alt=|mini|Ortsteile von Tecklenburg
Tecklenburg (ostwestfälisch Tiäkenbuorch) ist eine Kleinstadt im Kreis Steinfurt im Norden von Nordrhein-Westfalen. Sie liegt südwestlich von Osnabrück am Teutoburger Wald. Sehenswert ist der Stadtkern mit vielen Fachwerkhäusern. Tecklenburg liegt in der nach ihr benannten Region Tecklenburger Land (Kreis Steinfurt) im nördlichen Westfalen. Der Name lässt sich auf die in Tecklenburg befindliche Burg Tecklenburg und ihre Burgherren aus dem Grafenhaus Tecklenburg zurückführen. Des Weiteren war Tecklenburg einst Regierungssitz der Grafschaft Tecklenburg und später Verwaltungssitz des ehemaligen Kreises Tecklenburg.
Der weithin sichtbare historische Stadtkern ist, gemeinsam mit den Sichtachsen auf den Stadtkern sowie seiner Silhouette, denkmalgeschützt. Weitere denkmalgeschützte Baudenkmäler sind in der Liste der Baudenkmäler in Tecklenburg enthalten.
Geographie Ein Großteil der Kernstadt Tecklenburg liegt auf dem Bergrücken des Teutoburger Waldes. Nordwestlich der Stadt befindet sich der Staatsforst Sundern mit dem 149 Meter hohen Proll.
Stadtgliederung mini|hochkant|Tecklenburg, Blick auf einen Teil des Stadtkernes mini|Das Leinenweberhaus von 1693 ist ein typisches Tecklenburger Fachwerkhaus Das Stadtgebiet der Stadt Tecklenburg umfasst insgesamt vier Stadtteile: Tecklenburg Brochterbeck (mit den Bauerschaften Oberdorf, Niederdorf, Holthausen, Wallen-Lienen und Horstmersch) Ledde (mit den Bauerschaften Danebrock, Oberbauer und Wieck) Leeden (mit den Bauerschaften Loose und Oberberge)
Nachbargemeinden Das Stadtgebiet mit allen vier Ortschaften grenzt an insgesamt acht Städte und Gemeinden. Dabei ist Tecklenburg die Brücke zwischen dem nördlichen und südlichen Tecklenburger Land. Bereits im Münsterland gelegen ist die Gemeinde Saerbeck im Westen. Im Osten grenzt Tecklenburg an die Gemeinden Hagen a. TW und Hasbergen im Osnabrücker Land an.
Geschichte mini|Tecklenburg, Blick von der Legge auf die Altstadt Die Grafen von Tecklenburg besaßen im 13. und 14. Jahrhundert zeitweise die Kirchenvogteirechte über Münster und Osnabrück und waren durch Auseinandersetzungen mit den benachbarten Bistümern und Herrscherhäusern sowie Erbfolgen und Ehen in wechselnden Verhältnissen insbesondere mit den Grafen von Bentheim und den Herren von Steinfurt verbunden. Sie gründeten das Kloster Malgarten in Bramsche. In der evangelischen Pfarrkirche von Tecklenburg befindet sich das Grabmal des Grafen Konrad von Tecklenburg († 1557), das der Bildhauer Johann Brabender aus Münster (Westfalen) schuf.
Die Grafen besaßen unter anderem Herrschaftsrechte, Ländereien und Schlösser im südwestlichen Niedersachsen sowie insbesondere in den Herrschaften Lingen, Rheda und Limburg. Die Stadt Tecklenburg wurde 1226 als Suburbium urkundlich erwähnt und 1388 erstmals „stad“ genannt. Sie erhielt zu Beginn des 17. Jahrhunderts vom Grafen Adolf von Bentheim-Tecklenburg ein eigenes Stadtrecht. 1707 kam Tecklenburg unter preußische Herrschaft, nachdem das Königreich Preußen Grafschaft und Stadt gekauft hatte.
Die Grafschaft Tecklenburg gehörte zum Niederrheinisch-Westfälischen Reichskreis.
mini|Haus Marck Unterhalb des Südwesthangs des Teutoburger Waldes befindet sich das Wasserschloss Haus Marck, ein im 14. Jahrhundert erbauter Herrensitz, auf dem 1643 die Vorverhandlungen zum Westfälischen Frieden stattfanden.NRW-Stiftung „Natur. Heimat. Kultur“: Wasserschloss Haus Marck bei Tecklenburg – Wiege des Westfälischen Friedens
Wichtigster Wirtschaftsfaktor war im 17. und 18. Jahrhundert die Produktion des so genannten Tecklenburger Löwendlinnens, grobe Leinwand, die insbesondere nach England, in die Niederlande und nach Spanien verkauft wurde.
Nach erfolglosen Versuchen, die Burg instand zu setzen, begann man auf Anordnung der preußischen Regierung, ab 1744 Teile der Burg zu schleifen. Nach dem Ende der Napoleonischen Kriege wurde 1815 der Landkreis Tecklenburg gebildet.
