Blake und Mortimer ist eine 1946 erstmals erschienene frankobelgische Comicserie von Edgar P. Jacobs. Sie gilt als einflussreicher Klassiker des frankobelgischen Comics und als Meisterwerk der sogenannten Ligne claire, der Klaren Linie.

Geschichte der Serie E. P. Jacobs mini|Die Comicfiguren Blake und Mortimer auf einem Brüsseler Wandgemälde in der rue du Houblon.

Edgar P. Jacobs (1904–1987) hatte als Werbegraphiker, Porträtmaler und Opern-Bariton gearbeitet, bevor er 1941 als Kolorist ins Comic-Geschäft eingestiegen war. Nachdem er an der US-amerikanischen Serie Flash Gordon mitgearbeitet hatte, schuf er 1943 und 1944 die Geschichte Die U-Strahlen, die stark an Flash Gordon angelehnt war. Parallel dazu arbeitete er zusammen mit Hergé an dessen Erfolgsserie Tim und Struppi (Les aventures de Tintin).

Am 26. September 1946 erschien erstmals das Journal de Tintin, das in den folgenden Jahrzehnten zu einem der einflussreichsten europäischen Comic-Magazine avancierte. Im ersten Tintin-Heft startete mit Der Kampf um die Welt (Le secret de l’Espadon) das erste Abenteuer von „Blake und Mortimer“,Top 100 Comics: Platz 15: Blake & Mortimer von Edgar P. Jacobs einer Serie, die von Edgar P. Jacobs konzipiert, geschrieben und gezeichnet wurde. Mit dieser futuristischen Abenteuerserie entwickelte er das Konzept von Die U-Strahlen weiter und orientierte sich in ästhetischer Hinsicht am Stil der so genannten Klaren Linie, die Hergé für Tim und Struppi entwickelt hatte. Als Titelfiguren fungierten der Atomphysiker „Professor Mortimer“ sowie „Hauptmann Blake“, Mitarbeiter des britischen Geheimdienstes M.I.5.

Der Kampf um die Welt entstand noch unter dem Eindruck des Zweiten Weltkriegs und zeigt die apokalyptische Vision einer Welt, die von einem asiatischen Diktator bedroht wird. Blake und Mortimer fungieren darin als Teil einer Widerstandstruppe unter britischer Führung und vereiteln in einem dramatischen Kampf die Welteroberungspläne des Diktators. In dieser Geschichte, die rund drei Jahre lang im Tintin-Magazin lief und später in drei Teilen publiziert wurde, wurde der skrupellose „Colonel Olrik“ eingeführt, der in nahezu allen Blake und Mortimer-Episoden als Gegenspieler der beiden Titelhelden auftritt.

Blake und Mortimer avancierte schnell zu einer der populärsten Serien des Tintin-Magazins und wurde dort über einen Zeitraum von 25 Jahren hinweg publiziert (in der Regel erschienen die Geschichten zwei bis drei Jahre nach der Magazinveröffentlichung als Comicalbum). Wegen ihrer akkuraten Zeichentechnik, der sorgfältigen Recherchen Jacobs’ sowie der „erzählerischen Glaubwürdigkeit und atmosphärischen Dichte“Die Abenteuer von Blake und Mortimer 15: Das Heiligtum von Gondwana :: Comic Radio Show :: Comics erfrischend subjektiv, seit 1992! avancierte die Serie zu einem stilbildenden Klassiker des Comic-Genres und genießt heute noch große Popularität.

Nachdem Jacobs Der Kampf um die Welt abgeschlossen hatte, publizierte er zwischen 1950 und 1952 den Zweiteiler Das Geheimnis der großen Pyramide (Le mystère de la grande pyramide), in der Blake und Mortimer ein mythisches Abenteuer in Ägypten erleben und in der Cheops-Pyramide sagenhafte Schätze entdecken. Das gelbe M (La marque jaune, 1953/54) zeigt die beiden Titelhelden im Kampf gegen einen schurkischen Wissenschaftler, der London in Angst und Schrecken versetzt. In Das Geheimnis von Atlantis (L’Enigme de l’Atlantide, 1955/56) erleben Blake und Mortimer spektakuläre Abenteuer in einem futuristischen Atlantis.

