mini|Isabelle Delobel und Olivier Schoenfelder bei einer Hebefigur (Europameisterschaft 2007) Der Eiskunstlauf ist eine Form des Eislaufs, bei dem es auf die kunstvolle Ausführung von Sprüngen, Pirouetten und Schritten ankommt. Es gibt internationale Eiskunstlaufwettbewerbe, z. B. die Weltmeisterschaften für Leistungssportler und die ISU Adult Figure Skating Competition für Freizeitläufer. Eiskunstlauf ist auch eine offizielle Disziplin bei den Olympischen Winterspielen.

Disziplinen Eiskunstlauf wird bei den Olympischen Spielen in vier Disziplinen durchgeführt: Damen-Einzellaufen Herren-Einzellaufen Paarlaufen Eistanzen

Erstmals bei den Winterspielen 2014 kam ein Teamwettbewerb dazu, bestehend aus den beiden Einzelläufen, dem Paarlauf und dem Eistanzen.

Internationale Wettbewerbe gibt es außerdem im Synchroneiskunstlauf.

Geschichte

mini|Ice skating Scene Ein Bild von J. Baber um 1830 Die Wiege des Eiskunstlaufs stand in Großbritannien, der erste Wettkampf fand hier 1814 statt. Von hier breitete er sich in ganz Europa und den USA aus. Man fügte dem Eiskunstlauf noch Musik hinzu und setzte Tanz- und Ballettelemente ein.

Beim Ausflug in die Frühgeschichte der Sportart muss man eher über Eislauf sprechen, der sich erst viel später in zwei unterschiedliche Sportdisziplinen, Eiskunstlauf und Eisschnelllauf, geteilt hat.

Die ersten historischen Erwähnungen vom Eislauf stammen aus Dänemark 1134, die älteste englische Kenntnis stammt aus dem Jahr 1180. Archäologische Funde (aus Knochen gefertigte Schlittschuhe) datieren den Ursprung des Eislaufens in die Bronze- und Steinzeit.

Primitive Anfänge kann man schon in den Niederlanden im 13. und 14. Jh. finden, wo die mit Metall beschlagenen Kanten der Holzschuhe einfache Laufbögen ausführen ließen. In den Niederlanden war Schlittschuhlaufen ein Volksvergnügen, wie das manche Bilder der Alten Meister bezeugen, andernorts war es nur Adelsvorrecht. Der Kaiser Rudolf II. soll einen großen Eiskarneval veranstaltet haben, der unangefochten zur Popularisierung dieser Kurzweil beitrug.

Die Entwicklung des echten Eiskunstlaufens fing aber erst im 18. Jh. an, als die Kufen die Form einer Kurve bekamen, was die Ausführung von Drehungen und komplizierten Elementen ermöglichte.

1742 wurde in Edinburgh der erste Eislaufverein der Welt gegründet – Edinburgh Skating Club. 1772 gab Robert Johns das erste Eiskunstlaufhandbuch A treatise on skating in London heraus.

Eisbahnen und Winterstadien mini|Rideau Canal in Ottawa Die ersten Eisbahnen waren zugefrorene Teiche und Flüsse. Die Aufbereitung des Eises war aber recht schwierig und Klimaverhältnisse bestimmten die geografischen Regionen, in denen sich der Eislauf entwickeln konnte. In Annalen des philadelphischen Vereins, der 1848 gegründet wurde, kann man beispielsweise finden, dass zur Ausrüstung auch einige Meter Rettungstau gehörten. In Kanada dagegen war dünnes Eis nicht das Problem, sondern die aufliegenden Schneemassen; so wurde im Jahr 1860 das erste Stadion im Land überdacht.

Die erste Kunsteisbahn (lat. Glaciarium) wurde in London (Chelsea) schon im Jahr 1876 gebaut. Der Ausbau weiterer Kunsteisbahnen war entscheidend für die folgende Entwicklung dieses Sports.

Das bis dahin größte überdachte Eisstadion entstand im Jahr 1960 in Tokio. Seine Eisfläche ist 4.000 m² groß. In Japan befindet sich auch die größte Freilufteisbahn, die im Jahr 1967 angelegt wurde und eine Fläche von 15.400 m² hat.

Eisstadien finden wir heutzutage nicht nur in Kanada, USA, Schweden und in weiteren europäischen Ländern mit Eishockey- oder Eiskunstlauftradition, sondern auch in wärmeren Regionen wie Spanien oder selbst im heißen Afrika, z. B. in der Elfenbeinküste. Durch die Weiterentwicklung von witterungsunabhängigem synthetischem Eis wird dieser Trend noch verstärkt.

Nach dem Reglement der ISU soll die Eisfläche rechteckig sowie 56–60 Meter lang und 26–30 Meter breit sein.