Am 8. September 1904 vernichtete ein Großfeuer am Markt fünf Häuser und zwei Schuppen. Aufgrund der Löschwasserknappheit wurde daraufhin das Wasserwerk Tecklenburg gebaut, welches eines der Vorläufer des Wasserversorgungsverband Tecklenburger Land darstellte.Ibbenbürener Volkszeitung vom 3. September 2004: „Tecklenburgs Markt in Flamen“
mini|hochkant|St.-Michael-Kirche Die Stadt war bis 1974 Sitz der Kreisverwaltung. Bei der Kreis- und Gemeindegebietsreform, die am 1. Januar 1975 in Kraft trat, wurden die Orte der Amtsgemeinde Tecklenburg (Brochterbeck, Leeden, Ledde und Tecklenburg) zur Stadt Tecklenburg zusammengeschlossen und aus dem Kreis Tecklenburg und dem alten Kreis Steinfurt der neue Kreis Steinfurt gebildet.
Seit dem 26. August 1974 ist Tecklenburg ein staatlich anerkannter Luftkurort. Die Anerkennung Tecklenburgs zum Kneippkurort erfolgte am 10. Dezember 1999.Ibbenbürener Volkszeitung vom 11. Dezember 1999: „Tecklenburg darf sich seit gestern Kneip-Kurort nennen.“
2014 erhielt Tecklenburg bezugnehmend auf die Freilichtspiele den Namenszusatz Die Festspielstadt.Ruth Jacobus: Tecklenburg ist offiziell „Festspielstadt“ In: Westfälische Nachrichten, 11. September 2014, abgerufen am 11. Mai 2023.
Konfessionsstatistik Laut dem Zensus 2011 waren im Jahr 2011 49,0 % der Einwohner evangelisch, 32,9 % römisch-katholisch und 18,1 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe.Stadt Tecklenburg Religion, Zensus 2011 Die Zahl der Protestanten und Katholiken ist seitdem gesunken. Ende Dezember 2020 waren von den 9544 Einwohnern 42,2 % (4031) evangelisch, 30,1 % (2868) römisch-katholisch und 27,7 % (2645) gehörten entweder einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder waren konfessionslos.Haushaltssatzung 2022 Zahlen Daten Fakten Seite 7, abgerufen am 20. Februar 2022
Besonderheiten Tecklenburg ist eine der wenigen Ortschaften im Münsterland, in denen sich der historische Stadtkern weitgehend erhalten hat. Die Burg Tecklenburg, die heute als Bühne der Freilichtspiele Tecklenburg benutzt wird, war im Mittelalter wegen ihrer günstigen Lage, durch die eine wichtige Passstraße über den Osning überwacht und Zölle und Abgaben verlangt werden konnten, regional von großer Bedeutung. Sowohl die Burg als auch die Stadt waren ein Stützpunkt auf der Handelsstrecke Lübeck–Bremen–Münster–Köln. Gleichzeitig führte eine Teilstrecke des Jakobsweges über diesen Pass, den die Pilger des nördlichen Europas auf dem Weg zum Grab des Apostels nach Santiago de Compostela benutzten. Auch den Rompilgern wurde der Weg über Tecklenburg empfohlen.
Das dem reformierten Glauben angehörende Grafenhaus unterstützte den aus Brabant stammenden Arzt Johann Weyer (oder Wier), der sich in Deutschland als erster öffentlich gegen die Hexenverfolgungen ausgesprochen hatte. Insbesondere die von 1562 bis 1580 herrschende Gräfin Anna von Tecklenburg-Schwerin, die selbst Heilkräuterkundige war, förderte seine Tätigkeit. Die Exzesse der Hexenverbrennung wurden so im Tecklenburger Territorium verhindert. 1588 starb Weyer auf der Tecklenburg. Er wurde in der von 1562 bis 1566 erbauten Stadtkirche bestattet; zu seinem Gedenken wurde 1884 der Wierturm errichtet, mit dessen Bau der Verschönerungsverein das Burggelände prägen wollte. Heute wird das Thema „Hexen“ touristisch vermarktet. Der Rundwanderweg „Hexenpfad“ führt von der Burgruine aus über die sogenannte Hexenküche, das Rolandsgrab und am Heidentempel vorbei nach etwa fünf Kilometern zurück in die Stadt. Über diese Orte sind viele Sagen und Geschichten überliefert.
Aus der Tecklenburger Bürgerfamilie Krummacher stammen zwei bekannte evangelische Theologen, die die niederrheinische Erweckungsbewegung stark beeinflussten. Es sind die Brüder Friedrich Adolf Krummacher (1767–1845) – seine auch von Goethe rezensierten Parabeln waren in ganz Deutschland und in Übersetzungen im europäischen Ausland verbreitet – und Gottfried Daniel Krummacher (1774–1837). An Friedrich Adolf Krummacher erinnern in Tecklenburg die Krummacherstraße, das Krummacher-Haus und die Krummacher-Schule.
Ein weiterer berühmter Sohn der Stadt ist der Theologe Friedrich von Bodelschwingh der Ältere, der in Bielefeld die v. Bodelschwinghschen Anstalten Bethel aufbaute.
