Die Echten Witwen (Latrodectus), vereinzelt auch Witwen oder Witwenspinnen genannt, bilden eine Gattung innerhalb der Familie der Kugelspinnen (Thiridiidae), die selber wiederum zur Ordnung der Webspinnen zählt. Es handelt sich um die größten Vertreter dieser Familie, die je nach Art und Geschlecht eine verschiedene Farbgebung besitzen. Charakteristisch ist für Echte Witwen jedoch die fast immer vorhandene und ventral (unten) befindliche Sanduhrzeichnung auf dem Opisthosoma (Hinterleib). Die Gattung ist nahezu weltweit verbreitet, häufiger jedoch in den wärmeren Teilen der Erde zu finden. Die Habitate (Lebensräume) fallen je nach Art sehr unterschiedlich aus. Einige Arten zeigen eine Synanthropie (Anpassung an menschliche Siedlungen) und sind deshalb auch an und in Gebäuden oder anderweitigem vom Menschen geschaffenem Areal anzutreffen.

Die wie fast alle Spinnen räuberisch lebenden Echten Witwen legen, wie die Mehrheit der Kugelspinnen, Raumnetze an und erlegen Beutetiere somit als Lauerjäger. Das Beutespektrum setzt sich sowohl aus beliebigen Gliederfüßern als auch aus kleineren Wirbeltieren zusammen. Ein geschlechtsreifes Männchen, das keine eigenen Netze mehr bewohnt, sucht das Netz eines arteigenen Weibchens auf und hält sich dort anfangs auf. Vor oder bei der Paarung kann es zu sexuellem Kannibalismus seitens des Weibchens gegenüber dem Männchen kommen. Dies ist jedoch deutlich seltener der Fall als oftmals angenommen. Das Weibchen legt mehrere Eikokons an und bewacht diese in Form von Brutpflege in seinem Netz und für einige Zeit auch seine frisch geschlüpften Nachkommen. Diese beginnen nach einiger Zeit sich zu verstreuen und selbstständig über mehrere Fresshäute (Häutungsstadien) heranzuwachsen.

Zu den Echten Witwen zählen auch für den Menschen potentiell gefährliche Arten, deren Bisse aufgrund ihrer wirkungsstarken Spinnentoxine auch bei ihm mit medizinisch ernstzunehmenden Folgen einhergehen oder gar tödlich enden können. Hier sind insbesondere die als „Schwarze Witwen“ bezeichneten Arten, also die Südliche (L. mactans), die Nördliche (L. variolus), die Westliche (L. hesperus) und die Europäische Schwarze Witwe (L. tredecimgutattus) sowie die Rotrückenspinne (L. hasselti) hervorzuheben. Grundsätzlich ist der Umgang mit Vertretern dieser Gattung aufgrund dessen immer mit Vorsicht zu genießen. Todesfälle durch von Echten Witwen verursachte Bisse sind sehr selten, zumal sich die Bisse der Spinnen heutzutage medizinisch gut behandeln lassen. Ohnehin sind nur ausgewachsene Weibchen in der Lage, den Menschen zu beißen, die überdies nicht aggressiv sind. Ein Biss kann erfolgen, sollte ein Exemplar bedrängt werden. Eine Wahrscheinlichkeit zu einem Bissunfall besteht aufgrund der Synanthropie einzelner Echten Witwen dennoch, weshalb gerade in Gebieten, in denen diese Spinnen vorkommen, Präventionsmaßnahmen getroffen werden sollten.

Merkmale Weibliche Echte Witwen erreichen je nach Art eine Körperlänge von gut 7,5 bis 20 Millimetern, während die Männchen mit einer Länge von etwa 2,5 bis 6,5 Millimetern deutlich kleiner bleiben. Damit handelt es sich um die größten Kugelspinnen (Theridiidae). Die Beinspannweite der Weibchen kann sich auf ca. 25 bis 38 Millimeter belaufen. Die Männchen haben im Verhältnis längere Beine als die Weibchen. Die Grundfarbe variiert je nach Art und Geschlecht zwischen verschiedenen Rot-, Braun- oder Schwarztönen.

