Schieder-Schwalenberg (plattdeutsch: Schüer-Schwalenberg) (PDF) ist eine ländlich geprägte Stadt in Nordrhein-Westfalen, Deutschland und gehört zum Kreis Lippe. Die Ortsteile Schieder und Glashütte sind Kneippkurorte.

Geografie Geografische Lage Schieder-Schwalenberg liegt im Südosten des Kreises Lippe in Nordrhein-Westfalen zwischen dem Teutoburger Wald und dem Weserbergland im Naturpark Teutoburger Wald / Eggegebirge. Durch die Stadtteile Wöbbel und Schieder fließt der Fluss Emmer, der zum Schiedersee (auch Emmerstausee genannt) gestaut wird.

Die nächsten größeren Städte sind Detmold (20 km westlich), Paderborn (40 km südwestlich) und Bielefeld (50 km nordwestlich).

Geologie mini|Geothermische Ergiebigkeit des Stadtgebiets Im Gemeindegebiet besteht das Lipper Bergland vorherrschend aus Ton-, Mergel- und Sandsteinen des Erdmittelalters. In den Tälern von Emmer und Niese besteht der Untergrund zum Teil aus Kalkstein. Diese Sedimentgesteine sind zwischen einem und eineinhalb Kilometern stark. Sie wurden im Lauf der Erdgeschichte gefaltet und herausgehoben.

Unter diesen Schichten befinden sich die Festgesteine des Erdaltertums, insbesondere aus Devon, Karbon und Perm. Durch Lösung von Gips und Steinsalz im tieferen Untergrund kam es in Bereichen der oben genannten Fließgewässer zu Erdfällen und auch zu ausgedehnten trichterförmigen, die in der Folge durch Lockersedimente wieder eingeebnet wurden. In den Tälern ist der Festgesteinsuntergrund mit Lockergesteinen des Eiszeitalters, nämlich mit Kies, Sand und Löss bedeckt.

Die Kalk-, Sand- und klüftigen Tonsteine des Muschelkalks und aus Abschnitten des Keupers sind gute Grundwasserleiter. Zum Teil sind die Grundwässer jedoch durch Lösung von Gips und Steinsalz im tieferen Untergrund stark versalzen, so dass sie nicht als Trinkwasser verwendet werden können.

Das westliche und südwestliche Stadtgebiet ist mit fruchtbarer Parabraunerde aus schluffigem Lehm bis lehmigem Schluff bedeckt und wird intensiv ackerbaulich genutzt. An Stellen, an denen der abgelagerte Löss erodiert wurde, reichen Festgesteine des Erdmittelalters bis an die Oberfläche, die weitestgehend mit Braunerden beziehungsweise Pseudogley-Braunerden bedeckt sind und vorrangig forstwirtschaftlich genutzt werden. Im östlichen Stadtgebiet herrschen lössreiche Fließerden vor, die die Ton- und Sandsteine des Erdmittelalters überdecken. Sie sind nährstoffarm und mäßig bis stark staunass (Pseudogley, Stagnogley) und haben auf Hochflächen meist eine Anmoor- oder Rohhumusauflage, sodass nur eine forstliche Nutzung mit Nadel- oder Mischwald sinnvoll ist. In den Bachtälern haben sich Gleye entwickelt, in breiteren Bach- oder Flusstalungen, zum Beispiel im Bereich der Emmer auch braune Gleye, die eine Grünlandnutzung erfahren.

Schieder-Schwalenberg eignet sich mit Ausnahme des Gebiets der Hohen Warte gut bis sehr gut zur Nutzung von geothermischen Wärmequellen mittels Erdwärmesonde und Wärmegewinnung durch Wärmepumpenheizungen (vgl. dazu die nebenstehende Karte). (PDF-Datei; 360 kB)

Ausdehnung und Nutzung des Stadtgebiets Die als „Große Landgemeinde“ klassifizierte Stadt erstreckt sich über eine Fläche von 60,04 km². Das Gemeindegebiet hat eine maximale Ausdehnung in Ost-West-Richtung von ca. 10,7 km und in Nord-Süd-Richtung von etwa 11,5 km.

Flächenach Nutzungsart Landwirt-schafts-fläche Wald-fläche Gebäude-,Frei- undBetriebsfläche Verkehrs-fläche Wasser-fläche Sport- undGrünfläche sonstigeNutzung Fläche in km² 24,24 27,90 6,57 2,36 1,29 0,80 0,05 Anteil an Gesamtfläche 40,37 % 46,47 % 5,68 % 3,93 % 2,15 % 1,33 % 0,08 %

Nachbargemeinden Das Stadtgebiet grenzt im Uhrzeigersinn, beginnend im Westen, an Horn-Bad Meinberg, Blomberg, Lügde (alle Kreis Lippe), Marienmünster, Nieheim und Steinheim (alle Kreis Höxter).