Regeln und Wettkämpfe Die ersten internationalen Eiskunstlaufwettkämpfe wurden vom Wiener Eislauf-Verein im Jahr 1882 auf seinem Vereinsplatz abgehalten. Die dafür verfasste Wettkampfordnung, das sog. Regulativ basierte auf dem Lehrbuch „Spuren auf dem Eise – Die Entwicklung des Eislaufens auf der Bahn des Wiener Eislauf-Vereines“ der Schüler Jackson Haines – Karl v. Korper, Max Wirth und Demeter Diamantidi, das im Jahr 1881 herausgegeben worden war. Dieses Regulativ übernahm später die Internationale Eislaufunion (ISU) und bildet so bis heute die Basis des internationalen Regelwerks. Zu deutlicheren Veränderungen kam es mit der Einführung der Kurzkür und mit der Umstellung des Verhältnisses in der Bewertung von Pflicht- und Kür. Um die subjektiv bewertete Sportart Eiskunstlaufen transparenter und objektiver zu gestalten, hat die ISU ein neues Wertungssystem entwickelt, das seit der Saison 2004/2005 das 6.0 System international abgelöst hat. Dem Eiskunstlaufbewertungssystem (engl. ISU Judging System) der internationalen Eislaufunion liegt eine vollkommen neue Berechnung der Wettkampfergebnisse zugrunde. Mit dem Einsatz eines digitalen Videosystems im Wettkampf sind die Preisrichter nun in der Lage, Elemente wiederholt zu betrachten und damit objektiver zu bewerten.

Bei den ersten Wiener Wettkämpfen wurde der Norweger Axel Paulsen Dritter. Er zeigte schon damals seinen berühmten Sprung, der bis heute zum Eiskunstlaufeinmaleins gehört. Die ersten Europameisterschaften fanden bereits im Jahre 1891, noch vor der Gründung der ISU, statt. Erster Europameister war der Deutsche Oskar Uhlig. Am 9. Februar 1896 fand in Sankt Petersburg die ersten Weltmeisterschaften statt, die wieder ein Deutscher, diesmal Gilbert Fuchs, gewann. Fünf Jahre später gewann der legendäre Schwede Ulrich Salchow seinen ersten Weltmeistertitel, dem er dann noch 9 weitere folgen ließ. Seinen erstaunlichen Rekord stellte in den Jahren 1927–1936 die genauso legendäre Norwegerin Sonja Henie ein und in den Jahren 1969–1978 auch Irina Rodnina, die ihre ersten vier Titel im Paarlauf mit Alexei Ulanow gewann und die weiteren sechs Titel mit ihrem damaligen Ehemann Alexander Saizew. Die Damen kämpften erstmals im Jahr 1908 in Davos um den Titel der Weltmeisterin, um den Titel der Europameisterin jedoch erst im Jahr 1930 in Wien, wo auch die Premiere der Europameisterschaften für den Paarlauf stattfand. Erste Europameisterin bei den Damen wurde die Österreicherin Fritzi Burger. Auch die Paare konkurrierten um Weltmeistertitel schon früher – seit dem Jahre 1908. Bis 1948 war es auch Nordamerikanern gestattet, an Europameisterschaften teilzunehmen. Nachdem in diesem Jahr die Kanadierin Barbara Ann Scott und der US-Amerikaner Dick Button Europameister geworden waren, während Eva Pawlik aus Österreich und Hans Gerschwiler aus der Schweiz als beste Repräsentanten des europäischen Kunstlaufs nur die Silbermedaillen erhalten hatten, wurde ab 1949 – wie in anderen Sportarten üblich – die Möglichkeit der Teilnahme an Europameisterschaften auf Athleten aus Europa eingeschränkt. Eistanz erschien in der Wettlaufordnung erst im Jahr 1952 bei den Weltmeisterschaften in Paris und zwei Jahre später auch bei Europameisterschaften in Bozen. Seit 1976 ist Eistanz auch eine olympische Disziplin. Vor den am 9. Januar 1984 in Budapest beginnenden Europameisterschaften brachte die ISU eine neue Regel heraus, die die Zahl der Dreifachsprünge beschränkte, womit man wieder mehr auf den künstlerischen Wert kommen wollte; demnach war nur mehr ein Dreifachsprung erlaubt; als Ausnahme galt, dass dieser Sprung mit einer Kombination verbunden war. Die jüngste Eiskunstlaufdisziplin ist das Precision Skating, auch Synchroneiskunstlauf genannt, es ist ein Gruppen-Eislauf mit anfänglich 12 bis 24 Teilnehmern, die ihre Eistanzfiguren rhythmisch nach Musik absolvieren. 1998 wurde die Anzahl der Läufer pro Formation auf 16 begrenzt. Die Formationen werden entsprechend ihrem Leistungsstand in Klassen eingeteilt. – Die Läufer heißen auf Englisch „ice-skaters“. Wie beim Eistanzen dürfen nur Figuren in verschiedener Zusammenstellung vorgetragen werden, weder Sprünge noch Pirouetten o. dgl. sind erlaubt. Wegen der geringen individuellen Bewegungsfreiheit und aus Sicherheitsgründen sind Beschränkungen bei den Figuren beschlossen worden. Die ISU organisiert seit 2000 Weltmeisterschaften; ab 2001 wurden auch Solosprünge zugelassen, die jedoch sehr gut mit dem Vortrag der übrigen Mannschafts-Teilnehmer korrespondieren müssen. Ein Wettkampf besteht aus der Kurzkür und (an einem anderen Tag) der freien Kür. Von einer Jury werden Technik, Symmetrie und Präzision bewertet.

