mini|hochkant=1.65|Blomberg, Ansicht von Nordwesten Blomberg (niederdeutsch: In’n Blommajje, BlommergWilhelm Oesterhaus: Iuse Platt. Gedichte. Detmold, 1882, S. 40.) ist eine Stadt in Ostwestfalen-Lippe, Nordrhein-Westfalen. Sie liegt im Osten des Kreises Lippe, rund 45 Kilometer südöstlich von Bielefeld und 20 Kilometer östlich von Detmold. Die Kernstadt wurde in der Kommunalreform von 1970 mit weiteren 18 bis dahin selbständigen Gemeinden zusammengeschlossen. Blomberg hat Einwohner () und besitzt eine gut erhaltene historische Altstadt. Die erste Besiedlung des Stadtgebiets fand zwischen dem 6. und 8. Jahrhundert n. Chr. im Zuge der altsächsischen Zuwanderung statt. Zwischen 1231 und 1255 erfolgte die Stadtgründung durch den lippischen Grafen Bernhard III.
mini|Blomberg von oben Geografie Geografische Lage Blomberg liegt 45 km südöstlich von Bielefeld, 20 km östlich von Detmold und 17 km südwestlich von Bad Pyrmont. Das Stadtgebiet liegt in den südlichen Ausläufern des Lippischen Berglands und im Bereich der Blomberger und Schwalenberger Höhen.
Die Kernstadt befindet sich im Zentrum des sogenannten Blomberger Beckens, das etwa 150 m über NHN liegt und sich deutlich vom umliegenden Gebiet abgrenzt. Den Saum des Beckens im Norden und Osten bilden die rund 400 m hohen bewaldeten Bergrücken des Barntruper und Blomberger Stadtwaldes mit dem Dicker-, Becker- und Winterberg. Im Westen liegen der Höntruper Berg, der Meierberg, der Mossenberg (228 m) und der Püllenberg (261 m), während die Grenze im Süden vom Nessenberg (235 m), Spielberg (239 m) und Steinberg (342 m) gebildet wird. Die Entwässerung des östlichen Teils des Blomberger Beckens erfolgt durch die Diestel, einem linken Nebenfluss der Emmer. Zwischen den Ortsteilen Istrup und Großenmarpe hat sich eine Wasserscheide gebildet. Deshalb wird der westliche Teil des Blomberger Beckens über die Marpe und deren Nebenbäche Richtung Bega/Werre entwässert. Der tiefste Punkt des Gemeindegebiets liegt auf , der höchste ist die Kuppe des Winterberges auf .Wilhelm Rinne: Landeskunde Nordrhein-Westfalen, Band Lippe. Verlag Ferdinand Schöningh, Paderborn 1993, ISBN 3-506-76111-0, S. 250f.
Geologie Das Gemeindegebiet liegt auf der Südflanke der Pyrmont-Piesberger-Achse, es sind hier fast ausschließlich Gesteine des Mittleren (Km) und Oberen Keupers (Ko) aufgeschlossen. Die einst im Erdmittelalter waagerecht gelagerten Gesteinsschichten wurden im Tertiär vor rund 30 Millionen Jahren angehoben und bildeten den Blomberger Sattel.
Durch Erosion wurden im Zentrum des Sattels die älteren grauen und roten Mergel des Mittleren Keupers (Km1) freigelegt, der wegen eingeschalteter Lagen aus Gips auch Gipskeuper genannt wird. Es entstand die deutlich zu erkennende Beckenstruktur, diese Erscheinung wird als Reliefumkehr bezeichnet. Der Schilfsandstein (Km2) bildet dann eine erste markante Geländestufe. Die Stadt selbst befindet sich auf dem Westrand dieser Steilstufe. Der Schilfsandstein wurde in kleinen Steinbrüchen als Bruchstein zu Bauzwecken gewonnen. Die Mergelsteine der sog. Roten Wand (Km3) sind verwitterungsanfällig, erst die folgenden härteren Steinmergel (Km4) lassen eine weitere Stufe im Gelände entstehen. Der äußerste Rand der Beckenstruktur besteht aus härteren Gesteinsschichten des Oberen Keupers (Ko) Rätkeuper.
Im Tertiär kam es in den inneren aus Gipskeuper bestehenden Beckenrändern zur Auflösung von Gipslagen. Durch diesen Vorgang, auch Subrosion genannt, bildeten sich Mulden. Diese wurden mit den verwitternden Mergeln aus der unmittelbaren Umgebung wieder verfüllt. Wegen ihres hohen Tonanteils bildeten diese Sedimente die Rohstoffbasis für einige Ziegeleibetriebe. Im Becken selbst hat sich im Verlauf der letzten Eiszeit Löss abgelagert und ist zu Lösslehm verwittert. Die Höhe der Ablagerungen beträgt bis zu 150 cm und ist verantwortlich für die gute bis sehr gute Qualität der Ackerböden.
