12. April 1945 wurde Artern von US-Truppen besetzt, im Juli von der Roten Armee. Damit wurde es Teil der SBZ und somit ab 1949 der DDR.

Von 1952 bis 1994 war Artern Kreisstadt des Kreises Artern im Bezirk Halle, der aus Teilen der verkleinerten Landkreise Sangerhausen, Sondershausen und Querfurt sowie des aufgelösten Landkreises Kölleda gebildet wurde. 1994 wurde der Kreis Artern mit dem Kreis Sondershausen zum Kyffhäuserkreis mit Sitz in Sondershausen vereinigt. Als Ersatz für den Verlust des Kreisstadtstatus erhielt Artern die zentrale Bußgeldstelle Thüringens.

1998 wurde die 1990 in Barbarossa-Brauerei umbenannte ehemalige Vereinsbrauerei Artern endgültig geschlossen.hwph.de In den Jahren 2002/2003 produzierte die Endemol-Produktion dort für das MDR Fernsehen die Doku-Soap Artern – Stadt der Träume, welche vom 6. Februar bis zum 25. Dezember lief und das Leben der Menschen in der Stadt mit der höchsten Arbeitslosigkeit in Thüringen dokumentierte. Zeitweilig sprach die Presse (Der Spiegel, Der Standard, Wien) von einer ostdeutschen „Truman Show“.

Eingemeindungen Schönfeld wurde am 17. November 1995Destatis.de: Gebietsänderungen vom 01. Januar – 31. Dezember 1995 (Jahr) (XLS-Datei; 142 kB). eingemeindet.

Am 1. Januar 2019 schlossen sich die Stadt Artern/Unstrut und die Gemeinden Heygendorf und Voigtstedt zur neuen Stadt und Landgemeinde Artern zusammen. Zugleich wurde die Verwaltungsgemeinschaft Mittelzentrum Artern, deren Sitz Artern/Unstrut war, aufgelöst und Artern wurde erfüllende Gemeinde für die übrigen Mitgliedsgemeinden Borxleben, Gehofen, Kalbsrieth, Mönchpfiffel-Nikolausrieth und Reinsdorf.

Einwohnerentwicklung Entwicklung der Einwohnerzahl (1960 und ab 1989 jeweils zum 31. Dezember): 1612: 242 Hauswirte 1831: 2.640 1840: 2.923 1860: 4.300 1880: 4.629 1890: 4.790 1900: 5.090 1933: 5.889 1939: 6.366 1960: 7.296 1970: 7.095 1989: 7.280 1994: 7.064 1995: 7.269 1996: 7.157 1997: 7.069 1998: 7.067 2000: 6.848 2001: 6.732 2002: 6.580 2003: 6.424 2004: 6.344 2005: 6.201 2006: 6.165 2007: 5.970 2008: 5.867 2009: 5.824 2010: 5.715 2011: 5.742 2012: 5.707 2013: 5.658 2014: 5.553 2015: 5.590 2016: 5.533 2017: 5.418 2018: 5.415 2019: 6.688* 2020: 6.597 2021: 6.538 2022: 6.559 2023: 6.476 2024: 6.462 Datenquelle ab 1994: Thüringer Landesamt für Statistik * ab 2019 neugebildete Stadt Artern

Politik

Stadtrat Der Stadtrat von Artern wurde bei der Kommunalwahl am 26. Mai 2024 neu gewählt. Das nebenstehend dargestellte Ergebnis führte zu folgender Sitzverteilung: mini|hochkant|Das Rathaus

Partei / Liste Sitze +/− Parteiunabhängige Bürger (PUB) 7 + 4 Die Linke 4 − 2 CDU 4 − 1 SPD 2 ± 0 Frauen und Sport (F/S) 2 ± 0 Die Heimat 1 ± 0 Sportverein Heygendorf e. V. (SV) n.k. − 1

Bürgermeister Bei den Bürgermeisterwahlen am 27. April 2025 setzte sich Wolfgang von Eye (Parteiunabhängige Bürger (PUB)) mit 70,9 % gegen den Amtsinhaber Torsten Blümel durch.Bürgermeisterwahlen am 27. April 2025 in Thüringen Thüringer Landesamt für Statistik, abgerufen am 13. Mai 2025.

Liste der Bürgermeister der Stadt seit dem Jahr 1994:

Wappen Blasonierung: „In Blau zwei senkrecht stehende, nach außen gebogene silberne Radfelgenstücke.“

Das Wappen von Artern wurde auf Grund historisch belegter Umstände angenommen. Zugleich wurde damit die bis dahin bestehende Unsicherheit über das zutreffende Stadtwappen und seine Aussagekraft beseitigt. In der angegebenen Gestalt hatte sich das Wappen in einem Quaderkalkstein eingehauen am alten Rathaus befunden, das 1906 durch einen Neubau ersetzt wurde. Im Jahr 1850 war der Stein, bis dahin von Putz bedeckt, freigelegt worden. Es ist das Wappen des Ministerialengeschlechtes von Hake, das in Artern und Umgebung Lehnsbesitz hatte. Der anfänglich geführte Streit darüber, ob es Regenbogen, Mondsicheln oder Radfelgen zeigt, ist zugunsten der letzteren entschieden worden, denn Radfelgen passen aussagekräftig zu der am Rande der Goldenen Aue liegenden Stadt, die als Siedlung schon sehr früh, im 8. Jh., im Hersfelder Zehntverzeichnis als Aratora genannt wird; der Ortsname könnte von dem mittelhochdeutschen Wort art = Ackerbau abgeleitet werden.Arbeitsgemeinschaft Thüringen e. V. (Hrsg.): Neues Thüringer Wappenbuch. Band 2, 1998, ISBN 3-9804487-2-X, S. 22.

Städtepartnerschaften Die Stadt hat drei Partnerstädte: Einbeck in Niedersachsen (seit 2. Juli 1990) Topoľčany in der Slowakei (seit 1982, am 2. Oktober 1992 erneuert) Mazingarbe in Frankreich (seit 11. Mai 1996)

Kultur und Sehenswürdigkeiten Bauwerke

St.-Veits-Kirche aus dem 13. Jahrhundert Als eines der ältesten gebliebenen mittelalterlichen Bauwerke der Stadt präsentiert sich die St.-Veits-Kirche im Norden der Arterner Altstadt. Der Bau in seinem jetzigen Aussehen stammt aus der Mitte des 13. Jahrhunderts und fällt somit in die späte Romanik bzw. Frühgotik. Sehenswert sind hier der Kirchturm, der sich über der Vierung der Seitenschiffe befindet und der kreuzförmige Grundriss der Kirche. Bis in die Zeit der Reformation wurde die Veitskirche von den Bewohnern sakral genutzt.