Teilnehmerzahlen bei ISU-Meisterschaften Die Zahl der Teilnehmer (Gesamtteilnehmerquote) je Disziplin (Herren, Damen, Sportpaare, Eistanz), die ein ISU-Mitglied (üblicherweise Landesverbände) zur jeweiligen Meisterschaft entsenden dürfen, wird nach Regel 378 „Spezielle Regelungen & Technische Regeln Einzel- und Paarlauf und Eistanz 2018“ (PDF; 1,2 MB) englisch, ISU wie folgt bestimmt:

Zahl der Teilnehmer an der Meisterschaft in der vorherigen Saison geforderte Punktzahl für 3 Teilnehmer an der Meisterschaft in der laufenden Saison geforderte Punktzahl für 2 Teilnehmer an der Meisterschaft in der laufenden Saison 2 nicht mehr als 13 nicht mehr als 28 1 nicht mehr als 2 nicht mehr als 10

Die Platzierung eines jeden Läufers wird für diese Tabelle als Punktzahl gewertet, wenn die Endplatzierung 16 oder besser war. Für Teilnehmer am Finale aber schlechterer Platzierung als 16 werden 16 Punkte vergeben. Wurde das Finale nicht erreicht, dann wird eine Punktzahl von 18 angesetzt. Bei einer Teilnehmerzahl von drei in der vorherigen Saison werden nur die beiden Bestplatzierten gewertet. Jedes ISU-Mitglied darf auf jeden Fall einen Teilnehmer je Disziplin je Meisterschaft entsenden.

Als Teilnehmer der vorigen Saison werden alle Eiskunstläufer gewertet, die an der Auslosung teilgenommen haben. Teilnehmer, die wegen Krankheit oder unerwartetem Defekt der Ausrüstung die Kür nicht komplett durchlaufen können, die aber 10. oder besser nach dem Kurzprogramm oder dem Rhythmustanz waren, werden nicht als Teilnehmer gewertet.

Bei den Vierkontinentemeisterschaften darf jedes ISU-Mitglied drei Teilnehmer entsenden.

Die Teilnehmerzahl bei Olympischen Winterspielen wird abweichend ermittelt.

Eiskunstlauf bei den Olympischen Spielen und den Special Olympics siehe: Eiskunstlauf bei den Olympischen Spielen und Liste der Olympiasieger im Eiskunstlauf mini|Erin Hart, Athletin im Eiskunstlauf bei den Special Olympics World Winter Games in Pyeongchang, 2013

Eiskunstlauf bei Special Olympics ist eine Sportart, die auf den Regeln des Eiskunstlaufs beruht und in Wettbewerben und Trainingseinheiten der Organisation Special Olympics weltweit für geistig und mehrfach behinderte Menschen angeboten wird. Eiskunstlauf ist seit 1977 bei Special Olympics World Games vertreten.

Frauen und Eiskunstlauf Eiskunstlauf als Sportart war den Frauen lange aus verschiedenen Gründen fast untersagt. Unter anderem wurden medizinische und soziale Gründe angeführt.

Mit der Aufnahme der Damenwettbewerbe stand weiterhin zu befürchten, dass die Sympathie der Kampfrichter für die holde Weiblichkeit auf ihre objektive Bewertung Einfluss haben würde. Man schlug sogar vor, in den Regeln festzulegen, dass die Kampfrichter bei Frauenwettbewerben verpflichtend eine blaue Brille zu tragen hätten. Hierzu muss jedoch angemerkt werden, dass die Frauen sich auch beim Sporttreiben an die viktorianische Kleiderordnung hielten und in schweren Wollkleidern und Unterröcken antreten mussten, welche die Bewegungen massiv erschwerten.

mini|Madge Syers-Cave, hier mit ihrem Ehemann bei den Olympischen Spielen 1908