mini|Karte der Neuen Welt von Guillaume Delisle (um 1774) Die Neue Welt ist eine historische europäische Bezeichnung für den von den Spaniern unter Christoph Kolumbus im Jahr 1492 wiederentdeckten Doppelkontinent Amerika. Die „Neue Welt“ wurde der bis dahin bekannten Alten Welt, bestehend aus Europa, Asien und Afrika, gegenübergestellt.
Hintergrund Kolumbus glaubte angeblich bis zu seinem Tod im Jahr 1506, dass er bei seiner Fahrt in Richtung Westen auf Inseln und Festland im Fernen Osten gestoßen sei, der damals mit dem Sammelbegriff „Indien“ bezeichnet wurde. Aus diesem Grund nannten die Spanier Amerika bis ins 18. Jahrhundert hinein Las Indias (siehe auch Archivo General de Indias). Auch werden die Ureinwohner Amerikas aus diesem Grund bis heute als Indianer bezeichnet.
Die Überzeugung einiger Geographen und Entdecker, darunter Amerigo Vespucci im Jahre 1500, dass ein neuer Kontinent entdeckt worden sei, bestätigte sich jedoch sehr schnell. In seiner 1503 unter dem Titel Mundus Novus („Neue Welt“) herausgegebenen Reisebeschreibung, die zu einem Verkaufsschlager wurde und das frühe Amerikabild der europäischen Rezipienten nachhaltig prägte, betont Vespucci die Exotik und Neuheit des bisher unbekannten Erdteils.Fernando Amado Aymoré (Hrsg.), Ulrich Schmidel: Wahrhafte Historie einer wunderbaren Schifffahrt, welche Ulrich Schmidel von Straubing von 1534 bis 1554 in Amerika oder Neue Welt bei Brasilia oder Rio della Plata getan. Marix, Wiesbaden 2013, ISBN 978-3-8438-0082-2 (Nachdruck der Ausgabe Edition Erdmann, Wiesbaden 2010), S. 9 (Einleitung des Herausgebers). Der zeitgenössische Historiker Francisco López de Gómara, der selbst nie in Amerika war, sieht in seiner Historia general de las Indias den Grund für die Bezeichnung „Neue Welt“ nicht einfach nur in der Tatsache, dass ein neuer Kontinent entdeckt wurde, sondern in der Bedeutung dieser neuen im Verhältnis zur alten Welt:
In etwa gleichbedeutend mit dem Terminus Las Indias oder „Neue Welt“ wird der amerikanische Doppelkontinent bis heute auch als „die Amerikas“ (, ) und vor allem in den USA als westliche Hemisphäre bezeichnet."America." The Oxford Companion to the English Language (ISBN 0-19-214183-X). McArthur, Tom, ed., 1992. New York: Oxford University Press, p. 33: "[16c: from the feminine of Americus, the Latinized first name of the explorer Amerigo Vespucci (1454–1512). The name America first appeared on a map in 1507 by the German cartographer Martin Waldseemüller, referring to the area now called Brazil]. Since the 16c, a name of the western hemisphere, often in the plural Americas and more or less synonymous with the New World. Since the 18c, a name of the United States of America. The second sense is now primary in English: ... However, the term is open to uncertainties: ..."
Heutiger Gebrauch Heute wird der Begriff „Neue Welt“ in allgemeiner Redeweise nicht mehr verwendet und ist nur noch in spezifischen Zusammenhängen gebräuchlich: historisch, wenn von der Entdeckung und Eroberung Amerikas durch die Europäer die Rede ist; in der Biologie, wenn Tier- und Pflanzengruppen nach ihrer biogeographischen Herkunft in Neuwelt- und Altweltorganismen unterteilt werden, siehe Neotropis; in der Önologie, wenn Weine nach ihren Anbaugebieten klassifiziert werden; dabei gelten abweichend vom sonstigen Sprachgebrauch auch australische, neuseeländische und südafrikanische Weine als ‚Neuweltweine‘.Bert Gamerschlag: Weltwunder Wein. In: Stern, 9. Januar 2007, abgerufen am 13. Juni 2026.
Die 9. Sinfonie von Antonín Dvořák trägt den Namen Aus der Neuen Welt, weil sie durch seinen Amerikaaufenthalt inspiriert war.
Literatur Hermann Schreiber: Die neue Welt – Die Geschichte der Entdeckung Amerikas. Casimir Katz Verlag, Gernsbach 2005, ISBN 3-938047-06-2. José de Acosta: Das Gold des Kondors. Berichte aus der Neuen Welt 1590 und Atlas zur Geschichte ihrer Entdeckung. Herausgegeben und übertragen von Rudolf Kroboth und Peter H. Meurer. Edition Erdmann in K. Thienemanns Verlag, Stuttgart u. a. 1991, ISBN 3-522-60750-3 (Originalausgabe: America, Oder wie mans zu Deutsch nennet Die Neuwe Welt/ oder West India. Von Herrn Josepho De Acosta in Sieben Büchern/ eins theils in Lateinischer/ und eins theils in Hispanischer Sprach/ Beschrieben. Sutorius, Ursel 1605. Nach dem Exemplar der Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz, Berlin). Rediscovering – Redescubrir – Redécouvrir 1492. Sonderheft der UNESCO-Zeitschrift UNESCO Courier, Ausgabe Mai 1992, zum 500. Jahr der Entdeckung Amerikas mit Beiträgen von Federico Mayor, Miguel León-Portilla, Fernando Aínsa, Leopoldo Zea, Wera Kuteischikowa, Edgar Montiel u. v. a., darunter der Beitrag von Wilcomb E. Washburn zur Kartographie der Neuen Welt (A new image of the world – El nuevo mundo en la cartografía, S. 14–18), alle Beiträge auf Spanisch, Englisch und Französisch.
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