Stadtgliederung

mini|Ortschaften der Stadt Schieder-Schwalenberg

Die Stadt Schieder-Schwalenberg entstand 1970 aus dem Zusammenschluss von sechs ehemaligen Gemeinden und der Stadt Schwalenberg.

Ortschaft Einwohner (Stand: 2020) Brakelsiek 881 Lothe 1.054 Ruensiek mit Kreienberg 75 Schieder *mit Glashütte 3.681 Schwalenberg 1.425 Siekholz 386 Wöbbel 902(* = Sitz der Stadtverwaltung)

Klima mini|Niederschlagsdiagramm Schieder-Schwalenberg Schieder-Schwalenberg gehört der gemäßigten Klimazone Mitteleuropas an und liegt im Bereich des subatlantischen Seeklimas. Die Winter sind unter atlantischem Einfluss meist mild und die Sommer mäßig warm. Die Jahresmitteltemperatur liegt bei ca. 8–9 °C.

Durch die Lage im subatlantischen Seeklima herrscht ganzjährig ein humides Klima mit relativ gleich verteilten Niederschlägen vor. Insgesamt fallen an der Messstation Schieder im langjährigen Mittel 867 mm Niederschlag jährlich.

Zum Klima in der Region Ostwestfalen-Lippe, zu der die Stadt gehört, siehe auch den Artikel Klima in Ostwestfalen-Lippe.

Geschichte mini|Schalenstein am Bennerberg mini|Gemälde der Stadt Schwalenberg von Carl Ferdinand Fabritius Vor- und Frühzeit Funde im Emmertal deuten auf eine Besiedlung der Region in der Steinzeit hin. Im Lippischen Landesmuseum in Detmold lagern heute Werkzeuge aus Steinen und Geweihen, die im 19. Jahrhundert im Emmertal entdeckt wurden. Der vermutlich bronzezeitliche Schalenstein im Staatsforst Schieder liegt im Ort. Im Ortsteil Glashütte befindet sich die Herlingsburg. Sie ist eine Fluchtburg der vorrömischen Eisenzeit, von der bis heute noch die Wallanlagen erhalten blieben. Im Emmertal wurden be i Ausgrabungen Scherben entdeckt, die jetzt im Lippischen Landesmuseum in Detmold zu besichtigen sind. Die 2022 erfolgte Entdeckung des Gräberfeldes von Schieder-Schwalenberg schließt eine Forschungslücke im Frühmittelalter.

Mittelalter und frühe Neuzeit Schieder wurde im Jahr 822 erstmals urkundlich erwähnt. In Alt-Schieder am Ortsteil Schieder wurden bei Ausgrabungen Fundamente einer Kirche und einiger Häuser entdeckt. Alt-Schieder besteht aus einer Vorburg und einer Hauptburg, die beide während ihrer Nutzung befestigt waren. Das Alter der Vorburg ist ungewiss, sie könnte bereits aus karolingischer Zeit (822) stammen. Die jüngere Hauptburg, für deren Errichtung ein Teil des Vorburgwalles abgerissen wurde, stammt aus ottonischer Zeit. Im 13. Jahrhundert wurde die Anlage aufgegeben und die Siedlung weiter ins Tal in die Siedlung Barkhof verlegt (heute vom Schiedersee überflutet). Überholt ist die lange Zeit gehaltene, heute immer noch vereinzelt geäußerte Vorstellung, es habe sich bei der Vorburg um die sächsische Volksburg „Skidroburg“ (tatsächlich die Herlingsburg bei Glashütte) gehandelt.

Oberhalb der Ortschaft Brakelsiek befindet sich im Höhenzug des Schwalenberger Waldes die eisenzeitliche Ringwallanlage der sogenannten Rodenstatt. Im Ortsteil Siekholz befinden sich die Wallreste der sogenannten Siekholzer Schanze, deren Ursprung bis heute nicht sicher geklärt ist. Frühe Deutungen aus dem 19. Jahrhundert gingen von einem Römerlager aus. Vermutlich handelt es sich um eine jüngere Anlage des hohen Mittelalters. Auch der Befestigungscharakter ist nicht eindeutig, es mag sich vielmehr um eine Hofeinfriedung oder eine Försterei gehandelt haben.