Das birnenförmige Peltidium, das Rückenschild des Prosomas, ist im thorakalen (an der Brust gelegenen) Bereich verbreitert und hat eine mediane transversale Fovea (an die Muskeln des Saugmagens ansetzende Einkerbung). Er ist außerdem gesenkt und anterior (vorne) verschmälert. Der Carapax ist überwiegend bräunlich gefärbt. Die acht Augen sind je zu viert in zwei Reihen gegliedert und deutlich voneinander getrennt. Die posteriore (hintere) Augenreihe ist etwas re-, die posteriore prokursiv. Die posterior lateralen (seitlichen) Augen beider Reihen sind deutlich voneinander getrennt. Die Lappen der Maxillae (umgewandelte Coxen bzw. Hüftglieder der Pedipalpen, bzw. umgewandelte Extremitäten im Kopfbereich) verlaufen parallel zueinander und das Labium (sklerotisierte bzw. verhärtete Platte zwischen den Maxillae und vor dem Sternum) freigelegt sowie länger als breit. Letzteres trifft auch auf das Sternum (Brustschild des Prosomas) zu. Den Cheliceren (Kieferklauen) fehlt eine Bezahnung. Die Beine sind bräunlich oder schwärzlich. Die Beinformel (absteigende Längenformel der Beinpaare) lautet 1-4-2-3 und die Tarsen (Fußglieder) des vierten Beinpaars weisen einen ausgeprägten Kamm aus gezackten borstenartigen Setae auf.

Das Opisthosoma (Hinterleib) ist bei den Weibchen kugelig und bei den Männchen länglich geformt. Es besitzt ein glänzendes Erscheinungsbild und ist mit einer je nach Art unterschiedlichen Bedeckung aus Setae (chitinisierten Haaren) versehen. Der Colulus (vermutlich funktionsloser Hügel und Rest der sog. Cribelli und Calamistri) ist vergleichsweise groß. Die Grundfarbe des Opisthosomas reicht von hellcremefarben bis schwarz. Für gewöhnlich sind dorsal (oben), ventral (unten) oder beidseitig lateral auf dem Opisthosoma orangefarbene bis rote Zeichenmuster ausgeprägt. Bei den Weibchen der in Nordamerika vorkommenden Arten der Gattung etwa ist gelegentlich eine median (mittig) angelegte und horizontal verlaufende Reihe roter Flecken auf der Dorsalfläche des Opisthosomas (Hinterleib) vorhanden, während die Männchen auf dem gleichen Körperabschnitt zumeist rote Flecken entlang der oberen Medianfläche und weiße Linien oder Balken, die in laterale (seitliche) Richtung radiär werden, besitzen. Fast allen Echten Witwen ist jedoch eine rötliche an eine Sanduhr erinnernde Zeichnung auf der Ventralfläche des Opisthosomas gemeinsam, die aus zwei dreieckigen Zeichenelementen geformt wird. Die Beschaffenheit dieser Sanduhrzeichnung variiert bei den verschiedenen Arten und kann bei einigen auch fehlen. Als einzige Art der Gattung weist die Rotrückenspinne (L. hasselti) nie eine derartige Sanduhrzeichnung auf.

Genitalmorphologische Merkmale Ein einzelner Bulbus (männliches Geschlechtsorgan) der Echten Witwen besteht unter anderem aus einem modifizierten Cymbium (erstes und vorderstes Sklerit, bzw. Hartteil des Bulbus) und einem gewundenen Tegulum (zweites und mittleres Sklerit des Bulbus), dem wiederum ein Subtegulum vorgesetzt ist. Der vergleichsweise lange Embolus (drittes und letztes Sklerit des Bulbus) hat eine spiralförmige Gestalt. Median (mittig) ist eine Apophyse (Fortsatz) ausgebildet. Dazu ist ein Radix (basal, bzw. an der Basis vom Embolus gelegenes weiteres Sklerit am Bulbus, das vom Spermophor bzw. dem Samenschlauch durchzogen wird). Der Konduktor (den Embolus führender und stützender Fortsatz) ist eher klein. Die Öffnung der Epigyne (weibliches Geschlechtsorgan) ist je nach Art unterschiedlich oval und immer breiter als lang. Die Spermatheken (Samentaschen) sind hantelförmig und die Kopulationsgänge spiralförmig sowie unterschiedlich lang.