Aus dem Ortsteil Leeden stammte wahrscheinlich die Patrizier- und Adelsfamilie Leden, die im Mittelalter einen Bürgermeister und zwei zweite Bürgermeister der Altstadt von Osnabrück stellte. Sie hatte dort ihren Sitz im Ledenhof, einem Steinwerk mit Palas, sowie im Schloss Ledenburg in Nemden.
Weinberg mini|Der Weinberg am Burgberg Am Südhang des Burgberges wurde schon zu Zeiten der Grafen von Tecklenburg Wein angebaut. Im Jahr 1987 wurden am alten Weinberg wieder Rebstöcke gepflanzt. Der erste Wein wurde 1989 gekeltert. Kurzzeitig galt dieser Weinberg in den 1980er Jahren als der nördlichste in Deutschland.„Giovanni Rizzi musste sich für Lagerung ein Bierfass borgen“ Ibbenbürener Volkszeitung vom 22. Oktober 1999noz.de „Das sind die Weinberge im Osnabrücker Land“. Neue Osnabrücker Zeitung vom 21. Juli 2017; abgerufen am 8. Februar 2019 Im Frühjahr 2015 wurden am Weinberg Reben der Rotweinsorte Regent gepflanzt. Die Trauben dieser Sorte wurden 2017 erstmals gekeltert.In Ibbenbürener Volkszeitung vom 9. August 2018: „VWG präsentiert neue Rebe Regent“
Politik
Stadtrat Die Sitze des Stadtrats verteilten sich nach den vergangenen Kommunalwahlen wie folgt: Jahr CDU SPD FDP Grüne Volt EB Gesamt 2025 10 8 2 4 2 – 26 2020 8 9 3 6 – – 26 2014 10 11 1 4 – – 26 2009 10 11 5 3 – 1 30 2004 12 10 5 3 – – 30
Bürgermeister 2009– Stefan Streit (SPD) 1995–2009 Wilfried BrönstrupInternetauftritt des Bürgermeisters a. D. Brönstrup; abgerufen am 11. Mai 2023 1994–1995 Klaus Martin Lausberg (CDU) 1989–1994 Klaus Holthaus (SPD)archiv.ivz-aktuell.de Ibbenbürener Volkszeitung am 17. Oktober 1989: „Neuer Bürgermeister von Tecklenburg:Klaus Holthaus (SPD)“; abgerufen am 9. August 2018 1984–1989 Klaus Martin Lausberg (CDU)archiv.ivz-aktuell.de Ibbenbürener Volkszeitung am 9. November 1994: „Lausberg Bürgermeister Holthaus Stellvertreter“; abgerufen am 9. August 2018 1979–1984 Gunther Sieg (SPD) 1975–1979 Walter Lagemann (FDP)archiv.ivz-aktuell.de Ibbenbürener Volkszeitung am 21. November 1998: „Aus dem Benjamin ist ein erfahrener Politiker geworden“; abgerufen am 9. August 2018 1975 Florenz Peters (kommissarisch)archiv.ivz-aktuell.de Ibbenbürener Volkszeitung am 30. Dezember 1974: „Amtsvertretung Tecklenburg tagt zum letzten Mal“; abgerufen am 14. September 2018
Städtepartnerschaft Chalonnes-sur-Loire (Frankreich) Seit 1982 ist die französische Stadt Chalonnes-sur-Loire im Département Maine-et-Loire Partnerstadt von Tecklenburg.
Wappen
Verkehr mini|Seit Unwettern im Sommer 2010 sind Gleise der Bahnstrecke Ibbenbüren–Hövelhof der Teutoburger Wald-Eisenbahn (TWE) gesperrt.
Eisenbahnverkehr mini|links|Ehemaliges Bahnhofsgebäude Tecklenburg Der bis 1968 auch im Personenzugverkehr bediente Bahnhof Tecklenburg liegt an dem 1901 eröffneten Streckenabschnitt Ibbenbüren / Hafen Dörenthe–Lengerich (Westf) der Bahnstrecke Ibbenbüren–Hövelhof der Teutoburger Wald-Eisenbahn und wird heute nur noch sporadisch für den Güterverkehr und Sonderfahrten des Teuto-Express genutzt.
Nachdem es infolge der Sommerunwetter im August 2010 zu einem Dammrutsch gekommen ist, endet der „Teuto-Express“ aus Lengerich bereits in Tecklenburg und kann nicht mehr weiter über Brochterbeck bis Ibbenbüren Aasee fahren.TWE auf dem Abstellgleis? Westfälische Nachrichten 8. Oktober 2010
Als nach einem Jahr die Gleise auch noch in Richtung Süden unterbrochen und vom neuen TWE-Eigentümer Captrain Deutschland nicht repariert wurden, gründete sich im Januar 2012 ein „Aktionsbündnis pro TWE“, das sich u. a. den langfristigen Erhalt und die regelmäßige Nutzung der Teutoburger Wald-Eisenbahn in den Bereichen Freizeit- und Tourismusverkehr zum Ziel gesetzt hat. Neue Westfälische Zeitung 27. Januar 2012
Busverkehr