Ausdehnung und Nutzung des Stadtgebiets mini|Geothermische Karte von Blomberg Die als Kleinstadt klassifizierte Stadt erstreckt sich über eine Fläche von 99,12 km². Das Gemeindegebiet hat eine maximale Ausdehnung in Ost-West-Richtung von rund 12½ km und in Nord-Süd-Richtung von etwa 15½ km.
Der überwiegende Teil des Bodens wird von der Landwirtschaft genutzt, im Bereich der feuchten Bachniederungen hauptsächlich als Grünland und Weiden. Der Wald auf den umliegenden Bergen besteht zu drei Vierteln aus Laubbäumen, überwiegend Buchen, während auf dem Rätkeuper Fichtenkulturen gedeihen. Im Vergleich zum NRW-Landesdurchschnitt von 49,4 % liegt die Landwirtschaftsfläche in Blomberg bei 60 %, während die Waldfläche bei 25,4 % (NRW) bzw. 26,5 % (Blomberg) liegt.
Ausgedehnte Flächen des Blomberger Stadtgebiets eignen sich gut bis sehr gut zur Nutzung von geothermischen Wärmequellen mittels Erdwärmesonde und Wärmegewinnung durch Wärmepumpenheizungen. Im zentralen und südlichen Stadtgebiet ist die Eignung jedoch eher mittelmäßig, vereinzelt schlecht (vgl. dazu die nebenstehende Karte). (PDF; 360 kB)
mini|Nachbargemeinden Flächenach Nutzungsart Landwirt-schafts-fläche Wald-fläche Gebäude-,Frei- undBetriebsfläche Verkehrs-fläche Wasser-fläche Sport- undGrünfläche sonstigeNutzung Fläche in km² 59,44 26,26 6,03 5,09 0,51 1,72 0,06 Anteil an Gesamtfläche 59,97 % 26,49 % 6,08 % 5,14 % 0,51 % 1,74 % 0,06 %
Nachbargemeinden Das Stadtgebiet grenzt an folgende Gemeinden (im Uhrzeigersinn, von Nordosten beginnend): Bad Pyrmont (im Landkreis Hameln-Pyrmont, Niedersachsen), Lügde, Schieder-Schwalenberg, Horn-Bad Meinberg, Detmold, Lemgo, Dörentrup und Barntrup (alle im Kreis Lippe).
Stadtgliederung mini|hochkant=1.75|Ortschaften von Blomberg Ortsteile Fläche (km²) Einwohner 30. Juni 2021 Ortsvorsteher21. Februar 2024Ortsvorsteher der Stadt Blomberg Altendonop4,28232 Paulo Cameli BlombergDie Ortschaft Blomberg wurde in zwei Ortschaftsbezirke unterteilt, nämlich Blomberg-Nord und Blomberg-Süd.20,167677 Nord: Rolf SchlüterSüd: Klaus Geise Borkhausen2,7943 Jörg Berten Brüntrup4,60456 Heike Niedermeier Cappel2,81552 Dietmar Albrecht Dalborn2,8487 Stefanie Beermann Donop5,26471 Lothar Vogt Eschenbruch7,55422 Nicole Kästing Großenmarpe9,141174 Peter Siegmann Herrentrup3,83472 Reinhard Heilig Höntrup2,30213 Ernst-Wilhelm Beckmeier Istrup10,541401 Jürgen Berghahn Kleinenmarpe3,44134 Frank Wilde Maspe2,09217 Jörg Berten Mossenberg-Wöhren3,44229 Wilhelm Schnittcher Reelkirchen4,00689 Detlef Breuer Siebenhöfen3,6264 Jörg Berten Tintrup2,91320 Thomas Spieker Wellentrup3,62226 Hagen Stiewe
Klima Das Blomberger Stadtgebiet gehört zum maritimen Klimabereich Nordwestdeutschlands. Die Winter sind unter atlantischem Einfluss meist mild, die Sommer mäßig warm und die Niederschläge relativ gleichmäßig verteilt. Die Jahresdurchschnittstemperatur beträgt rund 9 °C. Die Monatsmittel schwanken regionaltypisch von etwa 0 °C im Januar bis 17 °C im Juli/August. Die Jahresniederschlagsmenge beträgt rund 900 mm. Die durchschnittliche jährliche Sonneneinstrahlung beträgt 955 Kilowattstunden pro Quadratmeter.
→ Siehe auch: Klima in Ostwestfalen-Lippe
Geschichte Stadtgründung und Leben im späten Mittelalter mini|Tor zur Burg mit Blick in den Innenhof mini|Burg, Blick in den Innenhof Das heutige Stadtgebiet wurde zwischen dem 6. und 8. Jahrhundert n. Chr. im Verlauf der altsächsischen Expansion besiedelt. In dieser Zeit entstanden die Dörfer in der Region, die mit -trup enden, wie Herrentrup, Istrup, Wellentrup, Brüntrup, Tintrup und Höntrup. Die Bezeichnung -trup bedeutet -dorf und wurde im Laufe der Zeit durch Metathese gebildet.
