zentriert|350px|Die Schlacht von Poltawa, von Denis Martens, 1726 Der russische Zar Peter I. besiegt Schweden in der Schlacht bei Poltawa und leitet die Wende im Großen Nordischen Krieg ein. zentriert|144px|Gedenktafel für Alexander Selkirk an Selkirks Aussicht auf der Robinson-Crusoe-Insel Der Seemann Alexander Selkirk wird Vorlage für Daniel Defoes Roman Robinson Crusoe. zentriert|196px|Dreikönigstreffen: Friedrich I. in Preußen (Mitte), August II. (der Starke), Kurfürst von Sachsen und zeitweilig König von Polen (links), Friedrich IV. von Dänemark (rechts), Gemälde von Samuel Theodor Gericke In Potsdam und Berlin findet das Dreikönigstreffen zwischen den Monarchen Dänemarks, Sachsens und Preußens statt. 1709 in anderen Kalendern Armenischer Kalender 1157/58 (Jahreswechsel Juli) Äthiopischer Kalender 1701/02 (Jahreswechsel 10./11. September) Bengalischer Solarkalender 1114/15 (Jahresbeginn 14. oder 15. April) Buddhistische Zeitrechnung 2252/53 (südlicher Buddhismus); 2251/52 (Alternativberechnung nach Buddhas Parinirvana) Chinesischer Kalender 73. (74.) Zyklus Jahr des Erde-Büffels 己丑 (am Beginn des Jahres Erde-Ratte 戊子) Chula Sakarat (Siam, Myanmar) / Dai-Kalender (Vietnam) 1071/72 (Jahreswechsel April) Dangun-Ära (Korea) 4042/43 (2./3. Oktober) Iranischer Kalender 1087/88 Islamischer Kalender 1120/21 (Jahreswechsel 12./13. März) Jüdischer Kalender 5469/70 (4./5. September) Koptischer Kalender 1425/26 (10./11. September) Malayalam-Kalender 884/885 Seleukidische Ära Babylon: 2019/20 (Jahreswechsel April) Syrien: 2020/21 (Jahreswechsel Oktober) Vikram Sambat (Nepalesischer Kalender) 1765/66 (Jahreswechsel April)

Ereignisse Politik und Weltgeschehen Großer Nordischer Krieg

7. Januar: Die rund zweiwöchige Belagerung von Weprik im Großen Nordischen Krieg endet mit der Erstürmung des ukrainischen Ortes durch die schwedische Armee unter König Karl XII. und Berndt Otto I. von Stackelberg, die dabei aber schwere Verluste erleidet. Am 9. Januar wird die Stadt auf Befehl Karls niedergebrannt und die Festung geschleift. 20. Februar: Karl XII. besiegt die russische Armee unter Carl Ewald von Rönne im Gefecht bei Krasnokutsk, entgeht dabei zwischenzeitlich aber selbst nur knapp dem Tod oder der Gefangennahme. 2. Juli: In Potsdam und Berlin beginnt das Dreikönigstreffen zwischen den Monarchen Dänemarks, Sachsens und Preußens mit dem Ziel, Brandenburg-Preußen zum Kriegseintritt gegen Schweden zu bewegen. Das Treffen zwischen Friedrich IV., August dem Starken und Friedrich I. endet am 17. Juli ohne nennenswertes Ergebnis. Preußen kann sich als Gastgeber glanzvoll präsentieren, muss aber wegen der hohen Repräsentationskosten im Anschluss einen Kredit aufnehmen.

mini|links|Peter der Große in der Schlacht von Poltawa, von Louis Caravaque 8. Juli: Der russische Zar Peter I. besiegt Schweden in der Schlacht bei Poltawa und leitet damit die Kriegswende im Großen Nordischen Krieg ein. Karl XII. zieht sich mit seinem Heer nach Süden zurück und versucht, das Khanat der Krim zu erreichen. Am 10. Juli müssen sie bei Perewolotschna jedoch feststellen, dass es keine Brücke und keine Furt über die Flüsse Worskla und Dnjepr gibt. Die Boote reichen nicht aus, das gesamte schwedische Heer zu evakuieren.

