Barntrup ist eine Stadt im nordrhein-westfälischen Kreis Lippe (Deutschland).

Geografie Geografische Lage mini|Barntrup, Ansicht von Südwesten Barntrup liegt jeweils im Ostteil des Kreises Lippe und der Region Ostwestfalen-Lippe im Naturpark Teutoburger Wald/Eggegebirge und sein Stadtgebiet grenzt im Osten an den niedersächsischen Landkreis Hameln-Pyrmont. Sein Kernort befindet sich rund 5,5 km nordnordöstlich des Blomberger Kernorts und etwa 17 km ostnordöstlich von Detmold (jeweils Luftlinie). Südöstlich des Barntruper Kernorts entspringt die Bega, die westwärts aus dem Stadtgebiet fließt, und östlich der Grießebach, der nordostwärts verläuft, und westlich des Ortsteils Alverdissen die Exter, die in nördlicher Richtung abfließt.

Das Relief des Stadtgebiets ist stark gewellt, Kuppen und Senken wechseln sich kleinräumig ab. Der höchste Punkt von Barntrup liegt mit 342,9 m ü. NN. auf dem Gipfel des Saalberges. Der niedrigste Punkt liegt am Abfluss der Bega aus dem Stadtgebiet auf .

Geologie mini|Geothermische Ergiebigkeit des Stadtgebiets Das Gebiet von Barntrup gehört zum Lippischen Keuper-Gebiet und besteht aus Festgesteinen, die sich im Trias vor 240 bis 210 Millionen Jahren aus Meeres- und Flussablagerungen bildeten.

Der bis zu 600 Meter starke Festgesteinsuntergrund im Stadtgebiet wird wesentlich aus Kalkstein und zu kleineren Teilen von Mergel- und Dolomitsteinen des ehemaligen Muschelkalkmeeres gebildet. Der Untergrund wurde im Lauf der Erdgeschichte herausgehoben und zu Sätteln und Mulden zusammengeschoben. Häufig sind in den Kalksteinen Versteinerungen von Meerestieren wie Kopffüßern und Seelilien zu finden.

Der tiefere Untergrund besteht aus Gesteinen des Buntsandsteins und des Erdaltertums. Nicht selten finden sich im Stadtgebiet Erdfälle, die durch die chemische Auflösung von Kalksteinen durch kalkaggressive Wässer entstanden sind.

In den Tälern von Bega, Grießebach und Exter sowie im Uhlental ist der Festgesteinsuntergrund mit Lockergesteinen des Eiszeitalters oder mit Löss, Sand und Kies überdeckt.

Für die Trinkwasserversorgung im Gemeindegebiet haben besonders die zum Teil verkarsteten Kalksteine des Oberen Muschelkalks Bedeutung. In geringerem Umfang wird Trinkwasser auch aus anderen Gesteinen gewonnen. Östlich von Barntrup und südöstlich von Alverdissen wird in zwei Kalksteinbrüchen Trochitenkalk für die Schotter- und Splittherstellung abgebaut. Mehr als die Hälfte des Stadtgebietes wird landwirtschaftlich genutzt. Dabei überwiegen jedoch ertragsarme Böden. Aus den Gesteinen des Muschelkalks haben sich Braunerden und Rendzinen entwickelt, aus den Gesteinen des Keupers meist lehmige Braunerden. Alle Böden sind durch die bereits eintausendjährige Nutzung stark in die Täler erodiert. Das abgeflossene Bodenmaterial befindet sich in Trockentälern und Rinnen oder ist als Kolluvium zusammengeschwemmt. Für die starke Erosion wird insbesondere die Vernichtung der nordlippischen Wälder ab dem 16. Jahrhundert infolge von Übernutzung verantwortlich gemacht.

Barntrup eignet sich durchweg gut bis sehr gut zur Nutzung von geothermischen Wärmequellen mittels Erdwärmesonde und Wärmegewinnung durch Wärmepumpenheizungen (vgl. dazu die nebenstehende Karte).Geologischer Dienst NRW: (PDF 360 kB)

Ausdehnung und Nutzung des Stadtgebiets Die als „Kleinstadt“ klassifizierte Stadt erstreckt sich über eine Fläche von 59,46 km². Das Gemeindegebiet hat eine maximale Ausdehnung in Ost-West-Richtung von ca. 11 km und in Nord-Süd-Richtung von etwa 9 km.

Flächenach Nutzungsart Landwirt-schafts-fläche Wald-fläche Gebäude-,Frei- undBetriebsfläche Verkehrs-fläche Wasser-fläche Sport- undGrünfläche sonstigeNutzung Fläche in km² 33,99 17,71 3,67 2,74 0,26 0,52 0,58 Anteil an Gesamtfläche 57,16 % 29,78 % 6,17 % 4,61 % 0,44 % 0,87 % 0,98 %

Nachbargemeinden Das Stadtgebiet grenzt (im Norden beginnend und Uhrzeigersinn fortlaufend) an Extertal, Aerzen, Bad Pyrmont, Blomberg und Dörentrup. Aerzen und Bad Pyrmont liegen im Landkreis Hameln-Pyrmont in Niedersachsen, die anderen Gemeinden so wie Barntrup selbst im Kreis Lippe.