hochkant|mini|Brunnen in Schwalenberg Sitz der älteren Grafen von Schwalenberg war die heute so genannte Oldenburg (Alte Burg) bei Marienmünster. Hier lag auch spätestens seit 1137 der politische Mittelpunkt der Grafschaft Schwalenberg, die in ihrer Hochblüte ein recht großes Gebiet umfasste. Nach Auseinandersetzungen mit dem Paderborner Bischof 1227 wurden die Grafen gezwungen, ihre angestammte Burg zu verlassen und sich andernorts nieder zu lassen. Das geschah bald darauf, indem sie auf der Stelle des heutigen Schwalenberg eine neue Burg bauten und unterhalb davon eine Siedlung anlegen ließen. Bereits 1231 existiert die Schwalenberger Kirche, so dass davon ausgegangen werden kann, dass der Siedlungsbau entweder schnell voranging oder bereits vor der Umsiedlung der Grafen schon eine Siedlung bestand, auf die der Ortsname Schwalenberg übertragen wurde. Die Auseinandersetzung der Grafen mit dem Paderborner Bischof war auch der Anlass, dass das bis dahin zusammenhängende Grafschaftsgebiet geteilt wurde. Die südliche Hälfte fiel an Adolf I., der sich seitdem Graf zu Waldeck nannte. Nach 1227 wurde die Stadt und Burg Schwalenberg von Graf Volkwin IV. als „Oppidum Sualanberg“ gegründet. Von „Bürgern“ und vom „Rat“ und damit von Stadtrechten ist zuerst 1258 und 1260 die Rede.Ekkehard Höver: Seit 1195 begann der Niedergang der Grafschaft Schwalenberg, nachdem das Gebiet der neuen Grafschaft Pyrmont vom Stammland abgetreten wurde. Weitere Gebietsverluste und -verkäufe bis in die erste Hälfte des 14. Jahrhunderts sowie das Aussterben der Familie v. Schwalenberg sorgten schließlich für das Ende der Grafschaft. Ihre Reste im lippischen Südosten fielen durch Verkauf an die Edelherren zur Lippe und an das Hochstift Paderborn (gemeinsame Verwaltung in einer Samtherrschaft). Die Burg verfiel und wurde erst Anfang des 20. Jahrhunderts von Marie Gräfin zur Lippe-Biesterfeld, die die Burg vom Haus Lippe für sich und ihre drei Töchter in Erbpacht übernommen hatte, wieder restauriert. Seitdem wurde sie verschieden genutzt, zuletzt als Hotel und Restaurant.

1584 wurde das Schloss Wöbbel errichtet. Es war bis 1958 im Besitz der Familie Donop. Nachdem der Renaissancebau im Dreißigjährigen Krieg zerstört worden war, ließ sie an der Stelle ein Barockschloss errichten.

Am 25. April 1705 wurde das Schloss in Schieder als Sommerresidenz des Lippischen Adels von Graf Rudolf zur Lippe eingeweiht. Die Bauarbeiten wurden von seinem Vater Casimir in Auftrag gegeben.

Schieder erhielt 1872 einen Bahnanschluss an die Bahnstrecke Hannover–Altenbeken. Der Bahnhof war die erste Bahnstation des Fürstentums Lippe an dieser Strecke, da Lügde zu dieser Zeit zum Hochstift Paderborn gehörte.

Zweiter Weltkrieg und Kalter Krieg

Im Zweiten Weltkrieg wurde der Raum zwischen Steinheim und Schwalenberg am 5. April 1945 in ein Kampfgebiet verwandelt. Die anrückende US-Armee, darunter das 329. US-Infanterieregiment, sollte durch deutsche Kampfgruppen und Teile der 466. Division aufgehalten werden. Durch Artillerietreffer wurden über 32 Häuser in Schwalenberg beschädigt oder völlig zerstört. Nach dem Abzug von drei deutschen Panzern in Richtung Falkenhagen konnte am 6. April die Stadt kampflos von den US-Truppen eingenommen werden.

Während des Kalten Krieges unterhielten die niederländischen Streitkräfte von 1963 bis 1994 auf dem Mörth westlich von Elbrinxen einen Militärstützpunkt für die mobilen Flugabwehrraketen vom Typ MIM-23 HAWK.

Religionen Die Mehrheit der Bevölkerung in Schieder-Schwalenberg ist evangelisch. Dies geht auf die im Jahre 1538 von Bernhard VIII. Graf zur Lippe eingeführte Reformation zurück. Vorherrschend ist das reformierte Bekenntnis, welches im 17. Jahrhundert Einzug gehalten hat. Es bestehen zurzeit drei evangelisch-reformierte Gemeinden: Schieder, Schwalenberg und Wöbbel.

Des Weiteren gibt es auch eine katholische Kirchengemeinde für Schwalenberg mit der dortigen Kirche St. Joseph.

Ein Großteil der nach Schieder-Schwalenberg zugewanderten Spätaussiedler gehört der Mennonitischen Brüdergemeinde Schieder-Schwalenberg an.

Laut Zensus 2022 ist die Bevölkerung zu 47,5 % evangelisch, 12,7 % römisch-katholisch und 39,7 % sonstige/ohne/keine Angabe.

Eingemeindungen Im Rahmen der nordrhein-westfälischen Gebietsreform wurden zum 1. Januar 1970 die Stadt Schwalenberg sowie die sechs Gemeinden Brakelsiek, Lothe, Ruensiek, Schieder, Siekholz und Wöbbel zur neuen Stadt Schieder-Schwalenberg zusammengeschlossen. Gleichzeitig wurden Teile der Stadt Blomberg eingemeindet.

Einwohnerentwicklung