In SOS Meteore (S.O.S. Météores, 1958/59) kämpfen Blake und Mortimer gegen eine Geheimorganisation, die unter Führung von Colonel Olrik das Wetter manipuliert, um ein politisches Chaos zu verursachen. 1960 publizierte Jacobs Die teuflische Falle (Le piège diabolique), ein Zeitreise-Abenteuer, das Professor Mortimer unter anderem ins Jahr 5060 führt. Nach fünfjähriger Pause erschien 1965 Die Diamanten-Affäre (L’affaire du collier), ein Krimi-Abenteuer, in dem Blake und Mortimer in den Katakomben von Paris einen Diamantenraub untersuchen. Während diese Geschichte ohne Science-Fiction-Elemente auskommt, tauchten in Die drei Formeln des Professor Sato (Les trois formules du professeur Sato, 1971/72) futuristische Roboter auf (dies war die letzte Blake und Mortimer-Geschichte, die in einem Magazin vorabgedruckt wurde). Aus gesundheitlichen Gründen musste Edgar P. Jacobs seine Arbeit an Blake und Mortimer danach aufgeben. Der Künstler verstarb 1987.

Nach dem Tod von Jacobs Nach Entwürfen von Jacobs gestaltete Bob De Moor 1990 Mortimer gegen Mortimer (Mortimer contre Mortimer), die Fortsetzung von Die drei Formeln des Professor Sato. Bis zu dieser Geschichte folgten die Alben einer mehr oder weniger geschlossenen Chronologie, beginnend in der unmittelbaren Nachkriegszeit bis zu den frühen 1970er Jahren.

Ab Mitte der 1990er Jahre wurde Blake und Mortimer mit neuen Kreativ-Teams erfolgreich weitergeführt. Die Handlung der Alben wurden dabei in der „historischen“ Zeit der 1950er und 1960er Jahre angesiedelt.Interview mit Szenarist Yves Sente Jean van Hamme (Text) und Ted Benoît (Zeichnungen) präsentierten 1996 mit Der Fall Francis Blake (L’Affaire Francis Blake) ein Abenteuer im klassischen Stil, das sich unter anderem an Filmen wie Die 39 Stufen orientierte. 2000 folgte mit Die Voronov-Intrige (La Machination Voronov) vom Team Yves Sente und André Juillard (Text und Zeichnung) ein Blake und Mortimer-Abenteuer, das größtenteils hinter dem „eisernen Vorhang“ spielt. Mit Unheimliche Begegnung (L’étrange rendez-vous) legte das Team Hamme/Benoit 2002 ein Album vor, das stark von futuristischen Handlungselementen geprägt ist.

2004 und 2005 präsentierte das Team Sente/Juillard mit Die Sarkophage des 6. Kontinents (Les sarcophages du 6ème continent) einen Zweiteiler mit einem relativ langen Rückblick auf Blake und Mortimers Jugend im Indien der Kolonialzeit. 2008 folgte Das Heiligtum von Gondwana (Le sanctuaire du Gondwana), ein Abenteuer, das größtenteils in Afrika angesiedelt ist (wieder vom Autorenteam Sente/Juillard). Jean van Hamme war der Texter des Doppelabenteuers Der Fluch der dreißig Silberlinge (La Malédiction des trente deniers), das 2009 und 2010 erschien und von René Sterne, Chantal De Spiegeleer, Aubin Frechon (unter dem Namen ‚Antoine Aubin‘) und Étienne Schréder gezeichnet wurde. (Sterne war bei der Arbeit am ersten Album verstorben)

2012 legte das Team Sente/Juillard Das Gelübde der fünf Lords (Le Serment des cinq Lords) vor, ein Abenteuer, das stark von Krimi-Elementen dominiert wird. Mit Die Septimus-Welle (L’Onde Septimus, 2013) knüpfen Jean Dufaux (Text) und Antoine Aubin und Étienne Schréder (Zeichnungen) an Das gelbe M aus den 1950er Jahren an. Yves Sente und André Juillard sind die Autoren von Der Stab des Plutarch, das am 28. November 2015 auf Deutsch erschien. Diese Geschichte ist im Jahr 1944 und damit unmittelbar vor der allerersten Blake und Mortimer-Geschichte Kampf um die Welt angesiedelt.

2017 erschien mit Das Testament des William S. ein weiterer Band von Sente/Juillard, der 1958 spielt und sich mit dem Geheimnis um William Shakespeare befasst. Der Band ist dem 2016 verstorbenen Ted Benoît gewidmet. 2019 und 2020 erschien vom neuen Team Sente/Berserik/van Dongen ein Zweiteiler mit dem Titel Das Tal der Unsterblichen, der chronologisch unmittelbar an das allererste Abenteuer Der Kampf um die Welt anschließt und zum Teil Szenen vom Untergang des Diktators Basam-Damdu von Jacobs wieder aufgreift.

Mit Der Ruf des Moloch (2021) schufen Jean Dufaux, Christian Cailleaux und Étienne Schréder eine Fortsetzung der Septimus-Welle: Der aus einem Raumschiff geborgene Außerirdische entkommt seinem Laborgefängnis und beginnt mit der Unterwerfung der Londoner Bevölkerung. Erzfeind Olrik unterstützt Blake und Mortimer diesmal dabei, den Moloch in die Schranken zu weisen.