Stadtgliederung mini|Ortsteile von Barntrup2 Ortsteil Einwohnerzahl 1 Barntrup 5739 Alverdissen 1642 Selbeck 383 Sommersell 359 Sonneborn 980 weitere AnsiedlungenStruchtrupMönchshofBentrupRote Kuhle 1 Stand: 1. Juli 2014 2 Die Zuordnung der eingemeindeten Teilgebiete der ehemaligen Gemeinden Bega und Schönhagen zu einzelnen Ortsteilen von Barntrup ist unbekannt. Der Hauptteil der Gemeinde Bega inkl. Ortskern gehört heute allerdings zur Nachbargemeinde Dörentrup, der Hauptteil inkl. Ortskern von Schönhagen zur Nachbargemeinde Extertal.

Klima Klimadaten für Barntrup sind nicht verfügbar, daher werden im Folgenden die Temperatur- und Sonnenscheindaten des etwa 13 km entfernten Schieder-Schwalenberg und die Niederschlagsdaten von Extertal (Messstation Meierberg, rund 15 km Entfernung) herangezogen.

mini|Niederschlagsdiagramm Schieder-Schwalenberg Barntrup gehört der gemäßigten Klimazone Mitteleuropas an und liegt im Bereich des subatlantischen Seeklimas. Die Winter sind unter atlantischem Einfluss meist mild und die Sommer mäßig warm. Die Jahresmitteltemperatur liegt bei ca. 8–9 °C.

Durch die Lage im subatlantischen Seeklima herrscht ganzjährig ein humides Klima mit relativ gleich verteilten Niederschlägen vor. Insgesamt fallen an der Messstation Schieder im langjährigen Mittel 867 mm Niederschlag jährlich.

Zum Klima in der Region Ostwestfalen-Lippe, zu der die Stadt gehört, siehe auch den Artikel Klima in Ostwestfalen-Lippe.

Geschichte Oberhalb der Gemarkung Herborn und auf der Passhöhe des „Gaffelberges“ befinden sich bronzezeitliche Hügelgräber. Früheste Spuren einer Besiedelung der örtlichen Umgebung wurden durch Funde aus dem jüngeren Mesolithikum im Kontext der archäologischen Untersuchungen von Grabhügeln im „Frettholz“ festgestellt. Die Fundstücke (Faustkeile und Steinäxte) liegen im Fundus des Lippischen Landesmuseums in Detmold.

Barntrup und Alverdissen sind städtische Gründungen der Grafen von Sternberg, deren Territorium im Jahre 1220 vom Herrschaftsgebiet der Schwalenberger Grafen abgetrennt wurde. Ursprünglich hieß Barntrup BarendorfBirgit Meineke: Die Ortsnamen des Kreises Lippe (= Westfälisches Ortsnamenbuch Band 2). Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 2010, ISBN 978-3-89534-842-6, S. 48 () – auch Berlingtorp und Berningdorp und Berntorp waren gängig – und lag als frühe Siedlung am Schratweg, wo noch heute ein altes Katasterstück „Aule Kerke“ heißt. Zwischen 1317 und 1359 entstand auf dem „Thornesberg“, dem Hügelrücken, der sich von Osten nach Westen in das obere Begatal hineinschiebt, ein neues Berninctorp, das planmäßig als Siedlung auf der höchsten Stelle des 189 m hohen Bergrückens angelegt wurde und mit seinem Dreistraßensystem den alten Kern des heutigen Barntrups bildet. 1376 wurden Barntrup die Stadtrechte durch den Grafen Heinrich der V. von Sternberg verliehen.

In Barntrup wurden von 1657 bis 1660 in der Zeit der Hexenverfolgungen zehn Hexenprozesse durchgeführt.Louis Knese: Zauberwahn und Hexenprozesse in Barntrup. Hrsg. vom Lippischen Heimatbund und der Stadt Barntrup, Detmold 1977, S. 8f. Erstes Opfer war Claren Düvels, die nach dem 26. Oktober 1657 durchs Schwert hingerichtet und verbrannt wurde.Namen der Opfer der Hexenprozesse / Hexenverfolgung in Barntrup (PDF; 75 kB), abgerufen am 9. Mai 2016. Der Rat der Stadt Barntrup rehabilitierte am 1. September 2015 die Opfer der Hexenprozesse.Barntruper Rat verurteilt Hexenverfolgung. Kommunalpolitiker beschließen Rehabilitierung der Opfer. Lippische Landes-Zeitung Nr. 205, 4. September 2015, S. 18 (nicht online).

1836 wurden Barntrup zum zweiten Mal die Stadtrechte durch den seinerzeitigen lippischen Regenten verliehen.

Der Ort wurde insgesamt sieben Mal von Feuersbrünsten heimgesucht. Am verheerendsten war der Brand vom 30. Juni 1858, dem 50 Gebäude zum Opfer fielen, nahezu ein Drittel aller Häuser.

