Lage ist eine Stadt in Nordrhein-Westfalen, Deutschland und gehört zum Kreis Lippe. Die Stadt ist als „Zieglerstadt“, „Zuckerstadt“ und „Stadt des Sports“ bekannt.
Geografie Geografische Lage Lage liegt etwa neun Kilometer nordwestlich von Detmold unweit des Teutoburger Waldes im Werretal in Ostwestfalen-Lippe. Der Ortsteil Hörste inmitten des Naturparks Teutoburger Wald/Eggegebirge ist staatlich anerkannter Luftkurort.
Gewässer mini|Die Werre in Lagemini|Geothermische Karte von Lage Die Werre durchfließt das Stadtgebiet von Südost nach Nordwest. Nahezu das gesamte Gelände wird über diesen Fluss entwässert, der über die Weser in die Nordsee mündet. Innerhalb des Stadtgebietes münden einige weitere Bäche, die ausschließlich aus südlicher Richtung kommen, direkt in die Werre. Dazu zählen der aus Pivitsheide V. L. kommende Rethlager Bach, der aus Müssen zuströmende Rothenbach und der in Helpup entspringende Haferbach. Eine Ausnahme bildet der Oetternbach, der das nordöstliche Stadtgebiet durchfließt, da er zunächst in die Bega mündet. Die Bega streift zudem das nördliche Stadtgebiet von Lage. Außerdem befindet sich bei Waddenhausen und bei Müssen eine Vielzahl von Teichen und Seen, die ein Relikt vergangener oder noch bis heute stattfindender Baggerarbeiten zur Kies- und Sandgewinnung sind.
Geologie Lage liegt im Ostwestfälischen Hügelland, welches hier aus Tonmergel-, Kalk- und Sandsteinen aus Trias, Jura und Kreide besteht. Die 1000 bis 2000 Meter starken Sedimentgesteine bildeten viele Sättel, Mulden, Horste und Gräben. In größeren Tiefen finden sich Gesteine des Erdmittelalters. Im nordöstlichen Vorland des Mittelgebirges, in den Hangbereichen und in den Tälern finden sich Kies, Sand, Grundmoräne und Löss. Im tiefen Untergrund sind Steinsalz und Gips gelöst.
Die Eignung des Lagenser Stadtgebiets für die Ausnutzung von Geothermie ist standortabhängig sehr unterschiedlich. Es gibt wenige Lagen, die sich gut bis sehr gut zur Nutzung von geothermischen Wärmequellen mittels Erdwärmesonde und Wärmegewinnung durch Wärmepumpenheizungen eignen. Weitenteils ist die Eignung eher mittelmäßig, vereinzelt schlecht (vgl. dazu die nebenstehende Karte). (PDF; 369 kB)
Ausdehnung und Nutzung des Stadtgebiets Lage wird als kleine Mittelstadt klassifiziert und ist 76,02 km² groß. Der Großteil der Fläche, nämlich 56,9 %, wird für die Landwirtschaft verwendet. Im Vergleich mit anderen Städten in Nordrhein-Westfalen liegt Lage damit im Durchschnitt. Der Anteil der Waldfläche ist mit 17,2 % etwas geringer als der Landesdurchschnitt. Dafür weist Lage mit einer Gebäude-, Frei- und Betriebsfläche von 14,5 % einen höheren Wert als der Durchschnitt auf.
Flächenach Nutzungsart Landwirt-schaftsfläche Wald-fläche Gebäude-, Frei-und Betriebsfläche Verkehrs-fläche Wasser-fläche Sport- undGrünfläche sonstigeNutzung Fläche in km² 43,27 13,06 11,04 4,46 1,48 2,34 0,43 Anteil an Gesamtfläche 56,9 % 17,2 % 14,5 % 5,9 % 1,9 % 3,1 % 0,6 %
Nachbargemeinden Beginnend im Norden im Uhrzeigersinn grenzen an Lage die Städte Bad Salzuflen, Lemgo, Detmold, die Gemeinde Augustdorf, die Stadt Oerlinghausen und die Gemeinde Leopoldshöhe (alle Kreis Lippe).
Stadtgliederung Die Stadt Lage besteht aus den folgenden 15 Ortsteilen:Hauptsatzung der Stadt Lage vom 5. November 2009 mit Informationen zur Stadtgliederung (PDF)
Ortsteil Einwohner mini|hochkant=2.5|Ortsteile der Stadt Lage Billinghausen 1.862 Ehrentrup 3.037 Hagen 2.021 Hardissen 2.167 Hedderhagen 47 Heiden 1.991 Heßloh 167 Hörste 2.805 Kachtenhausen 2.039 Kernstadt 13.317 Müssen 2.849 Ohrsen 1.179 Pottenhausen 1.086 Waddenhausen 2.217 Wissentrup 609 Gesamt 37.459 Stand: 31. Dezember 2025
Geschichte mini|Altes Rathaus Lage mini|Neues Rathaus Lage Der Ortsname Lage bezeichnet im Ursprung vermutlich ein niedriges, waldfreies, sumpfiges Areal zwischen Wäldern in der Werreaue. Diese topographische Ortsbezeichnung (früher oft mit Präposition und stets weiblichem Artikel gebraucht: „to der Lage“, nach der Lage) ging dann langsam auf die entstehende Ortschaft über.