11. Juli: General Alexander Danilowitsch Menschikow holt die Schweden bei Perewolotschna ein. Um 11 Uhr kapituliert der Großteil des schwedischen Heeres unter Adam Ludwig Lewenhaupt mit rund 14.000 Soldaten, 34 Geschützen und 264 Fahnen. Karl XII. setzt hingegen gemeinsam mit Iwan Masepa, Kost Hordijenko, 900 Schweden und 2000 Kosaken über den Dnjepr und macht sich auf den Weg zum Südlichen Bug, um osmanisches Gebiet zu erreichen. Die verbliebenen Kosaken flüchten größtenteils auf ihren Pferden, um der Bestrafung als Verräter zu entgehen.

mini|links|Triumphaler Einzug der russischen Armee nach der Schlacht bei Poltawa in Moskau Peter nutzt den erlangten Vorteil und befiehlt gleich nach der Schlacht bei Poltawa, die schwedischen Ostseeprovinzen zu erobern. 17. Juli: Die Kolonne König Karls XII. erreicht den Bug, wo der Pascha von Otschakow seine Erlaubnis erteilt, das Osmanische Reich zu betreten. 28. Juli: Im Vertrag von Dresden schließen Dänemark und Sachsen ein Defensiv- und Offensivbündnis gegen Schweden. 20. August: Sächsische Truppen marschieren erneut in Polen ein. 20. Oktober: Der sächsische Kurfürst August der Starke und der russische Zar Peter I. schließen den gegen Schweden gerichteten Vertrag von Thorn. August soll mit gemeinsamen Kräften wieder auf den polnischen Thron gehoben werden. Gegenkönig Stanislaus I. Leszczyński flieht daraufhin mit wenigen Getreuen über Stettin und Stralsund nach Schweden. 22. Oktober: Mit dem Vertrag von Kopenhagen erneuern Dänemark und Russland ihren Allianzvertrag aus dem Jahr 1699. In dem Vertrag kündigt Dänemark den Frieden von Traventhal auf. Dänemark verpflichtet sich, im Herbst die schwedische Provinz Schonen von Norwegen aus anzugreifen. Außerdem soll die dänische Flotte die schwedischen Flottillen in den eigenen Gewässern beschäftigen, damit Russland seine Flotte ungestört ausbauen kann. Russland verpflichtet sich, in die schwedischen Provinzen Finnland und Livland sowie – gemeinsam mit den Sachsen – in Polen einzumarschieren. Beide Monarchen verpflichten sich, August den Starken nach besten Kräften bei der Wiedererlangung der polnischen Königswürde zu unterstützen. Des Weiteren verpflichten sich die Unterzeichner, während des weiteren Kampfes gegen Schweden keine separaten Friedensverhandlungen zu führen. 12. November: Eine dänische Invasionsstreitmacht landet beim Fischerdorf Råå auf Schonen. 14. November: Die Belagerung von Riga durch russische Truppen beginnt.

Comacchiokrieg und Spanischer Erbfolgekrieg

mini|links|hochkant|Clemens XI.

15. Januar: Papst Clemens XI. kapituliert eine Stunde vor Ablauf des kaiserlichen Ultimatums im Comacchiokrieg vor Kaiser Joseph I. und muss die kaiserlichen Friedensbedingungen akzeptieren. Dazu gehört, dass die päpstlichen Truppen bis auf 5000 reduziert werden müssen. Im Kirchenstaat werden sechs kaiserliche Regimenter stationiert. Durch die Bischöfe von Mailand und Neapel werden die in den letzten Jahren gegen kaiserliche Beamte und Feldherren verhängten Kirchenstrafen aufgehoben. Auch ist den Kaiserlichen nunmehr der Durchmarsch durch den Kirchenstaat gestattet. In der Frage der umstrittenen Lehen, das Herzogtum Ferrara und Comacchio, wird allerdings keine Einigung erzielt. In einem geheimen Vertragszusatz, der erst nach einem weiteren Ultimatum zu Stande kommt, anerkennt der Papst Erzherzog Karl als spanischen König. Graf Wirich Philipp von und zu Daun dringt im Spanischen Erbfolgekrieg von Italien aus mit einer savoyischen Armee in die Dauphiné ein und besiegt James Fitzjames, 1. Duke of Berwick, am 28. Juli im Gefecht bei Conflans. Er muss sich danach aber wieder nach Piemont zurückziehen. Die Verbündeten setzen mit zwei Heeren über den Rhein nach Frankreich. Während die Reichsarmee zunächst erfolgreich operiert, wird das kaiserliche Korps am 21. August im Gefecht bei Rumersheim zum Rückzug gezwungen. Daraufhin muss sich auch die Reichsarmee zurückziehen.

mini|Darstellung der Schlacht 11. September: In der Schlacht bei Malplaquet in den Spanischen Niederlanden besiegt die alliierte Armee unter Prinz Eugen und dem Duke of Marlborough die französische Armee unter dem Feldherren Villars nach verlustreichen Kämpfen. Die Verluste sind auf beiden Seiten groß, die Schlacht ist die blutigste des Spanischen Erbfolgekrieges. Während des Spanischen Erbfolgekriegs sichert Großbritannien am 29. Oktober im ersten Barrieretraktat den Vereinigten Provinzen für die Zukunft den Besitz einer Reihe von festen Plätzen zur Sicherung gegen Frankreich zu. Diese Plätze lagen in den spanischen Niederlanden entlang der französischen Grenze.