1886 fiel bei Barntrup ein 17 Gramm schwerer Meteorit. Er gehört zur Klasse LL4 der Chondriten.

1896 erhielt Barntrup einen Eisenbahnanschluss durch die Eröffnung der Begatalbahn von Lage nach Hameln. Die Strecke wurde ab Lemgo im September 1980 für den Personenverkehr stillgelegt, eine Reaktivierung von Lemgo bis Barntrup ist geplant, jedoch auf lange Sicht verschoben. Die Strecke von Barntrup bis Hameln wurde zurückgebaut. Eine weitere Bahnstrecke entstand Ende der 1920er-Jahre mit der Extertalbahn nach Rinteln. Auf der Strecke zwischen Rinteln und Barntrup-Alverdissen ist heute eine touristische Draisinenstrecke eingerichtet.

Religion In der Stadt Barntrup bestehen drei evangelisch-reformierte Kirchengemeinden in den Ortsteilen Barntrup, Alverdissen und Sonneborn.Liste der Kirchengemeinden auf der Seite der Lippischen Landeskirche, abgerufen am 28. Januar 2019 Seit 1940 existiert eine römisch-katholische Pfarrgemeinde namens St. Peter und Paul in Barntrup. Die zugehörige Kirche steht an der Hamelner Straße. Daneben gibt es zwei evangelisch-freikirchliche Gemeinden: die Mennoniten-Gemeinde in der Straße Im Kälbertal und eine junge Baptisten-Gemeinde in der Südstraße. Die Gemeinde der Neuapostolischen Kirche bestand von 1963 bis 2006. Sie wurde aufgrund sinkender Mitgliederzahlen geschlossen. Die übriggebliebenen Gemeindemitglieder übernahm die Nachbargemeinde aus Extertal.

Als politisch-religiöse Folge der Reformation war, wie auch in den anderen lippischen Ämtern und Gemeinden, für fast 400 Jahre jegliches katholisches Leben in Barntrup verboten. Der erste katholische Gottesdienst fand erst wieder 1940 statt. Aufgrund des Zweiten Weltkrieges wurde 1943 ein katholischer Seelsorgebezirk etabliert, um Evakuierte, Vertriebene und Kriegsgeschädigte zu unterstützen. In den 1940er-Jahren wurden die Gottesdienste in den Räumlichkeiten der evangelisch-reformierten Kirche (z. B. im Konfirmandensaal) abgehalten. Durch den Zuzug von Heimatvertriebenen und Flüchtlingen kam auch der aus Breslau stammende Pastor Thomalla nach Barntrup, der sich für den Bau einer katholischen Kirche einsetzte und 1952 erreichte, dass ein Bauvorhaben an der Hamelner Straße genehmigt wurde. Erstmals seit über 400 Jahren läuteten zu Weihnachten 1964 wieder die Glocken einer katholischen Kirche in Barntrup, welche ein Geschenk der niederbayerischen Gemeinde Kaikenried waren. 1988 wurde das neue Pfarrhaus eingeweiht und 1996 der Pfarrbezirk auf die Ortschaft Bösingfeld in der Gemeinde Extertal ausgedehnt.

An die ehemalige jüdische Gemeinde von Barntrup erinnert der vor 1840 angelegte und bis 1936 belegte, heute unter Denkmalschutz stehende, jüdische Friedhof an der Hagenstraße.

Eingemeindungen Mit dem Gesetz zur Neugliederung des Landkreises Lemgo (Lemgo-Gesetz) wurden zum 1. Januar 1969 die Stadt Barntrup und die Gemeinden Selbeck, Sommersell und Sonneborn, sowie der überwiegende Teil der Gemeinde Alverdissen zur neuen Stadt Barntrup zusammengeschlossen. Aus den Gemeinden Bega und Humfeld, die nach Dörentrup eingegliedert wurden, und Schönhagen, das nach Extertal eingemeindet wurde, wurden weitere Gebiete nach Barntrup eingegliedert.

Seit dem 1. Januar 1973 gehört die Stadt zum neuen Kreis Lippe, der auf Basis des Bielefeld-Gesetzes die ehemaligen Kreise Lemgo und Detmold vereinte.

Einwohnerentwicklung Die folgende Übersicht zeigt die Einwohnerzahlen der Stadt Barntrup. Bei den Zahlen handelt es sich ab 1975 um amtliche Fortschreibungen des Landesbetriebes für Information und Technik Nordrhein-Westfalen.Landesbetrieb für Information und Technik Nordrhein-Westfalen (IT.NRW) – Geschäftsbereich Statistik: Landesdatenbank NRW Die Zahlen von 1975 bis 1985 sind geschätzte Werte, die Angabe für 1987 beruht auf einer Volkszählung und die Zahlen ab 1990 Fortschreibungen auf Basis der Ergebnisse der Volkszählung von 1987, ab 2012 Fortschreibungen auf Basis des Zensus 2011. Die Angaben beziehen sich auf die Wohnbevölkerung und ab 1985 auf die Bevölkerung am Ort der Hauptwohnung.