Im 11. Jahrhundert wuchs die Bevölkerung deutlich: Arbeiteten die Bauern bis dahin mit primitiven landwirtschaftlichen Methoden, die eine ertragreiche Bewirtschaftung des Bodens nicht zuließen, änderte sich diese Situation mit der Einführung des eisernen Räderpflugs, der Dreifelderwirtschaft sowie der Wassermühle im Hochmittelalter und führte zu ertragreicheren Ernten, welche die Ernährungslage verbesserten. Damit wurde der lippische Raum auch für die herrschende Klasse interessant. Die neuen Machthaber waren die Edelherren zur Lippe und die Grafen von Schwalenberg und Sternberg. Es wird vermutet, dass beide gemeinsam die Burg Blomberg errichteten, die zunächst nur als Festung diente.Wilhelm Rinne: Landeskunde Nordrhein-Westfalen. Band: Lippe. Verlag Ferdinand Schöningh, Paderborn 1993, ISBN 3-506-76111-0.
Zwischen 1231 und 1255 erfolgte die Stadtgründung durch Bernhard III. Die Belege darüber gingen im Verlauf der Soester Fehde verloren, so dass es kein genaues Datum gibt. Allerdings existiert eine Urkunde aus dem Jahr 1283, aus der hervorgeht, dass zu dieser Zeit die Stadtrechte „schon lange“ bestanden.Christian Kuhnke: Lippe Lexikon. Boken-Verlag, Detmold 2000, ISBN 3-935454-00-7. Blomberg war für die lippischen Landesherren offenbar von besonderer Bedeutung, weil die Stadt an der Kreuzung von drei wichtigen mittelalterlichen Handelsstraßen lag. Diese Fernwege waren die Kölnische Straße, die über Soest, Horn und Blomberg nach Hameln führte, ferner die Frankfurter Straße, die über Kassel, Warburg, Steinheim, Blomberg und Rinteln nach Bremen führte, und schließlich die Straße von Osnabrück über Herford, Lemgo, Blomberg, Höxter und weiter nach Thüringen. In den ausgedehnten Wäldern bedrohten zudem Räuberbanden den damaligen Verkehr und die Straßen im Blomberger Gebiet wurden von sechs Wachtürmen gesichert.
Die Stadt war nach dem traditionellen Dreistraßensystem errichtet worden, bei dem drei parallel verlaufende Längsstraßen an den Enden vor einem Stadttor zusammentreffen. Das Gebiet der rund 11,3 Hektar großen Stadt war für 1600 Einwohner geplant und dehnte sich erst nach 1860, also annähernd 600 Jahre später, über ihre Grenze nach Osten hin aus. Simon I. (1275–1344) wählte Blomberg als Wohnsitz und ließ die Burg als Residenz ausbauen. Er und seine Nachfolger wechselten häufig zwischen ihren Wohnsitzen Blomberg und Brake. Stadt und Burg waren ringsum befestigt, die Burg wurde zusätzlich durch Wall und Graben gesichert. Nach Westen und Süden hin boten steile Hänge einen natürlichen Schutz, während die Stadt nach Osten und Norden hin von Mauern, Gräben, Wällen und sogar Dornenhecken umgeben war. Zusätzlich gab es sechs Verteidigungstürme sowie vor den Toren Zwinger und Landwehren. Von der Stadtbefestigung sind heute noch das Niedere Tor und Teile der Stadtmauer erhalten.
In Blomberg bestand eine gewisse Teilung in Ober- und Unterstadt, oben lebten zumeist die Handwerker und unten die Ackersleute. Ober- und Unterstadt hatten getrennte Huden und selbst die städtischen Wirtshäuser waren in genauer Zahl auf Ober- und Unterstadt verteilt. Kinder aus der Oberstadt wurden vom Kantor und die aus der Unterstadt vom Küster unterrichtet. Blombergs Wirtschaft wurde wie überall in den Städten durch die Zunftordnung bestimmt. Fast alle Handwerksbetriebe im Blomberger Becken konzentrierten sich in der Stadt, lediglich Müller, Schmiede, Radmacher, Flickschuster und Flickenschneider konnten sich auch auf dem Land niederlassen.
Zerstörung, Wiederaufbau und Reformation mini|hochkant|Der Alheyd-Brunnen auf dem Blomberger Marktplatz mini|hochkant|Schandpfahl vor dem Rathaus Die Befestigungen schützten Blomberg jedoch nicht vor der völligen Zerstörung im Verlauf der Soester Fehde. Im Jahr 1447 belagerte der Erzbischof von Köln die Stadt und ließ sie am 14. Juni von seinen Söldnern fast vollständig niederbrennen.