Der Ursprung Lages in der Marktkirche St. Johann mini|Ev.-ref. Marktkirche St. Johann In einer Urkunde vom 1. Februar 1274 fand der Ort durch die folgende Formulierung seine erste Erwähnung: „Jordanus plebanus in Lagis“. Dadurch wird dem örtlichen Geistlichen bestätigt, dass er eine Art Leibrente erworben hat. Im Jahre 1274 kann von daher als Gründungsjahr des Ortes Lage gelten, wenngleich es nicht das Jahr der Stadtgründung ist.
Durch den kirchlichen Bezug der Erstnennung wird deutlich, wie wesentlich die ca. 1000-jährige Marktkirche für die Entwicklung Lages ist. Ihre Gründung geht auf das späte 8. Jahrhundert zurück. Ab 772 eroberte Karl der Große in den Sachsenkriegen das Gebiet der heidnischen Sachsen und begann eine gezielte Missionierung. Deshalb wurde als eine Stammkirche die Marktkirche gegründet. Der Standort war gut gewählt: Direkt an einer Furt der Werre, jedoch etwa drei Meter oberhalb der Werretalaue (aus Schutz vor Hochwasser), inmitten fruchtbaren Landes, entstand das Gotteshaus. Man nennt diese Stelle auch die „Keimzelle Lages“. Um die Marktkirche herum entstanden nach und nach Siedlungen, zuerst durch den Pfarrhof und eine Höfegruppe. Im Laufe der Zeit kamen weitere Höfe, erste klassische Wohnhäuser (Fachwerkhäuser) und eine Mühle hinzu.
mini|Marktplatz in der Innenstadt von Lage
Entwicklung vom Ort zur Stadt Im Hochmittelalter erfreute sich der Ort bei einer vergleichsweise großen Zahl von Siedlern hoher Beliebtheit. Grund waren vermutlich die besonderen Privilegien der Bürger Lages, die sich durch die Erhebung des Ortes zum Weichbild erklären lassen. So verstärkte sich der Anstieg der Bevölkerungszahl weiter. Rasante Ausmaße nahm er jedoch erst zwischen dem 18. und 19. Jahrhundert an: 1823 hatte die Stadt 60 % mehr Einwohner als zum Ende des vorangegangenen Jahrhunderts. Die Siedlung hatte sich in diesem Zeitraum ebenfalls stark vergrößert und überschritt die mittelalterlichen Grenzen. Der Wunsch, endlich auch formal als Stadt anerkannt zu werden, verstärkte sich. Ausgehend vom Jahr 1817 gab es deshalb intensive Bemühungen, die schließlich in der Verleihung der Stadtrechte im Jahr 1843 mündeten.
Wanderziegler und Zuckerfabrik mini|Das Haus Brinkmann nach seinem Wiederaufbau an der Heidenschen Straße Im 18. und 19. Jahrhundert war Lage wichtigster Treffpunkt der lippischen Wanderziegler; das Ziegeleimuseum Lage hat unter anderem deren Geschichte zum Thema.
Der Zucker spielt für die Stadt seit dem 19. Jahrhundert eine große Rolle; jährlich im Herbst fahren Rübenwagen aus dem weiteren Umland zur 1884 gegründeten Lagenser Zuckerfabrik.
Bombardierung der Stadt 1945 Bei drei schweren Luftangriffen der Amerikaner gegen Ende des Zweiten Weltkriegs im Februar und März 1945 starben etwa 80 Menschen und wurden große materielle Schäden angerichtet. Rund die Hälfte des Baubestandes Lages war beschädigt, etwa 400 Wohnungen wurden unbewohnbar. Die Angriffe galten dem Eisenbahnknotenpunkt, vor allem dem Bahnhofsgebäude und den Brücken über die Werre. Die Bahnstrecke Bielefeld–Lage hatte sich für die Wehrmacht zu einer wichtigen Umleitungsstrecke entwickelt. Am 19. März 1945 wurden beide Brückenbauwerke im Stadtgebiet zerstört. Zwangsarbeiter der sogenannten Organisation Todt bemühten sich zwar, die Brücken kurzfristig wieder befahrbar zu machen, dies gelang aber erst den Amerikanern, die die Stadt am 3. April 1945 eingenommen hatten.Konrad Soppa: 3. April 1945: Nun sind sie da, die Amerikaner... Das Kriegsende in Lage vor 80 Jahren. In: Heimatland Lippe, Zeitschrift des Lippischen Heimatbundes und des Landesverbandes Lippe, ISSN 0017-9787, Nr. 03/2025, S. 20 ff.