Weitere Ereignisse in Europa

mini|links|hochkant|Giovanni Cornaro 6. Mai: Alvise Mocenigo II. stirbt. Zu seinem Nachfolger als Doge von Venedig wird Giovanni II. Corner gewählt. Er gilt als Kompromisskandidat der zerstrittenen Adelsfamilien der Seerepublik. Juni: Abraham Mazel versucht die Kamisarden in den Cevennen neuerlich zu einem Aufstand gegen die französische Krone zu bewegen, wird aber bald vernichtend geschlagen. Knapp ein Jahr nach dem Tod Frederik von Gabels endet die Gabelzeit auf den Färöern. Eine Königlich Dänische Kommission resümiert die Beschwerden der Bevölkerung und stellt die Staatsmacht auf dem Archipel wieder her. Das Handelsmonopol wird wieder in die Hände der Krone genommen und die Kommission zur Verwaltung der Inseln eingesetzt. Massenauswanderung der Pfälzer nach Großbritannien und Amerika.

Amerika

Die Stadt Beaufort wird als dritte größere Siedlung in der Province of North Carolina gegründet.

Asien

mini|Tokugawa Ienobu in klassischer Hoftracht 19. Februar: Tokugawa Ienobu folgt seinem verstorbenen Adoptivvater Tokugawa Tsunayoshi als Shōgun der Edo-Zeit in Japan. Seine Regierung ist stark von konfuzianischen Ideen geprägt. Nach dem Tod von Phrachao Suea wird sein Sohn Thai Sa König des siamesischen Königreichs Ayutthaya. Im Gegensatz zu der seines Vaters ist seine Regierungszeit relativ friedlich. Mir Wais Hotak aus dem Stamm der Ghilzai organisiert einen bewaffneten Aufstand der Paschtunen gegen Gurgin Khan, den georgischstämmigen Gouverneur der Safawiden in Kandahar. Nach seinem Sieg über eine große persische Armee gründet er die Hotaki-Dynastie. Sikh-Aufstand in Indien – Den Sikhs gelingt es unter ihrem Anführer Banda Bahadur nach der Schlacht bei Samana die wichtigen Städte Sonepat und Kaithal im Nordwesten zu erobern.

Afrika

Mwezi III. Ndagushimiye wird Nachfolger von Ntare I. Rushatsi als König von Burundi.

Wirtschaft

12. April: Der von Joseph Addison und Richard Steele herausgegebene Tatler erscheint erstmals. Die literarische Zeitschrift erscheint dreimal pro Woche im Umfang von zwei Seiten. Zielgruppe ist das geistig interessierte städtische Bürgertum, das sich in den Kaffeehäusern von London trifft. Hauptgegenstand der Zeitschrift ist, dem Genre der Moralischen Wochenschriften entsprechend, stets ein Sitten, Gebräuche und geistige Probleme diskutierender Aufsatz.

mini|hochkant|Beginn der Buchhaltung am 13. Juli im Hauptjournal 1709 Der aus Santa Maria Maggiore stammende Kaufmann Giovanni Battista Farina gründet am 13. Juli in Köln die Firma G.B.Farina, die heute älteste bestehende Eau-de-Cologne- und Parfüm-Fabrik der Welt. Nachdem er am 24. Juli das kleine Kölner Bürgerrecht erhalten hat, erwirbt er am 1. August mit Unterstützung seines Onkels ein Geschäftslokal und beginnt mit dem Verkauf. Das Unternehmen wird nach Aufnahme des Teilhabers und Schwagers Franz Balthasar Borgnis noch im gleichen Jahr in Farina & Compagnie umbenannt. In Frankreich wird die dritte Senegalkompanie gegründet. Auf Initiative von Sulchan-Saba Orbeliani gründet Wachtang VI. in Tiflis die erste Druckerei Georgiens.

Wissenschaft und Technik

Der italienische Bauer Ambrogio Nucerino entdeckt beim Ausheben eines Brunnens in seinem Gemüsegarten antike Marmorfragmente. Es stellt sich heraus, dass er das seit 1600 Jahren verschüttete Herculaneum entdeckt hat.

Kultur

17. Januar: An der Hofoper Düsseldorf findet die Uraufführung der Oper Tassilone von Agostino Steffani statt. Das Libretto stammt von Stefano Benedetto Pallavicini.

mini|links|hochkant|Amor vien dal destino, Titelblatt des Librettos 1709 Ebenfalls in Düsseldorf wird Agostino Steffanis bereits in den 1690er Jahren komponierte Oper Amor vien dal destino auf ein Libretto von Ortensio Mauro uraufgeführt. 26. Juli: Die Uraufführung der Oper Desiderius, König der Langobarden von Reinhard Keiser findet am Theater am Gänsemarkt in Hamburg statt.

mini|hochkant|Agrippina, Titelseite des Librettos 1709