Die nach dem Zweiten Weltkrieg spielende Handlung von Der letzte Tigerhai (2022) rekurriert auf die ersten drei Alben der Serie: Es entbrennt nicht nur ein Kampf um das titelgebende Tauchflugzeug, auch Olrik erscheint – neben der IRA und Alt-Nazis – wieder als Gegenspieler.

Interne Chronologie Seit 1996 folgen die Blake und Mortimer-Geschichten keiner linearen Chronologie mehr, sondern sind zwischen den klassischen Alben von Edgar P. Jacobs angesiedelt. Die interne Chronologie der Serie, wie sie sich aus den in den Alben genannten Daten ergibt, sieht nun etwa wie folgt aus:

1919/1935: Rückblicke auf Blakes erste Jahre als Geheimagent in Das Gelübde der fünf Lords 1933: Großer Rückblick auf Mortimers Jugend in Die Sarkophage des 6. Kontinents 1944: Der Stab des Plutarch 1946/47: Der Kampf um die Welt 1947: Das Tal der Unsterblichen 1948: Der letzte Tigerhai 1950: Das Geheimnis der großen Pyramide 1952: Das Gelbe M 1953: Die Septimus-Welle (Juni), Der Ruf des Moloch (Sommer) 1954: Der Fall Francis Blake (Juni)Siehe Seite 5, 1. Panel in Der Fall Francis Blake, Carlsen Verlag, Hamburg 1997, ISBN 978-3-551-01990-5 1954: Unheimliche Begegnung (Oktober)Siehe Seite 56, 1. Panel in Unheimliche Begegnung, Carlsen Verlag, Hamburg 2002, ISBN 978-3-551-01992-9 1954: Das Gelübde der fünf Lords (Winter)Siehe Rückentext von Das Gelübde der fünf Lords, Carlsen Verlag, Hamburg 2013, ISBN 978-3-551-02338-4 1955: Der Fluch der dreißig Silberlinge 1955: Das Geheimnis von Atlantis 1957: Die Voronov-Intrige 1958: Die Sarkophage des 6. Kontinents 1958: Das Heiligtum von Gondwana 1958: Das Testament des William S. 1958/59: Gezeichnet: Olrik Am Ende von Das Testament des William S. wird Olrik ins Gefängnis Wandsworth eingeliefert, wo er am Beginn des Bandes Gezeichnet: Olrik noch einsitzt. 1959: SOS Meteore 1960: Die teuflische Falle 1963: Acht Stunden in Berlin (Frühjahr, bis zum 26. Juni) 1963: Die Diamanten-Affäre 1971: Die 3 Formeln des Professor Sato 1971: Mortimer gegen Mortimer 1995: Das letzte KapitelSiehe Seite 24 in Das letzte Kapitel, Salleck Publications, Wattenheim 2014, ISBN 978-3-89908-536-5

Hauptpersonen Blake Die Eltern von Francis Percy Blake sind A. J. Blake, Colonel der Royal Welch Fusiliers (heute: The Royal Welsh Regiment mit dem historischen Wahlspruch Ich dien, den der Prince of Wales von Johann dem Blinden, dem Herzog von Luxemburg und König von Böhmen, zu Ehren dessen Heldentodes in der Schlacht von Crécy 1346 übernommen hatte) und Lady Milicent Roche of Killarney, Tochter von Samuel B. Roche of Killarney, Friedensrichter im County Glamorgan (in Wales). Blake ist also waschechter Waliser, dessen Vorfahren sich bis ins 13. Jahrhundert zurückverfolgen lassen. Geboren wurde er am Sitz der Familie in Llangollen. Nach einer standesgemäßen Ausbildung in Eton trat er in die Royal Air Force ein und kam so schließlich zum militärischen Geheimdienst M.I.5. Obwohl Blake also eigentlich Luftwaffenoffizier ist (siehe „Das Gelübde der fünf Lords“), ist er immer in einer Uniform der British Army zu sehen. Wegen seiner außerordentlichen Verdienste wurde er von König George VI. mit dem Distinguished Service Order, dem Military Cross, dem Victoria Cross und der George Medal ausgezeichnet, außerdem in den Stand eines Baronet erhoben.Biographie Blakes von Jacobs Zudem ist er Ritter des belgischen Leopoldsorden; König Balduin verlieh ihm diese Auszeichnung persönlich.Vgl. Die Abenteuer von Blake und Mortimer: Die Sarkophage des 6. Kontinents, Bd. 2

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