Nach dem Zweiten Weltkrieg Nach dem Bau eines Leichtathletikstadions begriff man sich in Lage in den 1980er Jahren als „Stadt des Sports“; das Sportzentrum Werreanger wird vom Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) als Leistungsstützpunkt genutzt.
Flugunfall 1979 Am 18. Juni 1979 stürzte während eines Übungsflugs ein Kampfflugzeug vom Typ F-4 „Phantom“ des Jagdgeschwaders 71 der Luftwaffe ab und fiel in ein Wohnhaus im Ortsteil Hagen. Die beiden Besatzungsmitglieder sowie fünf Einwohner kamen dabei ums Leben. Beim Fliegen einer Kurve verlor die Maschine schnell an Höhe und konnte nicht mehr durchstarten und die Schleudersitze nicht mehr ausgelöst werden.
Verkehrsknotenpunkt Bedeutsam ist Lages Funktion als Verkehrsknotenpunkt. Aus sehr alten Wegen, die an der Werrefurt aus verschiedenen Richtungen aufeinander zuliefen, wurden in der Moderne Bundesstraßen und Eisenbahnlinien. Auch der mittelalterliche Aufstieg zum Kirchort und Marktflecken, später vom Weichbild zur Ackerbürgerstadt, war seiner verkehrsgeografischen Funktion geschuldet.
Heute ist Lage Kreuzungspunkt der Bundesstraße 66, die in Richtung Nordost nach Lemgo führt und in Richtung Westsüdwest nach Bielefeld, und der Bundesstraße 239, die in nordnordwestliche Richtung nach Bad Salzuflen und in Richtung Südost nach Detmold führt.
Entlang der durch die Bundesstraßen beschriebenen Verbindungen zu den Nachbarstädten führen grob die Bahngleise.
Krankenhaus Lage hat seit 1982 kein eigenes Krankenhaus mehr. Die Standorte Detmold und Lemgo des Klinikums Lippe sind etwa zehn Kilometer entfernt.
Religionen In Lage gibt es eine Vielzahl unterschiedlicher Religionsgemeinschaften. Da Lage allerdings im protestantisch geprägten Lippe liegt, ist die Anzahl evangelischer Gemeinden vorherrschend.
Die Stadt Lage hat derzeit folgende Gemeinden: vier evangelisch-reformierte Gemeinden (Lippische Landeskirche): Lage, Heiden, Kachtenhausen, Stapelage-Müssen. eine evangelisch-lutherische Gemeinde in der Lippischen Landeskirche und eine evangelisch-lutherische Gemeinde in der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche vier Baptisten-Gemeinden, davon eine im Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden zwei islamische Gemeinden (Mehmet-Akif-Moschee des DITIB und Fatih-Moschee des IGMG) eine Mennoniten-Gemeinde zwei Pfingstgemeinden der BFECG eine Gemeinde der Siebenten-Tags-Adventisten eine Gemeinde der Evangelisch-methodistischen Kirche eine römisch-katholische Kirchengemeinde St. Peter und Paul eine neuapostolische Gemeinde eine Gemeinde der Zeugen Jehovas eine Gemeinde messianischer Juden
Bemerkenswert ist die Anzahl der relativ vielen freikirchlichen Gemeinschaften. Dies kommt daher, dass in Lage seit Mitte der 1960er Jahre und besonders seit Beginn der 1990er Jahre zahlreiche deutschstämmige Aussiedler und Spätaussiedler aus Osteuropa und ehemaligen UdSSR-Republiken sesshaft geworden sind, von welchen sich eine Mehrheit zu den Freikirchen bekennt.
Konfessionsstatistik Laut Zensus waren am 9. Mai 2011 9,1 % der Einwohner römisch-katholisch, 48,9 % evangelisch und 41,9 % gehörten anderen Konfessionen oder Religionsgemeinschaften an oder waren konfessionslos. Ende 2016 waren von den 37.542 Einwohnern 3.281 (8,7 %) römisch-katholisch, 44,4 % evangelisch und 17.623 (46,9 %) gehörten anderen Konfessionen oder Religionsgemeinschaften an oder waren konfessionslos.Stadt Lage Einwohnerstatistik 2016 Einwohner nach Religionszugehörigkeit und Geschlecht Seite 16 (Stand 31. Dezember 2016) Ende 2019 war die Hälfte der Bürger weder evangelisch noch katholisch.
Eingemeindungen