Differenzierungen von den Fettspinnen Die Echten Witwen werden nicht selten mit den ebenfalls zu den Kugelspinnen (Theridiidae) zählenden, jedoch wesentlich weniger gefährlichen Fettspinnen (Steatoda), verwechselt, die aufgrund ihrer starken Ähnlichkeit zu den Echten Witwen auch als Falsche Witwen bezeichnet werden. Fettspinnen haben ein verglichen mit den Echten Webspinnen jedoch eher plumpes und kurzbeiniges Erscheinungsbild. Sie können ähnlich wie die Echten Witwen eine braune oder schwarze Grundfarbe, dafür jedoch keine rötlichen Farbmuster aufweisen. Stattdessen besitzen Fettspinnen helle oder selten farbige Zeichenelemente. Auch fehlt Fettspinnen immer die für Echte Witwen typische Sanduhrzeichnung. Dafür haben Fettspinnen im Gegensatz zu den Echten Witwen bezahnte Cheliceren. Die Gattung der Fettspinnen ist überdies auch in Mitteleuropa vertreten und einzelne Arten sind dort auch häufig anzutreffen. Die Echten Witwen sind in Europa lediglich im Mittelmeerraum verbreitet und dort auch nur gebietsweise häufig.

Verbreitung und Lebensräume Die Gattung der Echten Witwen ist nahezu weltweit verbreitet, vorzugsweise jedoch in den wärmeren Teilen der Welt vertreten. Sie bewohnen je nach Art verschiedene Habitate (Lebensräume). Einzelne Arten der Gattung sind synanthrop und deshalb auch in menschlichen Siedlungsbereichen häufig vorfindbar.

Lebensweise Echte Witwen sind wie alle Kugelspinnen (Theridiidae) nachtaktiv. Dabei vollführen die Jungtiere und die ausgewachsenen Weibchen im Gegensatz zu den ausgewachsenen Männchen eine sedentäre (ortsgebundene) Biologie.

Jagdverhalten und Beutefang Die wie fast alle Spinnen räuberisch lebenden Echten Witwen legen – wie für Kugelspinnen (Theridiidae) üblich – Raumnetze zum Beutefang an. Bei so einem Netz handelt es sich um ein dreidimensionales und verworren wirkendes Gespinst, das oft mit einem konischen Zelt aus dichter Seide in einem Winkel des Netzes versehen ist. Letzteres dient als Aufenthaltsort der Spinne am Tag, die nachts auf dem Netzteppich verweilt. Dieser Unterschlupf befindet sich entweder in einem Loch am Bodengrund oder in einem dichter gewebten Bereich des Netzes. Alternativ kann sich die Spinne unter Blättern oder dem Netzteppich ihres Gespinstes aufhalten. Die Netze der Echten Witwen können derart fein gewoben sein, dass sie für das menschliche Auge kaum erkennbar sind. Sie werden bevorzugt in Bodennähe angelegt. Materialien wie kleine Steine oder Blätter werden durch das Anheften an mehrere Spinnfäden zur Netzdecke getragen. Bei ausbleibender Aktivität hält sich die Spinne immer mit der Ventralseite nach oben gerichtet im Netz auf und verlässt es nur in seltenen Fällen.

Übliche Netzbaustandorte sind dunkle, geschützte Stellen wie Vertiefungen unter Steinen oder Baumstämmen in Holzhaufen, Spalten oder Löchern in Erdböschungen oder das Innere von Scheunen oder Nebengebäuden. Daneben wurden Netze von Echten Witwen auch in Geröll nachgewiesen. Gelegentlich werden auch verlassene Tierbauten, etwa die von Nagetieren, von den Spinnen als Netzbaustandort angenommen. Die synantropen Vertreter bauen überdies ihre Netze in allen möglichen menschengemachten Gebäuden und Gegenständen, die über längere Zeit nicht angerührt wurden. Am häufigsten sind Echte Witwen dann in Nebengebäuden wie Schuppen, Scheunen oder Aborten, Anlagen von Wasserzählern, Blumentöpfen, Deckel von Mülltonnen, Toilettenschüsseln von öffentlichen Toilettenanlagen, Hohlräumen unter Hackschnitzel genauso wie jeglichem gelagerten Material oder über längere Zeit ungenutzten Gegenständen wie Grills oder Rutschen und Sandkästen von Spielplätzen mitsamt ihrer Netze anzutreffen. Sogar leere Getränkedosen, Behältnisse wie Kartons oder Autoreifen werden gelegentlich von den Spinnen bewohnt.